Männliche Fruchtbarkeit: Haben Cannabis oder THC einen ungünstigen Einfluss auf Geschlechtshormone oder Spermien?

Wayne Hall, Nadia Solowij & Jim Lemon

Hohe THC-Dosen stören vermutlich das männliche und weibliche Fortpflanzungssystem von Tieren. Sie reduzieren die Sekretion von Testosteron und infolgedessen die Produktion, Beweglichkeit und Lebensfähigkeit der Spermien. Es ist unklar, ob diese Effekte auch bei Menschen auftreten. Studien an Menschen haben sowohl positive als auch negative Hinweise auf einen Effekt von Cannabinoiden auf das Testosteron gefunden, aus Gründen, die nicht gut verstanden sind. Hollister argumentierte, dass die Verringerung des Testosterons und der Spermienproduktion, wie sie in den positiven Studien gefunden wurden wahrscheinlich "von geringer Bedeutung bei Erwachsenen" sind, obwohl er einräumte, dass sie von "größerer Wichtigkeit beim pubertierenden Mann, der Cannabis konsumiert" sein könnte. Die möglichen Effekte des Cannabiskonsums auf Testosteron und Spermatogenese könnten relevanter für Männer sein, deren Fruchtbarkeit bereits aus anderen Gründen beeinträchtigt ist, z.B. eine geringe Spermienzahl.
(Bitte beachten Sie: Dieser Text wurde einem wissenschaftlichen Text entnommen. Einige Sätze wurden verändert, um die Verständlichkeit zu verbessern.)
Hall W, Solowij N, Lemon J. The Health and Psychological Consequences of Cannabis Use. National Drug Strategy Monograph Series No. 25. Canberra: Australian Government Publishing Service, 1994.

Laura Murphy

Es konnte gezeigt werden, dass Cannabisrauchen beim Menschen die Blutkonzentration der drei Hormone LH, FSH und Testosteron reduziert. Darüber hinaus wurde eine erhöhtes Auftreten geringer Spermienzahlen bei starken Cannabisrauchern beobachtet. Andere Studien fanden keine messbaren Abweichungen bei leichten oder starken Marihuanakonsumenten. Eine akute THC-Behandlung produzierte bei männlichen Nagetieren eine konsistente und signifikante dosis- und zeitabhängige Abnahme der LH- und Testosteronspiegel. Beim männlichen Rhesusaffen produzierte eine akute THC-Dosis innerhalb einer Stunde eine 65%ige Reduzierung des Plasmatestosteronspiegels, die etwa 24 h anhielt.
(Bitte beachten Sie: Dieser Text wurde einem wissenschaftlichen Text entnommen. Einige Sätze wurden verändert, um die Verständlichkeit zu verbessern.)
Murphy L. Endokrinum. In: Grotenhermen F (Hrsg.): Cannabis und Cannabinoide. Pharmakologie, Toxikologie und therapeutisches Potential. Huber, Bern 2001.

Lynn Zimmer & John Morgan

Durch die Verabreichung großer THC-Dosen an Tiere haben Wissenschaftler spürbare Effekte auf Geschlechtshormonspiegel produziert. Allerdings variieren die Wirkungen von einer Studie zur anderen, abhängig von der Dosis und dem Zeitpunkt der Gabe. Wenn Effekte auftreten, sind sie vorübergehend. (...) Weder bei männlichen noch bei weiblichen Tieren haben Forscher der Fortpflanzungsfunktion dauerhaften Schaden durch akute oder chronische Marihuanagabe zugefügt. (...) Es gibt keinen überzeugenden Beweis für Unfruchtbarkeit durch Marihuanakonsum beim Menschen. Es gibt keine epidemiologischen Studien, die zeigen, dass Männer, die Marihuana konsumieren, höhere Unfruchtbarkeitsraten aufweisen als Männer, die es nicht tun. Noch gibt es Beweise einer verminderten Fortpflanzungsfähigkeit bei Männern in Ländern, in denen Marihuanakonsum weit verbreitet ist. Es ist möglich, dass Marihuana Unfruchtbarkeit bei Männern mit bereits niedriger Spermienzahl verursachen kann. Allerdings ist es wahrscheinlich, dass gewohnheitsmäßige Marihuanakonsumenten eine Toleranz gegenüber den hormonellen Effekten von Marihuana entwickeln. (...) Marihuana hat weder einen vermännlichenden Effekt bei Frauen noch einen verweiblichenden Effekt bei Männern.
Zimmer L, Morgan JP. Marijuana Myths Marijuana Facts. A review of the scientific evidence. New York/San Francisco: The Lindesmith Center, 1997.

Britisches Oberhaus

Tierexperimente haben gezeigt, dass Cannabinoide Veränderungen der männlichen und weiblichen Sexualhormone verursachen. Aber es gibt keinen Hinweis, dass Cannabis die menschliche Fruchtbarkeit ungünstig beeinflusst, oder dass es chromosomale oder genetische Schäden verursacht.
House of Lords Select Committee on Science and Technology. Cannabis. The scientific and medical evidence. London: The Stationery Office, 1998.