THC in der Muttermilch: Schädigt THC in der Milch von Cannabis konsumierenden Müttern dem Baby?

Chao und Kollegen

Milch gebende Affen, die chronisch 2 mg orales THC pro Kilogramm Körpergewicht entweder zwei- oder fünfmal pro Woche erhielten, wurde eine kleine Dosis radioaktiv markierten THCs vermischt mit dem THC gegeben. Während der 24-stündigen Beobachtungszeit erschienen etwa 0,2 % des markierten THCs in der Milch.
Modifiziert nach: Chao FC, Green DE, Forrest IS, Kaplan JN, Winship-Ball A, Braude M. The passage of 14C-delta-9-tetrahydrocannabinol into the milk of lactating squirrel monkeys. Res Commun Chem Pathol Pharmacol (1976 Oct) 15(2):303-317.

Susan Astley und Ruth Little

Die vorliegende Studie untersuchte die Beziehung zwischen der Exposition des Kindes mit Marihuana über die mütterliche Milch und der motorischen und geistigen Entwicklung des Kindes im Alter von einem Jahr. 136 gestillte Kinder wurden im Alter von einem Jahr hinsichtlich ihrer motorischen und geistigen Entwicklung beurteilt. 68 Kinder waren über die mütterliche Milch Marihuana ausgesetzt. Weitere 68 Kinder wurden den Marihuana-exponierten Kindern hinsichtlich mütterlichem Tabak- und Alkoholkonsum während und nach der Schwangerschaft angepasst. Marihuanaexposition über die mütterliche Milch während des ersten Monats nach der Geburt schien mit einer Abnahme der motorischen Entwicklung [Entwicklung der Bewegungen] des Kindes im Alter von einem Jahr assoziiert zu sein. Es gab keine Beziehung zwischen Marihuanaexposition während des dritten Monats nach der Geburt und der motorischen Entwicklung. Es gab keine Beziehung zwischen einer Marihuanaexposition während des ersten und dritten Monats und der geistigen Entwicklung des Kindes.
Dieses Ergebnis sollte mit Vorsicht interpretiert werden, wegen der vorläufigen Natur dieser Studie. Man kann aus den Ergebnissen, die hier präsentiert wurden, nicht schließen, dass eine Marihuanaexposition während der Stillzeit die motorische Entwicklung des Kindes im Alter von einem Jahre beeinträchtigt. Marihuanaexposition während der Stillzeit schien die motorische Entwicklung zu beeinflussen, aber das bedeutet nicht, dass die Beziehung eine von Ursache und Wirkung ist. Marihuanaexposition während der Schwangerschaft, passive Exposition mit Marihuanarauch in der Luft und die Qualität der Beziehung zwischen Mutter und Kind sind drei Faktoren, die potenziell die in dieser Studie beobachtete Beziehung durcheinander bringen könnten.
Modifiziert nach: Astley SJ, Little RE. Maternal marijuana use during lactation and infant development at one year. Neurotoxicol Teratol 1990;12(2):161-168.

Franjo Grotenhermen

Geringe Mengen an THC gelangen in die Milch Cannabis konsumierender Mütter. In einer Studie mit Affen, die chronisch THC erhielten, gelangte 0,2 % des THC in die Brustmilch. Danach würde ein täglicher Konsum von 50 mg THC (z.B. 1 Gramm Marihuana mit einem THC-Gehalt von 5 %) zu täglich 0,1 mg THC in der Brustmilch führen.
Chronische Cannabisverwendung durch die Mutter führt zu einer Anhäufung von THC in der Brustmilch. Milch Cannabis konsumierender Mütter kann deutlich höhere THC-Konzentrationen aufweisen als ihr Blut. In einer Studie war die THC-Konzentration in der Milch 8,4-mal so hoch wie im Blutplasma. Unter der Annahme einer recht hohen durchschnittlichen Konzentration von 10 ng/ml (Nanogramm pro Milliliter) im Plasma und einer zehnmal so hohen Konzentration in der Milch (100 ng/ml), würde sich eine Gesamtmenge von 0,07 mg THC in 700 ml Milch ergeben. 700 ml ist die mittlere tägliche Milchaufnahme eines Kleinkindes.
Bisher wurden zwei Studien durchgeführt, die die Wirkungen von Cannabiskonsum durch stillende Mütter auf die kindliche Entwicklung untersucht haben. Eine fand keine Wirkungen (Tennes et al. 1985), die andere geringe Wirkungen auf die motorische Entwicklung, wenn Cannabis öfter als an 15 Tagen im ersten Monat nach der Geburt verwendet wurde (siehe oben, Astley und Little 1990).
Die THC-Menge, die in der Muttermilch von Cannabiskonsumenten gefunden wird, ist gering, trotz der Anhäufung bei gewohnheitsmäßigem Konsum. Nur starker Cannabiskonsum wird zu Mengen führen, die möglicherweise für das Baby von Bedeutung sein könnten. Gelegentlicher oder geringer gewohnheitsmäßiger Konsum wird vermutlich ohne Bedeutung sein.