Presseschau: Wurmkur mit Rauschmittel (Wissenschaft Aktuell)

Wissenschaft Aktuell berichtet über eine Studie, nach der afrikanische Jäger und Sammler durch die Verwendung von Cannabis unbewusst Darmparasiten bekämpfen: „Bei einem noch als Jäger und Sammler lebenden Pygmäenvolk ist der Cannabiskonsum ungewöhnlich hoch. Etwa 70 Prozent der Männer rauchen Marihuana, die getrockneten Bestandteile der Hanfpflanze Cannabis. Diese Praxis könnte eine Form der Selbstmedikation sein, berichten Anthropologen aus den USA und der Zentralafrikanischen Republik. Dabei geht es nicht um den schmerzstillenden Effekt des Rauschmittels, sondern um seine Wirkung gegen Wurmparasiten. Der insgesamt starke Befall durch Faden-, Saug- und Bandwürmer war bei den Männern umso geringer, je höher der Cannabiskonsum war, schreiben die Forscher im „American Journal of Human Biology”. Frauen nutzten die Droge kaum. Sie erklärten das damit, dass Rauchen nur etwas für Männer sei und Frauen dadurch krank würden.“

Wurmkur mit Rauschmittel

Afrikanische Jäger und Sammler konsumieren ausgiebig Cannabis und bekämpfen dadurch unbewusst ihre Darmparasiten

Bei einem noch als Jäger und Sammler lebenden Pygmäenvolk ist der Cannabiskonsum ungewöhnlich hoch. Etwa 70 Prozent der Männer rauchen Marihuana, die getrockneten Bestandteile der Hanfpflanze Cannabis. Diese Praxis könnte eine Form der Selbstmedikation sein, berichten Anthropologen aus den USA und der Zentralafrikanischen Republik. Dabei geht es nicht um den schmerzstillenden Effekt des Rauschmittels, sondern um seine Wirkung gegen Wurmparasiten. Der insgesamt starke Befall durch Faden-, Saug- und Bandwürmer war bei den Männern umso geringer, je höher der Cannabiskonsum war, schreiben die Forscher im „American Journal of Human Biology”. Frauen nutzten die Droge kaum. Sie erklärten das damit, dass Rauchen nur etwas für Männer sei und Frauen dadurch krank würden.

Die Menschen vom Volk der Aka würden Cannabis nicht als Medizin betrachten, sondern unbewusst dazu nutzen, um Parasiten abzuwehren, sagt Edward Hagen von der Washington State University in Vancouver. Seine Forschergruppe befragte 379 und damit nahezu alle erwachsenen und jugendlichen Mitglieder der Aka-Pygmäen, die im Kongobecken Zentralafrikas noch eine weitgehend traditionelle Lebensweise führen. Von den männlichen Probanden bezeichneten sich 71 Prozent als Cannabisraucher. Bei den Frauen waren es nur 6 Prozent. Analysen von Urinproben bei einer Stichprobe von 62 Männern bestätigten deren Angaben: In 68 Prozent der Fälle ließen sich größere Mengen eines Stoffwechselprodukts der im Rauschmittel enthaltenen Cannabinoide nachweisen. Bei etwa 95 Prozent der Testpersonen wurden durch Stuhluntersuchungen eine oder mehrere Arten parasitischer Würmer identifiziert. Diese Infektionsrate erwies sich als umso geringer, je höher der durch die Urinanalyse ermittelte Drogenkonsum war. Diejenigen, die ein Jahr zuvor mit dem Medikament Albendazol gegen Wurmparasiten behandelt worden waren, hatten sich mit umso geringerer Wahrscheinlichkeit erneut infiziert, je mehr Cannabis sie geraucht hatten.

Aka-Frauen – wie auch Frauen anderer Naturvölker – konsumieren nach Ansicht der Anthropologen wohl deshalb generell weniger pflanzliche Drogen, um während der Schwangerschaft ihre Kinder vor Gesundheitsschäden zu schützen. Es sei bekannt, so die Forscher, dass Kaffee, Tee, Tabak, Cannabis und Betelnüsse Bestandteile enthalten, die für Würmer toxisch sind. Weltweit betrachtet sei die gesundheitliche Belastung durch Wurminfektionen größer als die durch Malaria und Tuberkulose. Daher könnten Menschen die Gewohnheit, solche Pflanzen zu konsumieren, unbewusst entwickelt haben, da sich dadurch Parasiten bekämpfen lassen – so wie es auch einige Tiere tun, wenn sie gelegentlich Pflanzen fressen, die eigentlich bitter schmecken und giftig sind.

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