Presseschau: Menschenfreunde gesucht (Donaukurier)

Der Donaukurier berichtet über Initiativen, einem Patienten mit einer Erlaubnis von der Bundesopiumstelle zur ärztlich begleiteten Selbsttherapie mit Cannabisblüten eine solche Therapie zu ermöglichen. Da der schwerkranke Luigi Spangenberg sich das Cannabis aus der Apotheke nicht leisten kann, befindet er sich in einer gesundheitlich prekären Situation.

Menschenfreunde gesucht

Die schmerzstillende und appetitanregende Wirkung von Cannabis ist unbestritten. Studien aus den USA, die vom US-Gesundheitsministerium bestätigt wurden, belegen sogar, dass sich der Konsum von Cannabis positiv auf die Heilung von Krebs auswirken soll.

Die darin enthaltenen Cannabinoide sollen Tumorzellen abtöten, was bislang allerdings nur an Mäusen getestet wurde. Ein Gesetzentwurf, der schwer kranken Menschen wie dem Ingolstädter Luigi Spangenberg den Zugang zu Medizinalhanf erleichtern und die Kostenerstattung durch die Krankenkassen sichern soll, ist in Arbeit. Das Bundesgesundheitsministerium hat dies unserer Zeitung im Juni bestätigt. Doch die politischen Mühlen mahlen langsam.

Bis der chronisch Kranke, der wie rund 400 weitere Menschen in Deutschland vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte eine Ausnahmegenehmigung für die Einnahme cannabishaltiger Medikamente oder Blüten hat, Medizinalhanf als Kassenleistung bekommt, dürften noch einige Monate ins Land ziehen. In einer Online-Petition an den Deutschen Bundestag fordert der Ingolstädter die Übernahme der Kosten durch die Krankenkassen vor 2016.

Der städtische Gesundheitsreferent Rupert Ebner setzt sich nun gezielt für Spangenberg ein und wirbt um Spenden. In der nächsten Referentenrunde mit Oberbürgermeister Christian Lösel will er erörtern, wen man gezielt ansprechen könnte, damit dem Cannabispatienten für die Zeit bis Inkrafttreten des Gesetzes geholfen werden kann.

Über die Krankengeschichte des 30-Jährigen ist mehrfach im DONAUKURIER berichtet worden. Luigi Spangenberg leidet an Epilepsie und Reizdarm. Das allein wäre noch kein Grund, warum der Ingolstädter auf Cannabis angewiesen ist. Doch Spangenberg ist tablettenresistent. Seit seinem 16. Lebensjahr wurden 14 verschiedene Antiepileptika an ihm ausprobiert. Wirkungen blieben aus, Nebenwirkungen nicht. Gegen Durchfall, Erbrechen, Übelkeit und krampartige Schmerzen hilft nur eines: Cannabisblüten. Die Dosis, die er zu sich nehmen darf, wurde von drei auf vier Gramm pro Tag erhöht – auf 120 Gramm monatlich.

Die Blüten, in der Apotheke erworben, sind für den chronisch kranken Mann und seine von einer Erwerbsunfähigkeitsrente lebende Mutter aus eigenen Mitteln nicht finanzierbar. Würde er den Medizinalhanf in der benötigten Dosis einnehmen, würde ihn das monatlich etwa 1800 EURo kosten. Ein sozial engagierter Ingolstädter, der von Spangenbergs Schicksal erfahren hat, unterstützt ihn, bis die Kasse die Kosten für die Cannabisblüten übernehmen muss, mit einer monatlichen Zuwendung von 150 EURo. Spangenberg ist darüber sehr dankbar. Doch das Geld und auch die Kleinspenden, die seine Mutter für ihn zusammenbettelt, reichen längst nicht aus, um den tatsächlichen Bedarf zu decken. „Ich weiß nicht, wo ich das Geld hernehmen soll“, sagt der Ingolstädter verzweifelt. Seine Lage macht ihn zunehmend verbittert. Er hadert mit seinem Schicksal, und macht sich dadurch nicht immer Freunde. In seiner Not hat er sich an die Stadt gewandt.

Der städtische Gesundheitsreferent Rupert Ebner ist von der Wirksamkeit des Cannabis für Schmerzpatienten überzeugt. Dass die Behandlung wie bei Spangenberg am Geld scheitert, findet er „eine Katastrophe“. Ebner: „Bedürftig zu sein ist das eine. Schmerzen zu haben und zu wissen, man könnte etwas dagegen machen, ist eine andere Sache.“ Für Bedürftige gibt es ein soziales Netz. Menschen wie Spangenberg jedoch fallen durchs Raster. Die meisten Stiftungen – auch die städtische Bürgerstiftung – seien nicht für Zuwendungen an Einzelpersonen ausgerichtet. „Da bleibt nur philanthropisches Handeln“, sagt Ebner. Menschenfreunde wie der Ingolstädter, der Spangenberg auch ohne Spendenquittung übergangsweise unter die Arme greift. „Wir müssen Menschen finden, die sagen, wir machen das“, sagt Ebner. „Es geht ja nur um ein paar Monate.“

Die Stadt richtet für Spangenberg bei der Sparkasse Ingolstadt ein Treuhandkonto ein, das vom Gesundheitsamt verwaltet wird. Die darauf eingehenden Spenden (Spendenquittungen gibt es dafür leider nicht) werden komplett an Spangenberg weitergeleitet. Sollte auf dem Konto aus irgendeinem Grund Geld übrig bleiben, kommt es laut Ebner der DK-Aktion „Vorweihnacht der guten Herzen“ zugute. Sobald das Konto steht, wird die Kontonummer veröffentlicht.

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