Fragen & Antworten

Cannabissorten: Unterscheiden sich Cannabissorten?

Cannabis-Öl: Was ist die beste und gesündeste Art und Weise, Cannabisöl herzustellen?

Krebs: Können Cannabinoide Krebs heilen?

Schizophrenie: Erhöht Cannabiskonsum das Risiko für die Entwicklung einer Schizophrenie?

Angst: Verursacht Cannabis Angst oder vermindert es Angst oder kann beides eintreten?

Seltene vegetative Nebenwirkungen: Kann eine Zunahme des Blutdrucks, Kopfschmerzen, Schüttelfrost und Bauchschmerzen auf Cannabiskonsum zurückgeführt werden?

Magengeschwüre: Kann Cannabis hilfreich bei Magengeschwüren sein?

THC im Blut: Wie lange können THC und seine Stoffwechselprodukte im Blut nachgewiesen werden?

Kinder: Was weiß man über die medizinische Verwendung von Cannabis bei Kindern?

Entdeckung eines Cannabiskonsums: Kann die Einnahme von Cannabis durch eine routinemäßige Laboruntersuchung im Blut oder Urin entdeckt werden?

THC in der Muttermilch: Schädigt THC in der Milch von Cannabis konsumierenden Müttern dem Baby?

Dosierung bei oraler Aufnahme: Welche Dosen werden verwendet, wenn THC (Dronabinol) oder Cannabis gegessen werden, in Kapseln, in Gebäck oder als Cannabis?

Kognitive Leistung: Beeinträchtigt langzeitiger Cannabiskonsum die intellektuelle Leistungsfähigkeit?

Erhitzen von Cannabis: Warum sollten Cannabisprodukte vor dem Essen erhitzt werden?

Risiken des Rauchens: Was sind die wichtigsten Strategien zur Reduzierung der Risiken der Cannabisrauchens?

Urinuntersuchungen: Wie lange können THC-Abbauprodukte im Urin nachgewiesen werden?

Cannabis-Tinktur: Wie kann ich eine Cannabistinktur oder ein Cannabisöl herstellen?

Herzinfarkt: Verursacht Cannabis Herzinfarkte?

Chromosomenschäden: Schädigt Cannabis die Gene?

Männliche Fruchtbarkeit: Haben Cannabis oder THC einen ungünstigen Einfluss auf Geschlechtshormone oder Spermien?

Asthma: Wie sollten Cannabis oder THC eingenommen werden, um Asthma zu behandeln?

Wechselwirkungen: Gibt es Wechselwirkungen zwischen Cannabis bzw. THC und anderen Medikamenten?

Schwangerschaft: Schädigen Cannabis/THC den Fetus, wenn sie während der Schwangerschaft verwendet werden?

Q?

Cannabissorten: Unterscheiden sich Cannabissorten?

A.

Von Dr. Ethan Russo

Cannabiskonsumentinnen haben immer darauf hingewiesen, dass verschiedene Arten (Sorten, chemische Varietäten, Kulturvarietäten) unterschiedliche Wirkungen verursachen, sowohl hinsichtlich ihrer Psychoaktivität als auch ihrer therapeutischen Eigenschaften. Sorten werden häufig als sativa, indica oder als hybrid bezeichnet. Diese Bezeichnungen sind allerdings auf den Markt bezogen recht irreführend. Im Gegensatz dazu hat sich die wissenschaftliche Gemeinschaft weitgehend auf Tetrahydrocannabinol (THC) als die wichtigste oder einzig wichtige Variable konzentriert. Es ist klar, dass sich das selektive Züchten von Cannabis für den medizinischen Markt und den Freizeitkonsum auf THC-reiche Cannabissorten konzentriert hat, unter Ausschluss anderer Cannabinoide. Einige Forscher haben die Wichtigkeit zusätzlicher Bestandteile, insbesondere der Terpene, die aromatischen Bestandteile von Cannabis, die wie die Cannabinoide in den Trichom-Drüsen produziert werden, als wichtige Modulatoren der Cannabiswirkungen betont (McPartland & Russo, 2001, Russo 2011).

Was sind die anderen Cannabinoide in Cannabis?

Das häufigste Phytocannabinoid neben THC ist Cannabidiol (CBD). Es war früher beispielsweise weit in den Cannabis-Landrassen aus Afghanistan und Marokko verbreitet, ist jedoch weitgehend aus Cannabis für den Freizeitkonsum verschwunden. Es findet sich auch in Faserhanf, im Allgemeinen jedoch in einer geringen Konzentration. CBD hat eine zunehmende Aufmerksamkeit durch seine verschiedenen medizinischen Eigenschaften erzielt, darunter schmerzlindernde und entzündungshemmende Wirkungen ohne Rausch oder Sedierung. Es reduziert auch die Nebenwirkungen des THC, wenn sie gemeinsam verabreicht werden, insbesondere Angst und schnelle Herzfrequenz. Zusammen eingenommen können die beiden Komponenten bei vielen Anwendungen synergistisch wirken.

Andere Cannabisbestandteile von Interesse sind Tetrahydrocannabivarin (THCV), das traditionell in geringen Mengen in chemischen Varietäten in Südafrika vorkommt. Es wird gegenwärtig für die Behandlung des metabolischen Syndroms, das häufig der Entwicklung des Typ-II-Diabetes vorausgeht, untersucht.

Andere Phytocannabinoide, die zur Zeit untersucht werden, umfassen Cannabigerol (CBG) für Prostatakrebs, Cannabidivarin (CBDV) für Epilepsie und verschiedene andere.

Wie verhält es sich mit dem Terpenen?
Es gibt starke Hinweise, dass diese in geringen Konzentrationen vorkommenden Bestandteile in Ganzpflanzen-Zubereitungen von Cannabis zu den Wirkungen der Phytocannabinoide beitragen, indem sie ihren eigenen therapeutischen Nutzen entfalten oder Nebenwirkungen des THC abschwächen. Hier sind vor allem Limonen mit bekannten antidepressiven Wirkungen, Pinen, das die durch THC verursachten Einschränkungen des Kurzzeitgedächtnisses abschwächt, Myrcen, welches sediert, sowie Beta-Caryophyllen, das den nicht psychoaktiven CB2-Rezeptor aktiviert und entzündungshemmende und schmerzlindernde Wirkungen verursacht, zu nennen. Weitere Forschung wird die relative Bedeutung dieser Substanzen in verschiedenen Cannabiszubereitungen untersuchen.

Über den Autor:
Dr. Ethan Russo ist ein Neurologe, der als Berater für GW Pharmaceuticals tätig ist. Er ist ein ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Internationalen Arbeitsgemeinschaft für Cannabinoidmedikamente und der gegenwärtige Präsident der Internationalen Gesellschaft für Cannabinoidforschung.

Weitere Literatur:

Fischedick, J. T., Hazekamp, A., Erkelens, T., Choi, Y. H. & Verpoorte, R. (2010). Metabolic fingerprinting of Cannabis sativa L., cannabinoids and terpenoids for chemotaxonomic and drug standardization purposes. Phytochemistry, 71, 2058-73.
Izzo, A. A., Borrelli, F., Capasso, R., Di Marzo, V. & Mechoulam, R. (2009). Non-psychotropic plant cannabinoids: new therapeutic opportunities from an ancient herb. Trends Pharmacol Sci, 30, 515-27.
Russo, E. B. (2007). History of cannabis and its preparations in saga, science and sobriquet. Chemistry & Biodiversity, 4, 2624-2648.

Q?

Cannabis-Öl: Was ist die beste und gesündeste Art und Weise, Cannabisöl herzustellen?

A.

Von Dr. Arno Hazekamp

Was ist Cannabisöl?
Konzentrierte Cannabisextrakte, die wegen ihrer klebrigen und viskösen Beschaffenheit als Cannabisöl bekannt sind, werden zunehmend von Patienten, die sich selbst behandeln, als Heilmittel gegen Krebs erwähnt. Im Allgemeinen sind die Herstellungsmethoden für Cannabisöl relativ einfach und benötigen keine speziellen Instrumente. Der Zweck der Extraktion, oft gefolgt durch eine Verdampfung des Lösungsmittels, ist es, Cannabinoide und andere nützliche Bestandteile, wie etwa Terpene, in hoch konzentrierter Form verfügbar zu machen. Cannabis Öl wird im Allgemeinen oral eingenommen, indem mehrmals täglich einige Tropfen eingenommen werden. Hier finden Sie einige Informationen zur Frage, ob Cannabis Krebs heilen kann.

Wie wird Cannabisöl hergestellt?

Es wurden verschiedene Methoden zur Herstellung von Cannabisöl beschrieben. Die populärste Methode, wie sie von dem ehemaligen (Haut-) Krebs-Patienten Rick Simpson aus Kanada beschrieben wurde, schlägt die Verwendung von Naphtha oder Petroleumäther als Lösungsmittel für die Extraktion vor. Nach dem Erfolg des Simpson-Öls entstanden einige ähnliche Rezepte, die kleine, jedoch signifikante Veränderungen der ursprünglichen Rezeptur betonen. Beispiele umfassen die Konzentration auf sichere Lösungsmittel, wie beispielsweise Äthanol oder die vollständige Vermeidung der Exposition mit organischen Lösungsmittel durch die Verwendung von Olivenöl.

Was ist Naphtha oder Petroleumäther?
Im Allgemeinen bezeichnen Petroleumäther und Naphtha sehr ähnliche Produkte, auch wenn in der Welt verschiedene Namen verwendet werden. Beispielsweise ist Naphtha in einigen Ländern das gleiche wie Diesel- oder Kerosin-Kraftstoff. Beide Lösungsmittel sind eine Mischung aus Petroleum-Kohlenwasserstoffen, die oft in einer großen Spanne von Qualitäten verfügbar sind. Alle Lösungsmittel sollten als schädlich und entflammbar betrachtet werden, und einige von ihnen, darunter Hexan und Benzol sind neurotoxisch, also Nervengifte. Sowohl Naphtha als auch Petroleumäther werden von ihren Herstellern als potenziell Krebs erregend bezeichnet. Darüber hinaus können Produkte, die als Naphtha verkauft werden, Verunreinigungen enthalten (zum Beispiel Coleman-Brennstoff), die selbst schädliche Eigenschaften besitzen können.

Stellen Reste von Lösungsmitteln ein Gesundheitsrisiko dar?
Auch wenn Cannabisöle im Allgemeinen durch die Verdampfung der Lösungsmittel, die für die Extraktion verwendet wurden, konzentriert werden, so führt dies nicht zu einer vollständigen Entfernung der restlichen Lösungsmittel. Als Ergebnis der Viskosität der Substanz wird es immer schwerer, je konzentrierter der Extrakt wird, das restliche Lösungsmittel daraus zu entfernen. In diesem Fall wird die Anwendung von größerer Hitze das Verdampfen des Lösungsmittels vergrößern, gleichzeitig könnten jedoch mehr nützliche Bestandteile (wie Cannabinoide oder Terpene) ebenfalls verloren gehen. Die Verwendung nicht toxischer Lösungsmittel sollte daher empfohlen werden, so dass mögliche Reste nicht gesundheitsschädlich sind.

Was ist die beste und gesündeste Art und Weise, Cannabisöl herzustellen?

Jüngst wurde eine analytische Studie durchgeführt, um mehrere allgemein übliche Herstellungsmethoden auf der Basis von Cannabinoiden, Terpenen und Restbestandteilen der Lösungsmittel zu vergleichen. Die getesteten Lösungsmittel waren Äthanol, Naphtha, Petroleumäther und Olivenöl. Auf der Basis dieser Studie können die folgenden Empfehlungen gegeben werden:

  • Als Mittel für die Extraktion erwiesen sich Äthanol und Olivenöl am besten, da sie das gesamte Spektrum der Terpene und Cannabinoide, die im Cannabispflanzenmaterial vorhanden waren, sehr effektiv extrahierten. Zudem sind diese Lösungsmittel sicher für den Konsum.
  • Leider extrahiert reines Äthanol auch große Mengen Chlorophyll aus dem Cannabismaterial, das dem fertigen Extrakt einen speziellen grünen und oft unangenehmen Geschmack verleiht. Die Entfernung des Chlorophylls, durch Filterung des Äthanolextrakts über Aktivkohle erwies sich als wirksam, dieses Vorgehen entfernte jedoch auch große Anteile der Cannabinoide und Terpene, und wird daher nicht empfohlen. Zudem ist Äthanol, das für den Konsum geeignet ist, in vielen Ländern ein teures Lösungsmittel, da Steuern auf Alkoholprodukte erhoben werden.
  • Von den getesteten Lösungsmitteln ist daher Olivenöl die optimale Wahl für die Zubereitung von Cannabisöl zur Selbsttherapie. Olivenöl ist preiswert, nicht entflammbar oder giftig, und das Öl muss nur auf 100 °C erhitzt werden, so dass keine Überhitzung des Öls auftreten kann. Dies geschieht, indem ein Glasgefäß, das das Produkt enthält, ein bis zwei Stunden in kochendes Wasser gestellt wird. Nach dem Abkühlen und dem Abfiltern des Öls steht es sofort für den Konsum zur Verfügung. Ein Nachteil des Olivenöl-Extrakts besteht darin, dass er nicht durch Verdampfung konzentriert werden kann, was bedeutet, dass Patienten eine größere Menge davon konsumieren müssen, um den gleichen therapeutischen Effekt zu erzielen.
  • Das Vorheizen von Cannabis, um die Cannabinoide zu "aktivieren" (decarboxylieren), kann zu einem Verlust von Terpenen durch die Verdampfung führen. Wenn die gesamte Spannbreite der Terpene im fertigen Cannabisöl gewünscht wird, können getrocknete Blüten und Blätter direkt für die Extraktion verwendet werden, ohne Vorheizen.

Über den Autor
Dr. Arno Hazekamp ist ein Phytochemie-Forscher an der Abteilung für Pflanzen-Metabolomik der Universität Leiden, Niederlande. Er koordiniert zudem das Forschungsprogramm von Bedrocan.

Q?

Krebs: Können Cannabinoide Krebs heilen?

A.

Von Dr. Manuel Guzmán

Cannabinoide, die aktiven Bestandteile von Cannabis, und ihre Abkömmlinge weisen bei Krebspatienten lindernde Eigenschaften auf, indem sie Übelkeit, Erbrechen und Schmerzen verhindern und den Appetit steigern. Zudem hemmen diese Substanzen bei Labortieren – Mäusen und Ratten – das Wachstum von Tumorzellen. Allerdings gibt es zur Zeit keine zuverlässigen Beweise, nach denen Cannabinoide – natürliche oder synthetische – wirksam Krebs bei Patienten heilen können, auch wenn in diesem Bereich geforscht wird.

Verständliche Übersichten – inklusive der Angabe von wissenschaftlichen Literaturstellen – zu Cannabinoiden und Krebs finden sich auf der Internetseite von Cancer Research UK und auf der Internetseite des Nationalen Krebsinstituts der USA. Im folgenden werden diese Informationen zusammengefasst und diskutiert.

Was ist Krebs?
Krebs ist ein in einem umfassenden Sinn verwendeter Begriff für Krankheiten, in denen sich Zellen ohne Kontrolle teilen und im Allgemeinen in andere Gewebe eindringen können. Krebs ist nicht nur eine Erkrankung, sondern viele Erkrankungen: Mehr als 100 verschiedene Krebsarten werden von der Weltgesundheitsorganisation hinsichtlich ihrer feingeweblichen Charakteristika beschrieben und wahrscheinlich gibt es Hunderte, wenn nicht Tausende Krebsarten, wenn man sie hinsichtlich ihrer molekularen und genetischen Profile betrachtet.

Was sind die häufigsten Krebsarten?
Die meisten Krebsarten werden nach dem Organ oder den Zelltypen, in denen sie beginnen, benannt. Darüber hinaus werden Krebsarten im Allgemeinen in die folgenden größeren Kategorien gruppiert:

  • Karzinom: Krebs, der in der Haut oder in Geweben, die innere Organe auskleiden oder bedecken, beginnt.
  • Sarkom: Krebs, der in Knochen, Knorpel, Fett, Muskulatur, Blutgefäßen oder anderen Binde- oder Stützgeweben beginnt.
  • Leukämie: Krebs, der in Blut bildenden Geweben wie dem Knochenmark beginnt und zur Produktion einer großen Zahl veränderter Blutzellen führt, die sich dann im Blut finden.
  • Lymphom und Myelom: Krebs, der in Zellen des Immunsystems beginnt.
  • Krebsarten des zentralen Nervensystems: Krebs, der in Geweben des Gehirns und des Rückenmarks beginnt.

Hemmen Cannabinoide das Krebswachstum?
Nahezu die gesamte Forschung zu Cannabinoiden und Krebszellen wurde bisher mit Krebszellen, die im Labor gezüchtet wurden, und an Tiermodellen durchgeführt. Viele wissenschaftliche Studien haben davon berichtet, dass verschiedene Cannabinoide (sowohl natürliche als auch synthetische) ein breites Spektrum an wachstumshemmenden Wirkungen auf Krebszellen ausüben. Dazu zählen:

  • Die Auslösung des Zelltodes durch einen Mechanismus, der als Apoptose bezeichnet wird.
  • Die Unterbrechung der Zellteilung.
  • Die Verhinderung der Bildung neuer Blutgefäße in Tumoren – der Vorgang der Bildung neuer Blutgefäße heißt Angiogenese.
  • Die Reduzierung der Möglichkeiten von Krebszellen, Tochtergeschwülste im Körper zu bilden, indem die Zellen davon abgehalten werden, sich zu bewegen oder in Nachbargewebe einzudringen.
  • Die Beschleunigung der zellinternen "Abfall-Ablagerungs-Maschine" – ein Prozess, der als Autophagie bezeichnet wird –, was zum Zelltod führen kann.

Zusammengefasst sind Cannabinoide wirksame Substanzen, um zumindest einige Krebsarten bei Labortieren – Mäusen und Ratten – zu behandeln.

Hemmen Cannabinoide das Krebswachstum? (Anekdotische Hinweise bei Menschen)
Wie oben erwähnt, wurde nahezu sämtliche Forschung zur Untersuchung der Frage, ob Cannabinoide Krebs behandeln können, im Labor durchgeführt. Es ist daher wichtig, sehr vorsichtig zu sein, wenn diese Ergebnisse auf Patienten übertragen werden. Diese sind wesentlich komplexer als eine Petrischale oder eine Maus. Anekdotische Ergebnisse zur Cannabisverwendung waren in der Geschichte hilfreich zur Vermittlung von Hinweisen auf biologische Prozesse, die vom Endocannabinoidsystem kontrolliert werden und zum möglichen therapeutischen Nutzen von Cannabinoiden. Im konkreten Fall des Krebses gibt es Videos und Berichte im Internet, die argumentieren, dass Cannabis Krebs heilen kann. Diese anekdotischen Hinweise sind – zumindest bisher – extrem schwach und unklar.
Hier einige Beispiele, die zur fehlenden Klarheit beitragen:

  • Wir wissen nicht, ob der (angenommene) Effekt von Cannabis auf einem Placebo-Effekt beruht.
  • Wir wissen nicht, ob der Tumor aus natürlichen/endogenen Gründen nicht mehr weiter wächst – einige Tumoren verschwinden spontan aufgrund der Abwehrkräfte des Körpers gegen Tumoren.
  • Wir wissen nicht, wie viele Patienten Cannabis verwendet und keinen therapeutischen Nutzen erzielt haben. Wir kennen daher nicht die (angenommene) Wirksamkeit einer Therapie auf Cannabisbasis.
  • Da die meisten Patienten vor oder gleichzeitig mit der Cannabisverwendung vermutlich eine Standardtherapie erhalten haben, wissen wir nicht, ob die (angenommene) Wirkung von Cannabis in der Tat – zumindest zum Teil – auf der Standardtherapie beruhte, möglicherweise durch Cannabis verstärkt. Aber wir haben keinen Beweis.
  • Wir kennen nicht die einzelnen Parameter des Tumorwachstums, die überwacht wurden, und wie lange der Patient überwacht wurde. Viele der möglichen nützlichen Wirkungen von Mitteln gegen Krebs (oder in diesem Fall von Cannabis) sind nur kurzzeitige Wirkungen. Was ist aber mit dem langzeitigen Überleben ohne Tumorwachstum und dem Gesamtüberleben?
  • Krebs ist eine sehr heterogene Krankheit mit unterschiedlichen Arten, und bisher hat niemand eine ausreichend große Zahl von Patienten mit einer bestimmten Krebsart zusammengebracht, um die Auffassung unterstützen zu können, dass Cannabinoide bei diesem spezifischen Krebs wirksam sind.

Zusammengefasst ist es zwar möglich, dass Cannabiszubereitungen eine gewisse krebshemmende Aktivität bei einigen bestimmten Krebspatienten aufweisen, die anekdotischen Hinweise, die bisher vorliegen, sind jedoch sehr schwach und sind leider weit davon entfernt, die Annahme zu unterstützen, dass Cannabinoide wirksame Krebsmedikamente für Patienten darstellen.

Hemmen Cannabinoide das Krebswachstum? (Klinische Forschung)
Bisher wurden Ergebnisse nur von einer klinischen Phase I Studie, die untersucht hat, ob Cannabinoide Krebs bei Patienten behandeln kann, veröffentlicht. Neun Patienten mit fortgeschrittenem Glioblastoma multiforme – ein aggressiver Hirntumor –, der zuvor auf eine Standardtherapie nicht angesprochen hatte, wurde hoch gereinigtes THC über einen Katheter direkt in ihr Gehirn verabreicht. Unter diesen Bedingungen war die Cannabinoid-Gabe sicher und konnte ohne relevante unerwünschte Wirkungen erzielt werden. Auch wenn von dieser kleinen Patientengruppe, die ohne Kontrollgruppe behandelt wurde, keine statistisch signifikanten Schlussfolgerungen gezogen werden können, so kann doch gesagt werden, dass die erhaltenen Ergebnisse nahe legen, dass einige Patienten auf die THC-Therapie mit einer verringerten Wachstumsrate des Tumors ansprachen – zumindest zum Teil. Dies konnte mit bildgebenden Verfahren und der Analyse von Biomarkern nachgewiesen werden. Diese Ergebnisse waren ermutigend und verstärken das Interesse an der möglichen Nutzung von Cannabinoiden in der Krebstherapie. Allerdings unterstreichen sie auch die Notwendigkeit für weitere Forschung, die auf eine Optimierung der Cannabinoidverwendung hinsichtlich der Auswahl von Patienten, der Kombination mit anderen Krebsmedikamenten und der Nutzung anderer Wege der Einnahme abzielt.

Insgesamt gibt es viele unbeantwortete Fragen im Zusammenhang mit dem Potenzial, Cannabinoide als Antikrebsmittel zu verwenden, und es ist notwendig und wünschenswert, dass umfangreiche klinische Studien durchgeführt werden, um bestimmen zu können, wie Cannabinoide jenseits ihrer lindernden Wirkungen bei der Behandlung von Krebspatienten eingesetzt werden können.

Über den Autor
Dr. Manuel Guzman ist Professor an der Abteilung für Biochemie und Molekulare Biologie an der Complutense-Universität Madrid (Spanien). Er koordiniert die Gruppe zum Thema Cannabinoid-Signalgebung.

Q?

Schizophrenie: Erhöht Cannabiskonsum das Risiko für die Entwicklung einer Schizophrenie?

A.

von Franjo Grotenhermen

Cannabiskonsum könnte ein Risikofaktor für die Entwicklung der Schizophrenie, eine Form der Psychose, sein. Man geht zurzeit davon aus, dass Cannabis das Risiko verdoppelt (oder das Risiko um den Faktor 2 vergrößert), wenn er stark im Jugendalter konsumiert wird. Es gibt andere Faktoren, die das Schizophrenie-Risiko vergrößern. Beispielsweise erhöht das Aufwachsen in einer großen Stadt verglichen mit dem Aufwachsen in einer ländlichen Region das Risiko ebenfalls um den Faktor 2. Diese geringe Zunahme des Risikos bedeutet, dass 1 bis 2 von 100 starken Cannabiskonsumenten und 1 bis 2 von 100 Großstädtern im Laufe ihres Lebens eine Schizophrenie entwickeln werden, verglichen mit 0,5 bis 1 von 100 Personen ohne jeglichen Risikofaktor.

Was ist eine Psychose?

Eine Psychose ist eine schwerwiegende Erkrankung unklarer Ursache. Sie bezieht sich auf eine Störung des Geistes und ist ein psychiatrischer Ausdruck für einen Geisteszustand, der mit einem zeitweiligen Verlust des Kontaktes mit der Realität einhergeht. Der Begriff "Psychose" wird häufig als ein Oberbegriff und nicht als eine spezifische Diagnose verwendet. Menschen, die an einer Psychose leiden, werden als psychotisch beschrieben. Psychosen bezeichnen schwere Formen psychiatrischer Störungen, bei denen Halluzinationen, Wahnvorstellungen und eine beeinträchtigte Einsicht auftreten können. Es gibt zwar Medikamente, die einige Symptome verbessern können, die Erkrankung ist jedoch nicht heilbar. Die Schizophrenie bzw. schizophrene Psychose ist eine spezielle Form der psychotischen Störung.

Was ist eine Schizophrenie?
Die Schizophrenie ist eine Geistesstörung, die durch eine Beeinträchtigung gedanklicher Prozesse und eine Reduzierung emotionaler Reaktionen charakterisiert ist. Sie manifestiert sich meistens mit auditorischen Halluzinationen (Hören von Stimmen), paranoiden Wahnvorstellungen oder desorganisierter Sprache und desorganisiertem Denken. Halluzinationen sind Wahrnehmungen in einem bewussten und wachen Zustand, ohne dass äußere Reize vorhanden sind, jedoch mit Qualitäten echter Wahrnehmungen. Wahnvorstellungen sind trotz Beweisen für das Gegenteil mit einer starken Überzeugung verbunden. Beispielsweise kann jemand glauben, dass er eine wichtige Persönlichkeit, wie Jesus oder Napoleon, ist. Häufig bestehen Defizite normaler emotionaler Reaktionen, wie ein geringer oder abgeschwächter Affekt, ein reduzierter sprachlicher Ausdruck, Unfähigkeit, Freude zu erleben, und fehlende Motivation. In Abhängigkeit von den klinischen Symptomen kann die Schizophrenie in verschiedene Subtypen unterteilt werden.

Wie häufig ist die Schizophrenie?
Jedes Jahr entwickeln etwa 15 bis 20 Personen pro 100.000 Einwohner westlicher Industrieländer eine Schizophrenie. Der Beginn der Symptome fällt typischerweise in das junge Erwachsenenalter zwischen 18 und 35 Jahren. Etwa 0,5 bis 1,0 Prozent aller Bürger Europas und Nordamerikas entwickeln im Laufe ihres Lebens eine Schizophrenie. Vor allem Wahnvorstellungen, Störungen des Denkens (z.B. Gedankenübertragung) und akustische Halluzinationen dienen der Diagnosestellung. Diese so genannten "Positivsymptome" sind häufig hoch dramatisch und gefährlich, aber sie verbessern sich normalerweise über die Jahre. Andererseits bleiben "Negativsymptome", wie Depressionen, Unfähigkeit zu sozialen Kontakten und Verarmung der Gefühle häufig bestehen und führen zu psychosozialen Problemen und Arbeitslosigkeit.

Was verursacht eine Schizophrenie?

Sowohl die Gene als auch die Umwelt spielen eine Rolle bei der Entwicklung der Schizophrenie. Bestimmte Gen-Varianten sind mit einem höheren Risiko für eine Schizophrenie assoziiert. Dies kann erklären, warum Schizophrenien in einigen Familien gehäuft auftreten. Allerdings verursachen diese genetischen Varianten nicht die Erkrankung, sondern spielen eine Rolle bei der Bereitschaft für die Entwicklung der Erkrankung. Jemand mit einem Verwandten ersten Grades (Eltern, Geschwister) mit Schizophrenie weist ein Risiko von 6,5 Prozent auf, im Laufe des Lebens ebenfalls zu erkranken. Das bedeutet, dass von 100 Verwandten ersten Grades von Patienten mit Schizophrenie 6 bis 7 Prozent die Erkrankung ebenfalls entwickeln. Umweltfaktoren, die als Risiken identifiziert wurden, sind Schwangerschaftskomplikationen wie Stress, Infektionen und Mangelernährung der Mutter, Geburtskomplikationen, das Aufwachsen in einer großen Stadt, ein niedriger, aber normaler Intelligenzquotient sowie Drogenkonsum, inklusive Cannabiskonsum. Andere Faktoren, die eine große Rolle spielen können, sind soziale Isolation, Störungen in der Familie und andere stark belastete Lebensumstände. Menschen mit einer Schizophrenie auf der nördlichen Erdhalbkugel wurden häufiger im Winter oder Frühling als im Sommer oder Herbst geboren.

Wie kann man der Schizophrenie vorbeugen?

Da Risikofaktoren nur mit einer vergleichsweise geringen Zunahme des Risikos verbunden sind, können sie nicht für die frühe Entdeckung oder Prävention der Schizophrenie genutzt werden (Klosterkötter 2008). Andererseits ist es wünschenswert, die Schizophrenie in einem frühen Stadium zu entdecken, da eine frühe Diagnose und eine frühe Behandlung mit einem günstigeren Verlauf der Erkrankung, weniger Depressionen und geringeren Selbstmordraten assoziiert sind. Daher konzentrieren sich die Anstrengungen zur Vorsorge auf die Entdeckung von Risiko-Symptomen (frühen Warnsignalen) im so genannten Prodromal-Stadium und auf eine korrekte Diagnose so früh wie möglich nach dem Ausbruch der Erkrankung.
In etwa drei Viertel aller Fälle geht dem Ausbruch der Schizophrenie ein Prodromal-Stadium von durchschnittlich fünf Jahren voraus. Während dieser Zeit kann der oder die Betroffene mehrmals pro Woche an Störungen des Denkens, ungewöhnlichen Sinneserfahrungen, paranoiden Gedanken, eine verminderte Fähigkeit, zwischen Gedanken und Wahrnehmung sowie zwischen Fantasie und echter Erfahrung zu unterscheiden, und ähnlichen Symptome leiden. Es besteht ein großes Risiko für Menschen mit Prodromal-Symptomen, psychotische Symptome und psychotische Episoden zu entwickeln, die schließlich zur Schizophrenie führen.

Was ist die Rolle von Cannabis bei der Entwicklung der Schizophrenie?

In einer Übersicht von 7 Longitudinal-Studien zum Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum und Schizophrenie haben Forscher herausgefunden, dass Personen, die jemals Cannabis konsumiert hatten, verglichen mit Personen, die niemals Cannabis verwendeten, ein um 41 Prozent erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer Psychose oder psychotischen Symptomen haben. In Longitudinal-Studien wird eine große Zahl von Menschen mehrere Jahre lang begleitet, idealerweise von der Geburt bis ins Erwachsenenalter, um beispielsweise Krankheitsursachen oder Faktoren, die vor Krankheiten schützen, zu identifizieren. Starke Cannabiskonsumenten wiesen ein doppelt so hohes Risiko wie Nichtkonsumenten auf (Odds Ratio: 2,09) (Moore et al. 2007). Die Forscher stellten fest, dass die Unsicherheit hinsichtlich der Frage, ob Cannabis Psychosen verursacht, wahrscheinlich nicht durch weitere Longitudinal-Studien geklärt werden kann. Es ist wahrscheinlich, dass Cannabiskonsum die Entstehung von Schizophrenien bei Personen beschleunigt, die wegen einer persönlichen oder familiären Veranlagung für eine Schizophrenie besonders empfindlich sind (Degenhardt and Hall 2006).
Es ist schwer zu beweisen, dass Cannabis in der Tat ein ursächlicher Faktor bei der Entwicklung der Schizophrenie ist, da der Zusammenhang auch nicht-ursächlich sein könnte, zumindest zum Teil. Beispielsweise verwenden einige Patienten Cannabis zur Selbstmedikation, um einige ihrer Symptome, insbesondere Negativsymptome, zu behandeln. Allerdings gibt es zunehmende Hinweise aus langzeitigen epidemiologischen Studien, dass Cannabis eine ursächliche Rolle spielt.

Was ist die Rolle von Cannabinoiden bei der Behandlung der Schizophrenie?

Es gibt zwei veröffentlichte Fallstudien, die zeigen, dass Cannabis und THC in einigen Fällen von Schizophrenie, die nicht auf übliche Medikamente ansprechen, nützlich sein kann (Schwarcz et al. 2009 Schwarcz et al. 2010 ). Die Autoren dieser Berichte nehmen an, dass sich die Ursache der Schizophrenie bei diesen Patienten in Bezug auf ihre Gehirnsphysiologie von anderen Patienten mit Schizophrenie, die auf übliche antipsychotische Medikamente ansprechen, unterscheidet. Diese Patienten könnten an einer schwachen Endocannabinoid-Funktion im Gehirn leiden.
Es gibt klinische Hinweise, nach denen das natürliche Pflanzencannabinoid Cannabidiol (CBD) in einer Tagesdosis von 800 mg so wirksam wie konventionelle Medikamente bei der Behandlung der Schizophrenie sein könnte (Leweke et al. 2012). CBD reduziert oder hebt die psychologischen Wirkungen von THC auf. Die Behandlung mit CBD ist mit einer Zunahme der Anandamid-Blutkonzentrationen assoziiert, und dieser Effekt wird für die Verbesserung der Symptome verantwortlich gemacht.

Über den Autor:
Dr. med. Franjo Grotenhermen ist Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin e.V. (ACM) und Geschäftsführer der International Association for Cannabinoid Medicines (IACM). Er arbeitet beim nova-Institut in Hürth/Rheinland.

Q?

Angst: Verursacht Cannabis Angst oder vermindert es Angst oder kann beides eintreten?

A.

Medizininstitut der USA

Obwohl Euphorie die üblichere Reaktion auf das Rauchen von Marihuana ist, so können doch unangenehme Stimmungsreaktionen auftreten. Solche Reaktionen treten am häufigsten bei unerfahrenen Konsumenten nach großen Dosen gerauchten oder oralen Marihuanas auf. Sie verschwinden im Allgemeinen innerhalb von Stunden und sprechen gut auf Zuspruch und eine unterstützende Umgebung an. Angst und Paranoia sind die häufigsten akuten unerwünschten Reaktionen, weitere umfassen Panik, Depression, Missstimmung, Entpersönlichung, Wahnvorstellungen, Einbildungen und Halluzinationen.
Quelle: Joy JE, Watson SJ, Benson JA, eds. Marijuana and medicine: Assessing the science base. Institute of Medicine. Washington DC: National Academy Press, 1999. 867.

Medizininstitut der USA

Es wird im Allgemeinen nicht behauptet, dass das 'High", das mit Marihuana verbunden ist, ein integraler Betsandteil seines therapeutischen Wertes ist. Jedoch können Stimmungsverbesserung, Angstreduzierung und eine geringe Sedierung wünschenswerte Qualitäten von Medikamenten sein, besonders für Patienten, die unter Schmerzen und Angst leiden. Daher können die psychologischen Marihuanawirkungen, obwohl sie nur Nebenwirkungen bei der Behandlung einiger Symptome sind, direkt zur Linderung anderer Symptome beitragen.
Quelle: Joy JE, Watson SJ, Benson JA, eds. Marijuana and medicine: Assessing the science base. Institute of Medicine. Washington DC: National Academy Press, 1999. 867.

Giovanni Marciano und Kollegen

Hier zeigen wir, dass das endogene Cannabinoidsystem eine zentrale Funktion bei der Löschung negativer Erinnerungen spielt. (…)
Mäuse wurden trainiert, einen Ton mit einem elektrischen Fußschock zu assoziieren (Konditionierung). Nach der Konditionierung zitterten die Tiere, wenn sie den Ton hörten. Diese Reaktion diente als Indikator für eine unangenehme Erinnerung, und sie nahm mit wiederholter Präsentierung des Tones langsam ab. (...) Mäuse ohne Cannabinoid-1-Rezeptoren zeigten eine stark beeinträchtigte Kurzzeit- und Langzeitauslöschung der unangenehmen Erinnerung (...).
Insgesamt legen unsere Befunde nahe, dass das endogene Cannabinoidsystem ein therapeutisches Ziel für die Behandlung von Erkrankungen sein könnte, die mit einer unangemessenen Beibehaltung unangenehmer Erinnerungen oder inadäquater Reaktionen auf unangenehme Situationen assoziiert sind, wie posttraumatische Stressstörungen, Phobien und einige Formen chronischer Schmerzen.
Modifiziert nach: Marsicano G, et al. The endogenous cannabinoid system controls extinction of aversive memories. Nature 2002;418(6897):530-534.

Pankaj Sah

Marciano und Kollegen schlagen eine neue Rolle für das Endocannabinoidsystem vor - die Löschung angstbezogener Erinnerungen bei Mäusen. Diese Befunde könnten Bedeutung für die Behandlung von Angststörungen bei Menschen haben.
Wir können Erinnerungen auf verschiedene Arten bilden, von denen eine die Konditionierung nach Pawlow ist - das klassische Beispiel sind die Pawlow'schen Hunde, die gelernt haben, Nahrung zu erwarten, wenn sie einen Ton erklingen hörten. Wir alle bilden diese Arten von Assoziationen. Beispielsweise können wir ein bestimmtes Musikstück mit unserer ersten Liebesaffäre verbinden. Aber die Verbindung muss nicht immer so angenehm sein. Stellen Sie sich vor, dass Sie einen ruhigen Spaziergang in einem Park machen, als sie durch eine bewaffnete Person angegriffen werden. Während des Angriffs sind sie erschrocken; Ihr Herz rast und sie schwitzen an den Händen. Sie laufen weg und entkommen. Später könnten sie feststellen, dass das Betreten des gleichen Parks die Erinnerung des Angriffs detailliert zurückbringt, bis zu den schwitzenden Händen. (...)
Es wurde argumentiert, dass der neuronale Schaltkreis, der der Angstkonditionierung unterliegt, Ähnlichkeiten mit dem Schaltkreis für angstbezogene klinische Zustände aufweist, wie etwa der post-traumatischen Stressstörung. Verhaltenstherapien für diese Zustände - inklusive systematisches Unempfindlichmachen und Imaginationstherapien - teilen Eigenschaften mit der Löschung von Erinnerungen. Diese Befunde, dass Endocannabinoide zur Löschung beitragen, eröffnet die Möglichkeit, dass Medikamente, die auf diese Moleküle und ihre Rezeptoren zielen, nützliche neue Behandlungsformen für Angststörungen sein könnten. Schließlich gibt es viele anekdotische Hinweise von Patienten, die Cannabis in den ersten Stadien von psychiatrischen Erkrankungen stark verwenden. Es wurde oft gedacht, dass dies zur akuten Erkrankung beiträgt. Aber es erscheint möglich, dass es in der Tat eine Form der Selbstmedikation für die manchmal starke Angst sein kann, die diese Personen erleben.
Quelle: Sah P. Neurobiology: Never fear, cannabinoids are here. Nature 2002;418(6897):488-9 867.

Franjo Grotenhermen

Ich möchte von einem Fall einer erfolgreichen Verwendung von Cannabis bei Panikattacken berichten. Ein Schweizer, der an Panikattacken leidet, berichtete mir kürzlich dass ihm der Cannabiskonsum zwischen den Attacken sehr geholfen habe. Er hatte Cannabis nicht während der Attacke verwendet, denn da sei es dann zu spät.
Die Attacken hatten ohne erkennbaren Grund vor einem dreiviertel Jahr begonnen und seien fast täglich aufgetreten. Dazu habe er auch unter Übelkeit, Appetitlosigkeit und Schwindelgefühl gelitten. Er habe vom Arzt starke Medikamente bekommen, die er aber nicht auf Dauer nehmen wollte. Vor fünf Monaten habe er mit dem Konsum von Cannabis begonnen, heute etwa dreimal pro Woche. Die Panikattacken seien dann immer seltener und weniger heftig geworden. Das Schwindelgefühl und die Übelkeit seien vollständig verschwunden und er habe nun auch wieder Appetit. Die Panikattacken seien ebenfalls fast vollständig verschwunden.
Quelle: Grotenhermen F. Kann Cannabis bei einer aufkommenden Panikattacke sinnvoll eingesetzt werden? Hanf-Magazin, September 2002. 867.

Q?

Seltene vegetative Nebenwirkungen: Kann eine Zunahme des Blutdrucks, Kopfschmerzen, Schüttelfrost und Bauchschmerzen auf Cannabiskonsum zurückgeführt werden?

A.

Franjo Grotenhermen

Cannabis übt vielfältige Wirkungen auf das vegetative Nervensystem aus, darunter eine Zunahme der Herzfrequenz, trockener Mund, Abnahme der Darmbewegungen, Änderungen des Blutdrucks (Abnahme und Zunahme). Diese Wirkungen sind im Allgemeinen mild und werden gut toleriert. Ihre Intensität variiert von Person zu Person. Bei einigen Personen wurde eine ungewöhnliche Stärke dieser Nebenwirkungen und eine ungewöhnliche Art vegetativer Nebenwirkungen beobachtet, darunter eine starke Zunahme der Herzfrequenz, eine starke Zunahme des Blutdrucks, Kältegefühl und Schüttelfrost, Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen.
Die folgenden Erfahrungen wurden mir von Freizeitkonsumenten berichtet: Ein junger Mann, der Cannabis viele Jahre ohne relevante Nebenwirkungen konsumiert hatte, erlebte nach dem Konsum von LSD starke Kopfschmerzen, die ihn zum Besuch eines Krankenhauses veranlassten. Dort wurde ein hoher Blutdruck (systolischer Druck von 190 mmHg) festgestellt. Später führte jeder Konsum von Cannabis ebenfalls zu starken Kopfschmerzen und einer deutlichen Erhöhung des Blutdrucks. Ein anderer Konsument berichtete von einem deutlichen and ängstigenden Zunahme der Herzfrequenz (140 Schläge pro Minute), die mehr als eine Stunde anhielt und manchmal nach dem Konsum der Droge auftrat. Zwei Cannabiskonsumenten berichteten von Bauchschmerzen innerhalb weniger Minuten nach dem Rauchen, von denen einer Blähungen feststellte. Ein anderer Konsument berichtete von Kältegefühl und Schüttelfrost jedes Mal, wenn er die Droge nahm. Im Internet (https://rxmarijuana.com) fand ich den Bericht eines Mannes, der über mehrere Symptome klagte: deutliche Zunahme der Herzfrequenz, Angst, schmerzhaftes Aufstoßen und Kältegefühl.

Unimed Pharmaceuticals

Die Informationen zu unerwünschten Wirkungen, die in den untenstehenden Tabellen zusammengefasst sind, wurden aus gut kontrollierten klinischen Studien abgeleitet, die in den USA und im US-Gebiet durchgeführt worden waren und 474 Patienten, die Marinol (Dronabinol) erhalten hatten, umfasste. Studien zu Gewichtsverlust im Zusammenhang mit AIDS umfassten 157 Patienten, die Dronabinol in einer Dosis von 2,5 mg zweimal täglich erhalten hatten, und 67, die ein Plazebo bekommen hatten. Studien zur Übelkeit und Erbrechen im Zusammenhang mit einer Krebschemotherapie umfassten 317 Patienten, die Dronabinol, und 68 Patienten, die Plazebo erhalten hatten.
Ein Cannabinoid-Dosis-bezogenes "High" (Neigung zu Lachen, Hochgefühl und erweitertes Bewusstsein) wurde bei Patienten, die Marinol erhielten, sowohl bei den antiemetischen (24 %) als auch bei den Studien zur Appetitstimulierung mit niedrigeren Dosen (8 %) beobachtet.
Die häufigsten unerwünschten Wirkungen in Placebo-kontrollierten Studien mit AIDS-Patienten betrafen das ZNS [zentrales Nervensystem] und wurden von 33 % der Patienten, die Marinol erhielten, angegeben. Ungefähr 25 % der Patienten berichteten von einem geringen unerwünschten ZNS-Ereignis während der ersten 2 Wochen und ungefähr 4 % berichteten von einem solchen Ereignis jede Woche innerhalb der nächsten 6 Wochen.

MÖGLICHERWEISE KAUSALE BEZIEHUNG: Häufigkeit größer als 1 %.
Häufigkeiten abgeleitet von klinischen Studien bei Anorexie [Appetitverlust] im Zusammenhang mit Aids (n = 157) und Übelkeit im Zusammenhang mit Chemotherapie (n = 317). Die Häufigkeiten waren im Allgemeinen größer bei der antiemetischen Verwendung (in runde Klammern gesetzt). [Erklärung von Fachbegriffen in eckigen Klammern].
Gesamter Körper: Asthenie [Kraft- und Energieverlust oder -mangel].
Kardiovaskuär [auf Herz und Kreislauf bezogen]: Palpitationen [unangenehmes Bewusstsein des Herzschlages], Tachykardie [schneller Puls], Gefäßerweiterung/Erröten im Gesicht.
Magen-Darmtrakt: Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen.
Nervensystem: (Amnesie), Angst/Nervosität, (Ataxie [Störung der Bewegungskoordination]), Verwirrung, Verkennung der eigenen Persönlichkeit, Schwindel, Euphorie, (Halluzinationen), paranoide Reaktionen, Schläfrigkeit, abnormes Denken.

MÖGLICHERWEISE KAUSALE BEZIEHUNG: Häufigkeit geringer als 1 %.
Häufigkeit der Ereignisse abgeleitet von klinischen Studien bei Anorexie im Zusammenhang mit Aids (n = 157) und Übelkeit im Zusammenhang mit Chemotherapie (n = 317).
Kardiovaskuär: Konjunktivitis [Rötung der Augen], niedriger Blutdruck.
Magen-Darm: Durchfall, Stuhlinkontinenz.
Muskeln/Skelett: Myalgien [Schmerzen in den Muskeln].
Nervensystem: Depressionen, Albträume, Sprachschwierigkeiten, Tinnitus [Ohrgeräusche].
Haut und Hautanhangsgebilde [Haare und Nägel]: Rötung.
Sinnesorgane: Sehschwierigkeiten.

KAUSALE BEZIEHUNG UNBEKANNT: Häufigkeit geringer als 1 %. Die klinische Bedeutung der Beziehung dieser Ereignisse mit einer Marinol-Behandlung ist unbekannt, aber sie werden als Warninformation für den Kliniker hier berichtet.
Gesamter Körper: Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Unpässlichkeit.
Magen-Darm: Anorexie, Erhöhung der Leberenzyme.
Atemwege: Husten, Rhinitis [Schnupfen], Sinusitis.
Haut und Hautanhangsgebilde: Schwitzen.

Quelle: Informationen zu Marinol (Dronabinol, THC), Unimed Pharmaceuticals, Januar 2001, www.marinol.com (Ärzteinformation). 867.

Q?

Magengeschwüre: Kann Cannabis hilfreich bei Magengeschwüren sein?

A.

Franjo Grotenhermen

Es gibt keine klinischen Studien mit Cannabinoiden bei Magengeschwüren. Allerdings hemmten THC und andere Cannabinoide, die an den Cannabinoid-1-Rezeptor binden (CB1-Rezeptoragonisten) die saure Magensaftproduktion beim Menschen und die Bildung von Geschwüren bei Tieren.

Roger Pertwee

Das Nervensystem des Magen-Darm-Traktes verschiedener Arten, darunter Maus, Ratte, Meerschweinchen und Menschen, enthält Cannabinoid-CB1-Rezeptoren, die die Bewegungen des Magens und des Darms abschwächen. (...)
Die Säureproduktion des Magens wird ebenfalls in Reaktion auf die Aktivierung von CB1-Rezeptoren gehemmt, obwohl der zugrundeliegende Mechanismus noch aufgeklärt werden muss. Cannabinoidrezeptor-Agonisten verzögern die Magenentleerung beim Menschen als auch bei Nagetieren und hemmen vermutlich auch die saure Magensäuresekretion. (...)
Der Umfang, in dem die Wirkungen auf die Magendarmfunktionen von Cannabinoidrezeptor-Agonisten oder -Antagonisten/inverse Agonisten therapeutisch genutzt werden können, muss noch untersucht werden, genauso wie der Umfang, mit dem diese Substanzen unerwünschte Wirkungen im Magendarmtrakt verursachen können, wenn sie für andere therapeutische Zwecke verwendet werden.
Modifiziert nach: Pertwee RG. Cannabinoids and the gastrointestinal tract. Gut 2001;48(6):859-867.

Adami et al.

Bei der betäubten Ratte reduzierten der nicht-selektive CB-Rezeptoragonist WIN 55,212-2 und der selektive CB1-Rezeptoragonist HU-210 dosisabhängig die saure Sekretion. (...)
Unsere Ergebnisse zeigen, dass der sekrethemmende Effekt der Cannabinoide auf den Magen bei der Ratte durch die Unterdrückung der Aktivität des Vagus-Nerven auf den Magen durch Aktivierung von CB1-Rezeptoren vermittelt wird.
Modifiziert nach: Adami M, et al. Gastric antisecretory role and immunohistochemical localization of cannabinoid receptors in the rat stomach. Br J Pharmacol 2002;135(7):1598-1606. 867.

Sofia et al.

Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) hemmte die Geschwürsbildung bei der Ratte. Allerdings war diese geschwürshemmende Aktivität von THC erheblich geringer als die von Tridihexethylchlorid.
Modifiziert nach: Sofia RD, et al. Evaluation of antiulcer activity of delta9-tetrahydrocannabinol in the Shay rat test. Pharmacology 1978;17(3):173-177.

Nalin et al.

Bei 90 Freiwilligen, die an einem Programm zur Entwicklung von Impfstoffen teilnahmen, war der Konsum von Bier an mehr als 3 Tagen in der Woche mit einer hohen Produkten von Magensäure verbunden, während das Rauchen von Cannabis an mehr als 2 Tagen in der Woche mit einer niedrigen Magensäureproduktion verbunden war.
Quelle: Nalin DR, et al. Cannabis, hypochlorhydria, and cholera. Lancet 1978;2(8095):859-862.

Q?

THC im Blut: Wie lange können THC und seine Stoffwechselprodukte im Blut nachgewiesen werden?

A.

Franjo Grotenhermen

Mit den üblichen Tests können 0,5 Nanogramm pro Milliliter (ng/ml) THC und 0,5 ng/ml seines Stoffwechselproduktes THC-COOH im Blutplasma entdeckt werden. Die Zeit, innerhalb der diese Nachweisgrenze nach dem Konsum unterschritten wird, variiert stark, selbst wenn die gleiche Menge THC aufgenommen wurde.
Nach dem Rauchen einer niedrig dosierten Cannabiszigarette (etwa 16 mg THC) wurde die Nachweisgrenze im Mittel nach 7,2 Stunden erreicht (Spanne: 3 - 12 Stunden), und nach einer hoch dosierten Zigarette (etwa 34 mg THC) wurde eine Plasmakonzentration von 0,5 ng/ml THC innerhalb von 12,5 Stunden (Spanne: 6 - 27 Stunden) erreicht. Das Stoffwechselprodukt THC-COOH war für eine deutlich längere Zeit nachweisbar, für 3,5 Tage (Spanne: 2 - 7 Tage) nach der niedrigen Dosis und für 6,3 Tage (Spanne: 3 - 7 Tage) nach dem Rauchen der hoch dosierten Zigarette.
Die Eliminationshalbwertszeit der THC-Stoffwechselprodukte aus dem Plasma ist größer als die Eliminationshalbwertszeit von THC selbst. THC-COOH kann bei regelmäßigem Konsum einige Wochen im Plasma nachweisbar sein.

Modifiziert nach: Grotenhermen F. Pharmacokinetics and pharmacodynamics of cannabinoids. Clin Pharmacokin 2002, in press.

Q?

Kinder: Was weiß man über die medizinische Verwendung von Cannabis bei Kindern?

A.

Franjo Grotenhermen

Es gibt nur zwei klinische Studien mit Cannabinoiden bei Kindern, eine mit Delta-8-THC und die andere mit dem THC-Abkömmling Nabilon. Beide untersuchten ihren Nutzen bei Nebenwirkungen der Krebschemotherapie. Vermutlich wegen einer unterschiedlichen Verteilung der Cannabinoidrezeptoren in den Gehirnen von Erwachsenen und Kindern scheinen Kinder relativ hohe Dosen ohne relevante psychische Wirkungen zu vertragen. Nach meiner Kenntnis werden Cannabis und Dronabinol (THC) vor allem bei neurologischen Störungen verwendet, wie Epilepsie, Badeunfall mit Beinaheertrinken, hyperaktive Störungen, etc.

Presseagentur-Meldung

Ein amerikanischer Richter hat einer Mutter eines hyperaktiven Kindes erlaubt, ihm weiterhin Cannabis zu geben. Der Richter lehnte ein Rechtsbegehren der Sozialbehörde ab, das Kind aus der Wohnung der Mutter in Rocklin, Kalifornien, zu nehmen. Der Achtjährige leidet unter einer schweren psychischen Störung. Seine Mutter gibt ihm Cannabis, weil sie erklärt, dass konventionelle Medikamente nicht helfen. Die Kinderschutzorganisation "Child Protective Services" wirft ihr vor, eine unfähige Mutter zu sein, nachdem sie von der Behandlung erfahren hat. Die Mutter wandte sich Cannabis zu, nachdem ein Kinderarzt ihr vorgeschlagen hatte, es einmal damit zu versuchen, und sie berichtete, dass sich das Verhalten ihres Sohnes deutlich gebessert habe. Seine Stimmungsschwankungen hätten abgenommen, und er habe Freundschaften mit anderen Kindern entwickelt. Anfänglich bereite die Mutter die "Medizin" des Jungen in Form von Teesemmeln (Muffins) zu, die sie ihm regelmäßig zu essen gab.
WENN via COMTEX vom 6. Dezember 2001

Abrahamov und Kollegen

Delta-8-Tetrahydrocannabinol (Delta-8-THC), ein Cannabinoid mit einer geringeren psychotropen Potenz als der wichtigste Cannabisbestandteil Delta-9-Tetrahydrocannabinol (Delta-9-THC) wurde acht Kindern im Alter zwischen 3 und 13 Jahren mit verschiedenen Blut-Krebsarten, die bis zu 8 Monate lang mit verschiedene Antikrebsmitteln behandelt wurden, verabreicht. Die Dosis war 18 mg orales THC pro Quadratmeter Körperoberfläche in Speiseöl. (Die Körperoberfläche eines Kindes von 30 Kilogramm Gewicht ist ungefähr ein Quadratmeter, die eines Erwachsenen von 75 Kilogramm etwa 1,8 Quadratmeter). Die Gesamtzahl der Behandlungen mit Delta-8-THC beträgt bisher 480. Die THC-Behandlung begann zwei Stunden vor jeder Krebsbehandlung und wurde alle 6 Stunden für eine Gesamtdauer von 24 Stunden fortgeführt. Erbrechen wurde vollständig verhindert. Die beobachteten Nebenwirkungen waren vernachlässigbar.
Modifiziert nach: Abrahamov A, Abrahamov A, Mechoulam R. An efficient new cannabinoid antiemetic in pediatric oncology. Life Sciences 1995;56(23-24):2097-2102.

Dalzell und Kollegen

Eine Studie wurde durchgeführt, die das neue synthetische Cannabinoid Nabilon mit oralem Domperidon (ein Mittel gegen Brechreiz) in einer Gruppe von Kindern, die wiederholte identische Chemotherapie-Zyklen wegen verschiedener Krebsarten erhielten, verglich. Achtzehn von 23 Kindern im Alter zwischen 10 Monaten und 17 Jahren beendeten die Studie. Wenn sie Nabilon nahmen, erlebten sie signifikant seltener Episoden mit Erbrechen und weniger Übelkeit, und zwei Drittel bevorzugten Nabilon. Die häufigsten Nebenwirkungen der Behandlung mit Nabilon waren Schläfrigkeit und Schwindel. Ein Patient erlebte Halluzinationen. Die Ergebnisse zeigen, dass Nabilon ein wirksames brechreizhemmendes Mittel bei Kindern, die eine Chemotherapie durchführen, ist, selbst bei kleinen Kindern. Es scheint in dieser Hinsicht Domperidon überlegen zu sein, und auch wenn Nebenwirkungen häufiger auftreten, so sind diese meistens akzeptabel für die Patienten. Es kann als eine Alternative für konventionelle antiemetische Behandlungen in der gesamten Kindheit empfohlen werden.
Modifiziert nach: Dalzell AM, Bartlett H, Lilleyman JS. Nabilone: an alternative antiemetic for cancer chemotherapy. Archives of Disease in Childhood 1986;61(5):502-505.

Q?

Entdeckung eines Cannabiskonsums: Kann die Einnahme von Cannabis durch eine routinemäßige Laboruntersuchung im Blut oder Urin entdeckt werden?

A.

Franjo Grotenhermen

Die Einnahme von Cannabis oder THC in Blut, Urin oder anderen Körperflüssigkeiten kann nur durch eine gezielte Suche nach THC oder seiner Stoffwechselprodukte nachgewiesen werden. Die Suche nach THC oder seiner Stoffwechselprodukte ist nicht üblicher Bestandteil routinemäßiger Blut- oder Urinuntersuchung, die in der ärztelichen Praxis oder im Krankenhaus durchgeführt werden.

Q?

THC in der Muttermilch: Schädigt THC in der Milch von Cannabis konsumierenden Müttern dem Baby?

A.

Chao und Kollegen

Milch gebende Affen, die chronisch 2 mg orales THC pro Kilogramm Körpergewicht entweder zwei- oder fünfmal pro Woche erhielten, wurde eine kleine Dosis radioaktiv markierten THCs vermischt mit dem THC gegeben. Während der 24-stündigen Beobachtungszeit erschienen etwa 0,2 % des markierten THCs in der Milch.
Modifiziert nach: Chao FC, Green DE, Forrest IS, Kaplan JN, Winship-Ball A, Braude M. The passage of 14C-delta-9-tetrahydrocannabinol into the milk of lactating squirrel monkeys. Res Commun Chem Pathol Pharmacol (1976 Oct) 15(2):303-317.

Susan Astley und Ruth Little

Die vorliegende Studie untersuchte die Beziehung zwischen der Exposition des Kindes mit Marihuana über die mütterliche Milch und der motorischen und geistigen Entwicklung des Kindes im Alter von einem Jahr. 136 gestillte Kinder wurden im Alter von einem Jahr hinsichtlich ihrer motorischen und geistigen Entwicklung beurteilt. 68 Kinder waren über die mütterliche Milch Marihuana ausgesetzt. Weitere 68 Kinder wurden den Marihuana-exponierten Kindern hinsichtlich mütterlichem Tabak- und Alkoholkonsum während und nach der Schwangerschaft angepasst. Marihuanaexposition über die mütterliche Milch während des ersten Monats nach der Geburt schien mit einer Abnahme der motorischen Entwicklung [Entwicklung der Bewegungen] des Kindes im Alter von einem Jahr assoziiert zu sein. Es gab keine Beziehung zwischen Marihuanaexposition während des dritten Monats nach der Geburt und der motorischen Entwicklung. Es gab keine Beziehung zwischen einer Marihuanaexposition während des ersten und dritten Monats und der geistigen Entwicklung des Kindes.
Dieses Ergebnis sollte mit Vorsicht interpretiert werden, wegen der vorläufigen Natur dieser Studie. Man kann aus den Ergebnissen, die hier präsentiert wurden, nicht schließen, dass eine Marihuanaexposition während der Stillzeit die motorische Entwicklung des Kindes im Alter von einem Jahre beeinträchtigt. Marihuanaexposition während der Stillzeit schien die motorische Entwicklung zu beeinflussen, aber das bedeutet nicht, dass die Beziehung eine von Ursache und Wirkung ist. Marihuanaexposition während der Schwangerschaft, passive Exposition mit Marihuanarauch in der Luft und die Qualität der Beziehung zwischen Mutter und Kind sind drei Faktoren, die potenziell die in dieser Studie beobachtete Beziehung durcheinander bringen könnten.
Modifiziert nach: Astley SJ, Little RE. Maternal marijuana use during lactation and infant development at one year. Neurotoxicol Teratol 1990;12(2):161-168.

Franjo Grotenhermen

Geringe Mengen an THC gelangen in die Milch Cannabis konsumierender Mütter. In einer Studie mit Affen, die chronisch THC erhielten, gelangte 0,2 % des THC in die Brustmilch. Danach würde ein täglicher Konsum von 50 mg THC (z.B. 1 Gramm Marihuana mit einem THC-Gehalt von 5 %) zu täglich 0,1 mg THC in der Brustmilch führen.
Chronische Cannabisverwendung durch die Mutter führt zu einer Anhäufung von THC in der Brustmilch. Milch Cannabis konsumierender Mütter kann deutlich höhere THC-Konzentrationen aufweisen als ihr Blut. In einer Studie war die THC-Konzentration in der Milch 8,4-mal so hoch wie im Blutplasma. Unter der Annahme einer recht hohen durchschnittlichen Konzentration von 10 ng/ml (Nanogramm pro Milliliter) im Plasma und einer zehnmal so hohen Konzentration in der Milch (100 ng/ml), würde sich eine Gesamtmenge von 0,07 mg THC in 700 ml Milch ergeben. 700 ml ist die mittlere tägliche Milchaufnahme eines Kleinkindes.
Bisher wurden zwei Studien durchgeführt, die die Wirkungen von Cannabiskonsum durch stillende Mütter auf die kindliche Entwicklung untersucht haben. Eine fand keine Wirkungen (Tennes et al. 1985), die andere geringe Wirkungen auf die motorische Entwicklung, wenn Cannabis öfter als an 15 Tagen im ersten Monat nach der Geburt verwendet wurde (siehe oben, Astley und Little 1990).
Die THC-Menge, die in der Muttermilch von Cannabiskonsumenten gefunden wird, ist gering, trotz der Anhäufung bei gewohnheitsmäßigem Konsum. Nur starker Cannabiskonsum wird zu Mengen führen, die möglicherweise für das Baby von Bedeutung sein könnten. Gelegentlicher oder geringer gewohnheitsmäßiger Konsum wird vermutlich ohne Bedeutung sein.

Q?

Dosierung bei oraler Aufnahme: Welche Dosen werden verwendet, wenn THC (Dronabinol) oder Cannabis gegessen werden, in Kapseln, in Gebäck oder als Cannabis

A.

Franjo Grotenhermen

Wenn möglich sollten langsam zunehmende Dosen in einer titrierenden Art und Weise angewendet werden, um unerwünschte Nebenwirkungen auf Psyche und Kreislauf zu vermeiden. Ausgangsdosen sind 2 x 2,5 mg oder 2 x 5 mg Dronabinol am Tag. Die Dosen können bis auf mehrere Einheiten von 10 mg täglich erhöht werden. Bei Appetitverlust und Übelkeit wegen Aids sind 5-20 mg THC am Tag im Allgemeinen ausreichend, zur Schmerzbehandlung werden oft höhere Dosen benötigt. Wenn natürliche Cannabisprodukte von unbekanntem THC-Gehalt oral verwendet werden, sollte der Patient mit 0,05-0,1 Gramm beginnen (für Cannabis mit einem mittleren THC-Gehalt von 5 Prozent entspricht dies 2,5-5 mg THC).
Wenn der THC-Gehalt unbekannt ist, sollte ein Cannabis-Vorrat, der für einige Wochen ausreicht, angelegt werden, um eine konstante Qualität sicher zu stellen. In einer Studie von Fairbairn und Kollegen (1976) nahm der THC-Gehalt innerhalb von 47 Wochen nur um 7 Prozent ab, wenn er dunkel und trocken bei 5°C gelagert worden war, und um 13 Prozent bei einer Temperatur von 20°C.
Um reproduzierbare Wirkungen zu erzielen, sollten Cannabis oder THC immer unter ähnlichen Bedingungen hinsichtlich der Nahrungsaufnahme eingenommen werden, beispielsweise immer eine Stunde vor dem Essen. Wenn natürliche Cannabiszubereitung verwendet werden, sollten die Mengen sorgfältig abgewogen und mit dem gleichen Träger verwendet werden, beispielsweise Cannabis-Tee aus einem halben Gramm getrockneter Cannabisblüten auf einem halben Liter Wasser mit etwas Sahne.
Wie bei den Opiaten können einige Nebenwirkungen innerhalb von einigen Tagen oder Wochen abnehmen, was die Akzeptanz der Droge verbessert. Eine verlängerte THC-Einnahme verursacht eine Toleranz gegenüber unerwünschten Wirkungen auf den Kreislauf und gegenüber psychischen Wirkungen, so dass manchmal tägliche Dosen von mehr als 50 mg THC genommen werden können, ohne signifikante unerwünschte psychische oder körperliche Nebenwirkungen. Starke gewohnheitsmäßige Konsumenten in westlichen Gesellschaft können täglich fünf bis zehn Cannabiszigaretten oder mehr rauchen, und vertragen daher tägliche Dosen von 100 mg THC und mehr. Bei einem Kollektiv von Cannabiskonsumenten, das von Solowij (1991) analysiert worden war, betrug der mittlere wöchentliche Konsum 766 mg THC, mit einer Spanne von 30-2400 mg THC.
Toleranz kann auch bei therapeutisch erwünschten Wirkungen auftreten (z. B. Abnahme des Augeninnendrucks, Schmerzreduzierung) und erhöhte Dosen nach einiger Zeit der Behandlung erforderlich machen.
Verändert nach: Grotenhermen F. Harm reduction associated with inhalation and oral administration of cannabis and THC. Journal of Cannabis Therapeutics 2001;1(3-4):133-152

Q?

Kognitive Leistung: Beeinträchtigt langzeitiger Cannabiskonsum die intellektuelle Leistungsfähigkeit?

A.

Pope und Kollegen

Wir rekrutierten Personen im Alter zwischen 30 und 55 Jahren in drei Gruppen: (1) 63 aktuelle starke Cannabiskonsumenten, die Cannabis mindestens 5000mal in ihrem Leben geraucht hatten und die es bei Studieneintritt täglich rauchten; (2) 45 ehemalige starke Konsumenten, die ebenfalls mindestens 5000mal geraucht hatten, jedoch weniger als 12mal in den vergangenen 3 Monaten; (3) 72 Kontrollpersonen, die nicht öfter als 50mal in ihrem Leben geraucht hatten. Die Probanden durchliefen eine 28-tägige Abstinenzperiode vom Cannabiskonsum. An den Tagen 0, 1, 7 und 28 absolvierten sie eine komplexe neuropsychologische Testbatterie.
Ergebnisse: An den Tagen 0, 1 und 7 erreichten aktuelle starke Konsumenten beim Erinnern einer Wörterliste signifikant geringere Punktzahlen als die Kontrollpersonen. Allerdings gab es am 28. Tag nahezu keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen bei irgendeinem der Testergebnisse, und es gab keine signifikanten Assoziationen zwischen kumulativem Lebenszeit-Cannabiskonsum und Testpunkten.
Schlussfolgerung: Einige kognitive Defizite bleiben mindestens 7 Tage nach starkem Cannabiskonsum bestehen, erscheinen jedoch reversibel und mit einer kürzlichen Cannabisexposition zusammenzuhängen, anstatt irreversibel und mit dem kumulativen Lebenszeitkonsum zusammenzuhängen.
Modifiziert nach: Pope HG Jr, et al. Neuropsychological performance in long-term cannabis users. Arch Gen Psychiatry 2001 Oct;58(10):909-15.

Peter Fried und Kollegen

Wir bestimmten den Marihuanakonsum von 17- bis 20-Jährigen, deren Intelligenzquotient (IQ) im Alter von 9 - 12 Jahren bestimmt worden war. Die Differenzen der IQ-Punktzahlen wurden durch Subtraktion der IQ-Punktzahlen einer jeden Person im Alter von 9 - 12 Jahren (vor Beginn des Drogenkonsums) und ihrer Punktzahl im Alter von 17 - 20 Jahren bestimmt. Wir verglichen dann die Differenz der IQ-Punktzahlen von aktuellen starken Konsumenten (mindestens 5 Joints pro Woche), aktuellen leichten Konsumenten (weniger als 5 Joints pro Woche), ehemaligen Konsumenten (die seit wenigstens 3 Monaten nicht mehr regelmäßig konsumiert hatten) und nicht Nicht-Konsumenten (die nie mehr als einmal pro Woche und in den letzten zwei Wochen gar nicht geraucht hatten).
Ergebnisse: Aktueller starker Marihuanakonsum war in einer dosisabhängigen Weise signifikant mit einer Abnahme des IQ während der untersuchten Jahre assoziiert. Der Vergleich der Differenz der IQ-Punktzahlen zeigte eine mittlere Abnahme von 4,1 Punkten bei aktuellen starken Konsumenten, verglichen mit Gewinnen in IQ-Punkten bei leichten aktuellen Konsumenten (5,8), ehemaligen Konsumenten (3,5) und Nicht-Konsumenten (2,6).
Interpretation: Aktueller Marihuanakonsum hatte nur bei Personen, die 5 oder mehr Joints pro Woche rauchten, eine negative Wirkung auf die Punktzahl des globalen IQ. Ein negativer Effekt wurde nicht bei Personen beobachtet, die zuvor starke Konsumenten waren, jedoch die Substanz nicht länger verwendeten. Wir folgern daraus, dass Marihuana keinen langzeitigen negativen Einfluss auf die globale Intelligenz hat. Ob die Abwesenheit eines residualen Marihuanaeffekts auch bei spezifischeren kognitiven Bereichen wie Erinnerung und Aufmerksamkeit bestehen bleiben würde, muss noch ermittelt werden.
Modifiziert nach: Fried P, et al. Current and former marijuana use: preliminary findings of a longitudinal study of effects on IQ in young adults. CMAJ 2002;166(7):887-91.

Nadia Solowij & Brin Greyner

Den größten Einfluss übt Cannabis, sowohl inhaliert als auch oral eingenommen, auf das zentrale Nervensystem (ZNS) aus. Weltweit wird es vor allem wegen seiner bewusstseinsverändernden und -intensivierenden Eigenschaften als Freizeitdroge konsumiert. Studien am Menschen zur direkten Wirkung von Cannabis zeigen, dass das Cannabinoidrezeptorsystem an der Regulierung von Stimmungen, Gefühlen, der Aufmerksamkeit, dem Gedächtnis und weiteren kognitiven Leistungen beteiligt ist. Bisher ist allerdings nicht geklärt, wie stark die einzelnen Funktionen sowie das endogene Cannabinoidsystem und die Rezeptoren selbst durch eine längere Verwendung exogener Cannabinoide beeinflusst werden. Bisherige Ergebnisse aus Tierversuchen und Studien am Menschen deuten an, dass sie sich langfristig nicht sehr verschlechtern, jedoch Veränderungen in ihrer Arbeitsweise auftreten. (...)
Bisher ist nicht geklärt, in welchem Umfang sich die kognitiven und psychologischen Effekte eines Langzeit-Cannnabiskonsums auf den Alltag auswirken, obwohl Cannabiskonsumenten selbst über Gedächtnis- und Konzentrationsprobleme, Motivationsverlust, Paranoia, Depression, Abhängigkeit und Lethargie klagen [52,45]. Schwenk (1998) vertritt den Standpunkt, dass es keinen klaren kausalen Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum und Arbeitsleistung gibt. Die Natur der kognitiven Defizite, wie sie durch psychologische Tests gemessen wurden, deutet an, dass Langzeitkonsumenten Routinearbeiten des täglichen Lebens gut bewältigen können, jedoch möglicherweise leichter abzulenken sind. Schwierigkeiten treten wahrscheinlich bei komplexen Aufgaben auf, die neu sind bzw. nicht mit einer automatischen Anwendung des bisherigen Wissens gelöst werden können, oder bei Aufgaben, die stark an Gedächtnisleistungen gebunden sind oder strategisches Planen und Multitasking verlangen. (…)
Der Umfang, in dem sich die leichten kognitiven Beeinträchtigungen nach Beendigung eines Konsums wiederherstellen, ist ebenfalls nicht bekannt. Dies wird weiter untersucht.
Solowij N, Greyner B. Langzeiteffekte von Cannabis auf Psyche und Kognition. Grotenhermen F, Hrsg. Cannabis und Cannabinoide. Pharmakologie, Toxikologie und therapeutisches Potential. Göttingen: Hans Huber Verlag, 2001.

Lynn Zimmer & John Morgan

Der kognitive Prozess, der am deutlichsten durch Marihuana beeinflusst wird, ist das Kurzzeitgedächtnis. In Laborstudien haben Probanden unter dem Einfluss von Marihuana keine Probleme, Dinge zu erinnern, die sie vorher gelernt haben. Allerdings zeigen sie eine verringerte Fähigkeit, neue Informationen zu lernen und zu erinnern. Diese Verminderung dauert für die Dauer der Berauschung an. Es gibt keine überzeugenden Beweise, dass starker langzeitiger Marihuanakonsum das Gedächtnis oder andere kognitive Funktionen auf Dauer beeinträchtigt. (...)
Während der vergangenen dreißig Jahre haben Forscher höchstens unbedeutende kognitive Unterschiede zwischen chronischen Marihuanakonsumenten und Nicht-Konsumenten gefunden, und die Ergebnisse unterscheiden sich erheblich von einer Studie zur anderen. Basierend auf dieser Beweislage erscheint es nicht so, dass langzeitiger Marihuanakonsum die intellektuellen Fähigkeiten signifikant auf Dauer schädigt.
Zimmer L, Morgan JP. Marijuana Myths Marijuana Facts. A review of the scientific evidence. New York/San Francisco: The Lindesmith Center, 1997.

Britisches Oberhaus

Cannabis kann unerwünschte langzeitige Effekte auf die kognitive Leistungsfähigkeit haben, das heißt auf die Leistungsfähigkeit des Gehirns. besonders bei starken Konsumenten. Diese wurden für uns durch die Königliche Akademie für Psychiater und die Königliche Gesellschaft überprüft. Während Konsumenten geringe oder keine Beeinträchtigungen bei einfachen Aufgaben zur Testung des Kurzzeitgedächtnisses zeigen, zeigen sie signifikante Beeinträchtigungen bei Aufgaben, die eine komplexere Behandlung des gelernten Materials erfordern (sogenannte "exekutive" Gehirnfunktionen). Es gib einige Beweise, nach denen eine gewisse Beeinträchtigung bei komplexen kognitiven Funktionen selbst nach Beendigung des Cannabiskonsums fortbestehen kann. Aber solche Restdefizite sind, falls sie existieren sollten, gering, und ihre Existenz ist umstritten. Dr. Jan van Amsterdam vom holländischen nationalen Institut für öffentliche Gesundheit und Umwelt, der für uns die Literatur zu den langzeitigen kognitiven Wirkungen auf ausgedehnten starken Konsum durchgesehen hat und freundlicherweise nach Westminster kam, um uns seine Befunde mitzuteilen, wies auf die praktischen Schwierigkeiten hin, die bei der Abschätzung möglicher Restwirkungen bestehen. Diese umfassen die Unmöglichkeit, Vordrogen-Basiswerte zu erhalten (d.h. Messungen der kognitiven Funktion des Probanden vor dem ersten Cannabiskonsum), die Schwierigkeit die eingenommene Drogendosis zu schätzen, die Notwendigkeit eines langen "Washout"-Zeitraums nach Beendigung des Konsums, um der langsamen Ausscheidung von Rest-Cannabis aus dem Körper gerecht zu werden, und die Möglichkeit, langzeitige Defizite mit Entzugssymptomen zu verwechseln. Er hatte den Eindruck, dass viele der zu diesem Thema veröffentlichten Berichte diese Probleme nicht angemessen berücksichtigt hätten.
House of Lords Select Committee on Science and Technology. Cannabis. The scientific and medical evidence. London: The Stationery Office, 1998

Q?

Erhitzen von Cannabis: Warum sollten Cannabisprodukte vor dem Essen erhitzt werden?

A.

Franjo Grotenhermen

In der Pflanze liegen die Cannabinoide überwiegen in ihrer carboxylierten Form als Cannabinoidsäuren vor. Allerdings ist die phenolische Form für die psychotropen und die meisten medizinischen Effekte verantwortlich. Die Decarboxylierung (Abspaltung von CO2) zur phenolischen Form geschieht leicht mit der Zeit, durch Erhitzen oder unter alkalischen Bedingungen.
Das Verhältnis der THC-Säuren (THCA) zum phenolischen THC beträgt nach verschienenen Berichten in den Blättern und Blüten von Cannabis sativa zwischen 2:1 (Afrika) und >20:1 (Schweiz). In Pflanzen, die aus einem Samenbestand aus Marokko, Sri Lanka und Sambia in Mitteleuropa (Großbritannien) angebaut wurden, betrug das Verhältnis von THCA zu THC 17:1, während das Verhältnis bei Pflanzen aus den ursprünglichen Gebieten (Afrika, Asien) 2:1 war. In Haschisch (Cannabisharz) betrug das THCA/THC-Verhältnis zwischen 6,1:1 und 0,5:1, das letztere in Haschisch aus Indien. Also, variierte der Anteil des phenolischen THC am Gesamt-THC in Cannabisprodukten je nach Herkunft und Art zwischen weniger als 5 % bis zu 65 %.
Cannabisprodukte mit einem hohen Gehalt an phenolischem THC (z.B. Haschisch) können ohne Erhitzen sehr potent sein, aber im Allgemeinen wird die Wirkstärke von Cannabisprodukten durch Erhitzen (Rauchen, Backen) erheblich gesteigert.
Modifiziert nach: Grotenhermen F. Pharmacokinetics and pharmacodynamics of cannabinoids. Clinical Pharmacokinetics 2001, in press.

Q?

Risiken des Rauchens: Was sind die wichtigsten Strategien zur Reduzierung der Risiken der Cannabisrauchens?

A.

Donald P. Tashkin

Die Bestandteile des Marihuanarauches entsprechen zumindest qualitativ denen von Tabak, mit der wichtigsten Ausnahme, dass Marihuanarauch Delta-9-Tetrahydocannabinol (Delta-9-THC) und etwa 60 weitere Cannabinoidverbindungen enthält, die nicht im Tabak gefunden werden, und dass Tabak Nikotin enthält, das im Marihuana fehlt. Viele der Bestandteile, die Marihuana und Tabak gemeinsam aufweisen, sind bekanntermaßen giftig für Gewebe der Atemwege. Diese toxischen Bestandteile umfassen Hydrozyansäure, Stickstoffoxide, Akrolein, reaktive Aldehyde und verschiedene bekannte Karzinogene. Es ist daher vernünftig anzunehmen, dass das wiederholte Einatmen dieser schädlichen Komponenten im Cannabisrauch langzeitige ungünstige Wirkungen auf die Lunge ausübt, ähnlich denen, die bei gewohnheitsmäßigen Tabakrauchern beobachtet werden.
Tashkin DP. Respiratorische Risiken des Marihuanarauchens. Grotenhermen F, Hrsg. Cannabis und Cannabinoide. Pharmakologie, Toxikologie und therapeutisches Potential. Göttingen: Hans Huber Verlag, 2001.

Franjo Grotenhermen

Die wichtigsten Strategien zur Reduzierung der Risiken des Rauchens sind:

  • Die Verwendung von Cannabissorten mit hohem THC-Gehalt. (...)
  • Die Verwendung von reinem Cannabis. Manchmal wird Cannabis zusammen mit Tabak oder getrockneten Kräutern geraucht. Dieses Vorgehen sollte vermieden werden, um die Inhalation von Rauch von verbranntem, getrockneten Pflanzenmaterial zu minimieren.
  • Die Verwendung von Pfeifen. Pfeifen sind Zigaretten in einigen Situationen überlegen, da sie dem Patienten leicht erlauben, geringe Mengen von reinem hochwertigen Cannabis zu rauchen. Der Anteil des Teers im Rauch wird reduziert durch Kondensierung an den Pfeifenwänden. Pfeifen sollten häufig gereinigt werden. Wasserpfeifen sind Zigaretten unterlegen und sollten vermieden werden. (...)
  • Die Verwendung von Cannabis, das frei von natürlicher Kontamination und Verfälschungsmitteln ist. Nur krankheitsfreies Cannabis sollte geerntet und luftgetrocknet werden. (...)
  • Die Verwendung von Inhalationsgeräten, die die Produktion von Teer vermindern. (...) Gieringer testete Vaporizer, die Marihuana auf 180-190°C erhitzen, so dass das THC unterhalb des Verbrennungspunktes von Zellulose und anderem Pflanzenmaterial verdampft wird. Die Produktion polyzyklischer Kohlenwasserstoffe wurde reduziert. Der beste Vaporizer lieferte 10 Teile Teer und ein Teil Cannabinoide, Cannabiszigaretten lieferten ein Verhältnis von 13:1 (im Mittel) und Wasserpfeifen ein Mittel von 27:1 (...). Also erreichte der beste Verdampfer ein Leistungsverhältnis, das etwa 25 % über dem ungefilterter Zigaretten lag, während Wasserpfeifen schlechter als Cannabiszigaretten abschnitten. Die Verwendung eines Filters in einer Cannabiszigarette war nicht vorteilhaft, weil es nicht nur das Teer filterte, sondern auch die Cannabinoide. Tatsächlich reduzierte sich das Leistungsverhältnis um etwa 30 % im Vergleich zur ungefilterten Zigarette.

In einer neuen Studie konnte Gieringer zeigen, dass Verbrennungsprodukte substanziell durch Verwendung eines anderen Vaporizers reduziert wurden. Das verwendete Gerät produzierte eine Temperatur von 185°C und eliminierte vollständig Benzol, Toluol und Naphthalin. Relevante Mengen Benzol traten bei Temperaturen von 200°C auf, während die Verbrennung bei etwa 230°C oder darüber auftrat. Spuren von THC wurden ab einer Temperatur von 140°C gemessen. Kohlenmonoxid und Teer wurden qualitativ durch den Verdampfer reduziert, jedoch in der Studie nicht quantifiziert. Allerdings wurde eine signifikante Reduzierung der polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe angenommen, da das verdampfte Cannabis einen dünnen grauen Dampf abgab und das Pflanzenmaterial mit einem grün bis grünlich-braunen "getoasteten" Aussehen zurückblieb, während die verbrannte Probe einen dicken Rauch produzierte und sich in Asche verwandelte. (...) - Kombination von oraler Einnahme und Inhalation. Bei verschiedenen Indikation kann eine Kombination aus einer oralen Basismedikation mit Cannabis oder THC und eine inhalierte Bedarfsmedikation nützlich sein, um die Risiken des Rauchens und einer möglichen Überdosierung bei oraler Gabe zu reduzieren.
Grotenhermen F. Harm reduction associated with inhalation and oral administration of cannabis and THC. Journal of Cannabis Therapeutics 2001, in press.

Q?

Urinuntersuchungen: Wie lange können THC-Abbauprodukte im Urin nachgewiesen werden?

A.

Ellis und Kollegen

Die Urinausscheidungsmuster von 86 gewohnheitsmäßigen Cannabiskonsumenten wurden nach ihrem letzten Cannabiskonsum mit üblichen Screeening-Verfahren untersucht (...). Wir zeigten, dass chronische Konsumenten unter streng kontrollierter Abstinenzkontrolle bis zu 46 Tage in Folge positive Ergebnisse für Cannabinoide im Urin (...) haben können, und dass es bis zu 77 Tage dauern kann, bevor die Befunde für 10 aufeinanderfolgende Tage unter die Cutoff-Eichung fallen. Für alle Personen lag die mittlere Ausscheidungszeit bei 27 Tagen (...). Demographische Variablen, Körperbau und Drogenvorgeschichte waren nur schwache Prädiktoren [voraussagende Parameter] für die Ausscheidungsmuster.
Ellis GM Jr Mann MA Judson BA Schramm NT Tashchian A. Excretion patterns of cannabinoid metabolites after last use in a group of chronic users. Clin Pharmacol Ther 1985;38(5):572-578.

Rolf Aderjahn

Die Ausscheidung von THC und seinen Metaboliten kann beim Dauerkonsumenten im Bereich von 4-6 Wochen festzutsellen sein. In der Literatur wird über einen 10 Jahre langen, intensiven Cannabiskonsum berichtet, der nach 77 Tagen noch mit üblichen Tests nachzuweisen war. Bei vereinzeltem oder gelegentlichem Missbrauch ist die Ausscheidung im Urin nur selten kurz (einige Stunden), meist dauert sie 3-5 Tage. Aderjahn R. Toxikologischer Cannabisnachweis. In: In: Berghaus G, Krüger HP, Hrsg. Cannabis im Straßenverkehr. Stuttgart: Gustav Fischer, 1998.
Aderjahn R. Toxikologischer Cannabisnachweis. In: In: Berghaus G, Krüger HP, Hrsg. Cannabis im Straßenverkehr. Stuttgart: Gustav Fischer, 1998.

Coleman und Baselt

Coleman und Baselt untersuchten die Wirkung zweier kommerzieller Produkte, von denen behauptet wird, dass sie Drogen aus dem Körper eliminieren. Sie vergleichen 1200 ml Wasser mit Quick Flush und Eliminator. Sie fassen zusammen:
"ERGEBNISSE: Jedes der Behandlungsprotokolle verursachte eine Verminderung der Drogen- oder Metabolitenkonzentration (…). Wasser allein war ungefähr so wirksam wie die beiden kommerziellen Produkte bei der Reduzierung der Metabolitenkonzentration. Keines des Behandlungsprotokolle, die in dieser Studie verwendet wurden, veränderte den pH-Wert im Urin, das spzifische Gewicht oder die Kreatininkonzentration außerhalb der üblichen akzeptierten physiologischen Werte. SCHLUSSFOLGERUNG: Versuche, Drogenmissbrauch durch Wasserverdünnung zu verschleiern, spielen sehr wahrscheinlich eine wichtige Rolle, wenn sich die Konzentrationen für einen bestimmten Test an oder nahe an der Nachweisgrenze bewegen, wie bei den Endstadien der Drogenausscheidung."
Coleman DE Baselt RC. Efficacy of two commercial products for altering urine drug test results. J Toxicol Clin Toxicol (1997) 35(6):637-642.

Q?

Cannabis-Tinktur: Wie kann ich eine Cannabistinktur oder ein Cannabisöl herstellen?

A.

Manfred Fankhauser

Alte Rezepte für Medikamente aus Cannabis legen das folgende Vorgehen nahe (wenn man keine spezielle pharmazeutische Ausrüstung hat):
Cannabis-Tinktur: Nimm etwa 3-5 Teile Alkohol (z.B. Schnaps oder Äthylalkohol aus der Apotheke, 40-70 %) und einen Teil Cannabisblätter/-blüten (z.B. 25 g Marihuana und 100 ml Alkohol). Lagere es etwa 10 Tage lang an einem dunklen und kühlen Ort. Schüttle es von Zeit zu Zeit. Filtere es mit einem Sieb. Verwahre die fertige Tinktur dunkel und kühl auf (z.B. im Kühlschrank), so dass die Wirksamkeit einige Wochen bzw. Monate bestehen bleibt.
Cannabis-Öl: Nimm etwas getrocknetes Cannabis, zerkleinere es und gib etwas Speiseöl hinzu (z.B. Olivenöl), so dass das Pflanzenmaterial vollständig mit dem Öl bedeckt ist. Lagere es etwa 3 Wochen lang an einem dunklen und kühlen Ort. Schüttle es jeden Tag ein wenig. Filtere es mit einem Sieb. Dieses Öl kann zur inneren und zur äußerlichen Anwendung verwendet werden.
Dr. Fankhauser ist Apotheker in der Schweiz.

José T. Gállego

Es ist einfach, eine Tinktur oder ein Öl aus Cannabis herzustellen, das die aktiven Bestandteile der Pflanze konzentriert. Sie benötigen dazu Marihuana (jede Qualität, gut oder schlecht, Blätter oder Blüten), Äthylalkohol von 96-99 % (z.B. aus der Apotheke), ein Glas, das sich schließen lässt (z.B. ein Marmeladenglas), einen Kaffeefilter oder ein Stück Stoff (z.B. ein Teil von einem T-Shirt), einen tiefen Teller oder eine Bratpfanne, eine Flasche mit einem Tropfverschluss.
Zerkleinere das Cannabis und lege es ins Glas. Bedecke es mit ausreichend Alkohol. Lagere es etwa eine Woche an einem dunklen und kühlen Ort und schüttle es jeden Tag. Filtre es mit dem Kaffeefilter oder dem Stoff. Drück die letzten Tropfen Alkohol aus dem Pflanzenmaterial heraus. Sie können diesen Prozess mehrfach wiederholen, mindestens einmal, am besten zweimal: Sie können das Cannabis erneut in das Glas legen und mit Alkohol bedecken…. Schließlich: Schütten Sie den ganzen Alkohol (er wird eine grüne Farbe haben) in einen tiefen Teller. Lagere ihn an einem temperierten und luftigen Ort, so dass etwas von dem Alkohol verdunstet und die Cannabinoid-Konzentration der Tinktur zunimmt. Das kann etwa 10 Tage dauern. Wenn genug Alkohol verdunstet ist, fülle den Extrakt in die Flasche mit dem Tropfverschluss.
Die Cannabistinktur kann direkt verwendet werden, in ein Getränk oder Nahrung gegeben oder verdampft werden. Um die Tinktur zu verdampfen, kann ein kommerzieller Vaporizer verwendet werden oder die alte Silberpapiermethode. Forme einen Teelöffel aus Silberpapier, gib einige Tropfen der Tinktur hinein, erhitze es mit einer Kerze bis der Alkohol verdunstet. Dann inhaliere es mit einem Röhrchen (z.B. dem Körper eines Kugelschreibers).
Um Haschischöl herzustellen, muss man den gesamten Alkohol aus der Tinktur verdunsten lassen bis aus dem Extrakt eine dunkle Paste wird (ähnlich wie Teer). Es ist möglich, das Glas an einen warmen Ort zu stellen, um den Prozess des Verdunstens zu beschleunigen. Es sollte nicht in die Sonne gestellt werden, weil das THC dann schneller zerstört wird. Es sollte nicht erhitzt werden, um eine Explosion des Alkohols zu vermeiden. Nach: Gállego JT: Tintura de cannabis. Canamo, No 46, July 2001:76-77.
Nach: Gállego JT: Tintura de cannabis. Canamo, No 46, July 2001:76-77.

Q?

Herzinfarkt: Verursacht Cannabis Herzinfarkte?

A.

Fachwörter:

  • Angina = Brustenge bei koronarer Herzkrankheit
  • Belastungszeit = Zeit in einem Belastungstest für die Herzfunktion
  • Betablocker = Medikamente, die zur Behandlung des Bluthochdrucks und von Herzerkrankungen verwendet werden
  • CRP (C-reaktives Protein) = ein Indikator für die Stärke von Entzündungen
  • koronar = die Herzkranzgefäße betreffend
  • koronare Herzkrankheit = Verengung der Herzkranzgefäße - Epidemiologische Längsschnittstudien = Studien, die eine bestimmte Gruppe von Menschen (oft mehrere Hundert oder Tausende) über eine lange Zeit begleiten, um Unterschiede zwischen verschiedenen Untergruppen zu ermitteln, beispielsweise in Abhängigkeit von der Lebensweise und Gewohnheiten
  • Myokard = Herzmuskel
  • myokardial = auf den Herzmuskel bezogen
  • Myokardinfarkt = Herzinfarkt
  • Trigger = Auslöser

Murray A. Mittleman und Kollegen

Wir befragten 3882 Patienten (1258 Frauen) mit akutem Myokardinfarkt durchschnittlich 4 Tage nach dem Infarktbeginn. (...) Von den 3882 Patienten gaben 124 (3,2 %) an, im letzten Jahr Marihuana geraucht zu haben, 37 innerhalb von 24 Stunden und 9 innerhalb einer Stunde vor den Herzinfarktsymptomen. (...) Das Risiko eines Myokardinfarkt-Beginns war in den 60 Minuten nach dem Marihuanakonsum um das 4.8-fache über dem Basisniveau erhöht (95 % Konfidenzintervall: 2,4 bis 9,5). Das erhöhte Risiko nahm danach schnell wieder ab. Schlussfolgerung: Das Rauchen von Marihuana ist ein seltener Trigger eines akuten Myokardinfarkts.
Mittleman MA, Lewis RA, Maclure M, Sherwood JB, Muller JE. Triggering Myocardial Infarction by Marijuana. Circulation 2001;103(23):2805-2809.

Lindesmith Center (USA)

Eine Analyse der Forschungsmethoden, die [in der Studie von Mittleman und Kollegen] verwendet wurden, legt die auffälligen Fehler offen. Die Kollektivgröße ist statistisch bedeutungslos, es wurde keine ursächliche Beziehung hergestellt, und die Studie selbst wurde nie wiederholt. (...)
Von den 3.882 Patienten mit Herzinfarkten, waren 124 aktuelle Marihuanakonsumenten, und 9 hatten innerhalb einer Stunde nach ihrem Herzinfarkt geraucht. Basierend auf diesem sehr kleinen, selbst-selektierten Kollektiv, folgert Dr. Mittleman, dass das Risiko eines Herzinfarkts nach dem Rauchen von Marihuana um das 4,8-Fache erhöht sei. Bereits die Größe der Untersuchungsgruppe macht die Ergebnisse bedeutungslos. Angenommen Dr. Mittelmans Schlussfolgerungen sind richtig, so wirft die Tatsache, dass das Herzinfarktrisiko für einen sonst gesunden 50-Jährigen etwa 10 zu 1 Millionen beträgt, ein bezeichnendes Licht auf die Sensationalismus der weit verbreiteten Publicity, den die Studie erhält.
Lindesmith Newsletter. Junk Science Makes Headlines. Questionable Study Links Marijuana Smoking and Heart Attacks. June 15, 2001.

L.A. Gottschalk and colleagues

Angesichts der bestehenden Befunde, dass Marihuanarauchen die myokadiale Sauerstoffversorgung verringert, die Belastungszeit bis zum Beginn der Angina-Schmerzen reduziert und den Sauerstoffbedarf des Myokards bei anginösen Patienten vergrößert, ist Marihuanakonsum bei solchen Patienten eindeutig nicht ratsam.
Mehr dazu in:
Russo EB. Cannabis for migraine treatment: The once and future prescription? An historical and scientific review. Pain 1998;76(1):3-8.
Russo EB. Hemp for headache: An in-depth historical and scientific review of cannabis in migraine treatment. J Cannabis Ther 2001;1(2):21-92.
Russo EB. Migräne: In: Grotenhermen F, Hrsg. Cannabis und Cannabinoide. Pharmakologie, Toxikologie und therapeutisches Potential. Huber, Bern 2001.

Franjo Grotenhermen

Der Gesamteffekt des Cannabiskonsums auf die Herzinfarkthäufigkeit ist unbekannt. Sie kann nur in epidemiologischen Längsschnittsstudien ermittelt werden. Es gibt einige Studien und Fallberichte, die die Annahme unterstützen, dass Cannabiskonsum schädlich für Menschen mit koronarer Herzkrankheit sein kann und Herzinfarkte auslöst. Dies ist allerdings offenbar ein sehr seltenes Ereignis. Cannabis verursacht keinen Herzinfarkt bei einem Gesunden.
Es gibt einige pharmakologische Eigenschaften von Cannabis, die vorbeugend wirken können, und einige, die schädlich sein können.
Faktoren, die schädlich sein können:

  • Die Abnahme der Sauerstoffversorgung des Herzens (nur, wenn Cannabis geraucht wird), wegen der Produktion von Kohlenmonoxid.
  • Die Zunahme der Herzfrequenz von im Durchschnitt etwa 45 % in der ersten Stunde nach dem Rauchen. Daher kann eine normale Herzfrequenz von 70 auf etwa 100 zunehmen. Dies vergrößert die Arbeit und den Sauerstoffbedarf des Herzmuskels.
  • Veränderungen des Blutdrucks. Cannabis kann eine Blutdruckerhöhung verursachen, wenn die Person liegt, und eine Abnahme, wenn sie aufsteht.
  • Faktoren, die präventiv sein könnten:
  • Wenn die Brustenge auf einer spastischen Zusammenziehung der Koronargefäße beruht, kann Cannabis den Spasmus lösen.
  • Cannabinoide reduzieren die Zusammenballung der Blutplättchen und können daher die Neigung des Blutes, Klumpen zu bilden, reduzieren.
  • Cannabinoide wirken entzündungshemmend. Entzündung, gemessen als Spiegel von CRP, ist mit einem erhöhten Herzinfarktrisiko verbunden.

Bei Vorliegen einer koronaren Herzkrankheit kann das Herzinfarktrisiko durch Cannabiskonsum so groß sein wie beim Spazierengehen oder durch Sex. Wenn Sie also Brustschmerzen beim Spazierengehen verspüren, oder wenn Sie wissen, dass Sie an einer schweren koronaren Herzerkrankung leiden, dann sollten Sie besser kein Cannabis nehmen oder nur in niedrigen Dosen, die nicht zu einer relevanten Zunahme der Herzfrequenz führen. Diese niedrigen Dosen sind oft ausreichend hoch, um eine therapeutische Wirksamkeit zu entfalten. Sie können Ihre Herzfrequenz selbst messen und so herausfinden, wie sie sich in Reaktion auf Cannabis verändert. Im Falle einer versehentlichen Überdosierung kann der Zunahme der Herzfrequenz durch Einnahme eines Betablockers vorgebeugt werden

Q?

Chromosomenschäden: Schädigt Cannabis die Gene?

A.

Britisches Oberhaus

Es gibt keinen Befund, nach dem Cannabis die menschliche Fruchtbarkeit beeinträchtigt, oder dass es chromosomale oder genetische Schäden verursacht.
House of Lords Select Committee on Science and Technology. Cannabis. The scientific and medical evidence. London: The Stationary Office, 1998.

Weltgesundheitsorganisation

Es besteht ein allgemeiner Konsens, dass Cannabis und bestimmte Inhaltsstoffe von Cannabiszubereitungen (oder in einigen Fällen Kondensate von Cannabisrauch) in der Tat mutagene Wirkungen im Ames-Assay für Mutagenität ausüben können. Andererseits wurde gefunden, dass reines THC keine mutagenen Effekte hat.
World Health Organization. Cannabis: a health perspective and research agenda. Genf: Division of Mental Health and Substance Abuse, WHO, 1997.

Nova-Institut

Cannabisrauch kann eine mutagene Aktivität als Resultat von Karzinogenen (Benzpyrene, Nitrosamine) entfalten. Dies wurde im Ames-Test nachgewiesen. THC selbst ist nicht mutagen. THC kann die Synthese von DNS, RNS und Proteinen reduzieren und den normalen Zellzyklus verändern. Um solche Effekte zu erhalten, waren allerdings sehr hoge Dosen in Zellstudien erforderlich.
Nova-Institute. Hemp foods and THC levels: A scientific assessment. Sebastopol, USA: Hemptech, 1998.

(Der Ames-Assay ist ein Test, der einige Bakterienstämme kombiniert, um medizinische Geräte oder Substanzen auf ihre mutagene Aktivität zu überprüfen.)

Q?

Männliche Fruchtbarkeit: Haben Cannabis oder THC einen ungünstigen Einfluss auf Geschlechtshormone oder Spermien?

A.

Wayne Hall, Nadia Solowij & Jim Lemon

Hohe THC-Dosen stören vermutlich das männliche und weibliche Fortpflanzungssystem von Tieren. Sie reduzieren die Sekretion von Testosteron und infolgedessen die Produktion, Beweglichkeit und Lebensfähigkeit der Spermien. Es ist unklar, ob diese Effekte auch bei Menschen auftreten. Studien an Menschen haben sowohl positive als auch negative Hinweise auf einen Effekt von Cannabinoiden auf das Testosteron gefunden, aus Gründen, die nicht gut verstanden sind. Hollister argumentierte, dass die Verringerung des Testosterons und der Spermienproduktion, wie sie in den positiven Studien gefunden wurden wahrscheinlich "von geringer Bedeutung bei Erwachsenen" sind, obwohl er einräumte, dass sie von "größerer Wichtigkeit beim pubertierenden Mann, der Cannabis konsumiert" sein könnte. Die möglichen Effekte des Cannabiskonsums auf Testosteron und Spermatogenese könnten relevanter für Männer sein, deren Fruchtbarkeit bereits aus anderen Gründen beeinträchtigt ist, z.B. eine geringe Spermienzahl.
(Bitte beachten Sie: Dieser Text wurde einem wissenschaftlichen Text entnommen. Einige Sätze wurden verändert, um die Verständlichkeit zu verbessern.)
Hall W, Solowij N, Lemon J. The Health and Psychological Consequences of Cannabis Use. National Drug Strategy Monograph Series No. 25. Canberra: Australian Government Publishing Service, 1994.

Laura Murphy

Es konnte gezeigt werden, dass Cannabisrauchen beim Menschen die Blutkonzentration der drei Hormone LH, FSH und Testosteron reduziert. Darüber hinaus wurde eine erhöhtes Auftreten geringer Spermienzahlen bei starken Cannabisrauchern beobachtet. Andere Studien fanden keine messbaren Abweichungen bei leichten oder starken Marihuanakonsumenten. Eine akute THC-Behandlung produzierte bei männlichen Nagetieren eine konsistente und signifikante dosis- und zeitabhängige Abnahme der LH- und Testosteronspiegel. Beim männlichen Rhesusaffen produzierte eine akute THC-Dosis innerhalb einer Stunde eine 65%ige Reduzierung des Plasmatestosteronspiegels, die etwa 24 h anhielt.
(Bitte beachten Sie: Dieser Text wurde einem wissenschaftlichen Text entnommen. Einige Sätze wurden verändert, um die Verständlichkeit zu verbessern.)
Murphy L. Endokrinum. In: Grotenhermen F (Hrsg.): Cannabis und Cannabinoide. Pharmakologie, Toxikologie und therapeutisches Potential. Huber, Bern 2001.

Lynn Zimmer & John Morgan

Durch die Verabreichung großer THC-Dosen an Tiere haben Wissenschaftler spürbare Effekte auf Geschlechtshormonspiegel produziert. Allerdings variieren die Wirkungen von einer Studie zur anderen, abhängig von der Dosis und dem Zeitpunkt der Gabe. Wenn Effekte auftreten, sind sie vorübergehend. (...) Weder bei männlichen noch bei weiblichen Tieren haben Forscher der Fortpflanzungsfunktion dauerhaften Schaden durch akute oder chronische Marihuanagabe zugefügt. (...) Es gibt keinen überzeugenden Beweis für Unfruchtbarkeit durch Marihuanakonsum beim Menschen. Es gibt keine epidemiologischen Studien, die zeigen, dass Männer, die Marihuana konsumieren, höhere Unfruchtbarkeitsraten aufweisen als Männer, die es nicht tun. Noch gibt es Beweise einer verminderten Fortpflanzungsfähigkeit bei Männern in Ländern, in denen Marihuanakonsum weit verbreitet ist. Es ist möglich, dass Marihuana Unfruchtbarkeit bei Männern mit bereits niedriger Spermienzahl verursachen kann. Allerdings ist es wahrscheinlich, dass gewohnheitsmäßige Marihuanakonsumenten eine Toleranz gegenüber den hormonellen Effekten von Marihuana entwickeln. (...) Marihuana hat weder einen vermännlichenden Effekt bei Frauen noch einen verweiblichenden Effekt bei Männern.
Zimmer L, Morgan JP. Marijuana Myths Marijuana Facts. A review of the scientific evidence. New York/San Francisco: The Lindesmith Center, 1997.

Britisches Oberhaus

Tierexperimente haben gezeigt, dass Cannabinoide Veränderungen der männlichen und weiblichen Sexualhormone verursachen. Aber es gibt keinen Hinweis, dass Cannabis die menschliche Fruchtbarkeit ungünstig beeinflusst, oder dass es chromosomale oder genetische Schäden verursacht.
House of Lords Select Committee on Science and Technology. Cannabis. The scientific and medical evidence. London: The Stationery Office, 1998.

Q?

Asthma: Wie sollten Cannabis oder THC eingenommen werden, um Asthma zu behandeln?

A.

British Medical Association (Britische Ärztevereinigung)

Akute Cannabis- und THC-Dosen üben einen relevanten bronchienerweiternden Effekt auf die kleinen Luftwege der Lunge aus. Der Mechanismus dieses Effektes ist nicht bekannt, aber er scheint sich von denen anderer heute gebräuchlicher bronchienerweiternden Mittel (z. B. Salbutamol, Isoprenalin) für die Behandlung von Asthma zu unterscheiden. (…) Allerdings gibt es nur sehr wenige Studien zu den bronchienerweiternden Wirkungen der Cannabinoide bei asthmatischen Patienten. Alle waren akute Studien, die in den 70er Jahren durchgeführt wurden. Tashkin et al. untersuchten 14 asthmatische Freiwillige und verglichen gerauchtes Cannabis (2% THC), orales THC (15 mg) und das Medikament Isoprenalin (0,5%). Sie fanden, dass gerauchtes Cannabis und orales THC eine signifikante Bronchienerweiterung für mindestens zwei Stunden bewirkte. Die Wirkung des gerauchten Cannabis entsprach nahezu der der klinischen Dosis Isoprenalin. Gerauchtes Cannabis war zudem in der Lage, bei drei Asthmatikern einen experimentell ausgelösten Spasmus der Bronchien zu lösen. (…) Williams et al. verglichen ein THC-Aerosol, das 0,2 mg THC enthielt, mit einem Salbutamol-Aerosol (0,1 mg) bei 10 Asthmatikern. Beide Medikamente verbesserten signifikant die Atemfunktion. Der Beginn der Wirkung war bei Salbutamol schneller, aber die Wirkungen beider Medikamente entsprachen sich nach einer Stunde. Tashkin et al. verglich mehrere Dosen eines THC-Aerosols (5-20 mg) mit einer Standard-Dosis Isoprenalin bei 11 normalen Freiwilligen und fünf Asthmatikern. Bei den normalen Personen und bei drei der Asthmatiker war der bronchienerweiternde Effekt des THC nach fünf Minuten geringer als der von Isoprenalin, jedoch nach ein bis drei Stunden signifikant größer.
(Bitte beachten Sie: Dieser Text wurde einem wissenschaftlichen Text entnommen. Einige Sätze wurden verändert, um die Verständlichkeit zu verbessern.)
British Medical Association: Therapeutic Uses of Cannabis. Amsterdam: Harwood Academic Publishers, 1997.

Franjo Grotenhermen

Die Behandlung des Asthmas umfasst den Einsatz entzündungshemmender Medikamente (Kortikosteroide) und bronchienweitender Mittel. THC und Cannabis sind bronchienerweiternde Mittel und können auch eine gewisse entzündungshemmende und antiallergische Wirkung ausüben. Cannabisrauch enthält Verbrennungsprodukte, die denen im Tabakrauch qualitativ ähneln, darunter einige Karzinogene, die die Schleimhaut schädigen können. Die Inhalation dieser Verbrennungsprodukte sollte vermieden oder erheblich reduziert werden. Um die Aufnahme von Verbrennungsprodukten zu vermeiden, kann Cannabis oral eingenommen werden. Um die Menge der inhalierten Karzinogene zu reduzieren, können Cannabis oder THC mit einem Vaporizer (Verdampfer) inhaliert werden, und/oder es kann Cannabis mit einem hohen THC-Gehalt verwendet/geraucht werden. In einigen Situationen kann eine Kombination aus einer oralen Basismedikation und einer inhalierten Bedarfsmedikation bei akuten Asthmabeschwerden nützlich sein, um die Risiken des Rauchens und das Risiko einer Überdosierung bei oraler Gabe zu verringern. Die Erhältlichkeit eines THC-Aerosols ist wünschenswert.

Calignano und Kollegen

Eine Gruppe internationaler Forscher hat herausgefunden, warum Marihuana in manchen Fällen Husten auslöst und in anderen Krämpfe der Atemwege und Husten verhindert. Diese Forschungsergebnisse könnten die Behandlung von Atemwegserkrankungen verbessern. In einem Bericht für die Zeitschrift 'Nature' zeigten Wissenschaftler des Instituts für experimentelle Medizin in Budapest, Ungarn, der Universität Neapel und der Universität Washington auf, wie das Endocannabinoid Anandamid die Atemwege in der Lunge beeinflusst. In Tierversuchen mit Meerschweinchen und Ratten zeigte Anandamid zwei verschiedene Wirkungen auf die Bronchien. Wenn sich die Lungenmuskeln durch ein Reizmittel (Capsaicin) zusammenzogen, sorgte das Endocannabinoid für eine Entspannung der glatten Muskulatur und wies einen starken hustenhemmenden Effekt auf. Wenn die Atemwege jedoch entspannt waren (durch Entfernung des zusammenziehenden Effektes des Vagusnervs), löste Anandamid einen Hustenanfall aus. Anandamid wird im Lungengewebe gebildet und übt seine Wirkung über Cannabinoidrezeptoren aus.
IACM-Informationen vom 11. November 2000; Calignano A, et al: Bidirectional control by airway responsiveness by endogenous cannabinoids. Nature 2000;408:96-101.

Q?

Wechselwirkungen: Gibt es Wechselwirkungen zwischen Cannabis bzw. THC und anderen Medikamenten?

A.

Leo Hollister

Obwohl medizinisches Marihuana nicht offiziell zugelassen ist, wurde Marihuana empirisch zur Behandlung einer Anzahl von Erkrankungen verwendet, wie Übelkeit und Erbrechen bei Krebs-Chemotherapie, Gewichtsverlust bei Aids und Spastik bei neurologischen Erkrankungen. Immer sind auch andere Medikamente vorhanden. Bisher wurde von keinen nachteiligen Wechselwirkungen berichtet. Allerdings könnte das möglicherweise nicht die wahre Häufigkeit widerspiegeln. Wenn man nicht nach etwas sucht, findet man es wahrscheinlich auch nicht. (…)
Die veröffentlichte Literatur, zumindest in Hinsicht auf Studien mit Menschen, war bisher sehr ruhig. Im Allgemeinen zeigt diese Ruhe an, dass im Vergleich zu experimentellen Studien bei der realen Verwendung von Marihuana keine bedeutenden Wechselwirkungen beobachtet wurden. (…) Eine der vernünftigsten therapeutischen Verwendungen von Marihuana und THC ist die Linderung von Übelkeit und Erbrechen im Zusammenhang mit der Krebschemotherapie. Daher werden Cannabinoide gleichzeitig mit vielen hoch toxischen Krebsmedikamenten verwendet. (…) Bei keinem der Berichte der Verwendung von THC oder Marihuana bei Patienten, die gleichzeitig eine Krebschemotherapie erhielten, gibt es irgendeine Erwähnung einer zugenommenen Giftigkeit der Anti-Krebsmittel. Dennoch könnte die Abwesenheit solcher Berichte anzeigen, dass keine Versuche unternommen wurden, um danach zu schauen. Zu diesem Aspekt der Forschung sollte ermuntert werden.
Eine etwas ähnliche Situation besteht bei der therapeutischen Verwendung oral gegebenen THC in der Behandlung des Gewichtsverlusts bei Aids. (…) THC oder Marihuana wurde bei der Behandlung der Spastik bei neurologischen Störungen, wie multiple Sklerose oder Querschnittssyndrom, verwendet. Da THC Behandlungen mit muskelentspannenden Mitteln hinzugefügt werden kann, wäre es von einigem Interesse zu wissen, ob solche kombinierten Verwendungen schädlich sein könnten. In einem Tierversuch, bei dem THC zusammen mit muskelentspannenden Mitteln gegeben wurde, wurde herausgefunden, dass es die erwünschten Effekte der zuletzt genannten Mittel verstärkte. In diesem Fall könnte die Wechselwirkung von Vorteil sein.
(Bitte beachten Sie: Dieser Text wurde einem wissenschaftlichen Text entnommen. Einige Sätze wurden verändert, um die Verständlichkeit zu verbessern.)
Hollister LE. Interactions of marihuana and D9-THC with other drugs. In: Nahas G, Sutin KM, Harvey DJ, Agurell S, eds. Marihuana and medicine. Totowa, NJ: Humana Press, 1999, pp. 273-277.

Franjo Grotenhermen

Cannabis und Dronabinol (THC) wurden in Kombination mit einer Vielzahl von Medikamenten eingesetzt, ohne Registrierung starker unerwünschter Wechselwirkungen. Klinische Studien zu Anfang des 20. Jhds. ergaben oft eine wünschenswerte gegenseitige Verstärkung therapeutischer Effekte natürlicher Cannabiszubereitungen und anderer Medikamente. Auch in modernen therapeutischen Konzepten könnte eine Kombination von Cannabis/THC mit anderen Medikamenten bei vielen Indikationen sinnvoll sein. Cannabis wurde illegal von Personen mit vielen unterschiedlichen Erkrankungen verwendet, die eine Vielzahl von Medikamenten genutzt haben, ohne dass bisher klinisch relevante unerwünschte Wechselwirkungen bekannt geworden sind. (...) Andere Medikamente können bestimmte Wirkungen von Cannabis/THC verstärken oder bestimmte Wirkungen dieser Medikamente können durch Cannabis/THC verstärkt oder vermindert werden. Es ist zudem möglich, dass bestimmte Effekte verstärkt und andere reduziert werden, wie dies beispielsweise bei den Phenothiazinen im Zusammenhang mit den Nebenwirkungen einer Krebschemotherapie der Fall ist (siehe unten).
Von klinischer Bedeutung ist vor allem die Verstärkung des beruhigenden Effektes anderer psychotroper Substanzen (Alkohol, Benzodiazepine) und die Wechselwirkung mit Substanzen, die auf das Herz wirken (Amphetamine, Adrenalin, Atropin, Betablocker, Diuretika, trizyklische Antidepressiva, etc.). (...)
Eine Anzahl von verstärkenden Effekten kann erwünscht sein, wie die Steigerung des schmerzlindernden Effektes von Opiaten und des antiemetischen Effektes von Phenothiazinen, bei der Muskelentspannung, Krampflösung, Bronchienerweiterung und bei der Senkung eines erhöhten Augeninnendrucks.

  • Anticholinergika: Atropin und Scopolamin können die herzfrequenzsteigernden THC-Effekte verstärken.
  • Antidepressiva (selektive Serotoninwiederaufnahmehemmer): THC kann den Effekt von Fluoxetin verstärken.
  • Antidepressiva (trizyklisch): Die herzfrequenzsteigernden, blutdrucksenkenden und beruhigenden Effekte von Amitryptillin können verstärkt werden.
  • Benzodiazepine: Die Verminderung der Aktivität der Atemorgane und des Gehirns können verstärkt werden. Der antiepileptische Effekt kann verstärkt werden.
  • Betablocker: Sie vermindern die durch THC verursachte Herzfrequenzsteigerung.
  • Glaukommedikamente: Die augeninnendrucksenkenden Effekte verschiedener Glaukommedikamente und von Cannabinoiden können sich addieren.
  • Neuroleptika: THC kann möglicherweise die antipsychotische Wirkung der Neuroleptika hemmen. Es kann ihre therapeutische Wirksamkeit bei motorischen Störungen verbessern.
  • Nichtsteroidale Antiphlogistika (NSAID): Indometacin, Acetylsalizylsäure (Aspirin) und andere NSAIDs können THC-Effekte hemmen. Indometacin verminderte signifikant das subjektive "High" und die herzfrequenzsteigernden THC-Effekte.
  • Opiate: Verstärkung von Sedierung und Schmerzlinderung.
  • Phenothiazine: Prochlorperazin und andere Phenothiazine vermindern die psychotropen Effekte von THC und verstärken den brechreizhemmenden Effekt.
  • Sympathomimetika: Amphetamine und andere Sympathomimetika verstärken die Herzfrequenzsteigerung und die Blutdrucksteigerung.
  • Theophyllin: Der Stoffwechsel von Theophyllin wird durch THC beschleunigt. Daher sind möglicherweise höhere Dosen von Theophyllin erforderlich.

(Bitte beachten Sie: Diese Text wurde einem wissenschaftlichen Text entnommen. Einige Sätze wurden verändert, um die Verständlichkeit zu verbessern.)
Grotenhermen F. Praktische Hinweise. In: Grotenhermen F (Hrsg.): Cannabis und Cannabinoide. Pharmakologie, Toxikologie und therapeutisches Potential. Huber, Bern 2001.

Q?

Schwangerschaft: Schädigen Cannabis/THC den Fetus, wenn sie während der Schwangerschaft verwendet werden?

A.

Institute of Medicine (Medizininstitut der USA)

"Studien, die den Zusammenhang zwischen vorgeburtlicher Marihuanaexposition und Geburtsergebnis untersucht haben, haben zu widersprüchlichen Ergebnissen geführt. Mit Ausnahme von jugendlichen Müttern gibt es wenige Hinweise, nach denen die Schwangerschaftsdauer bei Frauen, die Marihuana rauchen, kürzer ist. Einige Studien mit Frauen, die regelmäßig Marihuana während der Schwangerschaft rauchten, zeigten, dass sie dazu tendierten, Kinder mit einem geringeren Geburtsgewicht zur Welt zu bringen. (...)
In den meisten dieser Studien stimmen die Schäden im Zusammenhang mit Marihuanakonsum mit solchen, die mit Tabakkonsum assoziiert sind, überein. Und Rauchen ist ein signifikanter Faktor, so dass der Beitrag der Cannabinoide nicht bestätigt werden kann. Allerdings rauchen jamaikanische Frauen, die Marihuana konsumieren, es selten, sondern sie bereiten es stattdessen als Tee zu. In einer Studie mit Neugeborenen von jamaikanischen Frauen, die während der Schwangerschaft entweder Marihuana einnahmen oder es nicht einnahmen, gab es sowohl drei Tage als auch einen Monat nach der Geburt keinen Unterschied bei der neurologischen Beurteilung des Verhaltens. (...)
Seit 1978 hat die Ottawa Prenatal Prospective Study [vorgeburtliche prospektive Studie von Ottawa] die kognitiven Funktionen von Kindern, deren Mütter Marihuana während der Schwangerschaft geraucht haben, untersucht. (...) Die Kinder aus den verschiedenen Marihuanaexpositionsgruppen zeigten keine bleibenden Unterschiede in globalen Maßzahlen der Intelligenz wie etwa Sprachentwicklung, Leseleistung sowie Seh- und Wahrnehmungstests. Moderate kognitive Defizite waren bei diesen Kindern nachweisbar, als sie vier Tage alt waren und erneut im Alter von vier Jahren, aber diese Defizite waren mit fünf Jahren nicht länger sichtbar. Vorgeburtliche Marihuanaexposition war allerdings nicht ohne andauernden Einfluss. Zum Vergleich: in beiden Alterstufen von 5-6 und 9-12 zeigten Kinder in der gleichen Studie, die vorgeburtlich Tabakrauch ausgesetzt waren, signifikant schlechtere Ergebnisse in Tests für Sprachfertigkeiten und kognitive Funktion."
Joy JE, Watson SJ, Benson JA, eds. Marijuana and medicine: Assessing the science base. Institute of Medicine. Washington DC: National Academy Press, 1999.

Peter Fried

"Die Konsequenzen einer vorgeburtlichen Exposition mit Marihuana sind gering. Der Einfluss während des Schwangerschaftsverlaufs und auf den Neugeborenen wird offenbar erheblich durch andere Risikofaktoren vermindert. Es bestehen Hinweise milder Effekte auf das fetale Wachstum und auf die Funktion des zentralen Nervensystems. Während des Kleinkindstadiums gibt es wenig Anzeichen eines pränatalen Marihuanaeffektes auf Wachstum oder Verhalten. Allerdings bestehen nach dem Alter von drei Jahren deutliche Anhaltspunkte für eine mögliche Assoziation zwischen pränataler Marihuanaexposition und Aspekten des kognitiven Verhaltens, die unter die Rubrik exekutive Funktion fallen. Facetten dieses Konstrukts aus den Bereichen Aufmerksamkeit/Impulsivität und Problemlösungssituationen, die eine Integration und Manipulation grundlegender Fähigkeiten aus dem Seh- und Wahrnehmungsbereich erfordern, scheinen besonders betroffen zu sein. Obwohl die Hinweise konvergieren, besteht wegen der geringen Zahl an Studien, die Kinder über das Alter von drei Jahren hinaus begleiten, dringender Bedarf an gut kontrollierten Untersuchungen in diesem Bereich."
Fried P. Schwangerschaft. In: Grotenhermen F (Hrsg.): Cannabis und Cannabinoide. Pharmakologie, Toxikologie und therapeutisches Potential. Huber, Bern 2001.

Franjo Grotenhermen

"Es ist unwahrscheinlich, dass Cannabis embryonale bzw. fetale Missbildungen verursacht. Es gibt inkonsistente epidemiologische Befunde zu seinen Wirkungen auf das Geburtsgewicht. Es bestehen deutliche Hinweise auf subtile Entwicklungsstörungen des Gehirns mit kognitiven Beeinträchtigungen bei Nachkommen cannabiskonsumierender Mütter. Es gibt Forscher, die solche Störungen vermuten und solche, die eher davon ausgehen, dass Cannabis keine relevanten negativen Effekte ausübt. Möglicherweise machen sich subtile kognitive Marihuana-assoziierte Störungen erst im Vorschul- bzw. Schulalter bemerkbar. (...)
Es wurde keine Beeinflussung der körperlichen fetalen Entwicklung bei Kindern chronischer Cannabiskonsumentinnen beobachtet. Dennoch sollte Cannabis in der Schwangerschaft und bei stillenden Müttern wegen umstrittener Hinweise auf eine diskrete Störung der kognitiven kindlichen Entwicklung möglichst nicht eingesetzt werden."
Grotenhermen F. Übersicht über unerwünschte Wirkungen von Cannabis und THC. In: Grotenhermen F (Hrsg.): Cannabis und Cannabinoide. Pharmakologie, Toxikologie und therapeutisches Potential. Huber, Bern 2001.
Grotenhermen F. Praktische Hinweise. In: Grotenhermen F (Hrsg.): Cannabis und Cannabinoide. Pharmakologie, Toxikologie und therapeutisches Potential. Huber, Bern 2001.