Liebe Leserin, lieber Leser,

seit vielen Jahren wird es nun erstmals wieder ein arzneimittelrechtlich zugelassenes Medikament auf Cannabisbasis geben. Es ist ein Cannabisextrakt namens Exilby, der von einem deutschen Hersteller entwickelt wurde mit Wissenschaftlern aus Deutschland. Die Indikation ist chronische Rückenschmerzen. Weitere viel versprechende Indikationen liegen auf der Hand.

Heiter weiter!

Franjo Grotenhermen

Presseschau: Neues Medikament für Millionen Schmerzpatienten bekommt Zulassung (Die Welt)

Kommentar von Dr. Franjo Grotenhermen: Cannabis ist sehr wirksam bei Rückenschmerzen und anderen schmerzhaften Erkrankungen des Bewegungsapparates, wie z.B. Fibromyalgie. Das ist seit vielen Jahren bekannt. Eine große Studie eines deutschen Unternehmens aus dem Cannabisbereich hat nun diese Wirksamkeit auch nach modernen wissenschaftlichen Standards bestätigt. Das Prüfungsmedikament, ein Cannabisextrakt namens Exilby, soll im September dieses Jahres auf den Markt kommen.

Neues Medikament für Millionen Schmerzpatienten bekommt Zulassung

Allein in Deutschland klagen Millionen Menschen über Schmerzen. Sie werden mit Opioiden behandelt. Nun hat ein neues Medikament die Zulassung erhalten – und verspricht eine kleine Revolution.

Mehr als zehn Millionen Schmerzpatienten in Deutschland können hoffen: Das Münchner Biopharmaunternehmen Vertanical hat von der Arzneimittelzulassungsbehörde die Genehmigung für ein neues Medikament zur Behandlung chronischer Schmerzen erhalten, bei denen auch Nerven betroffen sind. Das teilte die Firma am Dienstag mit.

Anders als die üblichen Medikamente basiert Exilby jedoch nicht auf einem Opioid, sondern auf medizinischem Cannabis. Zwei Phase-3-Studien haben demnach nachgewiesen, dass Exilby bei Patienten mit sogenannten neuropathischen Schmerzen nicht nur eine signifikante und mehr als ein Jahr anhaltende Schmerzreduktion ermöglicht. Teilweise war die Wirkung sogar besser als Opioide. Das Medikament hat zugleich aber deutlich weniger Nebenwirkungen und reduziert die Gefahr von Abhängigkeiten.

Die Abhängigkeit von opioiden Schmerzmitteln ist vor allem in den USA ein großes Problem. Das Land beklagt Hunderttausende Drogentote durch Überdosierungen. Auch in Deutschland sind solche Medikamente weit verbreitet, jedes Jahr werden hierzulande rund 20 Millionen Rezepte ausgestellt. Mit Exilby soll es nun eine Alternative geben, die laut Vertanical voraussichtlich ab September auf dem Markt sein kann. Voraussetzung dafür ist eine Einigung mit den Krankenkassen über den Preis des Medikaments in Deutschland.

„Bis heute beruht die medikamentöse Behandlung chronischer Schmerzen in vielen Fällen auf Therapien, die entweder nur begrenzt wirksam sind oder mit erheblichen Nebenwirkungen einhergehen", teilte das Unternehmen am Dienstag mit. „Insbesondere Opioide werden mangels Alternativen trotz bekannter Risiken wie starker Nebenwirkungen, Abhängigkeit und Missbrauchspotenzial millionenfach eingesetzt. Für viele Betroffene bedeutet das einen schwierigen Kompromiss zwischen unzureichender Schmerzlinderung und einer oft nebenwirkungsreichen Therapie."

Weiter heißt es: „Chronische Schmerzen gelten als eine der größten Herausforderungen der modernen Medizin. Weltweit sind Schätzungen zufolge mehr als eine Milliarde Menschen betroffen – mehr als von Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs zusammen. Dennoch hat sich die pharmakologische Behandlung in den vergangenen Jahrzehnten kaum weiterentwickelt mit erheblichen Folgen für Patienten, Gesundheitssysteme und Gesellschaft."

Entwicklung durch kleines Unternehmen

Hinter der Entwicklung des Medikaments steckt kein großes Pharmaunternehmen, sondern eine Firma mit gerade mal maximal 200 Mitarbeitern aus der bayerischen Landeshauptstadt. Gegründet hat es Clemens Fischer, der mit seinem Mahlzeitersatz Yokebe und Kijimea, ein probiotisches Mittel gegen Reizdarm, sehr reich wurde und zu den wohlhabendsten Deutschen zählt.

WELT sagte Fischer: „Wir haben allein in Deutschland jährlich 20 Millionen Opioidverschreibungen. Unser Ziel ist es, langfristig Opioide zu ersetzen, nicht nur in Deutschland, auch weltweit."

Weitere Märkte sollen erschlossen werden

Dafür investierte der 51-Jährige nach eigener Aussage mehrere Hundert Millionen Euro. „Durchschnittlich kostet eine Zulassung von einem neuen Wirkstoff bzw. einer neuen Medikamentenklasse ca. zwei Milliarden Dollar. Wir haben das für deutlich weniger geschafft, aber auch hunderte Millionen investiert, und zwar aus unseren Firmenverdiensten heraus raus", so Fischer.

Neben Deutschland soll Exilby ab September auch in Österreich erhältlich sein. Weitere europäische Zulassungen seien zudem geplant, so das Unternehmen. Und auch auf den US-Markt drängt das Unternehmen nach eigener Aussage. „Eine weitere für die Zulassung in den USA maßgebliche Phase-3-Studie hat Vertanical bereits gestartet", so das Unternehmen.

Presseschau: DGS kündigt klinische Studien zu Cannabis in der Schmerzmedizin an (Biermann Medizin)

Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin plant mehrere große Studien zur Wirksamkeit von oralen und inhalierten Cannabis-Medikamenten bei Schmerzerkrankungen, wie Fibromyalgie und Arthrose-Schmerzen.

DGS kündigt klinische Studien zu Cannabis in der Schmerzmedizin an

Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) hat beim Medizinal Cannabis Congress in Berlin über die Versorgungssituation chronischer Schmerzpatienten gesprochen und neue klinische Studien zum Einsatz von Medizinal-Cannabis in der Schmerzmedizin angekündigt.

„Die Versorgung von Schmerzpatienten mit Medizinal-Cannabis nimmt zu", sagte Dr. Richard Ibrahim, Orthopäde, Schmerzmediziner und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin. Zu den Indikationen für Medizinal-Cannabis zählen u.a. neuropathische Schmerzen, chronische Nichttumorschmerzen, Tumorschmerzen, MS-Spastik sowie Appetitlosigkeit und Kachexie.

„In meiner Praxis habe ich bereits 1800 Schmerzpatienten erfolgreich mit Medizinal-Cannabis behandelt. Es ersetzt nicht pauschal die klassische Schmerzmedikation, aber es hat sich mehr und mehr zu einem wirksamen Analgetikum mit einem vergleichsweise geringen Nebenwirkungsprofil entwickelt."

Mehrere klinische Studien zu Medizinal-Cannabis in Planung: Die DGS hat in diesem Jahr die DGS-Initiative Klinische Studien gegründet, um AWMF- und leitlinienrelevante Daten für die Schmerztherapie zu generieren und um mit dem neuen DGS-Curriculum „Cannabiskompetenz in der Schmerz- und Palliativmedizin" Fachärzte und nicht ärztliches Fachpersonal gezielt weiterzubilden. Konkret geplant sind Studien zu:

  • Fibromyalgie (n=225; Start: September 2026; Dauer: 22 bis 26 Wochen)
  • Chronischen Wirbelsäulen-, Rücken- und Arthroseschmerzen (n≥1500; Start: Juni 2026)
  • Chronischen Schmerzen (Standardisiertes Inhalationssystem für Extrakte; THC: 82 % und CBD: <1; Studie in der Planungsphase)

Parallel dazu arbeitet die DGS an der Weiterentwicklung ihrer Praxisleitlinie „Cannabis in der Schmerzmedizin", die am 20. November 2026 auf dem DGS-Innovationsforum in Kassel vorgestellt wird. Die Leitlinie ist Teil der fachlichen Kompetenzentwicklung der DGS und soll Ärzten eine Grundlage für Verordnung, Diagnose und Dosierung in der Schmerz- und Palliativmedizin geben.

„Versorgung ohne Daten ist Meinung – Versorgung mit Daten ist Zukunft", sagte Ibrahim in Berlin. „Wir wollen belastbare Daten schaffen, damit Medizinal-Cannabis in der Schmerzmedizin besser eingeordnet werden kann."

Presseschau: OLG Koblenz – Vertrieb von CBD-Mundöl als Kosmetikum mangels Lebensmitteleigenschaft rechtmäßig (Oberlandesgericht Koblenz)

Das Oberlandesgericht Koblenz habe entschieden, dass CBD-Mundöle, die mit dem Hinweis „Verschlucken vermeiden" versehen seien, im Rahmen des einstweiligen Verfügungsverfahrens nicht als neuartige Lebensmittel im Sinne der Novel-Food-Verordnung oder als Funktionsarzneimittel einzustufen seien. Die klagende Partei habe nicht hinreichend glaubhaft machen können, dass es sich bei dem Produkt um ein Lebensmittel handle, da die Dosierungs- und Anwendungshinweise – das Ausspucken nach einer 30-sekündigen Einwirkzeit – gegen eine Bestimmung zur oralen Aufnahme in den Magen sprächen. Die Angabe von Portionsmengen oder des CBD-Gehalts stehe diesem Befund wegen des unmittelbaren räumlichen Bezugs zum Verschluckungsverbot nicht entgegen. Vielmehr zeige die Gesamtpräsentation als pflegendes „Mundöl" mit der Deklaration von Inhaltsstoffen unter „Ingredients", dass das Produkt nach der allgemeinen Verkehrsauffassung als kosmetisches Mittel zur Mundhöhlenpflege anzusehen sei. Da eine bewusste Täuschung oder ein reines Scheinetikett zur Umgehung von Lebensmittelvorschriften mangels konkreter Anhaltspunkte nicht belegt sei, erweise sich der Vertrieb unter der Kategorie Kosmetik nicht als irreführend.

Presseschau: Deutschland könnte das erste Anzeichen für einen weltweiten Preisverfall bei Cannabis sein (KrautinVest)

Deutschland könnte das erste Anzeichen für einen weltweiten Preisverfall bei Cannabis sein

Angesichts steigender Importe und sinkender Preise auf Europas größtem Markt für medizinisches Cannabis deuten neue Untersuchungen darauf hin, dass Deutschland einen ersten Einblick in die wirtschaftlichen Belastungen bieten könnte, die die globale Cannabisindustrie voraussichtlich neu gestalten werden.

Seit Jahren ist Deutschland der wichtigste Indikator für die europäische Cannabisindustrie. Die große Bevölkerung des Landes, der streng regulierte medizinische Rahmen, die Erstattungsstruktur und die wachsende Patientenzahl machten es zu einem der weltweit attraktivsten aufstrebenden Cannabismärkte. Internationale Anbieter beeilten sich, Exportkanäle nach Deutschland aufzubauen, während Investoren den Markt weithin als Eckpfeiler des langfristigen Cannabiswachstums in Europa betrachteten.

Doch wie aus neuen Daten des Global Cannabis Network Collective (GCNC) und von Whitney Economics hervorgeht, könnte Deutschland nun etwas ganz anderes darstellen: einen der frühesten Indikatoren dafür, wie Preisdruck die globalen Cannabismärkte neu gestalten könnte.

Der Bericht „What You Need to Know: Pricing Compression and Its Impact on International Cannabis Markets" zeigt, wie dieselben wirtschaftlichen Kräfte, die in den reifen Cannabismärkten Nordamerikas zu Marktkorrekturen geführt haben, zunehmend auch in Europa in Erscheinung treten – wobei Deutschland diesen Wandel anführt.

Von der Knappheit zum Wettbewerb

Die meisten Cannabismärkte beginnen auf die gleiche Weise. Begrenzte Lizenzen, ein eingeschränktes Angebot und ein begrenzter Zugang für Patienten schaffen ein Umfeld, in dem die Preise hoch bleiben und die Betreiber hohe Margen erzielen. In den frühen Phasen der Legalisierung verhält sich Cannabis weniger wie eine Handelsware, sondern eher wie ein Premiumprodukt. Schließlich entwickeln sich die Märkte jedoch weiter. Das Angebot wächst. Die Importe nehmen zu. Die Regulierung reift. Der Wettbewerb verschärft sich. Die Preise beginnen zu fallen.

Die von uns beschriebenen Trends zeigen, dass aufstrebende Cannabismärkte in der frühen und mittleren Marktphase häufig jährliche Preisrückgänge zwischen 10 % und 20 % verzeichnen, bevor sich die Preise auf einem niedrigeren langfristigen Niveau stabilisieren. In Deutschland sind bereits Anzeichen für diese Entwicklung zu erkennen.

Importe in den deutschen Markt für medizinisches Cannabis versorgen derzeit schätzungsweise 900.000 bis 1 Million Konsumenten, während die prognostizierte Marktnachfrage derzeit eher bei 700.000 bis 900.000 Patienten liegt. Gleichzeitig sind die Preise für medizinisches Cannabis Berichten zufolge innerhalb von etwa zweieinhalb Jahren um fast 25 % gesunken, wobei sich einige Großhandelspreise 2 € pro Gramm nähern.

Für Betreiber, die mit der Erwartung einer anhaltenden, durch Knappheit bedingten Preisgestaltung in den Markt eingetreten sind, haben diese Verschiebungen erhebliche Auswirkungen.

„Deutschland ist eines der deutlichsten Beispiele dafür, wie regulatorische Änderungen die Preisdynamik in einem aufstrebenden Cannabismarkt rasch umgestalten können", sagte Aleksandra Vujinović, Gründerin, Rechtsanwältin und strategische Rechtsarchitektin bei AV LEGAL. „Mit der Weiterentwicklung der Erstattungsstrukturen, des Verschreibungszugangs und der Vertriebskanäle verlagerte sich der Markt schnell von begrenztem Angebot und hohen Margen hin zu zunehmendem Preisdruck und Wettbewerb. Dieser Wandel wirkte sich fast unmittelbar auf bestehende Lieferketten, operative Geschäftsmodelle und die langfristige Marktpositionierung aus."

Deutschlands globaler Einfluss

Die Bedeutung Deutschlands reicht weit über den heimischen Markt hinaus. Als Europas größter Markt für medizinisches Cannabis beeinflusst Deutschland zunehmend das Investitionsverhalten, die Exportstrategien und die operative Planung in der gesamten internationalen Cannabisindustrie. Produzenten in Ländern wie Portugal, Kanada, Kolumbien und anderen aufstrebenden Exportregionen haben sich alle an den deutschen Nachfrageerwartungen ausgerichtet.

Genau diese Vernetzung ist der Grund, warum Deutschlands Preisentwicklungen weltweit von Bedeutung sind. Cannabis funktioniert nicht mehr als eine Reihe isolierter nationaler Industrien, sondern entwickelt sich zu einem zunehmend vernetzten globalen Rohstoffsystem, in dem Preisverschiebungen in einer Region Produktionsentscheidungen und die Rentabilität anderswo beeinflussen können.

Während sich Legalisierungsdiskussionen oft auf das Patientenwachstum und Marktchancen konzentrieren, wurde der Frage, wie schnell Preisdruck entstehen kann, sobald Märkte an Größe gewinnen, weitaus weniger Aufmerksamkeit geschenkt.

Lehren aus Nordamerika: Eine warnende Geschichte

Die strukturellen Ungleichgewichte, die in Europa auftreten, spiegeln weitgehend die historischen Entwicklungen der reifen nordamerikanischen Märkte wider, wo eine ungebremste Angebotsausweitung regelmäßig mit starren regulatorischen oder vertrieblichen Engpässen kollidierte.

In den Vereinigten Staaten entspricht die legale Cannabis-Versorgungskapazität mittlerweile etwa 600 % der legalen Nachfrage und 225 % der Gesamtnachfrage. Nur 27,3 % der Betreiber waren im Jahr 2024 profitabel, während die Branche Zahlungsrückstände in Höhe von etwa 3,8 Milliarden US-Dollar zu verzeichnen hatte. Darüber hinaus meldeten 24 US-Bundesstaaten im Jahr 2025 einen Rückgang der Cannabis-Einnahmen – das erste Mal, dass dies branchenweit auftrat.

Kanada erlebte nach der Legalisierung auf Bundesebene eine ähnliche Instabilität. Bis 2020 hatten die Produzenten mehr als 600.000 Kilogramm überschüssige Cannabisvorräte angehäuft. Allein im Jahr 2021 wurden mehr als 425 Millionen Gramm Cannabis vernichtet, als sich das Überangebot verschärfte. Mehr als 40 Unternehmen aus der Cannabisbranche meldeten zwischen 2022 und Anfang 2024 Insolvenz an. Diese Entwicklungen waren keine Einzelfälle. Sie waren vorhersehbare Folgen des Zusammenpralls eines rasch wachsenden Angebots mit einer langsamer als erwartet wachsenden Marktnachfrage. Die aktuelle Entwicklung in Deutschland deutet darauf hin, dass das Land sich gerade in den Anfangsphasen genau dieses makroökonomischen Zyklus befindet.

Die nächste Phase der Branche

Seit Jahren wird Cannabis vor allem als Wachstumsbranche dargestellt. Die Daten zum Preisdruck deuten jedoch darauf hin, dass das nächste Kapitel der globalen Cannabisbranche weniger von Expansion als vielmehr von Nachhaltigkeit, operativer Disziplin und Markteffizienz geprägt sein könnte.

Der anhaltende Preisdruck in Deutschland ist kein isoliertes Marktversagen; er ist vielmehr ein Beleg dafür, dass sich ein reifender globaler Rohstoffmarkt entwickelt, der strukturelle Ineffizienzen aussortiert.

Die Betreiber, die langfristig am ehesten Erfolg haben werden, sind nicht unbedingt die am schnellsten wachsenden Unternehmen, sondern vielmehr diejenigen, die in der Lage sind, sich an ein Umfeld mit geringeren Margen anzupassen und dabei Qualität, Einhaltung gesetzlicher Vorschriften und Kostenkontrolle aufrechtzuerhalten. Dieser Wandel könnte letztlich auf eine größere Entwicklung in der globalen Branche hindeuten: Cannabis reift und wird zu einer Massenware.

Presseschau: Cannabidiol zeigt bei Fibromyalgie keinen Schmerzvorteil (Medical Tribune)

50 mg CBD linderte nicht Schmerzen bei Patienten mit Fibromyalgie.

Cannabidiol zeigt bei Fibromyalgie keinen Schmerzvorteil (Medical Tribune)

Eine randomisierte Studie mit 200 Fibromyalgie-Betroffenen hat gezeigt, dass Cannabidiol die Schmerzintensität nach 24 Wochen nicht signifikant stärker reduziert als Placebo.

Cannabidiol (CBD) wird häufig zur Linderung von Schmerzen bei Fibromyalgie eingesetzt, obwohl die Evidenz für seine Wirksamkeit bislang begrenzt ist. Ziel einer dänischen Studie war es, diesbezüglich mehr Klarheit zu schaffen. Insgesamt nahmen 200 Betroffene aus einer spezialisierten ambulanten Einrichtung an der Untersuchung teil, berichtet das Team um Marianne Rasmussen, Frederiksberg Hospital, Frederiksberg. Ausgeschlossen wurden Patientinnen und Patienten, die gleichzeitig an einer entzündlich-rheumatischen oder psychiatrischen Erkrankung litten, unter Opioidtherapie standen oder aktuell Cannabis gebrauchten. Die Therapiearme waren hinsichtlich Alter, Geschlechtsverteilung und Intensität der Ausgangsschmerzen vergleichbar.

Placebo schnitt um 0,7 Punkte besser ab

Beide Gruppen nahmen täglich 1:1 randomisiert entweder pflanzlich gewonnenes CBD oder Placebo in Tablettenform ein. Die Dosierung des CBD startete mit 10 mg/d und wurde in kleinen Schritten auf 50 mg/d gesteigert. Primärer Endpunkt war die mittlere Veränderung der Schmerzintensität nach 24 Wochen, gemessen anhand der numerischen Ratingskala (0–10) im Fibromyalgia Impact Questionnaire. Die Schmerzintensität sank um 0,4 Punkte in der CBD-Gruppe und um 1,1 Punkte bei den Kontrollen. Dies entspricht einem (nicht signifikanten) Unterschied von 0,7 Punkten zwischen den Gruppen – zugunsten von Placebo. Unerwünschte Ereignisse waren mild und traten unter beiden Regimen gleich häufig auf.

Wissenschaft: Cannabinoid-Kombinationstherapien verbessern akut Stoffwechsel und Lebergesundheit im Westlichen-Diät-Tiermodell (PubMed)

Lian J, Patil M, Lareu RR, Falasca M. Acute Effects of Cannabinoid Combination Therapies in a Western Diet-Induced Murine Model of Metabolic Liver Disease. Int J Mol Sci. 2026 May 28;27(11):4872. doi: 10.3390/ijms27114872. PMID: 42278403.

Worum geht es?

Fettleibigkeit und eine westliche Ernährung führen häufig zur metabolischen Fettlebererkrankung, für die es kaum zugelassene Medikamente gibt. Das Endocannabinoidsystem spielt eine Rolle im Energiestoffwechsel und der Leberfunktion. Diese Studie untersuchte, ob Cannabinoid-Kombinationen die Lebergesundheit verbessern können.

Wie wurde geforscht?

Mäuse wurden mit Hochfett-/Hochzucker-Diät gefüttert, um eine metabolische Lebererkrankung zu erzeugen, dann zwei Wochen lang mit verschiedenen Cannabinoid-Kombinationen behandelt. Gemessen wurden Körpergewicht, Blutzucker, Lebergewicht, Leberenzyme und Gewebeveränderungen.

Was kam heraus?

Nach nur zwei Wochen sanken Körpergewicht und Leberfettgehalt, Blutzucker und Leberenzymwerte verbesserten sich, und unter dem Mikroskop waren weniger Zellschäden zu sehen.

Diese präklinischen Ergebnisse aus Tierversuchen müssen in klinischen Studien am Menschen bestätigt werden. Der Ansatz, das Endocannabinoidsystem als therapeutisches Ziel zu nutzen, gilt als vielversprechend.

Informationen zu den Autoren:

(1) Diagnostic and Therapeutic Sciences and Curtin Medical Research Institute, Curtin University, Perth, WA 6102, Australia. (2) Molecular Endocrinology and Pharmacology, Harry Perkins Institute of Medical Research, The University of Western Australia, Perth, WA 6000, Australia. (3) Department of Medicine and Surgery, University of Parma, 43125 Parma, Italy.

Wissenschaft: Das Endocannabinoidsystem und die Skelettmuskelgesundheit: Einblicke durch Cannabidiol (CBD) (PubMed)

Deglos A, Saroul N, Walrand S, Le Bacquer O. Endocannabinoid system and skeletal muscle health: insights from cannabidiol. Mol Metab. 2026 Jun 9:102396. doi: 10.1016/j.molmet.2026.102396. PMID: 42264146.

Worum geht es?

Skelettmuskeln sind zentral für Bewegung und Stoffwechsel. Bislang wenig bekannt ist die Rolle des Endocannabinoidsystems dabei – und ob CBD therapeutisch bei Muskelerkrankungen wie Muskelschwund (Sarkopenie) oder Kachexie eingesetzt werden könnte. Dieser Übersichtsartikel fasst den aktuellen Wissensstand zusammen.

Wie wurde geforscht?

Es handelt sich um einen wissenschaftlichen Review, der bestehende Studien zum Einfluss des Endocannabinoidsystems auf die Skelettmuskulatur auswertet, mit besonderem Augenmerk auf den CB1-Rezeptor und präklinische sowie klinische Daten zu CBD.

Was kam heraus?

Das EC-System beeinflusst über den CB1-Rezeptor Insulinsensitivität, Energiestoffwechsel und die Balance zwischen Muskelaufbau und -abbau. Störungen sind mit Diabetes und Muskelschwund verbunden.

Für CBD zeigen erste Studien mögliche Schutzeffekte bei Muskelerkrankungen. Diese stammen überwiegend aus Zell- und Tierversuchen. Klinische Studien am Menschen sind bisher selten und die Datenlage dünn.

Informationen zu den Autoren:

(1)–(4) Unité de Nutrition Humaine (UNH), Université Clermont Auvergne, INRAE, CRNH Auvergne, Clermont-Ferrand, France. Korrespondenz: olivier.le-bacquer@inrae.fr.

Wissenschaft: Cannabinoide lindern Phantomschmerzen im Rattenmodell – Wirksamkeit hängt vom Zeitpunkt der Gabe ab (PubMed)

Eeswara A, Perrucci K, Jergova S, Sagen J. Targeting Phantom Limb Pain with Cannabinoids in a Rat Model. Med Cannabis Cannabinoids. 2026 Mar 26;9(1):92-114. doi: 10.1159/000551763. PMID: 42267080.

Worum geht es?

Phantomschmerzen entstehen nach dem Verlust einer Gliedmaße: Betroffene spüren Schmerzen in einem Körperteil, der nicht mehr vorhanden ist. Bislang gibt es kaum wirksame Behandlungen. Diese Studie untersuchte, ob Cannabinoide – allein oder kombiniert – Phantomschmerzen verhindern oder lindern können, und ob der Zeitpunkt der Gabe dabei entscheidend ist.

Wie wurde geforscht?

Im Rattenmodell wurden zunächst Nervenschaden und dann Nervdurchtrennung (Amputation) durchgeführt. Getestet wurden CBD, Beta-Caryophyllen (BCP) und THC allein oder kombiniert – präventiv am OP-Tag oder erst nach Auftreten von Schmerzverhalten. Über 72 Tage wurden Schmerzverhalten und Entzündungsmarker im Rückenmark beobachtet.

Was kam heraus?

Früh eingesetzt waren THC allein und CBD/BCP besonders wirksam gegen Phantomschmerzen. Spät eingesetzt übertrafen CBD/BCP und die Dreifachkombination die Einzelsubstanzen.

In allen Gruppen gingen Entzündungsreaktionen im Rückenmark zurück und die hemmende Nervensignalgebung (GABA) erholte sich – ein bekannter Schutzmechanismus gegen Schmerz.

Die Erkenntnis, dass der Zeitpunkt der Gabe die Wirksamkeit bestimmt, ist klinisch relevant. Klinische Studien am Menschen müssen folgen.

Informationen zu den Autoren:

(1) Department of Neurosurgery, Miami Project to Cure Paralysis, University of Miami School of Medicine, Miami, FL, USA.

Wissenschaft: Cannabidiol (CBD) als mögliches Krebsmittel beim Hund: Eine systematische Übersichtsarbeit (PubMed)

Medina FJ, Torres CG. Potential antitumor effect of cannabidiol (CBD) in canine oncology: a systematic review. Front Vet Sci. 2026 May 21;13:1800410. doi: 10.3389/fvets.2026.1800410. PMID: 42254894.

Worum geht es?

Krebs ist auch bei Hunden häufig und ernst. CBD hat in menschlichen Tumorzellen antitumorale Eigenschaften gezeigt. Dieser Review fasst erstmals alle vorliegenden Studien zur Wirkung von CBD auf Hundekrebs zusammen.

Wie wurde geforscht?

Systematische Suche nach allen Studien zur Wirkung von CBD auf Krebszellen beim Hund nach PRISMA-2020-Leitlinien. Ausgewertet wurden ausschließlich präklinische Zellstudien, da klinische Studien am lebenden Tier bisher fehlen.

Was kam heraus?

CBD hemmt das Wachstum und die Wanderung von Krebszellen und löst deren programmierten Zelltod aus – in Lymphom-, Mammatumor-, Gliom-, Prostata-, Knochen- und Blasenkrebs-Zelllinien des Hundes.

Kombinationen von CBD mit anderen Krebsmitteln zeigten teils verstärkende, teils abschwächende Effekte. Klinische Studien am Hund fehlen noch. Der Ansatz verdient weitere Forschung.

Informationen zu den Autoren:

(1) Centralized Laboratory for Veterinary Research (LACIV), Faculty of Veterinary and Animal Sciences, Universidad de Chile, Santiago, Chile. (2) Department of Clinical Sciences, Faculty of Veterinary and Animal Sciences, Universidad de Chile, Santiago, Chile.

Wissenschaft: Hochdosiertes CBD reduziert neuropathischen Schmerz nach Rückenmarksverletzung: randomisierte klinische Studie (PubMed)

Robertson RV, Suraev A, McCartney D, et al. High-dose cannabidiol for chronic neuropathic pain associated with spinal cord injury: a randomised clinical trial. EClinicalMedicine. 2026 May 28;96:103986. doi: 10.1016/j.eclinm.2026.103986. PMID: 42256679.

Worum geht es?

Viele Menschen mit Rückenmarksverletzungen leiden unter chronischen neuropathischen Schmerzen – brennend, stechend oder elektrisierend. Bestehende Medikamente helfen nur begrenzt. Australische Forscher prüften in einer kontrollierten klinischen Studie, ob sehr hoch dosiertes CBD (bis zu 800 mg/Tag) diese Schmerzen lindern kann.

Wie wurde geforscht?

An 38 Erwachsenen mit Rückenmarksverletzung und neuropathischen Schmerzen wurde CBD und Placebo in einem Crossover-Design getestet: sechs Wochen CBD, dann vier Wochen Pause, dann sechs Wochen Placebo (oder umgekehrt). Die Dosis wurde auf bis zu 800 mg/Tag gesteigert. Weder Teilnehmende noch Forschende wussten, was gerade eingenommen wurde.

Was kam heraus?

CBD reduzierte die Schmerzintensität signifikant stärker als Placebo (mittlere Reduktion 0,54 Punkte auf einer 10-Punkte-Skala). Der Effekt ist moderat, aber statistisch eindeutig.

Nebenwirkungen traten etwas häufiger unter CBD auf (68 % vs. 53 %), waren aber fast alle mild. Schwerwiegende Ereignisse traten nicht auf.

Dies ist eine der ersten kontrollierten klinischen Studien mit so hohen CBD-Dosen bei Rückenmarksverletzten. Die Ergebnisse sind ermutigend und rechtfertigen größere Studien.

Informationen zu den Autoren:

(1)–(2) School of Medical Sciences (Neuroscience), University of Sydney, Camperdown, New South Wales, Australia. (3) Lambert Initiative for Cannabinoid Therapeutics, University of Sydney, Sydney, New South Wales, Australia. (4) School of Psychology, Faculty of Science, University of Sydney, New South Wales, Australia. (5) School of Pharmacy, Faculty of Medicine and Health, University of Sydney, New South Wales, Australia. (6) Prince of Wales Hospital, Randwick, New South Wales, Australia. (7) Neuroscience Research Australia, Randwick, New South Wales, Australia. (8) University of New South Wales, Kensington, New South Wales, Australia.

Wissenschaft: Langzeitbehandlung mit reinem CBD bei Kindern mit schwerem Autismus: anhaltende Verbesserungen bei Verhalten und Lebensqualität (PubMed)

Fortini PS, Toibaro JJ, Caraballo RH. Long-term follow-up of children with autism spectrum disorder and severe treatment-resistant behavioral symptoms treated with purified cannabidiol. Pharmacol Biochem Behav. 2026 Jun 4;266:174220. doi: 10.1016/j.pbb.2026.174220. PMID: 42248366.

Worum geht es?

Kinder mit schwerem Autismus leiden häufig unter extremen Verhaltensauffälligkeiten. Verfügbare Medikamente helfen nur begrenzt. Diese argentinische Studie ist eine der ersten, die die Wirksamkeit und Sicherheit von reinem CBD über mehr als zwei Jahre als Ergänzungstherapie untersuchte.

Wie wurde geforscht?

20 Kinder mit schwerem Autismus (Grad 2–3) und geistiger Behinderung erhielten zusätzlich zu bestehenden Medikamenten CBD. Eltern berichteten regelmäßig über Veränderungen; standardisierte Skalen erfassten Reizbarkeit, Hyperaktivität, Schlaf und Elternstress. 13 Kinder wurden durchschnittlich 27,6 Monate begleitet.

Was kam heraus?

Verbesserungen bei Reizbarkeit, sozialem Rückzug und Hyperaktivität blieben über die gesamte Langzeitphase bestehen oder verstärkten sich.

Bei 40 % der Kinder konnten andere Medikamente reduziert werden. CBD wurde gut vertragen; frühe Nebenwirkungen traten im Langzeitverlauf nicht erneut auf.

Als kleine Beobachtungsstudie ohne Kontrollgruppe sind die Ergebnisse als hoffnungsgebende Hinweise zu werten. Größere kontrollierte Studien sind dringend notwendig.

Informationen zu den Autoren:

(1) Equipo de Neurodesarrollo INIZIO, Tucumán, Argentina. (2) Hospital General de Agudos J.M. Ramos Mejía, Buenos Aires, Argentina. (3) Department of Neurology, Hospital de Pediatría Prof. Dr. J.P. Garrahan, Buenos Aires, Argentina.

Wissenschaft: Knoblauch- und Hanfextrakte wirken abtötend auf Rinderzecken – CBD als potenter Hemmstoff der Acetylcholinesterase identifiziert (PubMed)

Nasreen N, Niaz S, Khan A, Zaman MA, Ayaz S, Naeem H, Khan N, Elgorban AM. The potential of Allium sativum and Cannabis sativa extracts for anti-tick activities against Rhipicephalus (Boophilus) microplus. Exp Appl Acarol. 2020 Oct;82(2):281-294. doi: 10.1007/s10493-020-00540-z. PMID: 32886258.

Worum geht es?

Zecken der Art Rhipicephalus microplus sind ein großes Problem in der Rinderhaltung: Sie übertragen Krankheiten und chemische Akarizide werden zunehmend unwirksam. Diese Studie prüfte, ob pflanzliche Extrakte aus Knoblauch und Hanf als natürliche Alternative wirken könnten.

Wie wurde geforscht?

Zecken und ihre Eier wurden Knoblauch- und Hanfextrakten in verschiedenen Konzentrationen ausgesetzt. An Rindern wurde die Wirkung einer 45 %-Lösung getestet. Computergestützte Docking-Analysen identifizierten die wirksamsten Moleküle der Extrakte.

Was kam heraus?

Beide Extrakte töteten bei ausreichender Konzentration 100 % der Zeckenlarven ab und hemmten Eiablage und Schlüpfrate stark. An Rindern sank die Zeckenzahl innerhalb von vier Tagen deutlich.

Die Computeranalyse identifizierte CBD als einen der wirksamsten natürlichen Hemmstoffe des Zecken-Enzyms Acetylcholinesterase – einem Angriffspunkt auch chemischer Insektizide.

Vielversprechendes Potenzial, aber noch früher Forschungsschritt. Weitere Studien zur Verträglichkeit für Rinder und optimaler Formulierung sind notwendig.

Informationen zu den Autoren:

(1)–(2) Abdul Wali Khan University, Mardan, 23200, Pakistan. (3) College of Veterinary and Animal Sciences, Jhang, Pakistan. (4) University of Veterinary and Animal Sciences, Lahore, 54600, Pakistan. (5) University of Malakand, Dir. Lower, KP, Pakistan. (6) Centre of Excellence in Biotechnology Research, King Saud University, Riyadh, Saudi Arabia.

Wissenschaft: CBD verringert Tau-Hyperphosphorylierung und kognitive Defizite im Alzheimer-Rattenmodell – mögliche Rolle des PP2A-Tau-Signalwegs (PubMed)

Sura S, Jagadeesan S, Okwuofu EO, et al. Cannabidiol attenuates tau hyperphosphorylation and cognitive deficits in an experimental model of Alzheimer's disease and is associated with restoration of PP2A expression. Metab Brain Dis. 2026 Jun 4;41(1):124. doi: 10.1007/s11011-026-01894-w. PMID: 42240860.

Worum geht es?

Alzheimer-Demenz ist durch Tau-Anhäufungen in Nervenzellen und Gedächtnisabbau gekennzeichnet. Das Schutzenzym PP2A ist bei Alzheimer vermindert. Diese Studie untersuchte, ob CBD diesen Schutzmechanismus wiederherstellen und kognitive Schäden abmildern kann.

Wie wurde geforscht?

Im Rattenmodell wurde Alzheimer-ähnliche Pathologie chemisch ausgelöst (10 Wochen), dann drei Wochen lang CBD (20, 40 oder 80 mg/kg) oder Donepezil verabreicht. Getestet wurden Lernen und Gedächtnis (Morris-Wasserlabyrinth), PP2A-Spiegel und Tau-Phosphorylierung im Hippokampus.

Was kam heraus?

CBD verbesserte räumliches Lernen und Gedächtnis vergleichbar mit dem Alzheimer-Medikament Donepezil. Das Schutzenzym PP2A stieg an, schädliche Tau-Ablagerungen gingen deutlich zurück.

Die Ergebnisse deuten auf einen relevanten Wirkmechanismus (PP2A-Tau-Achse) hin. Klinische Studien am Menschen sind erforderlich, bevor Behandlungsschlussfolgerungen gezogen werden können.

Informationen zu den Autoren:

(1)–(2) Department of Human Anatomy, Faculty of Medicine and Health Sciences, Universiti Putra Malaysia, Serdang, Selangor, Malaysia. (3) School of Medicine, Taylor's University, Bandar Sunway, Selangor, Malaysia. (4)–(6) Faculty of Medicine, MAHSA University, Jenjarom, Selangor, Malaysia. (7) Universiti Putra Malaysia, Serdang, Selangor, Malaysia. (8) Universiti Tunku Abdul Rahman, Selangor, Malaysia.

Wissenschaft: Cannabisbasierte Medizin reduziert Tics beim Tourette-Syndrom: Systematischer Review und Meta-Analyse (PubMed)

Mann GS, Gadelmawla AF, Dway A, et al. Cannabis for tic control: a systematic review and meta-analysis of its efficacy in Tourette syndrome management. Neuroscience. 2026 Jun 1;609:137-145. doi: 10.1016/j.neuroscience.2026.05.044. PMID: 42229830.

Worum geht es?

Beim Tourette-Syndrom brechen unwillkürliche Bewegungen oder Geräusche heraus, oft mit einem drängenden Vorgefühl. Bestehende Medikamente (meist Antipsychotika) haben erhebliche Nebenwirkungen. Cannabisbasierte Präparate werden als mögliche Alternative diskutiert. Dieser Review fasst alle verfügbaren Studien zusammen.

Wie wurde geforscht?

Systematische Suche in vier wissenschaftlichen Datenbanken nach allen Studien zu cannabisbasierten Therapien bei Tourette-Patienten. Sieben Studien mit 306 erwachsenen Patienten wurden statistisch zusammengeführt. Gemessen wurden die YGTSS-Skala (Tic-Schwere) und die PUTS-Skala (Vorgefühl vor Tics).

Was kam heraus?

Cannabisbasierte Präparate reduzierten die Tic-Schwere auf der YGTSS-Skala signifikant (um 13,3 Punkte) und das Vorgefühl vor Tics (PUTS, um 4,1 Punkte). Beide Effekte waren statistisch klar belegt.

Die einbezogenen Studien sind überwiegend klein und methodisch heterogen. Placebokontrollierte Großstudien fehlen. Die Ergebnisse sind vielversprechend, aber noch nicht ausreichend für definitive Empfehlungen.

Informationen zu den Autoren:

(1) Department of Neurology, Sant Parmanand Hospital, Delhi, India. (2) Faculty of Medicine, Menoufia University, Menoufia, Egypt. (3) Faculty of Medicine, Al-Andalus University for Medical Sciences, Tartus, Syria. (4)–(6) Vitebsk State Medical University, Belarus. (7)–(8) Gujranwala Medical College / Al-Tibri Medical College, Pakistan. (9) Faculty of Medicine, University of Novi Sad, Serbia. (10) Chettinad Academy of Research and Education, Tamil Nadu, India. (11) University of Ibadan, Ibadan, Nigeria.

Wissenschaft: Medizinisches Cannabis lindert chronische Schmerzen bei Hypermobilität über 24 Monate: Daten aus dem UK Medical Cannabis Registry (PubMed)

Alemi M, Erridge S, Clarke E, et al. UK Medical Cannabis Registry: an updated analysis of clinical outcomes of medicinal cannabis therapy for hypermobility-associated chronic pain. Clin Rheumatol. 2026 May 30. doi: 10.1007/s10067-026-08166-z. PMID: 42217098.

Worum geht es?

Hypermobilitätssyndrome (wie Ehlers-Danlos-Syndrom) verursachen überbewegliche Gelenke und chronische Schmerzen. Diese Erkrankungsgruppe ist wissenschaftlich wenig erforscht. Diese Studie ist die bisher größte und längste Beobachtungsstudie zu medizinischem Cannabis speziell bei dieser Patientengruppe.

Wie wurde geforscht?

240 Patienten aus dem UK Medical Cannabis Registry, die wegen hypermobilitätsbedingter Schmerzen mit cannabisbasierten Medizinprodukten behandelt wurden, wurden über 24 Monate verfolgt. Sie berichteten selbst über Schmerzstärke, Beeinträchtigung, Lebensqualität, Angst und Schlaf.

Was kam heraus?

Alle gemessenen Endpunkte verbesserten sich signifikant. Nach 24 Monaten berichteten rund 60 % klinisch bedeutsame Schmerzreduktionen. Auch Angst und Schlaf verbesserten sich.

Gleichzeitig gingen Opioidverschreibungen zurück – ein Hinweis, dass medizinisches Cannabis andere Schmerzmedikamente reduzieren könnte. Nebenwirkungen waren überwiegend mild.

Als Beobachtungsstudie ohne Kontrollgruppe kann Kausalität nicht bewiesen werden, aber die Ergebnisse sind angesichts der Größe und Dauer inhaltlich bedeutsam.

Informationen zu den Autoren:

(1)–(4) Medical Cannabis Research Group / Department of Surgery & Cancer, Imperial College London, London, UK. (5) Curaleaf Clinic, London, UK. (6) St George's University Hospitals NHS Foundation Trust, London, UK. (7) Department of Psychological Medicine, King's College London, London, UK. (8) South London & Maudsley NHS Foundation Trust, London, UK. (9) Guy's & St Thomas' NHS Foundation Trust, London, UK.

Wissenschaft: CBD verstärkt die Schmerzlinderung durch Oxycodon ohne Steigerung des Missbrauchspotenzials: Präklinische Evidenz (PubMed)

Brice-Tutt AC, Murphy NP, Setlow B, et al. Selective opioid-sparing effects of cannabidiol on opioid analgesia in rats. J Pain. 2026 May 30:106338. doi: 10.1016/j.jpain.2026.106338. PMID: 42219047.

Worum geht es?

Opioide wie Oxycodon sind bei starken Schmerzen wirksam, aber ihr Suchtpotenzial ist groß. Wäre es möglich, mit CBD die gleiche Schmerzlinderung mit weniger Opioid zu erzielen, ohne das Missbrauchsrisiko zu erhöhen? Diese Studie testete genau das an Ratten.

Wie wurde geforscht?

Männliche und weibliche Ratten erhielten CBD, Oxycodon oder beides kombiniert. Gemessen wurden: Schmerzlinderung (operante Schmerzreaktion), allgemeines Bewegungsverhalten, und das Konditionierte Platzpräferenz-Paradigma als Indikator für Belohnungs- und Suchtpotenzial.

Was kam heraus?

CBD verstärkte die Schmerzlinderung von Oxycodon signifikant, ohne Bewegungsverhalten oder Belohnungsverhalten zu verändern. Das Suchtpotenzial von Oxycodon wurde durch CBD nicht erhöht.

Diese präklinischen Daten stützen die Entwicklung von CBD als opioidspariende Ergänzungstherapie. Klinische Studien am Menschen sind der nächste notwendige Schritt.

Informationen zu den Autoren:

(1) Department of Orthodontics, College of Dentistry, University of Florida, Gainesville, FL 32610. (2) Department of Biomedical Sciences, Texas A&M University College of Dentistry, Dallas, TX 75246. (3)–(8) Departments of Psychiatry, Pharmacology, Neuroscience, Pharmaceutics, and Oral Surgery, University of Florida, Gainesville, FL 32610.

Wissenschaft: Cannabinoide bei Alzheimer-Demenz: Tiermodelle, klinische Studien und pharmakologische Herausforderungen – ein Überblick (PubMed)

Komedera M, Wojda U, Kiryk A. Cannabinoids in Alzheimer's disease: animal-human evidence and clinical pharmacology challenges. Front Behav Neurosci. 2026 May 13;20:1833021. doi: 10.3389/fnbeh.2026.1833021. PMID: 42211879.

Worum geht es?

Alzheimer-Demenz ist die häufigste Demenzform und bislang nicht heilbar. Neben Gedächtnisstörungen leiden viele Betroffene unter Verhaltensauffälligkeiten. CBD und THC werden auf ihr therapeutisches Potenzial bei Alzheimer untersucht. Dieser Überblicksartikel aus Polen fasst den Stand aus Tier- und Menschenstudien zusammen.

Wie wurde geforscht?

Mini-Review, der Studien aus transgenen Alzheimer-Tiermodellen und klinischen Studien bei Alzheimer-Patienten zu CBD, THC und deren Kombination systematisch auswertet.

Was kam heraus?

In Tiermodellen reduzieren CBD und THC Amyloid-Plaques und Tau-Ablagerungen und dämpfen Entzündungsreaktionen im Gehirn. Lernen und Gedächtnis verbesserten sich dabei häufig.

Bei Menschen verbessern sich vor allem Verhaltens- und Schlafsymptome, kognitive Verbesserungen sind bescheidener. Die Verträglichkeit ist gut.

Sehr unterschiedliche Präparate, Dosen und Studiendesigns verhindern klare Empfehlungen. Künftige Studien müssen Dosierungen optimieren und Langzeitsicherheit prüfen.

Informationen zu den Autoren:

(1) Laboratory of Preclinical Testing of Higher Standard, Nencki Institute of Experimental Biology, Polish Academy of Sciences, Warszawa, Poland.

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