Liebe Leserin, lieber Leser,

es gibt wieder einige Anträge an die Bundesopiumstelle auf den Eigenanbau von Cannabis, da selbst Erlaubnisinhaber mit Verweigerungen einer Kostenübernahme durch ihre Krankenkasse rechnen müssen. Viele andere finden keinen Arzt, der sie behandelt.

Die Sprecher des Selbsthilfenetzwerks Cannabis Medizin (SCM) haben zu den gleichlautenden Aussagen in den Ablehnungen des Eigenanbaus von Cannabis für den eigenen medizinischen Bedarf durch die Bundesopiumstelle bei den Ärztekammern nachgehakt.

In den Ablehnungen der Bundesopiumstelle auf Eigenanbau heißt es: „Zudem machen wir darauf aufmerksam, dass die Zulassung als Vertragsarzt nach § 95 Absatz 3 Satz1 SGB V für Ärztinnen und Ärzte das Recht, aber auch die Pflicht begründen dürfte, an der kassenärztlichen Versorgung teilzunehmen. Ärztinnen und Ärzte, die an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmen, dürften eine Behandlung nicht ohne weiteres verweigern können. Vielmehr dürfen Vertragsärzte Patientinnen und Patienten nur aus triftigen Gründen ablehnen. Wird eine Behandlung aus nicht triftigen Gründen verweigert, kann die Ärztekammer aufgerufen sein.“

Wir dokumentieren in dieser Ausgabe auch die Antwort der Bundesärztekammer.

Wie fatal sich in konkreten Fällen die Vorstellung, man könne eine Therapie mit Cannabisblüten auf eine vergleichsweise geringere Dronabinol-Dosis umstellen, auswirken kann, muss gerade einer meiner Patienten erfahren, der eine Haftstrafe verbüßen muss. Er leidet an einer posttraumatische Belastungsstörung, was einen für jeden belastenden Gefängnisaufenthalt belastender macht als für psychisch Gesunde.

Die letzte Dosierungsanleitung in meiner Praxis sah die Einnahme von 1-1,5 g Cannabisblüten mit einem Dronabinol-Gehalt von 22 % mittels Vaporizer vor. Dies entspricht einer Tagesdosis von Dronabinol/THC von 220-330 mg. Nach wenig fruchtbaren Gesprächen mit der zuständigen Ärztin der Haftanstalt hatte ich an die Anstaltsleitung appelliert: „Es ist wichtig, diese Behandlung im Gefängnis fortzusetzen. Dies geschieht jedoch gegenwärtig nicht und stellt für Herrn S. vor dem Hintergrund seiner psychiatrischen Erkrankungen eine erhebliche psychische Belastung dar. Nach eigenen Angaben bekommt er in der JVA gegenwärtig 2 ml einer 2,5-prozentigen Dronabinol-Lösung, entsprechend einer Dosis von 50 mg THC/Dronabinol. Damit ist er unterdosiert. Ich würde es begrüßen, wenn Herr S. in Ihrer Einrichtung medizinisch ausreichend versorgt wird.“ Ich bekam als Antwort, dass er ausreichend medizinisch betreut werde, was der Wahrnehmung des Patienten und seiner verzweifelten Mutter leider nicht entspricht.

Kürzlich fand die erste Online-Schulung für das geplante ACM-Patiententelefon statt. In den nächsten ACM-Mitteilungen vom 25. August soll der Startschuss fallen.

Viel Spaß beim Lesen!
Franjo Grotenhermen

ACM-Mitteilungen 14-tägig

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Informationen zur Petition

„Ärztinnen und Ärzte sollen entscheiden dürfen, ob eine Therapie unter Verwendung von Cannabis notwendig oder sinnvoll ist“, betont Dr. Franjo Grotenhermen.

Die Petition fordert den Bundestag auf, das Betäubungsmittelgesetz dahingehend zu ändern, dass Patientinnen und Patienten, bei denen aus ärztlicher Sicht eine Behandlung mit Cannabis oder Cannabinoiden medizinisch indiziert ist, nicht mehr strafrechtlich verfolgt werden dürfen. Als Nachweis soll ein ärztliches Attest dienen.

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Informationen zu Cannabis

 

Bei welchen Indikationen dürfen cannabishaltige Arzneimittel verordnet werden?

Das Gesetz macht keine Vorgaben zu den für eine Verordnung zugelassenen Indikationen.

Die medizinische Kenntnisslage zu den verschiedenen möglichen Anwendungsgebieten von Cannabis sind sehr uneinheitlich. Für Übelkeit und Erbrechen bei Krebschemotherapie, Appetitlosigkeit und Abmagerung bei HIV/Aids, bei chronischen, vor allem neuropathischen Schmerzen sowie Spastik bei multipler Sklerose und Querschnittserkrankungen ist sie gut, für andere wie Epilepsie, Juckreiz und Depressionen eher schlecht. Allerdings...

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Cannabidiol bei Angststörungen

Fotolia_56682672_Subscription_XLDas gesteigerte Interesse am therapeutischen Potenzial des nicht psychotrop wirkenden CBD bei einer Vielzahl von Indikationen (Epilepsie, Entzündungen, Schizophrenie, et cetera) lässt sich bereits daran ablesen, dass sich pharmazeutische Firmen zunehmend für dieses Cannabinoid interessieren. So hat das israelische Unternehmen Tikun Olam eine Cannabissorte entwickelt, die 15,8 % CBD und weniger als ein Prozent THC enthält. Das britische Unternehmen GW

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Teilnahme am Straßenverkehr unter Cannabiseinfluss

Wie sieht es nach dem Inkrafttreten des neues Gesetzes aus?

Die momentare gesetzliche Lage ist folgende. Wenn Cannabis aus medizinischen Gründen eingenommen wird, erfolgt bei anschließender Teilnahme am Straßenverkehr keine strafrechtliche Verfolgung - vorausgesetzt, dass gewisse Bestimmungen zur Einnahme eingehalten werden und es zu keinem Unfall oder Auffälligkeiten kommt.

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