Liebe Leserin, lieber Leser,

finanzielle Verflechtungen von einflussreichen Wissenschaftlern mit pharmazeutischen Firmen spielen eine immer größere Rolle, auch wenn es um das Thema Cannabis in der Medizin geht.

Ein Beispiel sind die Leitlinien zur Behandlung der ADHS im Erwachsenenalter aus dem Juni 2018. Dort heißt es auf Seite 43: „Cannabis soll für die Behandlung der ADHS nicht eingesetzt werden.“ Aufgrund dieser Aussage haben Patienten mit ADHS heute keine Chance mehr, eine Kostenübernahme für eine Therapie mit Cannabis-Medikamenten von ihrer Krankenkasse zu erhalten, obwohl eine zunehmende Zahl von engagierten Psychiatern und Neurologen eine solche Therapie mit Cannabis bei ADHS befürwortet, und es auch eine kleine kontrollierte klinische Studie zur Verwendung des Cannabisextrakts Sativex bei ADHS gibt, die zeigt, dass Cannabis ein therapeutisches Potenzial bei ADHS besitzt.

Ein ärztlicher Kollege wies kürzlich in der Mailingliste für Ärzte der ACM auf mögliche Interessenkonflikte von Autoren der Leitlinie hin. So ist einem Übersichtsartikel zur Therapie der ADHS im Deutschen Ärzteblatt aus dem Jahr 2017 zu entnehmen, dass der Leitlinienkoordinator Prof. Dr. Dr. Tobias Banaschewski „Gelder für Beratertätigkeiten von Lilly, Medice, Novartis, Shire, Otsuka und Actelion“ erhielt. Das findet sich auf der letzten Seite unter „Interessenkonflikte“.

Lilly produziert das ADHS-Medikament Strattera mit dem Wirkstoff Atomoxetin. Medice stellt das Methylphenidat-Präparat Medikinet, Novartis das Methylphenidat-Präparat Ritalin und Shire das ADHS-Medikament Elvanse mit dem Wirkstoff Lisdexamphetamin her. Selbstverständlich reicht das allein nicht aus, um die wissenschaftliche Aussagekraft von Artikeln von Professor Banaschewski infrage zu stellen. Wenn man aber sieht, dass auch gewichtige Coautoren der Leitlinien für die Behandlung der ADHS und des Artikels im Deutschen Ärzteblatt Beraterverträge mit den gleichen Firmen haben, kommen doch Zweifel an der wissenschaftlichen Unabhängigkeit auf. So heißt es beispielsweise zu 2 weiteren Autoren: „Prof. Döpfner erhielt Honorare für Beratertätigkeiten von Medice, Shire, Lilly und Vifor. (…) Prof. Rösler erhält Lizenzgebühren vom Hogrefe Verlag. Für Beratertätigkeiten wird er honoriert von Medice, Shire und Lilly.“

Das ist keine gute Entwicklung. Heute sind Professoren von Medizinische Fakultäten gezwungen, Drittmittel für ihre Forschung zu akquirieren, weil öffentliche Gelder nicht mehr ausreichend zur Verfügung gestellt werden. Drittmittel kommen von pharmazeutischen Firmen mit konkreten Erwartungshaltungen, die durch kritische Aussagen nicht verprellt werden dürfen, weil die finanzielle Förderung dann eingestellt werden könnte. Es handelt sich um ein strukturelles Problem, das man nicht allein dem Einzelnen vorhalten kann. Es ist schwer, wenn nicht unmöglich, in dieser Struktur unabhängig zu bleiben.

Es ist begrüßenswert, dass solche Interessenkonflikte zumindest offen gelegt werden müssen. Das ändert aber nichts am Konflikt.

Viel Spaß beim Lesen!
Franjo Grotenhermen

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