Liebe Leserin, lieber Leser,

wenn ich einen neuen Patienten auf eine Behandlung mit oralen Cannabisblüten einstelle, beginne ich im Allgemeinen mit einer Tagesdosis von 30 mg, die langsam gesteigert wird. Die meisten Patienten benötigen schließlich 100-200 mg Cannabisblüten, entsprechend 3-6 g pro Monat. Einige benötigen weniger (50 mg), andere auch mehr, 300-500 mg.

Die Behandlung mit Cannabisblüten ist daher im Allgemeinen eine preiswerte Behandlung, auch im Vergleich mit anderen Medikamenten, beispielsweise Opiaten der WHO-Stufe III. Dennoch setzt sich bei vielen Betroffenen (Ärzten, Krankenversicherungen, MDK) der Gedanke fest, dass eine Therapie mit Cannabisblüten im Vergleich zu einer Therapie mit Dronabinol oder Sativex teuer und unwirtschaftlich sei.

Man kann das durchaus historisch nachvollziehen. Viele ehemalige Erlaubnisinhaber der Jahre 2007-2016 hatten einen Tagesbedarf von 1-4 g. Meistens hatten diese schon viele Jahre illegal Cannabis verwendet, um ihre Leiden zu lindern, und im Laufe der Jahre eine Toleranz gegen diese Präparate wechselnder Herkunft entwickelt. Entsprechend wurde die Verschreibungshöchstmenge für Cannabisblüten vom Gesetzgeber pragmatisch auf 100 g pro Monat festgesetzt. 100 g Cannabisblüten sind natürlich teurer als 500 mg Dronabinol, die Verschreibungshöchstmenge für die isolierte Substanz, enthalten aber auch vielmehr Dronabinol. Dronabinol ist ein anderer Name für das in der Hanfpflanze vorkommende natürliche THC. Ein Gramm Cannabisblüten enthält je nach Sorte etwa 60-240 mg Dronabinol. Nun wird so getan, als wären diese Verschreibungshöchstmengen in ihrer Wirkung äquivalent.

Einer meiner Patienten berichtete mir, seine Ärztin wolle keine Cannabisblüten verordnen, weil dies nach ihrer Kenntnis mit monatlichen Kosten von 1000-1400 € verbunden sei. Ich habe ihm geraten, ihr durch einen Kostenvoranschlag aus der Apotheke zu zeigen, dass die Behandlungskosten bei der von ihm benötigten Dosis unter 300 € liegen.

Abschließend möchte ich ein persönliches Dankeschön an Unterstützer meiner neuen, sehr wirksamen Therapie mit einer filmischen Zwischenbilanz aussprechen.

Viel Spaß beim Lesen!
Franjo Grotenhermen

ACM-Mitteilungen 14-tägig

  • Presseschau: Hanf hat Potenzial

    Im US-Bundesstaat Kalifornien kann man seit Januar Cannabis legal erwerben und anbauen, im deutschen Bundestag wird das Thema immerhin diskutiert.... Die wichtigsten Fakten rund um Nutzhanf.Wann wird Cannabis in Deutschland...

  • Lieferengpässen vorprogrammiert?

    Eigentlich wollte Deutschland 2019 die erste Ernte für Medizinal-Cannabis einfahren. Doch eine juristische Panne funkte dazwischen. Das Ziel, bereits 2019 die erste Cannabis-Ernte unter staatlicher Aufsicht einzufahren, ist damit nach...

  • Ver­ga­be­s­telle darf keinen Zuschlag erteilen

    ...Das Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf untersagte dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) am Mittwoch, einem Bewerber den Zuschlag im Vergabeverfahren für den Anbau und die Lieferung von zunächst 6,6 Tonnen...

  • Cannabis-Anhörung

    ...Jetzt hat der Vergabesenat des Oberlandesgerichts Düsseldorf in den Vergabenachprüfungsverfahren VII Verg 40/17, VII Verg 42/17, VII Verg 52/17 und VII Verg 54/17 den Verhandlungstermin auf Mittwoch, den 28. März...

mehr...

Hilft Cannabis bei Krebs?

Es ist nicht einfach, auf diese Fragen eine angemessene Antwort zu finden. Dies liegt daran, dass wir einerseits bisher sehr wenig über den Einfluss von Cannabis bzw. einzelnen Cannabinoiden auf den Verlauf von Krebserkrankungen beim Menschen wissen und andererseits viele Ergebnisse aus der Grundlagenforschung ein krebshemmendes Potenzial verschiedener Cannabinoide nahe legen. Wo liegt die richtige Balance zwischen dem wichtigen Mutmachen bei einer solchen Diagnose und dem Wecken falscher Hoffnungen? Was würde ich sagen, wenn mich ein guter Freund oder eine nahe Verwandte zu diesem Thema um Rat fragen würde? 

mehr...

 

Informationen zu Cannabis

 

Bei welchen Indikationen dürfen cannabishaltige Arzneimittel verordnet werden?

Das Gesetz macht keine Vorgaben zu den für eine Verordnung zugelassenen Indikationen.

Die medizinische Kenntnisslage zu den verschiedenen möglichen Anwendungsgebieten von Cannabis sind sehr uneinheitlich. Für Übelkeit und Erbrechen bei Krebschemotherapie, Appetitlosigkeit und Abmagerung bei HIV/Aids, bei chronischen, vor allem neuropathischen Schmerzen sowie Spastik bei multipler Sklerose und Querschnittserkrankungen ist sie gut, für andere wie Epilepsie, Juckreiz und Depressionen eher schlecht. Allerdings...

mehr...

 

Cannabidiol bei Angststörungen

Fotolia_56682672_Subscription_XLDas gesteigerte Interesse am therapeutischen Potenzial des nicht psychotrop wirkenden CBD bei einer Vielzahl von Indikationen (Epilepsie, Entzündungen, Schizophrenie, et cetera) lässt sich bereits daran ablesen, dass sich pharmazeutische Firmen zunehmend für dieses Cannabinoid interessieren. So hat das israelische Unternehmen Tikun Olam eine Cannabissorte entwickelt, die 15,8 % CBD und weniger als ein Prozent THC enthält. Das britische Unternehmen GW

mehr...

Teilnahme am Straßenverkehr unter Cannabiseinfluss

Wie sieht es nach dem Inkrafttreten des neues Gesetzes aus?

Die momentare gesetzliche Lage ist folgende. Wenn Cannabis aus medizinischen Gründen eingenommen wird, erfolgt bei anschließender Teilnahme am Straßenverkehr keine strafrechtliche Verfolgung - vorausgesetzt, dass gewisse Bestimmungen zur Einnahme eingehalten werden und es zu keinem Unfall oder Auffälligkeiten kommt.

mehr...

 

 

 

 

Über den Newsletter erhalten Sie regelmäßig interessante Neuigkeiten über Cannabis und Cannabinoide aus rechtlicher, wissenschaftlicher und medizinischer Sicht.

Ja, ich möchte die ACM-Informationen per E-Mail erhalten.