Liebe Leserin, lieber Leser,
wie Sie vielleicht wissen, habe ich bis Ende 2025 IACM-Informationen herausgegeben, die alle 2 Wochen vor allem über neue wissenschaftliche Erkenntnisse berichtet hat. Nachdem sich die IACM Ende des letzten Jahres aufgelöst hatte, habe ich auch die Publikation dieses Newsletters eingestellt. Leider gibt es dafür keinen guten Ersatz, weltweit nicht. Ich habe daher überlegt, wichtige wissenschaftliche Ergebnisse in den einzelnen Mitteilungen zu veröffentlichen.
Heiter weiter!
Franjo Grotenhermen Vorstandsvorsitzender
Wie müssen Dosierungsanleitungen aussehen?
Wer ein Rezept über ein cannabisbasiertes Medikament erhält, erhält auch eine Dosierungsanleitung. Diese kann entweder direkt auf dem Rezept stehen oder in einer beigelegten Dosierungsanweisung. Gelegentlich behaupten Apotheker, dass eine Dosierungsanleitung unbedingt auf dem Rezept stehen müsse. Sonst sei das Rezept ungültig.
Die Rechtslage ist hier sehr klar geregelt. Die maßgebliche offizielle Quelle ist die Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV), konkret § 2 Abs. 1 Nr. 7 AMVV.
Was die Rechtslage besagt
Seit dem 1. November 2020 sind Ärzte verpflichtet, auf jedem Rezept die Dosierung des verordneten Arzneimittels anzugeben. Die Dosierung wurde als Pflichtangabe in § 2 Abs. 1 AMVV aufgenommen – mit einer ausdrücklichen Ausnahme: Die Angabe gilt dann nicht, wenn dem Patienten ein Medikationsplan, der das verordnete Arzneimittel umfasst, oder eine entsprechende schriftliche Dosierungsanweisung der ärztlichen Person vorliegt und die verschreibende Person dies in der Verschreibung kenntlich gemacht hat.
Das bedeutet konkret: Die Dosierung muss nicht zwingend direkt auf dem Rezept stehen, wenn der Arzt dem Patienten ein Begleitschreiben mit der Dosierungsanweisung mitgibt – aber der Arzt muss dies auf dem Rezept durch das Kürzel „Dj" (= Dosierungsanweisung ja) kenntlich machen.
Ist der Patient im Besitz einer schriftlichen Dosierungsanweisung oder eines Medikationsplans, der das verordnete Arzneimittel umfasst, entfällt die verpflichtende Angabe der Dosierung auf der Verordnung – jedoch nur, sofern der Arzt die Abgabe von Medikationsplan und schriftlicher Dosierungsanweisung auf dem Rezept vermerkt.
Was die Apotheke prüfen muss
Sollte dem Apotheker und dem Patienten die Dosierungsanweisung zwar vorliegen, der Hinweis darüber aber auf dem Rezept fehlen, so muss der Apotheker Rücksprache mit dem Verordner halten – ansonsten besteht die Gefahr von Retaxationen aufgrund von Formfehlern.
Presseschau: Drogenbeauftragter Streeck offen für Modellversuche zum legalen Verkauf von Cannabis (RedaktionsNetzwerk Deutschland)
Hendrik Streeck (CDU) ist seit genau einem Jahr (28. Mai 2025) Beauftragter der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen. Er hat deutlich gemacht, dass er seine Politik an wissenschaftlichen Daten ausrichten will. Kürzlich hat er festgestellt, dass wir „nicht ignorieren" können, dass es in Deutschland 5 Millionen Cannabiskonsumenten gibt.
Drogenbeauftragter Streeck offen für Modellversuche zum legalen Verkauf von Cannabis
Pilotprojekte unter strengen Bedingungen
Viele führende Unionspolitiker wollen die Legalisierung von Cannabis am liebsten zurücknehmen. Der Drogenbeauftragte Hendrik Streeck (CDU) sieht das anders. Er kann sich Pilotprojekte zur legalen Abgabe vorstellen. Im Gespräch mit dem RND nennt er aber mehrere Bedingungen.
Der Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Hendrik Streeck (CDU), hat sich als erster Unionspolitiker dafür ausgesprochen, in Pilotprojekten den legalen Verkauf von Cannabis zu erlauben. „Bei möglichen Modellvorhaben wäre ich persönlich offen, aber nur unter sehr strengen Bedingungen", sagte Streeck dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Er betonte: „Keine Normalisierung, keine kommerzielle Ausweitung, keine Werbung, keine Abgabe an junge Erwachsene" und fügte als weitere Bedingungen hinzu: „Denkbar wären sehr begrenzte Mengen, etwa fünf Gramm, eine Abgabe nur an Menschen über 25 und eine enge wissenschaftliche Begleitung."
Es gehöre zur Realität in Deutschland, dass rund fünf Millionen Menschen regelmäßig Cannabis konsumierten, sagte Streeck. „Das können wir nicht ignorieren", so der Unionspolitiker. „Es hilft nichts, ein Gesetz entweder schönzureden oder so zu tun, als könne man die Entwicklung einfach zurückdrehen, ohne die Praxis zu betrachten", sagte er zur Debatte über eine Rücknahme der von der Ampel-Regierung durchgesetzten Legalisierung.
„Keine Kontrolle, sondern Ausweichverhalten"
Er plädierte auch dafür, die strikten Vorgaben für Anbauvereine zu überdenken. „Wenn Anbauvereine so kompliziert reguliert sind, dass sie kaum funktionieren, entsteht keine Kontrolle, sondern Ausweichverhalten", sagte er. „Dann muss man ehrlich über Vereinfachungen sprechen", fügte der Drogenbeauftragte hinzu.
Streeck begründete seinen Vorstoß für die legale Abgabe von Cannabis damit, dass derzeit Medizinal-Cannabis in großem Ausmaß für den Freizeitkonsum missbraucht werde. „Medizinische Versorgung und Freizeitkonsum müssen klar getrennt bleiben", mahnte er. „Wenn über Onlineplattformen massenhaft Cannabis mit fragwürdigen Verfahren verschrieben wird, beschädigt das am Ende auch die Akzeptanz echter medizinischer Anwendungen", beklagte der CDU-Abgeordnete. Entstanden sei ein „gefährlicher Mischmarkt", bei dem auch der Jugendschutz nicht mehr greife, argumentierte Streeck.
(…)
Wissenschaft: Cannabiskonsum ist mit einem leicht reduzierten Risiko für Stoffwechselerkrankungen verbunden – abhängig vom Body-Mass-Index (PubMed)
Zhou S, He J, Chen X, Lee CS, Zhang L, Hu Y, Liang Z. Association between cannabis use and risk of metabolic disease in UK biobank. Nutr Metab Cardiovasc Dis. 2026 Apr 17:104762. doi: 10.1016/j.numecd.2026.104762. PMID: 42115075.
Worum geht es?
Ob Cannabis das Risiko für Stoffwechselerkrankungen – also Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht und ähnliche Erkrankungen – beeinflusst, ist bislang kaum systematisch untersucht worden. Eine chinesische Forschungsgruppe nutzte nun die große britische Gesundheitsdatenbank UK Biobank, um dieser Frage nachzugehen – und untersuchte dabei erstmals, ob das Körpergewicht (gemessen als BMI) eine Rolle dabei spielt.
Wie wurde geforscht?
Ausgewertet wurden Daten von über 91.000 Personen aus der UK Biobank, die zu Beginn der Beobachtung keine Stoffwechselerkrankungen hatten. Mithilfe statistischer Modelle (Cox-Regressionen) wurde berechnet, ob Cannabiskonsumenten im Beobachtungszeitraum häufiger oder seltener Stoffwechselerkrankungen entwickelten als Nicht-Konsumierende – unter Berücksichtigung zahlreicher weiterer Einflussfaktoren. Besonders wurde untersucht, ob der Zusammenhang je nach BMI unterschiedlich ausfällt.
Was kam heraus?
Bei normalgewichtigen Personen (BMI kleiner als 25) war Cannabiskonsum mit einem leicht niedrigeren Risiko für Stoffwechselerkrankungen insgesamt, Bluthochdruck und Typ-2-Diabetes verbunden. Starke Cannabiskonsumenten hatten sogar ein um 43 % niedrigeres Adipositasrisiko.
Bei stark übergewichtigen Personen (BMI größer als 30) kehrte sich das Bild teilweise um: Hier war moderater Konsum mit einem erhöhten Risiko für Stoffwechselerkrankungen und Bluthochdruck verbunden. Für Blutfettstörungen und Fettlebererkrankung zeigte sich in keiner Gruppe ein signifikanter Zusammenhang.
Wichtig für die Einordnung: Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie – es lässt sich also nicht ausschließen, dass andere, nicht erfasste Faktoren die Ergebnisse beeinflussen. Ursache und Wirkung können daher nicht abschließend belegt werden.
Informationen zu den Autoren:
(1) Women's Hospital School of Medicine, Zhejiang University, China. (2) Women's Hospital School of Medicine, Zhejiang University, China. (3) Taizhou First People's Hospital, China. (4) Women's Hospital School of Medicine, Zhejiang University, China. (5) Women's Hospital School of Medicine, Zhejiang University, China. (6) Women's Hospital School of Medicine, Zhejiang University, China. (7) Women's Hospital School of Medicine, Zhejiang University, China.
Wissenschaft: Der gemeinsame Konsum von Cannabis und Tabak erhöht das Psychoserisiko im Vergleich zum alleinigen Cannabiskonsum (PubMed)
Bello D, Connolly JG, Addington J, Bearden CE, Cadenhead K, Cannon TD, Cornblatt B, Keshavan M, Mathalon DH, Perkins DO, Seidman L, Stone WS, Tsuang MT, Walker EF, Woods S, Brady RO Jr, Carrión RE, Ward HB. Cannabis and Tobacco Co-Use is Associated with Impaired Neurocognitive Performance in Individuals at Clinical High Risk for Psychosis. Biol Psychiatry Cogn Neurosci Neuroimaging. 2026 Apr 16:S2451-9022(26)00119-9. doi: 10.1016/j.bpsc.2026.03.021.
Worum geht es?
Viele Menschen mit psychotischen Erkrankungen (etwa Schizophrenie) konsumieren Cannabis. Zwar weiß man, dass Cannabis psychotische Symptome verschlimmern kann, aber wie es sich auf die Denkleistung (etwa Gedächtnis und Konzentration) auswirkt, ist noch nicht gut erforscht. Hinzu kommt, dass immer mehr Menschen Cannabis und Tabak gemeinsam konsumieren. Welche Folgen dieser Mischkonsum für Menschen hat, die bereits eine Psychose haben oder ein erhöhtes Risiko dafür tragen, ist bisher kaum untersucht.
Wie wurde geforscht?
Die Forschenden haben Daten aus einer großen nordamerikanischen Langzeitstudie ausgewertet. Daran nahmen insgesamt 1.012 Personen teil: 734 Menschen mit einem klinisch erhöhten Psychoserisiko (das sind Personen mit ersten Warnzeichen, bei denen sich eine Psychose entwickeln könnte) sowie 278 gesunde Vergleichspersonen.
Mit standardisierten Tests wurde die geistige Leistungsfähigkeit gemessen – also zum Beispiel das Gedächtnis, das Lernvermögen und die Aufmerksamkeit. Die Teilnehmenden wurden dabei in sechs Gruppen aufgeteilt, je nachdem, ob sie zur Risikogruppe gehörten und ob sie Cannabis, Tabak, beides oder gar nichts konsumierten.
Was kam heraus?
Personen mit erhöhtem Psychoserisiko, die sowohl Cannabis als auch Tabak konsumierten, schnitten in den Tests deutlich schlechter ab als gesunde Vergleichspersonen. Betroffen waren insbesondere das Arbeitsgedächtnis (also die Fähigkeit, Informationen kurzzeitig im Kopf zu behalten), das Lernen von Wörtern und die Aufmerksamkeit.
Interessant ist allerdings: Auch Personen mit erhöhtem Psychoserisiko, die gar keine Substanzen konsumierten, zeigten in vielen Bereichen schwächere Testergebnisse als die gesunden Vergleichspersonen. Die kognitiven Schwierigkeiten lassen sich also nicht allein durch den Konsum von Cannabis und Tabak erklären – sie scheinen zumindest teilweise schon zum Krankheitsrisiko selbst dazuzugehören.
Informationen zu den Autoren:
(1) Department of Psychiatry and Behavioral Sciences, Vanderbilt University Medical Center. (2) Department of Psychiatry, Hotchkiss Brain Institute, University of Calgary, Alberta, Canada. (3) Semel Institute for Neuroscience and Human Behavior, Departments of Psychiatry and Behavioral Sciences and Psychology, University of California, Los Angeles, CA, USA. (4) Department of Psychiatry, University of California, San Diego, La Jolla, CA, USA. (5) Department of Psychology and Psychiatry, Yale University, New Haven, CT, USA. (6) Northwell Health, New Hyde Park, NY, USA. (7) Department of Psychiatry, Beth Israel Deaconess Medical Center and Harvard Medical School, Boston, MA. (8) Department of Psychiatry and Behavioral Sciences, University of California, San Francisco, CA, USA. (9) Department of Psychiatry, University of North Carolina at Chapel Hill, NC, USA. (10) Department of Psychology, Emory University, Atlanta, GA, USA. (11) Department of Psychiatry, Yale University, New Haven, CT, USA. (12) Department of Psychiatry and Behavioral Sciences, Vanderbilt University Medical Center.
Wissenschaft: Antitumorale Wirkung von Cannabinoiden und ihre Wechselwirkung mit Chemotherapie: Eine systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse präklinischer Evidenz (PubMed)
Creangă-Murariu I, Rezuş II, Karami R, Makolli A, Chifu C, Rancz A, Sipos Z, Ferdinandy P, Papp R, Teutsch B, Tamba BI, Hegyi P, Bunduc S. Antitumor Activity of Cannabinoids and Their Interaction with Chemotherapy: A Systematic Review and Meta-Analysis of Preclinical Evidence. Pharmaceuticals (Basel). 2026 May 14;19(5):768. doi: 10.3390/ph19050768. PMID: 42198443.
Worum geht es?
Cannabinoide – also Wirkstoffe aus der Cannabispflanze wie CBD und THC, aber auch künstlich hergestellte ähnliche Substanzen – werden seit Längerem auf ihre mögliche Krebsbekämpfung untersucht. Bisher war unklar, bei welchen Tumorarten sie am wirksamsten sind und ob sie die Wirkung von Chemotherapeutika verstärken könnten. Diese Studie fasst 189 präklinische Experimente (also Zellkultur- und Tierversuche) systematisch zusammen, um ein klareres Bild zu gewinnen.
Wie wurde geforscht?
Die Autoren führten eine systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse durch: Sie suchten in drei großen wissenschaftlichen Datenbanken nach allen verfügbaren präklinischen Studien, die entweder Cannabinoide allein oder in Kombination mit Chemotherapeutika gegen Krebszellen oder in Tumortiermodellen getestet hatten. Anschließend wurden die Ergebnisse statistisch zusammengeführt, getrennt für Zellversuche (Messgröße: Anzahl lebender Krebszellen) und Tierversuche (Messgröße: Tumorvolumen in mm³).
Was kam heraus?
Die stärksten und zuverlässigsten Wirkungen zeigten sich beim Glioblastom (einem aggressiven Hirntumor): Cannabinoide reduzierten dort das Tumorvolumen im Tierversuch deutlich, und auch in Zellversuchen hemmten sie das Wachstum signifikant. Beim Brustkrebs und Prostatakrebs gab es ebenfalls messbare Tumorvolumenreduktionen. Lungenkrebs sprach ebenfalls signifikant an. Darm-, Bauchspeicheldrüsen- und Leberkrebs zeigten dagegen uneinheitliche oder keine Effekte.
Was die Kombination mit Chemotherapie betrifft: Beim Glioblastom zeigte die Zugabe von Cannabinoiden zum Standardchemotherapeutikum Temozolomid eine positive, aber statistisch nicht signifikante Verstärkung. Beim Brustkrebs hingegen ergab die Kombination von CBD mit Doxorubicin – besonders mit synthetischen Cannabinoiden – den größten gemessenen Effekt in der gesamten Analyse. Wichtig: All diese Erkenntnisse stammen aus Laborexperimenten und Tiermodellen, nicht aus Studien am Menschen. Die Ergebnisse sind daher als erste Hinweise zu verstehen, die weitere klinische Forschung anregen sollen.
Informationen zu den Autoren:
(1) Centre for Translational Medicine, Semmelweis University, 1085 Budapest, Hungary. (2) Advanced Center for Research and Development in Experimental Medicine, Grigore T. Popa University of Medicine and Pharmacy, 700115 Iasi, Romania. (3) Medical Oncology-Radiotherapy Department, Grigore T. Popa University of Medicine and Pharmacy, 700115 Iasi, Romania. (4) Department of Radiology, Grigore T. Popa University of Medicine and Pharmacy, 700115 Iasi, Romania. (5) Pharmacy Faculty, Semmelweis University, 1085 Budapest, Hungary. (6) Department of Pharmacology and Pharmacotherapy, Semmelweis University, 1085 Budapest, Hungary. (7) Center for Pharmacology and Drug Research & Development, Semmelweis University, 1085 Budapest, Hungary. (8) Anesthesiology and Intensive Care Unit, Regional Institute of Oncology, 700483 Iasi, Romania. (9) Institute for Translational Medicine, Medical School, University of Pécs, 7622 Pécs, Hungary. (10) Institute of Bioanalysis, Medical School, University of Pécs, 7622 Pécs, Hungary. (11) Pharmahungary Group, 6722 Szeged, Hungary. (12) Department of Radiology, Medical Imaging Centre, Semmelweis University, 1085 Budapest, Hungary. (13) Institute of Pancreatic Diseases, Semmelweis University, 1085 Budapest, Hungary. (14) Translational Pancreatology Research Group, University of Szeged, 6720 Szeged, Hungary. (15) Gastroenterology Department, Carol Davila University of Medicine and Pharmacy, 050474 Bucharest, Romania. (16) Digestive Disease and Liver Transplant Center, Fundeni Clinical Institute, 022328 Bucharest, Romania.
Wissenschaft: Medizinisches Cannabis als Opioid-Alternative: Eine prospektive Beobachtungskohortenstudie (PubMed)
Caldera FE, Caldera Z, Shofer F, Abramoff B, Lenrow D, Hampton S, Popescu A, Dillingham T. Medical Cannabis as an Opiate Alternative: A Prospective Observational Cohort Study. Cureus. 2026 Apr 17;18(4):e107248. doi: 10.7759/cureus.107248. PMID: 42153072.
Worum geht es?
Chronische Schmerzen werden in den USA häufig mit Opioiden behandelt – mit gravierenden Folgen: Sucht, Überdosierungen und Todesfälle haben das Ausmaß einer Gesundheitskrise erreicht. Medizinisches Cannabis gilt als mögliche Alternative, scheitert aber oft an den hohen Kosten. Diese Studie untersuchte erstmals, was passiert, wenn diese Kostenbarriere wegfällt.
Wie wurde geforscht?
An einer universitären Schmerzambulanz wurden 29 Patientinnen und Patienten fünf Monate lang begleitet. Erhoben wurden Schmerzstärke (0–10), täglicher Opioidgebrauch und körperliche Lebensqualität (SF-36) zu Beginn, nach zwei und nach fünf Monaten.
Was kam heraus?
Der tägliche Opioidkonsum sank um 65 % und blieb stabil. Schmerzen gingen messbar zurück, und die körperliche Funktionsfähigkeit verbesserte sich deutlich – beide Effekte hielten über fünf Monate an.
Wichtig: Es handelt sich um eine kleine Beobachtungsstudie ohne Kontrollgruppe. Größere, kontrollierte Studien sind notwendig, um diese Befunde zu bestätigen.
Informationen zu den Autoren:
(1) Physical Medicine and Rehabilitation, University of Pennsylvania Perelman School of Medicine, Philadelphia, USA. (2) Emergency Medicine, University of Pennsylvania Perelman School of Medicine, Philadelphia, USA.
Wissenschaft: Hanfextrakt stärkt das Antioxidationssystem der Honigbiene und verlängert ihre Lebensdauer (PubMed)
Skowronek P, Wójcik Ł, Strachecka A. Impressive Impact of Hemp Extract on Antioxidant System in Honey Bee (Apis mellifera) Organism. Antioxidants (Basel). 2022 Apr 2;11(4):707. doi: 10.3390/antiox11040707. PMID: 35453392.
Worum geht es?
Hanf enthält Pflanzenstoffe mit antioxidativer Wirkung – sie neutralisieren schädliche freie Radikale. Ob das bei Honigbienen auch eine Lebensdauerlängerung bewirkt, haben polnische Forscher untersucht.
Wie wurde geforscht?
Drei Bienengruppen wurden unterschiedlich ernährt: normale Zuckerkontrolle, Sirup mit Hanfextrakt, Hanfextrakt-Streifen im Käfig. Wöchentlich wurden Antioxidationsenzyme in der Hämolymphe gemessen und die Lebensdauer notiert.
Was kam heraus?
In beiden Hanfextraktgruppen waren alle Schutzenzyme deutlich aktiver. Und die Bienen lebten deutlich länger: statt 35 Tagen (Kontrolle) 49 bzw. 52 Tage – eine Lebensdauerlängerung um bis zu 49 %.
Diese Studie liefert interessante Hinweise zu Hanfwirkungen bei Insekten. Ob sich diese Befunde auf Säugetiere oder Menschen übertragen lassen, bleibt offen.
Informationen zu den Autoren:
(1) Department of Invertebrate Ecophysiology and Experimental Biology, University of Life Sciences in Lublin, Doświadczalna 50a, 20-280 Lublin, Poland.
Wissenschaft: THC/CBD-Cannabisöl bei Fibromyalgie: Machbarkeit, Sicherheit und erste Wirksamkeitssignale einer randomisierten, placebokontrollierten Pilotstudie (PubMed)
Kurlyandchik I, Tiralongo E, Lauche R, Tracey G, Ng J, Schloss J. Feasibility, Safety and Preliminary Efficacy of 1:1 THC:CBD Cannabis Oil for Fibromyalgia Symptoms: Results From a Randomised, Double-Blind, Placebo-Controlled Pilot Trial. Pain Res Manag. 2026;2026(1):e7311235. doi: 10.1155/prm/7311235. PMID: 42142029.
Worum geht es?
Fibromyalgie verursacht weitverbreitete Schmerzen, Schlafprobleme und Erschöpfung ohne vollständig zufriedenstellende Behandlung. Diese australische Pilotstudie prüfte, ob ein Cannabisöl mit gleichen Teilen THC und CBD praktikabel, sicher und wirksam sein könnte.
Wie wurde geforscht?
24 Erwachsene mit Fibromyalgie erhielten nach dem Zufallsprinzip Cannabisöl oder identisches Placebo (Doppelblind): vier Wochen Dosissteigerung, dann zwölf Wochen stabile Dosis. Gemessen wurden Schmerzen, Schlaf, Fibromyalgie-Gesamtbelastung (FIQR), Fatigue, Angst und Depression.
Was kam heraus?
Die Durchführung funktionierte gut: 91,7 % blieben dabei, alle nahmen Dosen zuverlässig ein. Keine schwerwiegenden Nebenwirkungen.
70 % der Cannabis-Gruppe berichteten mindestens 30 % Schmerzreduktion in Woche 12 (Placebo: 40 %). Schlaf und Fibromyalgie-Belastung verbesserten sich deutlicher. Fatigue, Angst und Depression sprachen nicht signifikant an.
Als kleine Pilotstudie sind dies erste Hinweise. Größere, ausreichend gepowerte Studien sind notwendig.
Informationen zu den Autoren:
(1) National Centre for Naturopathic Medicine, Southern Cross University, Lismore, New South Wales, Australia. (2) School of Pharmacy and Medical Sciences, Griffith University, Gold Coast, Queensland, Australia. (3) Gold Coast University Hospital, Southport, Queensland, Australia. (4) Pacific Rheumatology, Southport, Queensland, Australia. (5) Griffith University – Gold Coast Campus, Southport, Queensland, Australia.
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