Liebe Leserin, lieber Leser,

selbst Expertinnen und Experten sowie Patienten verlieren langsam die Übersicht. Das, was früher sehr erstrebenswert war, nämlich die Verfügbarkeit mehrerer Sorten, führt heute zu Unübersichtlichkeit. Heute wäre es wesentlich wichtiger, wenn es weniger Sorten gäbe, die dann aber auch möglichst durchgängig verfügbar wären. Eine zunehmende Zahl von Patienten muss feststellen, dass „ihre" Sorte mal wieder nicht verfügbar ist. Da ragt die Sorte Bedrocan, die seit mehr als 15 Jahren fast immer verfügbar ist, als positives Beispiel hervor. Wenn Sie auch andere Sorten kennen, die durch ausgezeichnete Verfügbarkeit hervorstechen, geben Sie uns gern Bescheid, damit wir solche Informationen weitergeben können. Nur mit solchen Rückmeldungen können wir Firmen ermutigen und ermuntern, auf Verfügbarkeit zu achten.

Heiter weiter!

Franjo Grotenhermen

Presseschau: Medizinalcannabis: 58 Anbieter, 1300 Sorten (Apotheke ADHOC)

Was 2017 mit weniger als 10 Sorten begann, hat sich 10 Jahre später auf mehr als 1000 Sorten ausgeweitet. Die Sortenvielfalt bei medizinischem Cannabis ist in Deutschland ungewöhnlich hoch, sodass sich für jeden Patienten und jedem Patienten eine passende Sorte finden lassen sollte.

Medizinalcannabis: 58 Anbieter, 1300 Sorten (Apotheke ADHOC)

Berlin – Die geplanten Verschärfungen bei Medizinalcannabis würden Arztpraxen und Apotheken überfordern und Patientinnen und Patienten zurück in den Schwarzmarkt treiben, warnen Plattformen und Versender. Auch Mycare warnt davor, dass Menschen besonders in ländlichen Regionen vor neue Herausforderungen beim Zugang zu ihrer Therapie gestellt würden. Schon die Produktvielfalt sei bei gelegentlicher Befassung nur schwer zu beherrschen, so die Versandapotheke.

Der Markt für medizinisches Cannabis hat sich in den vergangenen 1,5 Jahren stark entwickelt. Patienten profitieren laut Mycare nicht nur von einem einfachen Zugang, sondern auch von einer großen Produktvielfalt: Insgesamt stünden mehr als 1300 Cannabissorten in Deutschland zur Auswahl, diese verteilten sich auf 58 Hersteller. Besonders umfangreiche Portfolios haben demnach die drei deutschen Unternehmen Remexian (203 Sorten), Cantourage (107) und Cannamedical (104). Am anderen Ende des Spektrums stehen kleinere Anbieter, die nur ein bis drei Sorten vertreiben.

Günstiger als Schwarzmarkt

Die Preisspanne bei den untersuchten Cannabisblüten reicht von 2,99 bis 17,09 Euro pro Gramm – ein Gramm medizinisches Cannabis kostet im Durchschnitt 6,81 Euro. 78 Prozent der Sorten kosten zwischen fünf und zehn Euro, 19 Prozent liegen darunter, nur 3 Prozent darüber.

Der THC-Gehalt variiert ebenfalls stark, zwischen einem und 37 Prozent. Sativa-Sorten enthalten im Schnitt 21,9 Prozent THC, Indica-Sorten 23 Prozent und Hybride 23,8 Prozent. Sorten mit niedrigem THC-Anteil weisen laut Analyse in der Regel einen höheren Gehalt an CBD auf, das entzündungshemmend und entkrampfend wirkt.

„Medizinisches Cannabis ist bereits seit 2017 legal und auch vor der Legalisierung konnte man medizinisches Cannabis per Telemedizin erhalten, auch wenn die Regeln für die Verschreibung damals noch etwas strenger waren", sagt Martin Schulze, Leiter der pharmazeutischen Kundenbetreuung bei Mycare. Mit der geplanten Gesetzesänderung würden die Rechte für Cannabis-Patienten stärker eingeschränkt als noch vor der Legalisierung. „Es ist nur schwer nachvollziehbar, wieso ein Produkt, das Konsumenten heutzutage frei über Cannabis-Clubs kaufen oder sogar zu Hause selbst anbauen dürfen, nur nach persönlichen Arztbesuch verschrieben werden darf."

Laut Schulze verschreiben viele Ärzte kein Cannabis, weil sie entweder keine Erfahrung mit den Produkten oder Vorbehalte gegenüber dieser Therapieform haben. „Ärzte auf Telemedizinplattformen und Versandapotheken, die zum Teil auf Cannabis spezialisiert sind, sind für viele Patienten die einzige Möglichkeit, an ihre Medizin zu kommen."

Darüber hinaus benachteilige das geplante Versandverbot vor allem Patienten in ländlichen Regionen oder in Bundesländern, in denen es bislang kaum Apotheken gebe, die Cannabis verkauften. „So werden künftig schwer kranke Menschen hunderte Kilometer fahren müssen, um ein Rezept einzulösen. Nur, weil das Bundesgesundheitsministerium bei einigen wenigen Patienten Missbrauch vermutet, müssen alle Patienten darunter leiden."

Presseschau: Eröffnung von Berlins erstem Cannabis-Fachgeschäft mit Vorstellung des 12. Alternativen Drogen- und Suchtberichts (Presseportal)

Der Alternative Drogen- und Suchtbericht weist darauf hin, dass trotz der Teillegalisierung die meisten Konsumentinnen und Konsumenten weiterhin auf den illegalen Markt angewiesen sind.

Eröffnung von Berlins erstem Cannabis-Fachgeschäft mit Vorstellung des 12. Alternativen Drogen- und Suchtberichts (Presseportal)

Medien-Einladung: Am Mittwoch, dem 3.12., präsentieren der Bundesverband akzept und die Deutsche Aidshilfe Berlins erstes Cannabis-Fachgeschäft und stellen dort den Alternativen Drogen- und Suchtbericht 2025 vor.

Wer sich die aktuelle Situation im Drogenbereich anschaut, muss beunruhigt sein: Crack führt zunehmend zur Verelendung von Drogen konsumierenden Menschen. Synthetische Opioide sind eine wachsende Gefahr. Die Zahl der Menschen, die an den Folgen von Drogenkonsum versterben, steigt. Die Zahl der HIV-Infektionen bei intravenös Drogen konsumierenden Menschen nimmt ebenfalls zu. Dazu kommen altbekannte Probleme für die Öffentliche Gesundheit durch eine mangelhafte Regulierung des Alkohol- und Tabakmarktes und -konsums.

Was ist zu tun? Der 12. Alternative Drogen- und Suchtbericht gibt Antworten aus Wissenschaft, Forschung und Praxis.

Fortschritte in der Drogenpolitik wie die Teil-Legalisierung von Cannabis erfahren derweil Rückschläge: Obwohl bereits positive Auswirkungen des Gesetzes nachweisbar sind (Rückgang von Kriminalität und illegalem Handel), hat die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) Modellprojekte zum legalen Cannabisverkauf abgelehnt; die meisten Konsument*innen bleiben auf den illegalen Markt angewiesen.

Der Bundesverband für akzeptierende Drogenarbeit akzept und die Deutsche Aidshilfe haben daher beschlossen, mit der Eröffnung eines entsprechenden Fachgeschäfts in Berlin selbst aktiv zu werden.

Eröffnung mit Pressekonferenz zum Alternativen Drogen- und Suchtbericht:

3.12., 11 Uhr, Jägerstr. 28-31 in 10117 Berlin;

Podium und Themen:

  • Prof. Dr. Heino Stöver (Vorstand akzept Bundesverband): „Lizensierte Cannabis-Fachgeschäfte – wir zeigen, wie es geht!"
  • Dr. Maurice Cabanis (Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Suchtmedizin): „Da geht noch mehr: Weiterentwicklung der Substitutionsbehandlung"
  • Dirk Schaeffer (Referent für Drogen und Strafvollzug der Deutschen Aidshilfe): „Vor die Welle kommen: Synthetische Opioide in Deutschland und wie wir uns davor schützen können"
  • Nina Pritszens (Geschäftsführerin vista Berlin): „Crack und was Kommunen tun können"

Moderation: Holger Wicht (Deutsche Aidshilfe)

Die Zahl der Plätze ist begrenzt. Wir bitten um Anmeldung an: presse@dah.aidshilfe.de

Presseschau: Synthetische Opioide und Crack werden zunehmend zum Problem (Deutsches Ärzteblatt)

Fachleute sind sich einig, dass die Zurückdrängung des Schwarzmarktes für Cannabis am besten gelingt, wenn es attraktive, legale Zugangsmöglichkeiten gibt.

Synthetische Opioide und Crack werden zunehmend zum Problem (Deutsches Ärzteblatt)

Berlin – Der 12. Alternative Drogen- und Suchtbericht wurde heute in einem Showroom für ein Cannabis-Fachgeschäft in Berlin vorgestellt – mit leeren Verpackungen. Der Ort der Pressekonferenz sei „ein Beispiel für verhinderte Lösungen", sagte Heino Stöver, Vorsitzender des Bundesverbands Akzept, der zusammen mit der Deutschen Aidshilfe und dem Selbsthilfenetzwerk JES den Bericht im 12. Jahr herausgibt.

„Wer den Schwarzmarkt wirklich zurückdrängen will, muss legale, kontrollierte und attraktive Zugänge schaffen – so, wie es andere Länder, zum Beispiel die Schweiz, längst erfolgreich vormachen", erklärte Stöver. Statt über wissenschaftlich fundierte Modellprojekte weitere Erkenntnisse zu gewinnen, „wird auf politische Symbolik gesetzt", kritisierte der Suchtforscher. Anträge für Modellprojekte lizensierter Cannabis-Fachgeschäfte seien von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) abgelehnt worden.

Viele Gelegenheitskonsumenten versorgen sich nach Angaben von Stöver deshalb weiterhin auf dem Schwarzmarkt, weil die Hürden für den gesetzlich legitimierten Eigenanbau von Cannabis beziehungsweise für den Zugang zu Cannabis-Social-Clubs zu hoch für sie seien. „Auf dem Schwarzmarkt wissen sie weder, wie hoch der THC-Gehalt ihres Produkts ist, noch ob es mit synthetischen Cannabinoiden oder anderen Stoffen verunreinigt wurde", sagte der akzept-Vorstandvorsitzende.

Vor der Verbreitung von synthetischen Opioiden wie Fentanyl und Nitazenen warnte Maria Kuban, Leiterin des kommunalen Projektes „so par" („synthetic opioids – prepare and response", Synthetische Opioide – Vorbereitung und Reaktion) der Deutschen Aidshilfe, das der Vorbereitung von Städten auf synthetische Opioide dient.

„Synthetische Opioide sind für den Schwarzmarkt sehr attraktiv, weil sie kostengünstig herzustellen sind", sagte Kuban. Durch die Verknappung von Heroin auf dem Markt stiegen die Zahlen an. „Wir müssen vor die Welle kommen, die Konsumenten aufklären und warnen", sagte sie. Das Projekt „so par" könne dazu beitragen.

Mit den drei teilnehmenden Projektstädten Berlin, Essen und Hannover wurden Notfallpläne entwickelt, die in bestimmten Szenarien greifen, erläuterte Kuban. Dabei werden demnach in jeweils einem Drogenkonsumraum der Stadt für Heroinkonsumenten Fentanyl- und Nitazen-Schnelltests angeboten, um gefährliche Beimengungen zu erkennen.

Wichtig findet sie auch Warnungen für Konsumierende im öffentlichen Raum, wie es sie beispielsweise in Irland gibt. In Dublin werde an Szeneorten im öffentlichen Straßenleitsystem vor extremer Überdosierung gewarnt. „Vergleichbares sollte auch in Deutschland möglich sein", sagte Kuban.

Der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Suchtmedizin (DGS), Maurice Cabanis, wies auf die Probleme bei der Substitutionsbehandlung von Opioidabhängigen hin. Die betroffenen Patientinnen und Patienten müssten teils 50 bis 100 Kilometer fahren, um einen Arzt zu erreichen, der Substitutionsbehandlung anbietet.

„Bei einem Durchschnittsalter von 62 Jahren stehen viele dieser Suchtmediziner kurz vor der Rente, ein Versorgungsmangel ist programmiert", sagte der Ärztliche Direktor der Klinik für Suchtmedizin und Abhängiges Verhalten am Klinikum Stuttgart, Zentrum für Seelische Gesundheit.

Die DGS versuche deshalb verstärkt, junge Ärzte für die suchttherapeutische Arbeit zu motivieren, die sich unter anderem in der „junge Suchtmedizin – Begeistert für Suchtmedizin" organisieren und vernetzen können.

Grundsätzlich sieht Cabanis aber auch die Kassenärztlichen Vereinigungen in der Pflicht, sich mehr um die Versorgung von opioidabhängigen Menschen zu kümmern. Und auch Ambulanzen psychiatrischer Kliniken sollten seiner Ansicht nach Substitutionsbehandlung anbieten.

Von Substitutionsbehandlung profitieren könnten darüber hinaus Crack-abhängige Menschen, erklärte Nina Pritszens, Geschäftsführerin von vista gGmbH, einem Träger der Suchthilfe in Berlin. „Crack-konsumierende Menschen sind häufig psychisch krank, wohnungslos und konsumieren polyvalent, auch Heroin", sagte sie. Sie hätten aber weder Zugang zur Behandlung, noch zur Substitution und auch die Suchthilfeeinrichtungen seien kaum auf sie vorbereitet.

Drogenkonsumräume müssten für diese spezielle Klientel zugänglicher gemacht werden, mit längeren Öffnungszeiten, Schlafplätzen und der Möglichkeit zum Kleinkonsum nach dem Züricher Modell, regte Pritszens an. In der Pflicht sieht sie auch die Sozialpsychiatrie und die Kommunen, um der Verelendung von Crackabhängigen im öffentlichen Raum zu begegnen.

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