Cannabis als Medizin – Nebenwirkungen und Wechselwirkungen
Stand: Oktober 2026 · keine individuelle Rechtsberatung
Informationsblatt für Patientinnen und Patienten
Cannabis als Medizin – Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
Cannabis und die Cannabinoide THC und CBD können Nebenwirkungen haben und sich mit anderen Medikamenten gegenseitig beeinflussen (Wechselwirkungen). Dieses Blatt gibt einen Überblick, was bekannt ist und worauf Sie achten sollten. Nicht jeder erlebt alle genannten Wirkungen.
Informationsblatt für Patientinnen und Patienten: Nebenwirkungen und Wechselwirkungen
PDF · 3 Seiten · Stand: Oktober 2026
Das Wichtigste in Kürze
- Nebenwirkungen sind vor allem zu Beginn und bei Dosiserhöhung häufig. Sie betreffen vor allem Kreislauf, Psyche und Konzentration.
- Auf Dauer gelten Cannabis und THC als gut verträglich: Magen, Leber, Herz und Nieren werden nicht langfristig geschädigt.
- Der Grundsatz lautet: niedrig beginnen, langsam steigern. Steigern Sie die Dosis nach ärztlicher Vorgabe.
- Nennen Sie Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt und Ihrer Apotheke alle Medikamente, die Sie einnehmen, und sagen Sie bei jeder neuen Verordnung, dass Sie Cannabis erhalten.
- Cannabis kann Koordination, Aufmerksamkeit und Reaktionszeit beeinträchtigen. Fahren Sie nicht, wenn Sie sich beeinträchtigt fühlen.
1. Mögliche Nebenwirkungen im Überblick
Bereich | Mögliche Wirkungen |
|---|---|
Psyche und Denken | Rauschgefühl, Angst bis Panik, veränderte Zeit- und Sehwahrnehmung, nachlassende Aufmerksamkeit, Störungen des Kurzzeitgedächtnisses |
Bewegung und Reaktion | schlechtere Bewegungskoordination, langsamere Reaktionszeit, verminderte Fähigkeit, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun |
Herz und Kreislauf | Herzrasen, Blutdruckschwankungen, Schwindel oder Ohnmacht beim Aufstehen; vereinzelt Herzinfarkt (beim Schlaganfall ist ein Zusammenhang unklar) |
Mund und Verdauung | trockener Mund (dadurch Karies und Zahnfleischerkrankungen), verlangsamte Magenentleerung; bei einigen Dauerkonsumenten wiederkehrendes Erbrechen |
Augen | gerötete Augen, weniger Tränenfluss, seltener Lidschlag |
Bei CBD | Müdigkeit oder erhöhte Wachheit, Übelkeit, niedrigerer Blutdruck, erhöhter Augeninnendruck; selten gegenteilige Wirkung (z. B. mehr Anfälle bei Epilepsie) |
2. Nebenwirkung oder Behandlungsziel?
Manche Wirkungen sind für die eine Patientin unerwünscht und für den anderen Patienten genau die gewünschte Wirkung: gesteigerter Appetit, Müdigkeit, Muskelentspannung, gehobene Stimmung, verringerte Darmtätigkeit, trockener Mund, Blutdrucksenkung. Besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, was bei Ihnen erwünscht ist.
3. Langzeitanwendung und besondere Situationen
- Psyche: Bei dafür anfälligen Personen kann THC Psychosen auslösen. Ob es auch Depressionen oder Angstzustände begünstigt, ist unklar.
- Fruchtbarkeit und Schwangerschaft: Für die Fruchtbarkeit gibt es keine eindeutigen Hinweise auf Auswirkungen. THC kann die Schwangerschaft verkürzen und wird mit geringfügigen Störungen der kindlichen Gehirnentwicklung in Verbindung gebracht. Sprechen Sie vorab mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
- Leber: CBD wird bei Lebererkrankungen langsamer abgebaut; sehr hohe Dosen schädigten in Tierstudien die Leber.
4. Wann besondere Vorsicht gilt
Vor der Verordnung wird geprüft, ob eines der Folgenden vorliegt. Sagen Sie Bescheid, wenn es auf Sie zutrifft:
- bekannte Allergie gegen Cannabis-Bestandteile,
- schizophrene Psychosen bei Verwandten, eine bestehende Abhängigkeit oder eine schwere Herz-Kreislauf-Erkrankung,
- besonders sorgfältige Abwägung bei Kindern, Jugendlichen, Schwangeren, stillenden Müttern und älteren Menschen.
5. Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
Es gibt zwei Arten: Entweder verstärken oder schwächen sich die Wirkungen gegenseitig ab, oder ein Medikament verändert über die Leber den Blutspiegel des anderen. Viele Wechselwirkungen sind therapeutisch nützlich, andere können Probleme verursachen.
Medikamente und Substanzen | Mögliche Folge zusammen mit Cannabis |
|---|---|
Schlafmittel, Alkohol, andere Mittel, die Schlaf und Wachheit beeinflussen | stärkere Müdigkeit und Beeinträchtigung der Wachsamkeit |
Mittel, die Blutdruck oder Puls beeinflussen (z. B. Betablocker, Amphetamine) | Blutdruck und Puls verändern sich; Betablocker können THC-bedingtes Herzrasen abschwächen |
Mittel, die den Mund trocknen (z. B. Antidepressiva) oder die Darmtätigkeit beeinflussen (z. B. Opioide) | trockener Mund oder Darmträgheit können zunehmen; bei Opioiden kann sich die Schmerzlinderung gegenseitig verstärken |
Mittel gegen Übelkeit (Antiemetika) | Wirkungen können sich nützlich ergänzen |
Mittel, die über dieselben Leberenzyme abgebaut werden (z. B. Clobazam, Clozapin, Olanzapin) | der Blutspiegel von Cannabinoid oder Medikament kann steigen oder sinken |
Ketoconazol (Pilzmittel), Rifampicin (Antibiotikum) | Ketoconazol kann THC- und CBD-Spiegel erhöhen, Rifampicin sie senken |
THC und CBD untereinander: CBD kann einige THC-Wirkungen abschwächen (z. B. Rausch, Herzfrequenz, Appetit). In einer Studie verstärkte eine niedrige CBD-Dosis die THC-Wirkung, eine hohe schwächte sie ab. Das Zusammenspiel ist nicht vollständig geklärt.
So gehen Sie vor: Setzen Sie andere Medikamente nicht eigenmächtig ab oder um. Weisen Sie bei jeder neuen Verordnung, auch von Haus- oder Fachärzten und bei rezeptfreien Mitteln, auf Ihre Cannabis-Therapie hin.
6. Wann Sie ärztlichen Rat oder Hilfe holen sollten
- Brustschmerzen, Atemnot, Ohnmacht oder anhaltendes Herzrasen: sofort Notruf 112.
- Panik, starke Angst, Halluzinationen oder Wahnvorstellungen,
- wiederkehrendes starkes Erbrechen, Hautausschlag, Schwellungen (mögliche Allergie) oder stark ausgeprägte Müdigkeit.
Bei Nebenwirkungen wird die Dosis meist verringert; ändern Sie sie nicht selbst, sondern sprechen Sie vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Bereitschaftsdienst: 116 117.
Herausgeber und Quelle
Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin e.V. (ACM) · Bahnhofsallee 9 · 32839 Steinheim
Telefon: 05233 - 953 53 82 · E-Mail: info@arbeitsgemeinschaft-cannabis-medizin.de · https://arbeitsgemeinschaft-cannabis-medizin.de/
Grundlage: Vortrag „Nebenwirkungen, Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und praktische Verschreibungsrichtlinien“, Dr. Franjo Grotenhermen, 2026 (u. a. mit Taylor et al. 2019, Solowij et al. 2019).
Aktualisiert am 24. Oktober 2026