Presseschau: Cannabis ist kein Schmerzmittel (Westfalenpost)

Einige Interviews mit Dr. Grotenhermen in Zeitungen und Zeitschriften sind nicht frei über das Internet zugänglich. Unten der Text eines Einladungskommentars unter der Rubrik „Außenansicht“ in der Westfalenpost vom 27. Dezember 2018. Für solche Außenansichten lädt die Redaktion Persönlichkeiten zu diversen Themen ein. Hier zudem ein ausführliches Interview im dr-grotenhermen.de/koelnerstadtanzeiger.Jpeg vom 14. Dezember 2018.

„Cannabis und die wichtigsten Cannabinoide THC und CBD sind mehr als Schmerzmittel und zugleich weniger als das, denn sie sind häufig unwirksam.

Wenn Cannabis-Medikamente aber wirksam sind, können sie das Leben der Betroffenen erheblich verbessern. Und Cannabinoide schädigen auch auf lange Sicht nicht die inneren Organe. Es gibt keine weiteren bekannten natürlichen oder synthetischen Moleküle auf der Erde, die ein auch nur annähernd vergleichbar breites therapeutisches Wirkspektrum wie THC und CBD besitzen. THC kann Schmerzen lindern, den Appetit steigern, Übelkeit bekämpfen, Entzündungen reduzieren, bei neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen helfen und vieles andere mehr.

Und wir lernen ständig dazu. Nach einem Vortrag kam kürzlich ein Zuhörer auf mich zu und erklärte: „Sie haben mein Leben gerettet. Ich habe vor 4 Jahren in einem Ihrer Bücher gelesen, dass THC Ohrgeräusche abschwächen kann. Ich habe verschiedene Cannabissorten ausprobiert. Die THC-reichen Sorten waren unwirksam. Schließlich habe ich herausgefunden, dass die Inhalation von CBD den Tinnitus erheblich lindert.“ „Dann haben Sie sich selbst gerettet, und ich kann in meinen Publikationen darauf hinweisen, dass bei einigen Personen nicht THC, sondern CBD einen Tinnitus lindern kann.“

Es gibt bisher nur Erfahrungsberichte und keine Studien zu THC oder CBD bei Tinnitus. Das könnte noch 20 oder 30 Jahre dauern, vermutlich aber länger. Daher ist unbekannt, wie groß die Zahl der Tinnitus-Patienten ist, die von einer solchen Therapie profitieren könnten. Cannabis hilft bei mehr als 50 verschiedenen Erkrankungen meiner Patienten, und für die meisten Beschwerden gibt es keine Studien. Das Fehlen solcher Studien bedeutet aber nicht, dass Cannabis bei diesen Symptomen nicht wirksam ist.

Die Krankenkassen müssen die Kosten einer Behandlung mit Cannabis in Deutschland übernehmen, wenn eine „nicht ganz entfernt liegende Aussicht“ auf eine positive Einwirkung auf die Erkrankung besteht. Nach der aktuellen Rechtsprechung besteht eine solche Aussicht nur, wenn es klinische Studien gibt, die eine mögliche Wirkung belegen. Das führt zu absurden Situationen in Arztpraxen. Ein Patient kann zwar real erheblich von einer Therapie mit Cannabis bei Tinnitus oder einer anderen wenig beforschten Erkrankung profitieren, offiziell gibt es nach deutschem Recht jedoch gegenwärtig keine Aussicht auf Linderung. Vielleicht in 20 oder 30 Jahren.“

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