Hanf aus eigenem Anbau gegen den Schmerz (Sächsische Zeitung)

Die Sächsische Zeitung berichtete von einem Strafverfahren gegen einen Schmerzpatienten, der Cannabis zu medizinischen Zwecken verwendet.

Hanf aus eigenem Anbau gegen den Schmerz

Ein Putzkauer leidet seit Jahren an Lyme-Borreliose. Aus Not griff er zur Selbsthilfe – und sieht sich nun kriminalisiert.

An einem Vormittag waren die sechs Polizisten plötzlich da, sie standen auf dem Grundstück in Putzkau. Zwei forderten sie auf, das Haus zu verlassen, berichtet Michelle Czymek. Die anderen vier durchsuchten schon den Garten. Was sie suchten, fanden sie schnell: 15 Hanfpflanzen.

Der Besuch galt nicht der 18-Jährigen, sondern ihrem Vater, der das Nachbargrundstück bewohnt. „Sie haben meine Tochter in Angst und Schrecken versetzt“, sagt Frank Czymek wenige Tage später der SZ. Der Mittfünfziger sucht die Öffentlichkeit. Er sieht sich im Spannungsfeld einer für ihn fragwürdigen Entscheidung seiner Krankenkasse, strafrechtlicher Ermittlungen und einer, auch in politischen Kreisen, umstrittenen Gesetzeslage, durch die Konsumenten von Rauschmitteln schnell kriminalisiert werden können.

Ja, er habe Hanf angebaut, sagt er und betont: Es war medizinischer Hanf, nur für den eigenen Bedarf, um seine Schmerzen zu lindern. Frank Czymek steht dazu. Irgendwann hätte man die Pflanzen, die bis zu drei Meter hoch werden können, wohl auch von der Straße aus gesehen. Doch die Staatsanwaltschaft wurde schon jetzt auf den nicht genehmigten Hanf-Anbau aufmerksam. Die Schwester von Frank Czymek hatte ihren Bruder angezeigt. So steht es in einem Schreiben der Staatsanwaltschaft über das Ermittlungsverfahren.

Dem geht eine jahrelange Vorgeschichte voraus. Offenbar ein zu spät erkannter Zeckenstich warf den gelernten Werkzeugmacher, der zuletzt bei einem großen Unternehmen CNC-Maschinen bedient und programmiert hatte, gesundheitlich aus der Bahn. Lyme-Borreliose wirkt zunächst wie eine Grippe, äußert sich im weiteren Verlauf durch eine Vielzahl von Symptomen und kann auch erst Jahre nach der Infektion merklich ausbrechen. Seit Jahren hat Frank Czymek Schmerzen. Im Dezember 2012 drängte er auf einen Bluttest. Seit demselben Jahr ist er arbeitsunfähig. Nicht nur wegen der Schmerzen, auch wegen der Folgen der Krankheit, die die Psyche und das Nervensystem schädigen. Jahrelang konsultierte er Ärzte, war in Fachkliniken, wurde mit Medikamenten vollgestopft, ohne dass sich sein gesundheitlicher Zustand verbesserte, berichtet er. Schließlich stieß er auf eine Dresdner Ärztin , wo er sich verstanden fühlte und die ihm helfen konnte. Inzwischen ging sie in den Ruhestand, bedauert er. Die Krankheit zehrt. Mittlerweile ist Frank Czymek auf eine Gehhilfe angewiesen. Die vielen Medikamente, die er einnehmen muss, greifen seine Nieren an. Irgendwann, befürchtet er, werde er an die Dialyse müssen. Vor Kurzem wurde ihm die Pflegeklasse 1 zuerkannt.

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