ACM-Mitteilungen vom 08. Februar 2020

Liebe Leserin, lieber Leser,

die von der ACM unterstütze Klage eines Patienten mit Cluster-Kopfschmerzen für den Eigenanbau von Cannabis geht in die nächste Runde. Nachdem die Bundesopiumstelle den Antrag abgelehnt hat, hatte er vor dem Verwaltungsrecht Köln eine Klage eingereicht. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat in seiner Stellungnahme vom 22. November 2019 mit Verweis auf das Cannabis als Medizin-Gesetz aus dem Jahr 2017 die Auffassung vertreten, dass aufgrund des Gesetzes alle Patienten, die eine Behandlung mit Cannabis bzw. cannabisbasierten Medikamenten benötigen, diese auch von der Krankenkasse erstattet bekommen. Der Anwalt des Patienten hat am 4. Februar 2020 seine Klagebegründung an das Verwaltungsgericht Köln geschickt. Wir dokumentieren die Begründung in Auszügen.

Wer sich ebenfalls an einer solchen Klage beteiligen möchte, möge sich bei der ACM (info@cannabis-med.org) melden. Sinnvolle Voraussetzungen sind eine Ausnahmeerlaubnis für die Verwendung von Cannabisblüten aus der Apotheke zwischen 2012 und 2017 durch die Bundesopiumstelle, ein abgelehnter Kostenübernahmeantrag durch die Krankenkasse und eine verlorene Klage vor dem Sozialgericht gegen die Ablehnung der Krankenkasse.

Ein Interessierter aus dem Wahlkreis von Daniela Ludwig (CSU), der neuen Drogenbeauftragten der Bundesregierung, hatte die Möglichkeit in Begleitung eines Vertreters des DHV mit ihr über das Thema Cannabis zu sprechen. Zusammenfassend hatten die Gesprächsteilnehmer den Eindruck, dass Frau Ludwig das Thema Cannabis als Medizin durch die Gesetzesänderung im Jahr 2017 als weitgehend gelöst betrachtet, und dass Patienten im Allgemeinen auch keine Probleme haben, einen Arzt, der sie bei einer Kostenübernahme unterstützt, finden. Sie hat angeboten, betroffenen Patienten im Einzelfall zu helfen, falls es Probleme bei der Arztsuche gibt.

Jüngst gingen Warnungen der Verbraucherzentralen vor CBD-Produkten durch die Medien. Wie die Verbraucherzentralen der ACM mitteilten, basieren diese Warnungen vor allem auf einer Untersuchung von 28 Produkten durch Dr. Dirk Lachenmeier und Kollegen, die bisher noch nicht veröffentlicht ist. Die Autoren des Berichts schrieben, dass „10 Produkte (38 %) THC oberhalb des niedrigsten beobachteten Nebenwirkungsniveaus (lowest observed adverse effects level ) (2,5 mg/Tag) enthielten“ (Übersetzung aus dem englischen). CBD befand sich dagegen in keinem der Produkte in so hohen Konzentrationen, dass sie hätten zu Nebenwirkungen führen können.

Lachenmeier ist Mitarbeiter des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamts Karlsruhe. Er hatte mehrere CBD-Produkte untersuchen lassen und dabei festgestellt, dass mögliche Nebenwirkungen einiger Produkte nicht auf CBD, sondern auf den geringen in den Produkten noch vorhandenen THC-Mengen zurückzuführen seien. Der Geschäftsführer der ACM, Dr. Franjo Grotenhermen, und die Vorsitzende der ACM, Professorin Dr. Kirsten Müller-Vahl machten in Interviews mit dem Deutschlandfunk sowie mit der Berliner Zeitung/dem Kölner Stadtanzeiger deutlich, dass geringe CBD-Mengen nicht mit Nebenwirkungen einhergehen und bestätigten damit die Einschätzung von Dr. Lachenmeier hinsichtlich der Gefahren durch das in den Nahrungsergänzungsmitteln enthaltene CBD.

Die ACM hat mit dem neuen Unternehmen Endoxo, das Nahrungsergänzungsmittel und andere Produkte auf der Basis von Nutzhanf verkauft, eine Vereinbarung getroffen, dass ACM-Mitglieder erhebliche Rabatte auf die Produkte erhalten. Bisher existiert nur eine Facebook-Seite, und die Produkte sind nur bei Hanf Zeit erhältlich. Wir laden andere Firmen herzlich ein, dies ebenfalls tun oder mit der Geschäftsführung der ACM zu überlegen, wie eine Unterstützung der ACM oder von ACM-Mitgliedern aussehen kann.

Hier noch einige Termine:
Freitag 26. Juni 2020: Beginn der Ausbildung zum ACM-zertifizierten Sachverständigen für Medikamente auf Cannabisbasis
Samstag 27. Juni 2020 (vormittags): Treffen regionaler Selbsthilfegruppen
Samstag, 27. Juni 2020 (nachmittags): Mitgliederversammlung der ACM e.V.

Die ACM plant noch in diesem Jahr eine Fortbildungsveranstaltung für Ärzte, da es ein großes Interesse in der internen Mailingliste der ACM für Ärztinnen und Ärzte gibt. Wir hoffen, Ort, Zeit, vorläufiges Programm und Kosten bald bekannt geben zu können.

Und zum guten Schluss:
Das Patiententelefon der ACM wird sehr gut angenommen, sodass wir in Kürze die Beratungsseiten erweitern wollen. Auch das Interesse am Cannabisausweis der ACM nimmt stetig zu. Vor allem steigt die Akzeptanz bei Apothekern und Ärzten. Gegenwärtig geben wir monatlich etwa 200 bis 500 Ausweise kostenlos ab. Wir gehen davon aus, dass sich dieser Ausweis in den kommenden Jahren als Standard durchsetzen wird.

Im Februar 2020 erhalten alle zahlenden ACM-Mitglieder den neuen personalisierten ACM-Ausweis im Scheckkartenformat, zusammen mit der Spendenbescheinigung für das Jahr 2019 und dem neuen ACM-Magazin 2020.

Viel Spaß beim Lesen!

Franjo Grotenhermen

Termine

Mitgliederversammlung der ACM e.V.

Die ACM-Mitgliederversammlung findet in diesem Jahr am 27. Juni 2020 im ACM-Büro in Steinheim statt. Beginn: 13:30 Uhr. Zahlende Mitglieder der ACM erhalten eine Einladung mit der Tagesordnung.

Am Vormittag findet ein Treffen der Selbsthilfegruppen im Rahmen der ACM-Patientenhilfe statt. Mitglieder der Patientenhilfe besprechen noch intern Details des Treffens.

Ausbildung zum ACM-zertifizierten Sachverständigen für Medikamente auf Cannabisbasis

Am 26. Juni 2020, dem Tag vor der ACM-Mitgliederversammlung beginnt eine Ausbildung ACM-zertifizierte Sachverständige für Medikamente auf Cannabisbasis. Die Ausbildung wird geleitet von Dr. Franjo Grotenhermen (Arzt) und Rainer Thewes (Sozialpädagoge). Die Ausbildung wird modular aufgebaut sein. Das bedeutet, dass man in weiteren Ausbildungsschritten seine Kompetenzen erweitern kann.

Es ist vorgesehen, dass die Ausbildung mit einer monatlichen Supervision via Zoom verbunden wird. Dadurch können aktuelle Fälle und Fragen sowie Neuigkeiten besprochen und vermittelt werden. Nähere Informationen zu den Themen und zum Preis sowie Folgeterminen folgen. Zur Teilnahme an der Supervision via Zoom ist eine Kamera am Computer oder im Handy mit Kamera erforderlich.

Das Ziel des ersten Moduls am 26. Juni 2020 ist die Fähigkeit zur Unterstützung von Patienten bei der Arztsuche, bei der Vorbereitung auf den ersten Arztbesuch, bei der Antragstellung für einen Kostenübernahmeantrag bei der Krankenkasse sowie beim Widerspruch gegen eine Ablehnung der Kostenübernahme. Durch die Beratung des Patienten soll auch den beteiligten Ärzten Arbeit abgenommen werden.

Anwaltliche Stellungnahme für den Eigenanbau vor dem Verwaltungsgericht Köln eingereicht

Am 4. Februar 2020 hat Dr. Oliver Tolmein, der Anwalt eines Patienten, der an Cluster-Kopfschmerzen leidet, vor dem Verwaltungsgericht Köln gegen das Schreiben der Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, Stellung genommen. Das BfArM betrachtet die Klage als unbegründet. Der Betroffene wird von seiner Hausärztin und einem Neurologen unterstützt, die gegenüber der Krankenkasse deutlich gemacht haben, dass eine Therapie mit Cannabis notwendig ist. Die Krankenkasse sieht die Voraussetzungen für eine Kostenübernahme nach § 31 Abs. 6 SGB V insbesondere nicht erfüllt, weil es keine ausreichenden klinischen Studien zur Wirksamkeit von Cannabis bei Cluster-Kopfschmerzen gibt. Cannabis ist das einzige Präparat, das den Patienten hilft. Aus finanziellen Gründen kann er sich Cannabis allerdings nicht leisten und ist seine Erkrankung unbehandelt ausgeliefert.

In dem dreiseitigen Schreiben des Anwalts heißt es:

„Entgegen der Auffassung der Beklagten hat der Bundesgesetzgeber mit der Verabschiedung des Gesetzes zur Änderung betäubungsmittelrechtlicher und anderer Vorschriften (…) keineswegs eine Regelung geschaffen, die die medizinische Versorgung der Patientinnen und Patienten sicherstellt und daher die mit dieser Klage begehrte Eigenanbaugenehmigung im Wege einer Ausnahmegenehmigung ausschließt. (…)

Eine große Zahl von Patienten, darunter nicht wenige, die über eine Ausnahmegenehmigung des BfArM nach § 3 BtmG aus der Zeit vor Inkrafttreten der neuen Rechtslage verfügten (wie der Kläger in diesem Verfahren auch), erhalten aber kein Medizinal-Cannabis zulasten der GKV nach § 31 Abs. 6 SGB V. (…)

Im Ergebnis ist- entgegen der Entscheidung des hier erkennenden Gerichts vom 05.02.2018 (7 K 3308/15) – festzustellen, dass der Staat durch die Einstufung von Cannabisblüten als verschreibungsfähige und erstattungsfähige Betäubungsmittel zwar frühere rechtliche Zugangshindernisse beseitigt haben mag, einen anderen Weg zur Versorgung sämtlicher bedürftiger Patienten hat er damit nicht geschaffen. Selbst die Versorgung sämtlicher bedürftiger Patienten hat er damit nicht geschaffen. Selbst die im Gesetz formuliert Anforderung, dass die Genehmigung der Verordnung „nur in begründetem Ausnahmefällen“ abgelehnt werden darf, läuft ins Leere und wird von den Kassen in bemerkenswertem Umfang ignoriert, ohne dass die sozialgerichtliche Rechtsprechung hier dem Willen des Gesetzgebers Ausdruck verschaffte. (...)“

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung bietet Hilfe bei der Arztsuche an

In einem persönlichen Gespräch mit Daniela Ludwig, der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, hat diese zugesichert, Patienten, die eine Medikation auf Cannabisbasis benötigen, bei der Arztsuche helfen zu wollen.

Weitere Informationen finden sich auf der Seite des Selbsthilfenetzwerk Cannabis Medizin.

Presseschau: Barmer: In Bayern ist Cannabis besonders gefragt (Deutsche Apotheker Zeitung)

Die Barmer hat neue Zahlen zu Anträgen auf eine Kostenübernahme für die Versorgung mit Medikamenten auf Cannabisbasis veröffentlicht. Gemäß eines Artikels in der Deutschen Apotheker Zeitung ist Frau Dr. Ursula Marschall, leitende Medizinerin bei der Barmer überzeugt, dass Cannabis richtig eingesetzt für schwerkranke Patienten eine „wertvolle Therapieoption“ sein könne.

Barmer: In Bayern ist Cannabis besonders gefragt

Seit bald drei Jahren ist Cannabis als Medizin erstattungsfähig – dafür müssen allerdings einige Bedingungen erfüllt sein. Nicht jeder Patient, der meint Cannabis sei gut für ihn, bekommt es auch bewilligt. Nun zieht die Barmer Bilanz: Die Zahl der Anträge auf eine Kostenübernahme steigt beständig, rund zwei Drittel von ihnen werden auch bewilligt. Allerdings gibt es deutliche regionale Unterschiede.

Am 10. März 2017 trat das „Cannabis-Gesetz“ in Kraft. Die medizinische Anwendung von Cannabisblüten und- zubereitungen wurde zum Bestandteil der Regelversorgung: Die gesetzlichen Krankenkassen müssen die Kosten für die Therapie mit Medizinalhanf nun übernehmen – wenn gewisse Voraussetzungen erfüllt sind. So muss eine schwerwiegende Erkrankung vorliegen, für die keine andere allgemein anerkannte, dem medizinischen Standard entsprechende Therapie zur Verfügung steht oder diese mit nicht tolerierbaren Nachteilen einhergeht. Bei der Erstverordnung bedarf es zudem der Genehmigung der Krankenkasse, die vor Beginn der Leistung zu erteilen ist.
Die Barmer meldet nun: Von März bis Ende Januar dieses Jahres sind bei ihr 14.986 Anträge auf cannabishaltige Arzneimittel eingegangen. Davon wurden 10.255, also 68,4 Prozent bewilligt und 4.731 abgelehnt. Die Zahl der Anträge auf Kostenübernahme ist dabei nach und nach gestiegen. Während es sich von März bis einschließlich Dezember 2017 um 3.090 Anträge gehandelt habe, waren es im darauffolgenden Jahr 5.238 und im vergangenen Jahr 6.094 Anträge. Die Bewilligungsquote lag 2017 bei 65 Prozent, stieg im Jahr 2018 auf 72 Prozent an und ging im vergangenen Jahr zurück auf 67 Prozent.

„Cannabis-Anträge werden zum Beispiel dann abgelehnt, wenn sie bei Krankheitsbildern zum Einsatz kommen sollen, für die andere Therapiealternativen noch nicht geprüft wurden“, erklärt Dr. Ursula Marschall, leitende Medizinerin bei der Barmer. Grundsätzlich ist sie aber überzeugt, dass Cannabis richtig eingesetzt für schwerkranke Patienten eine „wertvolle Therapieoption“ sein könne. Es handele sich aber um ein komplexes Arzneimittel, das medizinisches Spezialwissen erfordere. Es sei kein Allheilmittel. „Cannabishaltige Arzneimittel sollten daher nur durch Ärzte verordnet werden, die sich mit der kompletten therapeutischen Breite des Medikamentes und seinen verschiedenen Inhaltsstoffen auskennen“, so Marschall. Wenn das geschehe, dürften auch die Ablehnungsquoten weiter zurückgehen.

Presseschau: Cannabis bei Krebs: Mehr Chancen als Risiken? (Thieme-Verlag)

Ein Interview aus dem Jahr 2018 für die Deutsche Zeitschrift für Onkologie mit Dr. Franjo Grotenhermen ist nun auf der Seite des Thieme-Verlages vollständig frei verfügbar.

Cannabis bei Krebs: Mehr Chancen als Risiken?

Unser Gesprächspartner: Dr. med. Franjo Grotenhermen, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin (ACM) und Geschäftsführer der International Association for Cannabinoid Medicines (IACM); Mitarbeiter am Kölner nova-Institut/Abteilung nachwachsende Rohstoffe; eigene Praxis seit 2012.

DZO: Wie beurteilen Sie den Nutzen von Cannabis bei Krebserkrankungen? Welche wichtigen wissenschaftlichen Studien gibt es zu diesem Thema?

Man muss zwischen der symptomatischen Therapie von Appetitlosigkeit, Übelkeit, Schmerzen und Depressionen einerseits und krebshemmenden Eigenschaften von Cannabinoiden andererseits differenzieren. Die palliative Therapie von Krebserkrankungen mit cannabisbasierten Medikamenten ist aufgrund der klinischen Datenlage weitgehend akzeptiert. Anders sieht es mit dem Stellenwert von Cannabis zur Krebshemmung aus.

Im Internet kursiert eine Vielzahl von Erfahrungsberichten von Krebspatienten und Ärzten, die nahelegen, dass Cannabisprodukte in einzelnen Fällen das Überleben verlängern können. Allerdings ist oft unklar, ob die Krebserkrankungen wirklich aufgrund einer Therapie mit Cannabisprodukten verbessert wurden.

Die Behandlung mit Cannabis und seinen Wirkstoffen ist grundsätzlich eine mögliche komplementäre Option in der Krebstherapie. Wir wissen aus mehr als 100 tierexperimentellen Studien mit verschiedenen Cannabinoiden bei einer ganzen Reihe von Krebserkrankungen, dass Cannabinoide durch verschiedene Mechanismen krebshemmende Eigenschaften aufweisen. Im Labor zeigen sich insbesondere eine Hemmung des Krebswachstums, der Metastasierung, der Blutgefäßneubildung im Krebs, der Reduzierung der Resistenzbildung gegen bestimmte Chemotherapeutika sowie immunmodulatorische Effekte.

(…)

Presseschau: Ärztin über Hype um Cannabidiol-Produkte: „CBD ist keine Droge“ (Deutschlandfunk Kultur)

Der Deutschlandfunk interviewte Professorin Dr. Kirsten Müller-Vahl, Vorsitzende der ACM, zu den Gefahren und dem Nutzen von CBD. Hintergrund ist der Wirbel mögliche Gefahren von CBD-Extrakten als Nahrungsergänzungsmittel, die von den Verbraucherzentralen publiziert wurden.

Ärztin über Hype um Cannabidiol-Produkte: „CBD ist keine Droge“

Produkte mit Cannabidiol, etwa CBD-Tropfen, versprechen Wunder. Doch Verbraucherzentralen warnen vor dem Hype. Die Ärztin Kirsten Müller-Vahl betont: Dank niedriger Dosierungen sei gar keine Wirkung zu erwarten – weder positiv noch negativ.

Hanf, ganz legal und offen verkauft, in Biosupermärkten und Drogerien: Um Produkte mit dem Wirkstoff Cannabidiol, etwa CBD-Tropfen, ist ein Hype entstanden. Die Produkte versprechen vieles: Sie sollen angeblich beruhigend wirken und gegen Depressionen und Kopfschmerzen helfen. Doch Verbraucherschützer warnen vor den Produkten.

Die Ärztin Kirsten Müller-Vahl ist in der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin tätig. Die Warnungen der Verbraucherschützer hält sie für unbegründet, die Heilsversprechen der Anbieter aber auch. „Die Dosierungen sind so niedrig, dass man sich schwerlich irgendwelche Nebenwirkungen vorstellen kann“, sagt Müller-Vahl über die frei verkäuflichen CBD-Produkte, die als Nahrungsergänzungsmittel auf dem Markt sind.
Höhere Dosen bei CBD-Medikamenten

Bei verschreibungspflichtigen Medikamenten mit Cannabidiol seien die Dosierungen deutlich höher als bei den frei verkäuflichen CBD-Tropfen: „Sie müssten von den meisten Präparaten eine ganze Flasche an einem Tag austrinken, um auf eine Wirkung zu kommen, von der wir im Bereich der Arzneimitteltherapie einen Effekt erwarten.“

Bisher ist erst wenig über die Wirkung von höher dosiertem CBD bekannt: In welchen Fällen Cannabidiol in medizinischen Dosen sinnvoll sei, werde derzeit noch geprüft, so Müller-Vahl. Für seltene Epilepsieformen bei Kindern sei der Einsatz sinnvoll. Ob der Wirkstoff aber bei Angststörungen, Psychosen oder anderen Krankheiten helfe, sei noch ungeklärt.

Die Ärztin glaubt, dass der Hype um CBD durch die Nähe zum Cannabis entstanden sei. Viele Menschen würden offenbar glauben, dass sie Cannabisöl kaufen. Sie betont: „CBD ist keine Droge“ – eine Rauschwirkung gebe es nicht.

Einige Pressemeldungen und Informationen der vergangenen Tage

ACM-Mitteilungen vom 25. Januar 2020


Liebe Leserin, lieber Leser,

„Nachhilfe für die AMK?“ titelte die Pharmazeutische Zeitung einen Beitrag über eine Stellungnahme der ACM in Zusammenarbeit mit VCA (Verband Cannabis versorgender Apotheker) und SCM (Selbsthilfenetzwerk Cannabis Medizin). Die drei Verbände hatten sich zu einer etwas merkwürdigen Stellungnahme der Arzneimittelkommission (AMK) der Deutschen Apotheker, die in der Deutschen Apotheker Zeitung veröffentlicht wurde, zur Frage, wie Apotheker einen möglichen Missbrauch bei Patienten, die Cannabis als Medizin kommen, erkennen könnten.
Es ist nicht das erste Mal, dass offizielle Vertreter der Apotheker versuchen, ihre Vorstellungen von sinnvoller Therapie mit cannabisbasierten Medikamenten durchzusetzen und andere Sichtweisen in die Nähe unseriöser Medizin und Missbrauch zu stellen.

Vor etwa einem Jahr hatte es Dr. Andreas Kiefer, Präsident der Bundesapothekerkammer, erneut versucht. Verbände der Apotheker neigen dazu, nur Fertigarzneimittel oder in der Apotheke zubereitete Cannabismedikamente als Medikamente zu betrachten, nicht jedoch verarbeitete Cannabisblüten, die mittlerweile am häufigsten verschrieben werden. Weil es Sinn macht. Dieses ausdauernde Festhalten an praxisfernen Vorstellungen der Deutschen Apothekerverbände ist in der Welt einmalig und wirkt langsam peinlich und beschämend, sodass wir uns zu der Stellungnahme aufgefordert fühlten.

Es ist fast so peinlich, wie die anhaltende Behauptung von Krankenkassen und einigen kassenärztlichen Vereinigungen, eine Therapie mit Cannabisblüten sei teurer als mit reinem Dronabinol oder Fertigextrakten.

Viel Spaß beim Lesen!

Franjo Grotenhermen


Gemeinsame Stellungnahme von ACM, VCA und SCM: Beschämend: Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker diskreditiert sich selbst mit Stellungnahme zur medizinischen Verwendung von Cannabis

Die Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin e.V. (ACM), der Verband der Cannabis versorgenden Apotheken e.V. (VCA) und das Selbsthilfenetzwerks Cannabis Medizin (SCM) haben am 21. Januar 2020 eine gemeinsame Pressmitteilung herausgegeben.

Beschämend: Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker diskreditiert sich selbst mit Stellungnahme zur medizinischen Verwendung von Cannabis

Am 14. Januar 2020 veröffentlichte das Online-Portal der Deutschen Apotheker Zeitung eine Stellungnahme der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK) zur Abgabe Cannabis-basierter Medikamente. Unter dem Titel „Potentieller Missbrauch – AMK: Apotheken haben bei Cannabis eine besondere Verantwortung“ beschreibt die AMK Anhaltspunkte für einen möglichen Cannabismissbrauch von Patienten. Statt allerdings sachlich zum Thema zu informieren, diffamiert die AMK nicht nur Cannabis verschreibende Ärzt*innen, sondern auch Patient*innen, die mit Cannabis behandelt werden. Mehr noch: die AMK offenbart mit der Stellungnahme darüber hinaus ein eklatantes Wissensdefizit und schürt alte Vorbehalte gegenüber der noch jungen Therapieoption.

Zu den von der AMK gegebenen „Tipps“, wie eine „missbräuchliche Anwendung“ durch Apotheker erkannt werden könne, möchten wir wie folgt Stellung nehmen:

1. Unseres Wissens nach gibt es keine Erkenntnisse darüber, dass die „missbräuchliche Anwendung“ von Cannabis als Medizin überhaupt ein relevantes Problem darstellt – ganz im Gegensatz zu anderen Arzneimitteln wie Benzodiazepinen und Opioiden. Allein bei Benzodiazepinen gehen alle Schätzungen über eine Zahl von mehr als 1 Million Betroffene nur in Deutschland aus.

2. Die Behauptung, dass „Versuche von Patienten, die Rezepturzubereitung zu beeinflussen, zum Beispiel dass die Droge unverarbeitet abgegeben werden soll“ ein Hinweis auf eine „missbräuchliche Anwendung“ sei, ist in doppelter Hinsicht unzutreffend: erstens darf Cannabis nur dann überhaupt vom Apotheker „unverarbeitet“ abgegeben werden, wenn dies vom Arzt oder der Ärztin ausdrücklich auf dem Rezept vermerkt wurde und zweitens ist die „unverarbeitete“ Gabe empfehlenswert, um z. B. einer vorzeitigen Oxidation vorzubeugen. Auch in puncto Dosierungsgenauigkeit beraten Cannabis-versorgende Apotheken ihre Patienten sehr genau und leisten pharmazeutische Hilfestellung z.B. im Umgang mit Vaporisatoren u.ä.

3. Wieso bezeichnet die AMK die nach NRF zulässige Verordnung von unzerkleinerten Cannabisblüten als „zweifelhafte Gebrauchsanweisung“, die „nicht den pharmazeutischen Regeln“ entspreche, wenn von der Mehrzahl der Experten eine solche Verordnung nicht nur aus pharmakologischen (geringere Oxidation), sondern auch aus praktischen Gründen (Vermeiden der Inhalation von kleinsten Blütenpartikeln) empfohlen wird? Dieser Tipp ist auch deshalb von erheblicher Tragweite, da nach Zahlen der gesetzlichen Krankenkassen im Jahr 2019 die Anzahl der Verschreibungen unverarbeiteter Cannabisblüten die Anzahl von Verschreibungen verarbeiteter Cannabisblüten deutlich überstiegen hat.

4. Warum sieht die AMK einen Anhalt für eine „missbräuchliche Anwendung“, wenn Patient*innen sich über eine „Minderbefüllung oder Wirkungslosigkeit, inklusive mangelnder Qualität“ beklagen, obwohl solche Vorkommnisse durchaus bekannt geworden sind?

5. Schließlich behauptet die AMK, dass ein „striktes Beharren auf einer THC-reichen oder bestimmten Cannabis-„Sorte““ ebenfalls ein Hinweis auf eine „missbräuchliche Anwendung“ sei, obwohl es gut begründete Hinweise gibt, dass bei bestimmten Erkrankungen gerade THC-reiche Cannabis-basierte Medikamente besonders gut wirksam sind. Zudem ist der Wunsch nach einer „bestimmten Cannabis-Sorte“ aufgrund der patienten-individuellen Wirksamkeit und Verträglichkeit legitim.

Unstrittig kommt Ärzt*innen und Apotheker*innen bei der Verschreibung und Abgabe von Betäubungsmitteln eine besondere Sorgfaltspflicht zu – inklusive der Beachtung der Möglichkeit einer „missbräuchlichen Anwendung“ bzw. des Risikos einer Abhängigkeit. Dies betrifft allerdings nicht nur Cannabis-basierte Medikamente, sondern – und in viel stärkerem Maße – auch zahlreiche andere Arzneimittel.

ACM, VCA und SCM nehmen die Stellungnahme der AMK nicht nur mit großem Unverständnis zur Kenntnis, sondern auch mit großer Sorge, da der Anschein erweckt wird, Patient*innen, die mit Cannabis behandelt werden, stellten per se eine „Problemgruppe“ dar und viele Ärzt*innen, die Cannabis verordnen, führten eine „zweifelhafte“ und an Sorgfalt mangelnde Behandlung durch, die seitens der Apotheker*innen keinerlei Kontrolle erfahre.

Wir möchten die AMK auffordern, sich beim Bundesgesundheitsministerium oder der Bundesopiumstelle über die Inhalte und Ziele des „Cannabis als Medizin Gesetzes“ zu informieren.

Gerne stehen aber auch ACM, VCA und SCM für einen Austausch zur Verfügung – nicht zuletzt da sich der Eindruck aufdrängt, dass die AMK zu einem Thema Stellung bezogen hat, ohne zuvor bei den Ärzt*innen und Apotheker*innen Auskünfte einzuholen, die täglich mit dem Thema „Cannabis als Medizin“ praktisch und patientennah befasst sind.

Quelle: „Potentieller Missbrauch – AMK: Apotheken haben bei Cannabis eine besondere Verantwortung“. Online-Portal der Deutschen Apotheker Zeitung, 14. Januar 2020. Verfügbar unter:
amk-apotheken-haben-bei-cannabis-eine-besondere-verantwortung

Ansprechpartner*innen:

Professorin Dr. Kirsten Müller-Vahl, Vorstandsvorsitzende der ACM
Dr. med. Franjo Grotenhermen, Geschäftsführer der ACM
ACM-Geschäftsstelle
Bahnhofsallee 9
32839 Steinheim
Telefon: 05233-9510294
E-Mail: Info@Cannabis-med.org

Apothekerin Astrid Staffeldt, Mitglied des Vorstandes des VCA
VCA
Albrechtstrasse 13
10117 Berlin
Telefon:030-84712268-90
E-Mail berlin@vca-deutschland.de

Gabriele Gebhardt
Selbsthilfenetzwerk Cannabis Medizin
c/o ACM-Geschäftsstelle
Bahnhofsallee 9
32839 Steinheim
Telefon: 05233-9510294
E-Mail: Info@Cannabis-med.org

Verantwortlich i.S.d.P: Professorin Dr. Kirsten Müller-Vahl, Geschäftsstelle der ACM, Bahnhofsallee 9, 32839 Steinheim


Presseschau: Cannabis-Ärzte und –Apotheker widersprechen AMK (Deutsche Apotheker Zeitung)

„Die AMK hat auf Nachfrage von DAZ.online erklärt, sie wolle zu dieser Stellungnahme nicht Stellung beziehen.“ Dem letzten Satz des Artikels ist nichts hinzuzufügen.

Verbindung zwischen Cannabis-Konsum und Herzkrankheiten bestätigt

Die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK) hat kürzlich eine Information an Apotheker herausgegeben, die diese für einen Cannabis-Missbrauch sensibilisieren soll. Bei Cannabis-Patienten kamen die Hinweise der AMK gar nicht gut an – sie fühlen sich kriminalisiert. Nun haben sich auch die Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin, der Verband der Cannabis versorgenden Apotheken und das Selbsthilfenetzwerk Cannabis Medizin zu Wort gemeldet. Sie finden: Die AMK diskreditiert sich mit ihrer Stellungnahme selbst.

Ausgangspunkt der AMK war dabei, dass Apotheken infolge der erweiterten Anwendung von Cannabis zu medizinischen Zwecken eine besondere Verantwortung hinsichtlich der Vermeidung von Arzneimittelrisiken bei Cannabisblüten/-extrakten tragen. Und solche Risiken schließen auch eine missbräuchliche Anwendung ein – etwa wenn Cannabis aus der Apotheke außerhalb der Zulassung für den Freizeitgebrauch genutzt wird. Die AMK räumte ein, dass ihr zwar schon 33 Verdachtsfälle von unerwünschten Nebenwirkungen der Cannabistherapie gemeldet wurden, aber noch keine Missbrauchsverdachtsfälle. Dennoch sah sich die AMK berufen, Apotheker daran zu erinnern, dass verschiedene Vorschriften erfordern, dass sich die Pharmazeuten intensiv mit der ärztlichen Verordnung cannabishaltiger Arzneimittel auseinandersetzen müssen.

Sodann führte die AMK auf, was Verdachtsmomente für einen Missbrauch sein könnten. Zum Beispiel gefälschte Verordnungen, der Versuch von Patienten, die Rezepturzubereitung zu beeinflussen (z. B. dass die Droge – also die Cannabisblüten – unverarbeitet abgegeben werden sollen) oder ein „striktes Beharren auf einer THC-reichen oder bestimmten Cannabis-‚Sorte‘.

Die Empörung unter Patienten, die Cannabis als Arzneimittel erhalten, war groß. Und der Unmut wuchs umso mehr, als der Artikel auf DAZ.online in einschlägigen Online-Foren geteilt wurde. Die Befürchtung der Patienten: Sie würden kriminalisiert und stünden nun in der Apotheke unter besonderer Beobachtung. Dabei seien sie Patienten, die einfach nur ein Arzneimittel benötigten. Man stieß sich auch an dem von der AMK und auf DAZ.online verwendeten Begriff der „Droge“. In Nicht-Apothekerkreisen ist weitgehend unbekannt, dass es sich dabei um einen Fachbegriff handelt, der arzneilich verwendete getrocknete Pflanzenteile bezeichnet – egal ob es sich dabei und Kamille, Salbei oder eben Cannabis handelt.

Einige Tage später reagierten nun die Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin e.V. (ACM), der Verband der Cannabis versorgenden Apotheken e.V. (VCA) und das Selbsthilfenetzwerk Cannabis Medizin (SCM) mit einer gemeinsamen Stellungnahme auf die AMK-Infos. Der Titel: „Beschämend: Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker diskreditiert sich selbst mit Stellungnahme zur medizinischen Verwendung von Cannabis“.

„eklatentes Wissensdefizit“ bei der AMK?
Der Vorwurf: Statt sachlich zum Thema zu informieren, diffamiere die AMK nicht nur cannabisverschreibende Ärzte und Ärztinnen, sondern auch Patienten, die mit Cannabis In ihrer Stellungnahme betonten ACM, VCA und SCM dass es ihres Wissens keine Erkenntnisse, dass die „missbräuchliche Anwendung“ von Cannabis als Medizin überhaupt ein relevantes Problem darstellt – ganz im Gegensatz zu anderen Arzneimitteln wie Benzodiazepinen und Opioiden. Allein bei Benzodiazepinen gebe es Schätzungen zufolge mehr als 1 Million Betroffene in Deutschland. Zudem offenbart die AMK aus Sicht der drei Organisationen, „ein eklatantes Wissensdefizit und schürt alte Vorbehalte gegenüber der noch jungen Therapieoption“
Gezielt widersprechen die drei Organisationen der Behauptung, „Versuche von Patienten, die

Wunsch nach bestimmter Cannabis-Sorte ist legitim
Kein Verständnis haben ACM, VCA und SCM zudem dafür, dass die AMK einen Anhaltspunkt für eine missbräuchliche Anwendung sieht, wenn Patienten sich über eine „angebliche Minderbefüllung oder Wirkungslosigkeit, inklusive mangelnder Qualität“ beklagen. Solche Vorkommnisse seien nämlich durchaus bekannt geworden.

Auch der Wunsch nach einer bestimmten Cannabis-Sorte, möglicherweise einer THC-reichen, sei aufgrund der patientenindividuellen Wirksamkeit und Verträglichkeit legitim und kein Hinweis auf eine missbräuchliche Anwendung.
Abschließend räumen die drei Organisationen durchaus ein, dass Ärzten und Apothekern bei der Verschreibung und Abgabe von Betäubungsmitteln „unstrittig“ eine besondere Sorgfaltspflicht zukomme – „inklusive der Beachtung der Möglichkeit einer ‚missbräuchlichen Anwendung‘ bzw. des Risikos einer Abhängigkeit“. Dies betreffe allerdings nicht nur cannabisbasierte Medikamente, sondern – und in viel stärkerem Maße – auch zahlreiche andere Arzneimittel.

ACM, VCA und SCM eint die Sorge, dass mit den AMK-Tipps der Anschein erweckt werde, Cannabis-Patienten stellten per se eine Problemgruppe dar und Ärzte, die Cannabis verordneten, führten eine zweifelhafte und an Sorgfalt mangelnde Behandlung durch, die seitens der Apotheker keinerlei Kontrolle erfahre.

„Wir möchten die AMK auffordern, sich beim Bundesgesundheitsministerium oder der Bundesopiumstelle über die Inhalte und Ziele des ‚Cannabis als Medizin Gesetzes‘ zu informieren“, heißt es weiter. Gerne stehen die drei Verbände aber auch selbst für einen Austausch zur Verfügung.
Die AMK hat auf Nachfrage von DAZ.online erklärt, sie wolle zu dieser Stellungnahme nicht Stellung beziehen.


Presseschau: Cannabis-Apotheker rechnen mit AMK ab (Apotheke ADHOC)

Auch Apotheke ad hoc griff die Stellungnahme von ACM, SCM und VCA auf.

Cannabis-Apotheker rechnen mit AMK

Mit drastischen Worten haben mehrere Medizinalcannabisverbände die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK) kritisiert. Die hatte in einer Stellungnahme Apotheken in die Pflicht genommen, bei der Abgabe von Cannabis besonders auf Anzeichen von Missbrauch zu achten. Der Verband der Cannabis versorgenden Apotheken (VCA), die Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin (ACM) und das Selbsthilfenetzwerks Cannabis Medizin (SCM) kritisieren jene Stellungnahme nun scharf: Die AMK stigmatisiere Patienten, offenbare „ein eklatantes Wissensdefizit“ und „schürt alte Vorbehalte“, so die Verbände.

Die AMK wollte nach eigenen Angaben Apotheker dafür sensibilisieren, wie sie bei Patienten einen Abusus erkennen und wie sie mit mutmaßlich Suchtkranken Cannabis-Patienten umgehen sollen. Aus Sicht der Cannabis-Verbände hat sie sich dabei nicht nur im Ton vergriffen, sondern offenbart ein grundlegend falsches Verständnis der Arzneimitteltherapie mit Cannabis. „Statt allerdings sachlich zum Thema zu informieren, diffamiert die AMK nicht nur Cannabis verschreibende Ärzt*innen, sondern auch Patient*innen, die mit Cannabis behandelt werden“, so die Verbände in einer gemeinsamen Mitteilung. „Mehr noch: die AMK offenbart mit der Stellungnahme darüber hinaus ein eklatantes Wissensdefizit und schürt alte Vorbehalte gegenüber der noch jungen Therapieoption.“

Die Cannabisapotheker, -ärzte und -patienten zerpflücken die AMK-Meldung Punkt für Punkt und fangen dabei schon bei der ganz grundsätzlichen Problematik des angeblichen Cannabis-Missbrauchs durch Patienten an: „Unseres Wissens nach gibt es keine Erkenntnisse darüber, dass die ‚missbräuchliche Anwendung‘ von Cannabis als Medizin überhaupt ein relevantes Problem darstellt – ganz im Gegensatz zu anderen Arzneimitteln wie Benzodiazepinen und Opioiden“, heißt es da. Allein bei Benzodiazepinen gingen demnach alle Schätzungen von einer Zahl von mehr als einer Million Betroffenen nur in Deutschland aus.

Gleich in doppelter Hinsicht unzutreffend sei der zweite Punkt, wonach es einen Hinweis auf eine missbräuchliche Anwendung darstelle, wenn Patienten versuchen, die Rezepturzubereitung zu beeinflussen, um beispielsweise eine unverarbeitete Abgabe von Cannabis zu erwirken. Denn erstens dürften Apotheker Cannabis überhaupt nur dann unverarbeitet abgegeben, wenn der Arzt das ausdrücklich auf dem Rezept vermerkt, und zweitens sei die unverarbeitete Gabe empfehlenswert, um beispielsweise einer vorzeitigen Oxidation vorzubeugen. „Auch in puncto Dosierungsgenauigkeit beraten Cannabis-versorgende Apotheken ihre Patienten sehr genau und leisten pharmazeutische Hilfestellung zum Beispiel im Umgang mit Vaporisatoren und ähnlichem“, so die Verbände.

(…)


Presseschau: Cannabisrezepturen: Kassen retaxieren wild drauf los (Apotheke ADHOC)

Nicht nur Patienten und Ärzte, die sich mit der medizinischen Verwendung von Cannabis befassen, sehen sich gelegentlich Drangsalierungen ausgesetzt. Dies gilt auch für Apotheker. Retaxationen entsprechenden den Regressen bei Ärzten. Wenn Ärzte nicht wirtschaftlich arbeiten, müssen sie gegebenenfalls die entsprechenden Kosten für die Rezepte an die Krankenkasse das eigener Tasche zurückzahlen. Die Krankenkassen drohen immer mal wieder solchen Regressen bei der Verschreibung von Cannabisblüten.

Cannabisrezepturen: Kassen retaxieren wild drauf los

Christoph Matenaer kann die aktuelle Retaxation seiner Cannabis-Verordnung nicht nachvollziehen: Vergangenes Jahr konnte er einen Patienten aufgrund von Lieferschwierigkeiten nicht mit der Sorte Penelope versorgen. Er dokumentierte fortlaufend alle wichtigen Punkte – und wird nun dennoch zur Kasse gebeten. Der Grund: Das BtM-Rezept wurde nicht fristgerecht beliefert. Mandy Miersch kann ebenfalls ein Lied von Cannabis-Retax singen. Der Grund bei ihr: Das Abrechenzentrum sieht die von ihr taxierte Menge an Wirkstoff als zu hoch an, dabei ist diese auf dem eingereichten Rezept – schwarz auf gelb – vermerkt. Sie griff zu einer ungewöhnlichen Gegenmaßnahme.

Matenaer leitet die Kronen-Apotheke in Bocholt und rechnete schon bei der erstmaligen Verordnung der Blüte Penelope mit Problemen. Ihm war bewusst, dass er das BtM-Rezept nicht binnen sieben Tagen beliefern konnte. „Ich bin im Kontrahierungszwang, das bedeutet, ich muss unabhängig von der aktuellen Lieferfähigkeit bestellen.“ Dieser Vorgehensweise ist gesetzlich festgehalten: In der Apothekenbetriebsordnung ist von der vorbehaltslosen Bereithaltungs- und Abgabepflicht bezüglich aller in Deutschland zugelassenen Arzneimittel die Rede.
„Da BtM-Rezepte immer erst nach der Belieferung bedruckt werden, blieb die Verordnung zunächst mit Vermerk bei uns in der Apotheke liegen. Natürlich länger als sieben Tage – die Sorte Penelope war ein Dreivierteljahr nicht lieferbar.“ Vorrausschauend informierte der Apotheker sich regelmäßig über die Aktualität der Therapie beim verschreibenden Arzt. Weitere Rezepte folgten. Auch diese konnten vorerst nicht beliefert werden. Der Apotheker dokumentierte dies und darüber hinaus auch seine Rücksprache mit dem Arzt. „Das Rezept lag bei uns fristgerecht vor, ich habe fristgerecht bestellt, ich habe formell alles richtig gemacht. Die Retaxierung, die dann folgte, ist nicht rechtens.“

Mittlerweile liegen Matenaer fünf Retaxationen vor – alle aufgrund angeblich abgelaufener Rezepte. „Insgesamt handelt es sich um einen Betrag von rund 2000 EURo, es wurde jeweils auf 0 retaxiert. Auf dem Geld bleibe ich vorerst sitzen.“ Beträge in dieser Größenordnung stellen insbesondere für kleine Apotheken eine Herausforderung dar – das Geld fehlt zunächst. „Wenn die benötigte Cannabissorte nicht lieferbar ist, bleibt mir nichts anderes übrig als abzuwarten.“ Bei allen folgenden Verordnungen verfuhr der Apotheker auf gleiche Weise – der Arzt war stets im Bilde. Eine Umstellung auf eine andere Sorte wäre zwar möglich gewesen, war aus ärztlicher Sicht aber nicht erwünscht. „Penelope gehört zu den ausgeglichenen Sorten, das heißt der Anteil an THC und CBD ist ähnlich. Diese Sorte wurde gut vom Patienten vertragen“, erklärt Matenaer.

(…)


Einige Pressemeldungen und Informationen der vergangenen Tage

Oberhausener Apotheker mischen mehr Cannabismittel selbst

Verbindung zwischen Cannabis-Konsum und Herzkrankheiten bestätigt

ACM-Mitteilungen vom 12. Januar 2020

Liebe Leserin, lieber Leser,

der monatliche Bruttoumsatz für cannabisbasierte Medikamente zulasten der gesetzlichen Krankenkassen hat im vergangenen Jahr die 10 Millionen-Euro-Grenze überschritten. Mehr als die Hälfte der Verschreibungen entfielen auf Medizinalcannabisblüten, gefolgt von Dronabinol-Rezepturen und dem Cannabisextrakt Sativex. Im Laufe des vergangenen Jahres hat die Zahl der Verschreibungen weiter zugenommen.

Vermutlich setzt sich bei den Ärzten langsam die Erkenntnis durch, dass Cannabisblüten die wirtschaftlichste Form der Verschreibung darstellt, auch wenn einige kassenärztliche Vereinigungen und Krankenkassen weiterhin anderer Auffassung sind. Benötigen Patienten vergleichsweise hohe Dosen, so sind Fertigarzneimittel häufig kaum finanzierbar. Bei sehr hohen Dosen auch die Blüten nicht. Die Blüten sind auch in Deutschland immer noch die günstigste Option, obwohl Cannabisblüten in Deutschland deutlich teurer sind als in fast allen anderen Europäischen Ländern (mit Ausnahme von Italien). So kostet 1 g Bedrocan der Sorte Bedrocan in den Niederlanden 6-7 €, in Norwegen 10 € und in Deutschland 22-23 €. Einige deutsche Apotheken geben die Cannabisblüten für 12-14 € ab, da sie keinen Aufschlag nach der Arzneimittelpreisverordnung von 90 oder 100 % auf den Einkaufspreis aufschlagen.

Ein intelligenter Mensch hat die CO2-Bilanz für die Herstellung von Medizinalcannabisblüten unter Kunstlicht berechnet. Herzlichen Dank dafür! Selbst unter der günstigen Annahme verursacht die Produktion von 1 g etwa 500 g CO2. In dieser Rechnung sind Verpackungen, Analysen, Transporte durch die Luft und über Land und andere Energie konsumierende Aktivitäten noch nicht berücksichtigt. Bei standardisierten Präparaten und Fertigprodukten kommen weitere Umweltschäden hinzu, wie etwa durch aufwändigere Verpackung und Extraktion einzelner Cannabinoide. Es ist an der Zeit, diesen Umweltaspekt zu berücksichtigen.

Dabei benötigen Cannabisblüten zum Wachstum eigentlich nur die Sonne und könnten ohne CO2-Emission produziert werden. Die schlechte Energiebilanz basiert zum einen auf der rechtlichen Lage, die die Produktion auf dem eigenen Balkon verbietet, und zum anderen auf der Produktion in Ländern, in denen die kommerzielle Produktion unter Kunstlicht geschehen muss. Es ist zu überlegen, ob man nicht die in verschiedenen afrikanischen Ländern anlaufende Produktion von Cannabisblüten nutzen könnte. Auch unter freiem Himmel produziertes Cannabis lässt sich in Extrakten standardisieren.

Immer noch kursiert das Gerücht, dass sich orale Zubereitungen besser dosieren lassen als inhalativ eingenommene Produkte, weil man exakt 5 oder 20 Tropfen einnehmen kann. Dabei variiert die systemische Bioverfügbarkeit nach der oralen Einnahme zwischen verschiedenen Menschen (interindividuelle Variation) und auch bei ein und derselben Person (intraindividuelle Variation), insbesondere in Abhängigkeit von der Nahrungsaufnahme. Dies hat eine jüngere Studie nun auch für Dronabinol/THC nachgewiesen. Daher spielt es nun wirklich keine große Rolle, ob eine Charge von Cannabisblüten einmal 19 % und ein anderes Mal 21 % Dronabinol enthält, oder ob nicht gleichmäßig tief inhaliert wird. Patienten, das zeigt die medizinische Praxis, können sich auf solche Variationen gut einstellen, sowohl bei oraler als auch bei inhalativer Einnahme.

Viel Spaß beim Lesen!

Franjo Grotenhermen

Presseschau: Monatlicher Bruttoumsatz übersteigt 10 Millionen €: Verschreibung von Medikamenten auf Cannabisbasis nimmt stetig weiter zu (GKV-Spitzenverband)

Der Bruttoumsatz von Medikamenten auf Cannabisbasis zulasten der gesetzlichen Krankenversicherungen hat im April 2019 die 10 Millionen EURo-Grenze überschritten. Wie der Verband der gesetzlichen Krankenversicherungen mitteilte, nahmen der Bruttoumsatz und die Zahl der Verordnungen von Medikamenten auf Cannabisbasis im Jahr 2019 im Vergleich zum Vorjahr weiter zu. Wie einer Tabelle zu entnehmen ist, nahm die Zahl der monatlichen Verschreibungen auch im Verlaufe des Jahres vom Januar bis September 2019 zu. Die monatlichen Bruttoumsätze stiegen von etwa 6,5 Millionen € im September 2018 auf nahezu 11 Millionen € im September 2019. Überproportional hat die Anzahl der Verschreibungen von Cannabisblüten zugenommen.

Die Tabelle und die Grafik geben nur ein unvollständiges Bild über Verschreibung von Cannabis-basierten Medikamenten in Deutschland wieder. Nicht berücksichtigt sind Verschreibungen zulasten der privaten Krankenversicherungen und Verschreibungen, bei denen die Patienten die Kosten der Medikamente selbst tragen.

Da Cannabisblüten im Vergleich zu anderen Präparaten (Dronabinol, Sativex) deutlich günstiger sind, erfolgen bei Privatverschreibungen nach unserer Kenntnis wesentlich mehr Verschreibungen von Cannabisblüten. Da die Krankenkassen allerdings davon ausgehen, dass Dronabinol und Sativex günstiger sind, erfolgen im Vergleich zu Privatverschreibungen vergleichsweise mehr Kostenübernahmen für Dronabinol und Sativex. Diese Verzerrung kommt unter anderem dadurch zustande, dass viele Patienten, die nur geringe Dosen an Cannabisblüten benötigen, wie beispielsweise 5 g pro Monat, diese selbst finanzieren und sich und ihrem Arzt den bürokratischen Aufwand der Kostenübernahme ersparen.

In den ersten drei Quartalen des Jahres 2019 erfolgten insgesamt etwa 193.000 Verordnungen mit einem Bruttoumsatz von etwa 86 Millionen € zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung.

Deutlich mehr als die Hälfte (etwa 105.000 Verordnungen mit einem Umsatz von etwa 54 Millionen €) entfielen auf Cannabisblüten. Bei 37.000 Verordnungen erfolgten in der Apotheke Veränderungen (Zerkleinern, Aufteilen), und bei 68.000 Verordnungen wurden die Blüten unverändert abgegeben. Hier setzt sich langsam bei den Ärzten die Erkenntnis durch, dass die meisten Patienten keine Veränderung der Blüten in der Apotheke wünschen, und dies auch keine Vorteile bringt.

Auf Rang 2 folgen mit etwa 42.000 Verschreibungen von 17 Millionen € "cannabinoid-haltige Stoffe oder Fertigarzneimittel in Zubereitungen". Dabei handelt es sich überwiegend um Dronabinol-Lösungen, Dronabinol-Kapseln oder in der Apotheke hergestellten Cannabisextrakten aus in Deutschland verfügbaren Cannabisblüten. Dronabinol ist ein anderer Name für das in der Hanfpflanze vorkommende Isomer des Delta-9-THC, das fälschlicherweise oft synthetisches THC genannt wird, weil es im Bereich der Arzneimittelverwendung oft synthetisch hergestellt wird. Dronabinol ist ein natürliches Cannabinoid. 1 g Cannabisblüten mit einem THC-Gehalt von 20 % enthält daher 200 mg Dronabinol.

Auf Rang 3 folgt der Cannabisextrakt Sativex mit 39.000 Verordnungen und einem Umsatz von 13 Millionen €. Bei Sativex handelt es sich um ein Gemisch aus 2 alkoholischen Cannabisextrakten. Es wird als Spray eingenommen, das in den Mund gesprüht wird. Ein Sprühstoß enthält 2,7 mg natürliches Dronabinol und 2,5 mg Cannabidiol. Der Hersteller bevorzugt den Namen THC, weil dem Namen Dronabinol fälschlicherweise der Begriff „synthetisch“ anhaftet. In Sativex befindet sich allerdings in der Tat natürliches Dronabinol. Sativex ist seit 2011 in Deutschland für die Behandlung einer mittelschweren bis schweren Spastik bei multipler Sklerose von Erwachsenen arzneimittelrechtlich zugelassen.

Nur geringe Umsätze und Verordnungen entfallen auf "cannabinoid-haltige Stoffe in unverändertem Zustand", mit etwa 5000 Verordnungen und einem Umsatz von 2 Millionen €. Wie den Erläuterungen in der Deutschen Apotheker Zeitung zu entnehmen ist, handelt es sich dabei beispielsweise um Cannabisfertigextrakte ohne Zulassung.

Noch geringere Umsätze und Verordnungen machen "Fertigarzneimittel ohne PZN-Nummer" aus, wie beispielsweise Importe des Fertigarzneimittels Marinol aus dem Ausland, sowie Canemes, das den THC-Abkömmling Nabilon enthält, aus. Canemes ist seit 2017 zur Behandlung der Nebenwirkungen einer Krebschemotherapie zugelassen. 1 mg Nabilon hat etwa eine so starke Wirkung wie die von 7-8 mg Dronabinol/THC.

Hier ein Preisvergleich im ACM-Magazin auf Seite 7. Das neue ACM-Magazin 2020 geht in Kürze online und enthält die folgenden Informationen.

Kosten für 1000 mg THC/Dronabinol:
Ölige Dronabinoltropfen: ca. 800 EURo
Sativex: ca. 380 EURo
Tilray-Extrakt THC 25: ca. 655 EURo
Extrakt nach NRF 22.11: ca. 250 EURo
Cannabisblüten (z.B. Sorte mit 8% THC): ca. 250 EURo
Cannabisblüten (z.B. Sorte mit 22% THC): ca. 90 EURo

CO2-Bilanz: Wie sieht die Ökobilanz von cannabisbasierten Medikamenten aus?

Wie sieht eigentlich die Ökobilanz für Cannabisblüten und andere cannabisbasierte Medikamente aus?

Die kurze Antwort lautet: So wie wir die Produkte jetzt herstellen, haben sie eine schlechte und kaum akzeptable Ökobilanz. Für die Herstellung von 200 g Cannabisblüten unter Kunstlicht wird etwa so viel CO2 ausgestoßen wie für eine Fahrt mit einem Mittelklassewagen von Berlin nach München. Hinzu kommen Verpackungen, Transporte durch die Luft und über Land und weitere Belastungen. Die Ökobilanz von Extrakten und einzelnen Cannabinoiden sieht aufgrund weiterer Herstellungsschritte noch ungünstiger aus.

Die Formel die Berechnung der CO2-Bilanz lautet: Wattstunde pro Gramm (Wh x g). Unter der Annahme einer Aufzucht-Dauer von 28 Tagen mit 16 Stunden Beleuchtung zu je 100 Watt Leuchtmittel sowie 70 Tagen Blüte-Periode mit 12 Stunden Beleuchtung 600 Watt Leuchtmittel ergibt sich folgende Gleichung:

28d x 16h x 10 W = 44,8 Wh
70d x 12h x 60 W = 504 Wh
Gesamtverbraucht = 544,8 Wh

Unter der Annahme einer Produktion von 1 g pro Watt, also einer maximalen Produktion von 600 g Cannabisblüten mit 600 W ergibt sich folgender Verbrauch:

544,8 Wh/600g = 0,908 Wh/g

Laut Umweltbundesamt wurde mit dem deutschen Energiemix 2017 für die Produktion von 1 Wh 0.537 kg CO2 verbraucht.

Daraus ergibt sich für 1 g Cannabisblüten:
0,908 Wh/g x 0.537 kg CO2 = 0,487 kg CO2

Das bedeutet, dass bei der Produktion von 1 g medizinischem Cannabis unter den günstigsten Annahmen etwa 500 g CO2 anfällt.

Zum Vergleich: Die Produktion von 1 Gramm Medizinalcannabisblüten aus der Apotheke benötigt ungefähr so viel wie der Betrieb eines 1000 W-Staubsauger für die Zeitdauer einer Stunde. Oder man kann für etwa 1 g Cannabisblüten mit einem Pkw, der 9 l pro 100 km verbraucht, etwa 2,5 km weit fahren.

Hinzu kommen die Ökobilanz für die Verpackung (Plastik & Co.), Analysen und Transport (durch Luft und über Land). Die Ökobilanz von Extrakten und aufwendig produzierten Produkten, wie Dronabinol, Sativex und Canemes ist natürlich noch schlechter, weil hier weitere aufwändige und CO2-intensive Verfahren benötigt werden.

Presseschau: Aurora EURope und die Humboldt-Universität zu Berlin (HU) initiieren Deutschlands erste „Cannabis Research Class“ (Apotheke Adhoc)

Das Unternehmen Aurora finanziert ab April 2020 eine Forschungsklasse im Rahmen eines Studiums an der Humboldt-Universität Berlin.

Aurora EURope und die Humboldt-Universität zu Berlin (HU) initiieren Deutschlands erste „Cannabis Research Class“

Aurora EURope GmbH (www.auroramedicine.com) und die Humboldt-Universität zu Berlin (HU) starten mit der „Cannabis Research Class“, die erste interdisziplinäre Themenklasse zur Förderung von wissenschaftlichen Nachwuchstalenten und zur Erforschung von Medizinal-Cannabis. 15 Deutschlandstipendiat*innen bekommen für einen Zeitraum von einem Jahr die Möglichkeit, ihr Wissen zu vertiefen und ein Forschungsprojekt zu realisieren.

Die Humboldt-Themenklasse ist ein 2013 von der HU entwickeltes, besonderes Format der Deutschlandstipendien zur Förderung und Entfaltung der Wissenschaftlerpersönlich-keiten von Studierenden. Mit der interdisziplinären Humboldt-Themenklasse „Cannabis Research Class“ unterstützt Aurora EURope 15 Humboldt-Stipendien an der Lebens-wissenschaftlichen Fakultät mit jeweils 150 EUR pro Monat, die durch das Bundes-ministerium für Bildung, Forschung und Wissenschaft (BMBF) um ebenfalls 150 EURo aufgestockt werden. Insgesamt fördert Aurora das Projekt mit einer Summe von 38.000 EURo.

„Die Humboldt-Themenklassen fördern und qualifizieren die jüngsten Talente der Universität: Studierende lernen hier schon früh in ihrer akademischen Laufbahn eigenständig, interdisziplinär und in Teams zu forschen. Zugleich bereichert der Austausch mit den Stipendiat*innen verschiedener Disziplinen die Forschung an unserem Insitut“, sagt Prof. Dr. Christian Ulrichs, wissenschaftlicher Leiter der Themenklasse und Professor für Urbane Ökophysiologie am Albrecht Daniel Thaer-Institut für Agrar- und Gartenbauwissenschaften der HU.

Das Programm richtet sich an Studierende aller Fachrichtungen, die sich in einjährigen Forschungsarbeiten vertieft mit dem Thema Medizinal-Cannabis auseinandersetzen und zum wissenschaftlichen Diskurs beitragen möchten. Im Fokus stehen die Forschungs-felder „Medizinische Nutzung und Wirkung“, „Rechtliche & Wirtschaftliche Rahmen-bedingungen“ sowie „Biologie, Pflanzenphysiologie und Anbau“. Neben dem Rahmen-programm sind Dialogveranstaltungen geplant, um die Arbeiten der Studierenden einem größeren Kreis zugänglich zu machen und den öffentliche Diskurs anzustoßen.

„Medizinisches Cannabis ist vielfach mit Stigma und Vorurteilen belegt – das wollen
wir aufbrechen und setzen auf die Zusammenarbeit mit Talenten und führenden Wissenschaftseinrichtungen. Die Humboldt-Themenklasse bietet Studierenden eine erstklassige Betreuung und die Möglichkeit, ihre Arbeiten öffentlich vorzustellen und so den differenzierten Blick auf das Thema zu stärken. Das hat uns überzeugt“, sagt Thimo Schmitt-Lord, Director CSR bei Aurora EURope.

Presseschau: Mit Blüten gegen Schmerz: Seit zwei Jahren dürfen Ärzte Cannabisprodukte verschreiben. Was hat das den Patienten gebracht? (Die Zeit)

Die Zeit diskutiert in einem Beitrag die Frage, ob wir bei Cannabis zur Behandlung von Schmerzen langfristig den gleichen Fehler begehen wie bei den Opiaten, die nach Meinung vieler Experten heute zu häufig verschrieben werden. Für die Millionen von Schmerzpatienten in Deutschland gibt es keine ausreichenden Möglichkeiten zur Anwendung einer multimodalen Schmerztherapie. In den USA gibt es gegenwärtig eine Opiat-Epidemie mit vielen Toten. Ursprünglich wurden diese Medikamente häufig von Ärzten gegen Schmerzen eingesetzt.

Mit Blüten gegen Schmerz: Seit zwei Jahren dürfen Ärzte Cannabisprodukte verschreiben. Was hat das den Patienten gebracht?

„Schmerzmedikamente, Krankengymnastik, eine Operation und schließlich starke Betäubungsmittel – viele Patienten mit chronischen Schmerzen haben fast alles ausprobiert, um ihre Beschwerden zu lindern. Doch sie leiden trotzdem. Seit zwei Jahren gibt es eine weitere Möglichkeit: Ärzte und Ärztinnen dürfen medizinisches Cannabis verschreiben. Hat dies die Lage der Patienten verbessert? Ist es auf lange Sicht sinnvoll, ein Betäubungsmittel durch ein anderes zu ersetzen?

Franjo Grotenhermen ist eine Art Zentralinstanz für Fragen zum medizinischen Einsatz von Cannabis. Der Arzt betreibt im nordrhein-westfälischen Steinheim eine Privatpraxis, ist Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Cannabis in der Medizin und Autor wissenschaftlicher Bücher. Grotenhermen ist von der Heilkraft des Krauts überzeugt. Ja, Cannabis könne sogar mehr: Es helfe auch bei vielen anderen Leiden. Einschränkend merkt er an, dass bisherige Studien die erhoffte Wirkung nur bei einem von drei bis fünf Patienten belegen – eine Quote, die der des etablierten Schmerzmittels Gabapentin ähnelt. Bei drei Millionen Menschen in Deutschland, die unter schwer behandelbaren Schmerzen leiden, könnten theoretisch also 600.000 Patienten von Cannabis profitieren. (…)

Die ewige Suche nach dem einen potenten Schmerzmittel mit wenig Nebenwirkungen folgt der mechanistischen Vorstellung, dass nur ein Schalter im Körper umgelegt werden müsse – und alles werde gut. Chronischer Schmerz entsteht jedoch durch biologische, psychologische und soziale Faktoren. Als Goldstandard gilt deshalb eine kombinierte Behandlung, die den Körper aktiviert, die Psyche gegen Stress wappnet und soziale Probleme aufzuarbeiten hilft – wobei Medikamente zwar zum Zuge kommen können, aber möglichst sparsam. Auch Grotenhermen hält viel von dieser multimodalen Therapie. Gleichzeitig diagnostiziert er einen gravierenden Mangel: "Es gibt zu wenig Therapieplätze." Also verschreibt der Arzt ganz pragmatisch Cannabis und bittet seine Patienten darum, weiterhin selbst eine Therapiemöglichkeit zu suchen. (…)“

Der lesenswerte vollständige Artikel kann durch ein kostenloses 4-wöchiges Probeabo von Zeit Online gelesen werden.

ACM-Mitteilungen vom 29. Dezember 2019

Liebe Leserin, lieber Leser,

Wie in den letzten ACM-Mitteilungen angekündigt, legt Rechtsanwalt Dr. Oliver Tolmein dar, wie man sich gegen eine Verzögerung der Bearbeitung eines Widerspruchs gegen eine Ablehnung der Kostenübernahme durch die eigene Krankenkasse wehren kann. Die Krankenkassen lassen sich zunehmend mehrere Monate Zeit. Patienten sind diesem Verhalten jedoch nicht hilflos ausgeliefert und können sogleich das Sozialgericht anrufen. Es besteht in der ersten Instanz keine Anwaltspflicht, und es besteht die Möglichkeit, Prozesskostenhilfe zu beantragen. Dieses ist eines der wichtigsten Themen von Ratsuchenden des ACM-Patiententelefons.

Über die im Internet und auch in den Printmedien kursierende Meldung über das Urteil des Obersten Gerichtshofs von Italien, dass den Bürgern von Italien der Eigenanbau von Cannabis grundsätzlich nicht verwehrt werden darf, werden wir in den nächsten IACM-Informationen behandeln. Hier können Sie die IACM-Informationen abonnieren. Das war aus technischen Gründen lange Zeit nicht möglich. Sowohl die IACM-Webseite als auch die ACM-Webseite werden gegenwärtig überarbeitet, um Informationen besser finden zu können, Bezahlmöglichkeiten zu verbessern und auch die Servicequalität zu erhöhen.

Der Vorstand der ACM und die Mitarbeiter der ACM wünschen allen Mitgliedern und allen, die es werden wollen frohe Festtage und ein gutes neues Jahr!

Viel Spaß beim Lesen!
Franjo Grotenhermen

Webinare zu rechtlichen Hintergründen der Verwendung von Cannabis, CBD und Anbau in Deutschland

Das Unternehmen Alphatopics bietet online-Seminare zum Thema Cannabis als Medizin an, die sich überwiegend mit rechtlichen Fragen der Verwendung von THC-haltigen cannabisbasierten Medikamenten, der Nutzung von CBD als Arzneimittel und nahm seinen Suchtmittel sowie dem Anbau und der Gewinnung von Cannabis durch Unternehmen befasst. Es ist in drei Module aufgeteilt, die einzeln oder zusammen gut werden können. Die Referenten sind Markus Veit (Pharmazeuten) und Markus Ambrosius (Jurist). Beginn: 20. Januar 2019. Preis für alle drei Module zu jeweils 90 Minuten: 690 €.
webinar-Reihe von Alpha Topics zu Cannabis

Was Patienten tun können, wenn sich Krankenkassen viel Zeit bei der Antwort auf einen Widerspruch lassen

Rechtsanwalt Dr. Oliver Tolmein beantwortet eine an Bedeutung zunehmende Frage bei einer sich ausbreitenden Verzögerungstaktik der Krankenkassen.

„Die Genehmigung für eine Verschreibung von Cannabis als Medizin nach § 31 Abs. 6 SGB 5 zu beantragen verlangt vielen Patient*innen auch einiges an Geduld ab: immer neue Nachfragen der Krankenkassen, deren Begehren, immer neue Attest von Ärztinnen und Ärzten zu erhalten, kosten Energie und Zeit. Beides haben gerade schwerkranke Menschen oft nicht. Im Verwaltungsverfahren – also dem Zeitabschnitt zwischen Antrag und dem ersten Bescheid – hat der Gesetzgeber mit § 13 Abs. 3a SGB 5 immerhin zeitliche Grenzen gesetzt: überschreitet die Krankenkasse die dort gesetzten Fristen, wird die beantragte Genehmigung fingiert: sie gilt als erteilt. Die negative Seite dieser Fristsetzung: manche Krankenkassen lehnen die Leistung so schnell sie können ab – und verweisen die Patienten damit aufs Widerspruchsverfahren. Das ist zwar pflichtwidrig und damit auch nicht erlaubt – Patient*innen können sich dagegen trotzdem faktisch nicht wehren. Das Widerspruchsverfahren hat für die Krankenkasse zwei Vorteile: Sie müssen (noch) nicht leisten und – für das Widerspruchsverfahren gibt es keine klaren Fristen. Kassen spielen hier also häufig auf Zeit.

Dagegen können Patient*innen auf zweierlei Weise vorgehen: der traditionelle Weg ist die Untätigkeitsklage. Sie kann nach § 88 Abs. 2 SGG drei Monate nach Ablehnung der Genehmigung beim Sozialgericht erhoben werden. Anwaltliche Vertretung ist nicht erforderlich. Die Krankenkasse kann sich damit verteidigen, dass ihr die Entscheidung noch nicht möglich war, weil zum Beispiel Unterlagen der behandelnden Ärzt*innen oder des Patienten fehlen. Es muss also dargelegt werden, dass die Patientin oder der Patient alles erforderliche getan hat um der Kasse die Entscheidung zu ermöglichen. Ergebnis des Verfahrens ist: die Krankenkasse muss (und wird) entscheiden. Der Nachteil dieses Verfahrens: es ist vergleichsweise aufwändig und es sichert keine Genehmigung, sondern nur eine Entscheidung. Gegen die kann dann in der Hauptsache vor dem Sozialgericht geklagt werden: das kann in der ersten Instanz zwei bis vier Jahre dauern – eine Zeit, in der Patient*innen weiterhin keinen Anspruch auf Cannabis als Medizin verordnet zu Lasten der Krankenkasse haben.

Empfehlenswert ist deswegen möglicherweise eine andere Vorgehensweise: nach Ablehnung der Genehmigung durch die Krankenkasse wird Widerspruch gegen diese ablehnende Entscheidung eingelegt – und gleichzeitig (oder auch später) ein Verfahren mit dem Antrag auf einstweilige Erteilung der Genehmigung (§ 86b SGG) vor dem Sozialgericht eingeleitet. Ein solches Verfahren kann dazu führen, dass die Krankenkasse vorläufig verpflichtet wird, die Kosten für Cannabis als Medizin zu übernehmen. Diese Eilverfahren sind rechtlich und tatsächlich allerding schwierig. Anwaltliche Vertretung ist nicht erforderlich, aber unbedingt empfehlenswert. Vorteil des Verfahrens: es dauert zumeist etwa vier bis 12 Wochen und führt dazu, dass für einen befristeten Zeitraum die Kosten für Cannabis von der Kasse übernommen werden müssen. Der Nachteil ist: die vorläufige Kostenübernahme kann im Hauptsacheverfahren, das durch ein Eilverfahren nicht ersetzt wird, aufgehoben werden – schlimmstenfalls müssen dann Kosten an die Krankenkasse erstattet werden.

Eine Entscheidung im Eilverfahren kann von beiden Seiten mit der Beschwerde angefochten werden. Dann muss ein Landessozialgericht entscheiden. Dadurch zieht sich das Verfahren unter Umständen in die Länge. Wird im Einzelfall ein Eilverfahren erwogen, empfiehlt sich eine auf den Einzelfall bezogene rechtliche Beratung.

Bei allen Klagen vor dem Sozialgericht, ob mit oder ohne Anwalt, kann grundsätzlich Prozesskostenhilfe beantragt werden.

Dr. Oliver Tolmein ist Fachanwalt für Medizinrecht, Kanzlei Menschen und Rechte, Hamburg.

Einige Pressemeldungen und Informationen der vergangenen Tage

Wie wirksam ist Cannabis als Medizin wirklich? (Frankfurter Allgemeine)

Cannabis als Medizin: Krebskranker nun verurteilt (Kronen Zeitung)

Patienten berichten: "Cannabis hat mir Lebensqualität zurückgegeben" (Schweriner Volkszeitung)


ACM-Mitteilungen vom 15.12.2019

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Hauptthemen am Patiententelefon der ACM sind neben Schwierigkeiten, einen Arzt zu finden, gegenwärtig Probleme bei der medizinischen Cannabiserwendung mit der Führerscheinstelle und eine Tendenz der Krankenkassen, Bescheide gegen den Widerspruch einer Kostenablehnung über Wochen und Monate hinauszuzögern. Ein bekannter Anwalt für Patientenrecht wird uns Hinweise geben, wie sich Patienten in diesen und anderen Fällen am besten verhalten können. Diese werden wir in den nächsten ACM-Mitteilungen bekannt machen.

In den ACM-Mitteilungen vom 19. November hatten wir bereits von einem Urteil des Verwaltungsrechts Düsseldorf berichtet, nachdem Cannabispatienten grundsätzlich am Straßenverkehr teilnehmen dürfen, wenn sie die dafür notwendigen Voraussetzungen, insbesondere eine Einnahme gemäß ärztlicher Anweisung, erfüllen. Das vollständige Urteil sowie die Presseerklärung des Gerichts finden sich ebenfalls online.

Das Patiententelefon ist vor einigen Monaten in das ACM-Büro bzw. meine Praxis umgezogen, damit ich im Hintergrund für mögliche Rückfragen bei medizinischen Themen zur Verfügung stehe. Wir wollen, dass das Patiententelefon eine hohe Qualität hat, sodass wir die Zeiten der Erreichbarkeit nur langsam ausweiten können.

Krankenkassen, Politik und Wissenschaftler weisen immer wieder darauf hin, dass für viele Erkrankungen keine ausreichenden klinischen Daten vorliegen. Jetzt wurden zum zweiten Mal Gelder für eine Studie zur Wirksamkeit von Cannabisblüten bei ADHS an einer deutschen Hochschule, die von Fachkreisen als sehr gut befunden wurde, nicht genehmigt. Deutsche Politiker können nicht gleichzeitig den Mangel an klinischen Studien beklagen und andererseits nicht dafür sorgen, dass entsprechende Forschungsgelder bereitgestellt werden. In dieser Situation entstehen gleichzeitig so merkwürdige Artikel wie kürzlich in der Medical Tribune, nach der sich klinische Effekte von Cannabis nur bei Angst nachweisen lassen. Das ist natürlich völliger Unsinn. Wenn bei einer mögliche Indikation keine Studie durchgeführt wurde, weiß man nur, dass keine klinischen Studien durchgeführt wurden, und nicht ob Cannabis bei dieser Erkrankung wirksam sein könnte oder nicht.

Zum weiteren Ausbau des Service-Angebotes der ACM benötigen wir neue Mitglieder und Unterstützung von Firmen. Eine Möglichkeit der Unterstützung ist die, wie sie die neue Firma Endoxo leistet. ACM-Mitglieder bekommen 10 € Rabatt auf Hanfextrakte mit CBD, und zudem wird ein Teil des Erlöses des Unternehmens auf das ACM-Konto überwiesen. Bevor die Seite des Unternehmens online geht, sind diese Produkte nur bei Hanf-Zeit in Steinheim erhältlich. Rabatte für ACM-Mitglieder, wie sie beispielsweise auch Storz & Bickel gewähren, sind eine gute Möglichkeit, die Mitgliedschaft in der ACM attraktiv zu gestalten.

Im kommenden Monat erhalten alle ACM-Mitglieder einen hochwertigen Mitgliederausweis in Checkgrößenformat, um ihre Mitgliedschaft nachweisen zu können. Vorher reicht die Bestätigung der Beitrittserklärung.

Viel Spaß beim Lesen!
Franjo Grotenhermen

Presseschau: Apotheken befürchten Versorgungsengpässe bei medizinischem Cannabis (Deutsches Ärzteblatt)

Ein Problem, von dem wir dachten, dass es sich erledigt hat, weil es mittlerweile viele Importeure gibt, droht erneut: Versorgungsengpässe bei Medizinalcannabisblüten.

Apotheken befürchten Versorgungsengpässe bei medizinischem Cannabis (Deutsches Ärzteblatt)

Berlin – Die Apotheken befürchten Engpässe bei der Versorgung von Patienten mit medi­zinischem Cannabis. Grund dafür sind behördliche Auflagen zum Strahlenschutz, die bislang offenbar übersehen wurden, berichtet der Branchendienst Apotheke adhoc heute.

Cannabisblüten werden in der Regel mit ionisierender Strahlung behandelt, um sie dau­er­haft vor Bakterien und Schimmelbefall zu schützen beziehungsweise die vorhandenen Keime abzutöten. Laut Arzneimittelgesetz (AMG) ist es den Apotheken zufolge jedoch verboten, Arzneimittel, bei deren Herstellung ionisierende Strahlen verwendet worden sind, in den Verkehr zu bringen, wenn dafür keine Genehmigung gemäß der Verordnung über radioaktive oder mit ionisierenden Strahlen behandelte Arzneimittel (AMRadV) vorliegt.

Nach Kenntnis der Apotheken haben die Aufsichtsbehörden in der Vergangenheit an rund zwei Dutzend Zwischenhändler Importlizenzen ausgestellt, aber dabei offensichtlich nicht überprüft, ob diese eine solche Strahlenlizenz haben. Im November seien die Bezirksregierungen Köln und Düsseldorf schließlich tätig geworden und hätten einem Großhändler das Inverkehrbringen von bestrahlten Cannabisblüten untersagt, berichtet Apotheke adhoc.

Den Firmen drohten strafrechtliche Konsequenzen, wenn sie solche Blüten weiterhin vertreiben. Denn nur wenige Zwischenhändler haben den Apotheken zufolge die erforderliche Genehmigung des Bundesamtes für Strahlenschutz.

Erschwerend komme hinzu, dass es je nach Region unterschiedliche Einschätzungen der zuständigen Behörden gebe, was das Beschaffen, Lagern, Transportieren und Inverkehrbringen jener Cannabisblüten angeht. Die Streitfrage sei, ob es sich bei den Produkten um Fertigarzneimittel oder um Rezepturausgangsstoffe handelt.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in Bonn sieht hier zwar „Optimierungsbedarf“, wie Pressesprecher Maik Pommer dem Deutschen Ärzteblatt auf Nachfrage mitteilte. Grundsätzlich zuständig für die Aufsicht des Imports von Cannabis seien aber die Länderbehörden, deren jeweilige Regelungen sehr unterschiedlich sind.

Das BfArM steuert und kontrolliert hingegen über die Cannabisagentur den Anbau von Cannabis zu medizinischen Zwecken in Deutschland. Die Bundesopiumstelle im BfArM führt darüber hinaus eine Begleiterhebung zur Anwendung von Cannabisarzneimitteln durch, um weitere Erkenntnisse über die Wirkung von Cannabis als Medizin zu gewinnen.

Mit dem am 10. März 2017 in Kraft getretenen Gesetz zur Änderung betäubungsmittelrechtlicher und anderer Vorschriften hat der Gesetzgeber die Möglichkeiten zur Verschreibung von Cannabisarzneimitteln von schwer kranken Patienten erweitert. Ärzte können seitdem Medizinal-Cannabisblüten oder Cannabisextrakt in pharmazeutischer Qualität in bestimmten Fällen auf einem Betäubungsmittelrezept verschreiben. Außerdem stehen Fertigarzneimittel mit den Wirkstoffen Dronabinol oder Nabilon zur Verfügung.

Presseschau: DGKN: Frühkindliche Epilepsie – DGKN warnt vor übersteigerten Erwartungen beim Cannabis-Wirkstoff Informationsdienst Wirtschaft

Die Deutsche Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und Funktionelle Bildgebung warnt vor übersteigerten Erwartungen bei der Wirksamkeit des CBD-Extraktes Epidiolex, der im Herbst in Deutschland zugelassen wurde. Die Wirksamkeit bei den zugelassen Indikationen ist oft geringer als bei Indikationen für Cannabisblüten, bei denen überhaupt keine Zulassung vorliegt, weil entsprechende Studien bisher nicht finanziert wurden.

DGKN: Frühkindliche Epilepsie – DGKN warnt vor übersteigerten Erwartungen beim Cannabis-Wirkstoff (Informationsdienst Wirtschaft)

Seit kurzem besteht für Kleinkinder mit zwei verschiedenen, schweren Formen der Epilepsie eine neue Behandlungsmöglichkeit: Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA hat vor einigen Wochen den Wirkstoff Cannabidiol der Cannabis-Pflanze für die Therapie des Dravet-Syndroms und des Lennox-Gastaux Syndroms zugelassen. Die Deutsche Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und Funktionelle Bildgebung e. V. (DGKN) begrüßt prinzipiell die Erweiterung der Therapieoptionen für die schwer erkrankten Kinder – warnt jedoch zugleich vor übersteigerten Erwartungen und weist auf die relevanten Nebenwirkungen hin.

Unter fünf Prozent der von Epilepsie betroffenen Kinder können gegebenenfalls von dem Cannabis-Wirkstoff profitieren. Nicht immer äußern sich frühkindliche Epilepsien eindeutig mit Krampfanfällen. Manche Kinder wirken eher abwesend oder sind nicht ansprechbar. Deshalb wird die Störung zum Teil erst spät erkannt.

Das Dravet-Syndrom macht sich meist im Alter von etwa sechs bis zwölf Monaten zum ersten Mal bemerkbar: Dann führt ein genetischer Defekt, der das Gehirn übererregbar macht, meist bei Fieber erstmals zu einem epileptischen Anfall. „Die Anfälle treten im weiteren Verlauf meist mehrmals monatlich auf, fast alle betroffenen Kinder bleiben außerdem in ihrer geistigen und motorischen Entwicklung zurück“, beschreibt Professor Dr. med. Felix Rosenow, Leiter des Epilepsiezentrums Frankfurt Rhein-Main der Goethe Universität Frankfurt/Main, die schwere Erkrankung. Die Entwicklungsstörung, die mit dem Dravet-Syndrom einhergeht, lässt sich therapeutisch bislang nicht beeinflussen; Dravet-Patienten ab zwei Jahren, die bereits das Antikonvulsivum Clozapam erhalten, dürfen nun ergänzend auch mit Cannabidiol therapiert werden.

Da der Wirkstoff aus der Cannabis-Pflanze gewonnen wird, gilt er manchen Eltern als sanftes Naturprodukt. „Das ist ein Irrtum“, sagt Rosenow. „Ob eine Substanz pflanzlich oder synthetisch hergestellt ist, hat keinen Einfluss darauf, wie wirksam oder wie verträglich sie ist.“ In den Studien, die der Zulassungsentscheidung zugrunde liegen, habe Cannabidiol sich zwar als wirksam erwiesen und die Zahl der motorischen epileptischen Anfälle um rund die Hälfte gesenkt. Etliche Kinder hätten jedoch mit Nebenwirkungen wie starker Müdigkeit, Fieber, Appetitlosigkeit und Durchfall zu kämpfen gehabt – bei einem Teil der Kinder habe Cannabidiol deshalb oder aufgrund erhöhter Leberwerte wieder abgesetzt werden müssen. Auf die geistige Entwicklung der kleinen Patienten hat vermutlich auch der neue Wirkstoff keinen Einfluss.

Außer für die Dravet-Epilepsie ist Cannabidiol auch zur Behandlung des Lennox-Gastaut-Syndroms zugelassen, einer weiteren seltenen Epilepsieform, die auf frühkindliche Gehirnschädigung unterschiedlichster Ursachen zurückgeht. „Zusammengenommen machen die beiden Syndrome nur weniger als fünf Prozent der frühkindlichen Epilepsien aus“, erklärt Rosenow. Für die überwiegende Mehrzahl der jungen Epilepsiepatienten spiele die Cannabidiol-Einführung somit zunächst keine Rolle.

Im Durchschnitt sind 5 von 1000 Kindern von irgendeiner Form der Epilepsie betroffen. Oftmals wird die Störung jedoch erst spät erkannt, denn nicht immer äußert sie sich wie bei Dravet Syndrom und Lennox-Gastaut Syndrom mit motorischen Anfällen und auffälligem Zucken des ganzen Körpers. Manche Epilepsieformen gehen vielmehr mit kurzen Zuckungen einzelner Muskelpartien – etwa der Schultern oder des Mundes – oder Muskelanspannungen einher. Bei Kindern am häufigsten sind jedoch kurze Abwesenheitszustände, so genannten Absencen, während derer die Kinder nicht ansprechbar sind und an die sie sich hinterher nicht mehr erinnern können. „Diese Zustände werden oft als Verträumtheit oder – gerade in der Schule – als Verstocktheit interpretiert“, sagt Rosenow. Auch wenn die geistige Entwicklung der Kinder durch die Erkrankung meist nicht beeinträchtigt sei, führe eine nicht erkannte Epilepsie daher oft zu Leistungsabfall und Schulversagen.

Eine Möglichkeit, um die Epilepsie-Diagnose zu beschleunigen und die therapeutische Betreuung gerade in ländlichen Gebieten zu verbessern, sieht die DGKN in der Telemedizin: EEG-Ableitungen und andere diagnostisch bedeutsame Untersuchungsergebnisse werden vom behandelnden Arzt an das nächstgelegene Epilepsiezentrum weitergeleitet, wo sie von Spezialisten bewertet werden. „Per Tele-EEG haben auch Patienten fernab der Zentren Zugang zu einer qualifizierten epileptologischen Betreuung, ohne lange Wege auf sich nehmen zu müssen“, sagt Rosenow. Die DGKN hat Richtlinien für die Umsetzung solcher Telekonsile aufgestellt und begleitet die bereits angelaufenen Tele-EEG-Projekte mit Studien. So soll die Behandlungsqualität ebenso gesichert sein wie beim direkten Arztkontakt – denn eine frühe Diagnose und eine konsequente Therapie können den Lebensweg eines Epilepsie-Patienten entscheidend beeinflussen.

Die Deutsche Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und Funktionelle Bildgebung (DGKN) ist die medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft für Ärzte und Wissenschaftler in Deutschland, die auf dem Gebiet der klinischen und experimentellen Neurophysiologie tätig sind. Anliegen der DGKN ist es, die Forschung auf diesem Gebiet zu fördern sowie eine qualitätsgesicherte Aus-, Weiter- und Fortbildung zu garantieren. Zu diesem Zweck richtet die DGKN wissenschaftliche Tagungen, Symposien und Fortbildungsveranstaltungen aus. Sie erarbeitet Richtlinien und Empfehlungen für die Anwendung von Methoden wie EEG, EMG oder Ultraschall. Darüber hinaus setzt sich die DGKN für den wissenschaftlichen Nachwuchs ein, indem sie etwa Stipendien und Preise vor allem für junge Forscher vergibt. Die Methoden der klinischen Neurophysiologie kommen Patienten bei der Diagnose und Therapie neurologischer Erkrankungen wie Parkinson, Alzheimer, Migräne, Epilepsie, Schlaganfall oder Multiple Sklerose zugute.

Einige Pressemeldungen und Informationen der vergangenen Tage

Klinische Effekte von Cannabis lassen sich lediglich bei Angst nachweisen (Medical Tribune)

"Politisch ist der Rückwärtsgang eingelegt" (Salzburg 24)

25 Jahre Hanf Museum (taz blogs)

ACM-Mitteilungen vom 01.12.2019

Liebe Leserin, lieber Leser,

zwei neue Bücher von Mitgliedern des ACM-Vorstandes bereichern Informationsmöglichkeiten zum Thema Cannabis als Medizin in den deutschsprachigen Ländern. Das Buch „Cannabis und Cannabinoide in der Medizin“, herausgegeben von der Vorsitzenden der ACM Kirsten Müller-Vahl) und dem Geschäftsführer (Franjo Grotenhermen), ist ein 350 Seiten dicker Schmöker für Ärzte und andere Interessierte, die sich tiefergehend mit der Thematik befassen wollen. Hier eine Kostprobe zum Thema Geschichte der Cannabis Anwendung. Das Buch „Die Behandlung mit Cannabis“ richtet sich vor allem an Patientinnen und Patienten, die sich auf einen Besuch bei einem Arzt vorbereiten wollen, der bisher wenig oder keine Erfahrung mit der Behandlung mit Cannabis-Medikamenten hat, und Antworten auf alltägliche Fragen suchen. Hier das Inhaltsverzeichnis sowie eine Leseprobe zum Kapitel „Mein erster Arztbesuch“.

Wie eine Pressemitteilung des drogenpolitischen Sprechers der SPD im Bundestag zeigt, ist innerhalb der SPD auch hinsichtlich der gegenwärtigen Cannabispolitik etwas in Bewegung geraten, was Hoffnung macht, dass dies auch auf die weiterhin unbefriedigende Rechtslage zur medizinischen Versorgung mit Medizinalcannabis abfärben könnte.

Bei CBD geht es auch ums Geschäft und um Machtkämpfe zwischen der Apothekerschaft, die das Geschäft gern an sich ziehen möchten, und denen, die bisher am meisten vom Geschäft profitieren. Ob da immer das Interesse der Patienten bzw. Konsumenten im Vordergrund steht, darf bezweifelt werden.

Viel Spaß beim Lesen!

Franjo Grotenhermen

Presseschau: CBD-Produkte: „Eigentlich müssten die Behörden durchgreifen“ (Apotheke Adhoc)

Die deutsche Rechtslage zu Hanfextrakten, die CBD enthalten und sicherlich gesundheitlich nicht bedenklicher als viele andere legale Nahrungsergänzungsmittel sind, ist aus medizinischer Sicht nicht nachvollziehbar. In Belgien wurden CBD-Blüten gerade legalisiert. In der Schweiz sind sie es schon seit längerer Zeit. Die Situation in Deutschland ist dagegen repressiv. Der Vorsitzende des Verbandes der Cannabis versorgenden Apotheker fordert sogar ein Durchgreifen der Behörden und unterstützt damit die gegenwärtige fragwürdige Rechtslage in Deutschland. Das ist nicht ganz uneigennützig, da alternativ nur teures CBD aus der Apotheke verschrieben werden könnte. Er beklagt sich darüber, dass CBD-Produkte das Gold der Branche seien, und lässt durchblicken, dass er dieses Gold gern selbst verkaufen möchte.

CBD-Produkte: „Eigentlich müssten die Behörden durchgreifen“ (Apotheke ADHOC)

Der Markt für Cannabis-Produkte wächst und wächst. Man könnte aber auch sagen, er wuchert: Denn vor allem beim Thema Cannabidiol (CBD) herrscht nach wie vor vielerorts Unsicherheit und Uneinigkeit bezüglich der Rechtslage. Apotheker, die sich nicht intensiv mit dem Thema befassen, bleiben da oft ratlos zurück: Darf ich CBD-Zubereitungen ohne Rezept abgeben? Warum stehen CBD-Öle in vielen Drogerien, sind aber beim Großhändler nie verfügbar? Ist CBD ein Arznei- oder ein Nahrungsergänzungsmittel (NEM)? Markus Fischer, Gründungsmitglied und Vorstandsvorsitzender des Verbands der Cannabis versorgenden Apotheken (VCA), beklagt den bisher inkonsistenten Umgang mit CBD und hat einen rigorosen Ratschlag an seine Kollegen.

„Cannabidiol-Produkte sind gerade das Gold der Branche“, sagt Fischer und meint das nicht nur positiv. Denn Gold lockt immer auch Goldgräber an, die oft mit zweifelhaften Methoden arbeiten. „Das Dilemma ist, dass solche Goldgräber gerade versuchen, CBD als NEM für viel Geld zu verkaufen. Da wird gerade viel Schindluder getrieben, was leider den edlen Einsatz in der Medizin zunichte macht.“ Auch wenn sich weiter hartnäckig die Ansicht halte, dass es einen Graubereich gebe oder CBD vollkommen frei verkäuflich sei: Die Rechtslage sei eindeutig, sagt Fischer.

Als Arzneimittel ist CBD verkehrsfähig – steht aber in der Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV) und darf deshalb nur auf Rezept abgegeben werden. Außerhalb der rein medizinischen Anwendung ist die Rechtslage Fischer zufolge aber ebenso eindeutig: „CBD ist als NEM nicht verkehrsfähig – da gibt es keine zwei Meinungen“, so der Inhaber der Inhaber dreier Apotheken in Bochum und Oberhausen. „Deshalb wundert es mich, dass dieser Markt noch so funktioniert und die Behörden da nichts machen.“

Entscheidend ist in diesem Zusammenhang die europäische Novel-Food-Verordnung. Anfang 2019 hatte die EU-Kommission Cannabinoide in den Katalog der Novel Foods aufgenommen, da auf europäischen Märkten immer mehr Produkte auftauchten, die CBD enthalten. Ein Erzeugnis unterliegt dann der Novel-Food-Verordnung und braucht eine gesonderte Zulassung, wenn es vor dem Stichtag 15. Mai 1997 nicht in nennenswertem Umfang für den menschlichen Verzehr in der EU verwendet wurde. Eine Zulassung von CBD als neuartiges Lebensmittel ist aber bisher nicht erfolgt. Das Bundesinstitut für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), das hierzulande für die Umsetzung der Novel-Food-Verordnung überwacht, stuft derartige Produkte deshalb als nicht verkehrsfähig ein. (...)

Pressemitteilung des drogenpolitischen Sprechers der SPD: Klare Position der SPD zum Cannabisverbot ist überfällig

Dirk Heidenblut, drogenpolitischer Sprecher der SPD im Bundestag, erklärt in einer Pressemitteilung vom 25. November 2019: “Aufschieben einer vernünftigen Cannabispolitik schadet“

Klare Position der SPD zum Cannabisverbot ist überfällig!

„Ein Jahr ist es her, dass alle Facharbeitsgruppen der SPD-Bundestagsfraktion ein Positionspapier verabschiedet haben. Die Gesundheitspolitiker der SPD-Bundestagsfraktion fordern, dass künftig der Besitz kleiner Mengen von Cannabis nicht mehr strafrechtlich verfolgt, sondern nur noch als Ordnungswidrigkeit behandelt werden soll. Zudem sollen Modellprojekte ermöglicht werden, in denen die legale und regulierte Abgabe von Cannabis an Konsumentinnen und Konsumenten erprobt werden können.

"Ich habe es satt, weiter zu warten. Im Januar wurde unser Positionspapier vom November 2018 kurzfristig von der Tagesordnung der Fraktionssitzung genommen und ein Jahr später ist, trotz dauernder Nachfrage, nichts passiert. Die Cannabiskonsumenten erwarten zurecht eine zukunftsfähige Lösung von uns. Selbst in der Union mehren sich progressive Stimmen. Wir haben dennoch dicke Bretter zu bohren. Es ist endlich Zeit zu handeln, zumal das ja sowieso nur der Beginn einer neuen Politik sein kann", erklärt der Abgeordnete Dirk Heidenblut, drogenpolitischer Berichterstatter der SPD-Bundestagsfraktion.

Die Prohibition von Cannabis in Deutschland ist gescheitert. Sie kriminalisiert Konsumenten, begünstigt einen ausufernden Schwarzmarkt und überlastet Polizei und Justiz. In Modellprojekten soll gewillten Kommunen der Weg zu einer legalen und regulierten Abgabe von Cannabis ermöglicht werden. Ein regulierter Verkauf durch spezialisierte Abgabestellen, ein effektiver Jugendschutz und eine zertifizierte Produktqualität würden so den Schwarzmarkt aushöhlen, sowie Jugend- und Gesundheitsschutz verbessern.“

Dirk Heidenblut ist seit 2013 Mitglied des Deutschen Bundestages und für die SPD-Bundestagsfraktion Mitglied im Ausschuss für Gesundheit sowie im Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz. Er vertritt als direkt gewählter Abgeordneter den Essener Norden und Osten (Wahlkreis 119 - Essen II) in Berlin.

Presseschau: 3 Fragen an... (Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft)

Anlässlich der Veröffentlichung eines neuen umfangreichen Fachbuches mit dem Titel „Cannabis und Cannabinoide in der Medizin“ wurde die Vorsitzende der ACM, Professorin Dr. Kirsten Müller-Vahl zu Entwicklung des Cannabis als Medizin-Gesetzes interviewt.

3 Fragen an... (Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft)

Prof. Dr. Kirsten Müller-Vahl ist Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie und Oberärztin an der Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie an der Medizinische Hochschule Hannover. Ihr Forschungsschwerpunkt ist das Tourette-Syndrom; seit 1998 ist sie Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der „Tourette-Gesellschaft Deutschland e.V.“ (TGD). Zudem engagiert sich Müller-Vahl im Bereich "Cannabis als Medizin" auf nationaler und internationaler Ebene und ist Vorstandsmitglied der „Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin“ (ACM) sowie Vorsitzende der Internationalen Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin (IACM).

1. Wie hat sich die medizinische Nutzung von Cannabis und Cannabinoiden seit dem„Cannabis als Medizin“-Gesetz im Jahr 2017 entwickelt? Wie bewerten Sie das Gesetz nach zwei Jahren Test auf Praxistauglichkeit?

Das „Cannabis-als-Medizin-Gesetz“ hat uns hinsichtlich der Behandlungsmöglichkeiten mit Cannabinoiden einen großen Schritt nach vorne gebracht und die Verschreibung von Medizinalcannabisblüten und daraus hergestellten Extrakten ermöglicht. Die Tatsache, dass unter bestimmten Voraussetzungen die Kosten der Behandlung von der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) übernommen werden, ist einzigartig in Europa, stellt geleichzeitig aber auch einen Systembuch dar – da Kosten einer nichtzugelassenen Therapie von der GKV übernommen werden. Mit dem Gesetz wurde durch eine Versorgungslücke geschlossen, da PatientInnen, die von einer Behandlung mit Cannabis-basierten Medikamenten profitieren, schon heute eine solche Behandlung erhalten können und nicht Jahre warten müssen, bis aussagekräftige Studien vorliegen.

Die Tatsache, dass die Verschreibungszahlen für Cannabis-basierte Medikamente seit Inkrafttreten des Cannabis-Gesetzes bis heute kontinuierlich angestiegen sind, verdeutlicht, dass Cannabinoide mittlerweile ihren festen Platz in der ärztlichen Therapie schwerkranker PatientInnen gefunden haben. Nun müssen wir in den Indikationen, in denen aufgrund der vorliegenden Daten eine Wirksamkeit anzunehmen ist, möglichst schnell große kontrollierte Studien durchführen, um fundierte Aussagen zur Wirksamkeit und Verträglichkeit treffen zu können.

2. Trifft die Verschreibung von Cannabis und Cannabinoiden in der Praxis noch immer auf Vorbehalte? Wenn ja, wie kann mit diesen umgegangen werden?

Nach wie vor lehnen viele Kolleginnen und Kollegen eine Verschreibung von Cannabinoiden aus unterschiedlichen Gründen ab. So fühlen sich viele nicht ausreichend darüber informiert, wie überhaupt eine Verschreibung vorzunehmen ist. Andere fürchten den bürokratischen Aufwand durch die Beantragung der Kostenübernahme bei der Krankenkasse und die Teilnahme an der Begleiterhebung. Schließlich lehnen manche Ärztinnen und Ärzte eine off-label oder no-label-Behandlung ab und verweisen auf die schlechte Datenlage für die Mehrzahl der diskutierten Indikationen oder haben Sorge vor Nebenwirkungen und Abhängigkeit oder dass die Verschreibung für einen Freizeitkonsum missbraucht werden könne.

Mittlerweile werden zahlreiche, zum Teil auch CME-zertifizierte Weiterbildungen und Webinare zum Thema „Cannabis als Medizin“ angeboten. In der klinischen Praxis hat sich gezeigt, dass „der erste Patient“ der schwierigste und zeitaufwändigste ist, sich dann aber rasch eine Routine einstellt und der mit der Behandlung verbundene Aufwand gering ist. Sofern die Risiken, Kontraindikationen und Dosierungsempfehlungen beachtet werden, gelten Cannabis-basierte Medikamente als sehr sicher und allgemein gut verträglich. Im Rahmen einer ärztlich überwachten Therapie stellt das Eintreten einer Abhängigkeit kaum je ein Problem dar. Insofern stellen Cannabis-basierte eine Erweiterung des Behandlungsspektrums dar und sollten für Patienten dann in Betracht gezogen werden, wenn die im Sozialgesetzbuch V genannten Voraussetzungen für eine Kostenübernahme durch die GKV erfüllt sind: (i) Bestehen einer schweren Erkrankung, (ii) Fehlen einer Behandlungsalternative und (iii) Vorliegen einer nicht ganz entfernt liegenden Aussicht auf Erfolg.

3. Inwiefern unterscheiden sich die gewünschte Wirkung und Einnahmeform von Cannabis und Cannabinoiden bei medizinischem Gebrauch und Freizeitkonsum?

Grundsätzlich können auch mit ärztlich verordneten Cannabis-basierten Medikamenten Rauscheffekte erzielt werden, wie sie von Freizeitkonsumenten meist gezielt herbeigeführt werden. Allerdings werden derartige psychische Wirkungen von PatientInnen praktisch ausnahmslos als unerwünschte (Neben-)Wirkungen wahrgenommen und die Behandlung ansonsten entsprechend angepasst oder sogar wieder abgebrochen. Im Gegensatz zu Freizeitkonsumenten wünschen PatientInnen eine Linderung ihrer Krankheitssymptome – und dies idealerweise ohne Nebenwirkungen und Einschränkungen der Leistungsfähigkeit. Um dies zu erreichen, wird die Behandlung niedrig dosiert begonnen und nur langsam gesteigert. Dadurch tritt in aller Regel eine Toleranzentwicklung gegenüber unerwünschten physischen und psychischen Effekten ein wie Schwindel, Benommenheit und Müdigkeit. Auch die Einnahmeart unterscheidet sich oft: so bevorzugen viele PatientInnen eine orale Einnahme, die wegen des viel langsameren Anflutens der Cannabinoide im Blut nur selten zu Rauschzuständen führt.

Im November 2019 erschien das Werk Cannabis und Cannabinoide in der Medizin (Hrsg. Kirsten R. Müller-Vahl | Franjo Grotenhermen) bei der MWV. Das Werk stellt die erste umfassende Monografie zum Thema „Cannabis als Medizin“ in deutscher Sprache überhaupt dar und schließt damit eine Lücke.

Einige Pressemeldungen und Informationen der vergangenen Tage

Afrika will Führungsrolle bei Cannabis einnehmen (Ärzte Zeitung)

Medizinisches Cannabis für mehr Lebensqualität (Nachrichten für Südtirol)

Schritt zur Cannabis-Legalisierung? Hanfverband trifft neue Drogenbeauftragte (Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag)

Kann Cannabidiol doch ein BtM sein? (Deutsche-Apotheker-Zeitung)

ACM-Mitteilungen vom 19.11.2019

Liebe Leserin, lieber Leser,

Nach dem Weggang von Marlene Mortler (CSU), die in das EU-Parlament gewählt wurde, schlägt die neue Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig (CSU), erfrischende Töne an. Sie fordert eine neue Cannabis-Debatte. Man dürfe aktuelle Entwicklungen nicht einfach ausblenden. Dabei bezieht sie sich vor allem auf den Freizeitkonsum von Cannabis.

Das Verwaltungsricht Düsseldorf hat bestätigt, dass Patienten, die Cannabis aus medizinischen Gründen benötigen, am Straßenverkehr teilnehmen dürfen. Dies sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, denn schließlich fällt auch Cannabis unter die entsprechenden Vorgaben des § 24a Straßenverkehrsgesetz, nach dem vom Arzt verschriebene Medikamente von dem Verbot der Teilnahme am Straßenverkehr unter dem Einfluss von Drogen ausgenommen sind, so wie dies auch für Opiate und andere Medikamente gilt. Entscheidend ist, dass betroffene Patienten fahrtüchtig sind. Verschriebenes Cannabis fällt auch unter die Vorgaben der Fahrerlaubnisverordnung, nach der nur eine missbräuchliche Verwendung von Medikamenten die Fahreignung ausschließt.

Die neue Ausgabe der Zeitschrift „Rausch – Wiener Zeitschrift für Suchttherapie“ widmet sich dem Schwerpunkt Cannabis als Medizin. Dort findet sich auch eine Leseprobe. Mittlerweile interessiert sich auch die Bild-Zeitung für das Thema und hat mir für einen Artikel und eine kurze filmische Dokumentation einen Besuch abgestattet. Das Thema Cannabis als Medizin ist in der gesamten Bevölkerung angekommen.

Viel Spaß beim Lesen!

Franjo Grotenhermen

Fortbildungsveranstaltung

am 26. November 2019, 19.00 bis 20.30 Uhr, findet ein CME-zertifiziertes Webinar zum Thema "Cannabis und Cannabinoide – Einsatz bei chronischen Schmerzen" statt. Das Webinar richtet sich an Ärzte aller Fachrichtungen, Apotheker und PTA sowie an andere medizinische Gesundheitsberufe.
Referent: Prof. Dr. Dr. Joachim Nadstawek, Leiter der Schmerzmedizin, Universitätsklinikum Bonn.

Presseschau: Drogenbeauftragte fordert neue Cannabis-Debatte: „Unser Modell funktioniert nicht“ (Merkur)

Die neue Drogenbeauftragte der Bundesregierung schlägt neue Töne zum Thema Cannabis an. Eine konkrete Aussage zu möglichen Änderungen mit konkreten Verbesserungen fehlt bisher. Sie zeigt sich allerdings offen und will sich zunächst in die Thematik einarbeiten.

Drogenbeauftragte fordert neue Cannabis-Debatte: „Unser Modell funktioniert nicht“

Cannabis legalisieren, oder nicht? Die Drogenbeauftragte Daniela Ludwig (CSU) will sich ansehen, wie andere Länder mit Cannabis-Konsum umgehen.

Frau Ludwig, haben Sie schon einmal gekifft?

Nein, ich bin in solchen Dingen null neugierig und eher der vorsichtige Typ. Was ich über Cannabis weiß, ist abschreckend genug.

Trotzdem sagen Sie: Wir brauchen einen neuen Dialog über Cannabis.

Es laufen dazu sehr kontroverse Debatten. Gerne wird der Eindruck vermittelt, das Problem sei allein mit der Antwort auf die Frage zu lösen: Legalisierung – ja oder nein? Diese Frage wird dem Thema nicht gerecht.

Sondern?

Wir wissen, dass der frühe und regelmäßige Konsum von Cannabis schwere Gehirnschäden verursachen kann. Aber gleichzeitig sehe ich, dass Cannabis bei jungen Menschen die illegale Droge Nummer eins ist. Dem müssen wir uns stellen.

Das heißt?

Das allererste ist die Prävention. Wir erreichen junge Menschen überhaupt nicht. Wir brauchen mehr Youtube und Instagram und weniger Flyer. Da müssen wir uns dringend verbessern, weil Cannabis unterschätzt wird. Das zweite ist, einen offenen Dialog zu führen – nicht nur mit Jugendärzten, sondern auch mit dem Hanfverband.

Es gibt ein strenges Verbot, das offensichtlich nicht funktioniert.

Die Zahlen steigen erstmals wieder seit 2011, gerade bei jungen Menschen. Das besorgt mich wirklich. Jetzt gibt es die einen, die sagen, wir brauchen noch stärkere Repressionen. Die anderen wollen die komplette Freigabe.
Kann ein Kompromiss dazwischen liegen, etwa dass man auf Kleinstkonsumenten nicht die volle Härte des Gesetzes anwendet.

Zum heutigen Tag muss ich sagen: Ich weiß es noch nicht. Ich bin ein paar Wochen im Amt und will mir genau ansehen, wie andere Länder die Problematik regeln. Österreich, die Schweiz, Luxemburg und vor allem auch Portugal. Auch in meiner Fraktion kommen viele zu mir, die sagen, dass unser Modell nicht wirklich funktioniert.

Als Vater eines Teenagers bereitet mir vor allem Sorgen, wenn die Jugendlichen ihr Cannabis bei dem Dealer kaufen, der auch die harten Drogen hat.

So ist es. Ich weiß, in welchem Umfeld die Jugendlichen sich das Zeug kaufen. Das passt mir alles nicht. Deshalb dürfen wir als Politiker diese Entwicklungen nicht einfach ausblenden.

Das sind neue Töne für eine CSU-Drogenbeauftragte. Welche Reaktionen haben Sie bekommen?

Viele Kollegen sind dankbar, dass jemand das Thema offen anspricht. Auch sie kennen viele, die kiffen, und sagen: Wir sind nicht mehr zeitgemäß. International ist einiges in Bewegung geraten in Ländern, die nicht als große Liberalisierer gelten. Gleichzeitig gibt es weiter jene, die ein härteres Vorgehen fordern. Ich rede mit allen, ehe ich ein abschließendes Urteil habe.

Kiffer werden immer jünger, das Gras immer stärker: Welche Gefahren Cannabis, gerade für Jugendliche, birgt, erklärt ein Chefarzt für Suchtmedizin und Psychotherapie im Merkur.de*.

Bis zu vier Millionen konsumieren in Deutschland Cannabis. Und etwa neun Prozent aller 12- bis 17-Jährigen haben im vergangenen Monat gekifft, so ein Experte. Die CDU diskutiert nun: Wie künftig umgehen mit der Droge?

Presseschau: Große Meta-Analyse: Was bringen Cannabinoide gegen Depressionen, ADHS, Angststörungen und Co? (Medscape)

Über die Schwierigkeit, den medizinischen Wert von Cannabis bei psychiatrischen Erkrankungen einzuordnen, berichtet Medscape auf der Basis einer neuen Metaanalyse vorhandener Studien und eines Gesprächs mit Professorin Dr. Kirsten Müller-Vahl, der Vorsitzenden der ACM.

Große Meta-Analyse: Was bringen Cannabinoide gegen Depressionen, ADHS, Angststörungen und Co?

Hilft Cannabis bei Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörungen (ADHS), Depressionen oder Angststörungen? Offenbar lindern THC-haltige Medikamente zumindest die Symptome bei Patienten mit Angststörungen. Eine allerdings nur niedrige Evidenz dafür fanden Prof. Dr. Louisa Degenhardt vom australischen National Drug and Alcohol Research Centre in Sydney und Kollegen in ihrer jetzt in The Lancet Psychiatry erschienenen Metaanalyse [1].

Bei depressiven Patienten zeigte sich im Severity Measure of Depression (SMD) unter medizinischem Cannabis eine Verringerung von 0,25 Punkten (95%-KI: -0,49 bis -0,01).

Doch insgesamt fällt die Bilanz der Wissenschaftler – sie hatten 83 Studien mit 3.000 Teilnehmern zu Cannabis bei Depressionen, Angststörungen, ADHS, Psychosen, posttraumatischem Belastungssyndrom (PTBS) und Tourette-Syndrom ausgewertet – ernüchternd aus: Von der Symptomverbesserung bei Angststörungen abgesehen lasse sich aus den untersuchten Studien nicht ableiten, dass Cannabis-haltige Mittel eine über den Placeboeffekt hinausgehende positive Wirkung bei den genannten Erkrankungen hätten.

Und eine einzelne Studie deutet darauf hin, dass THC-haltige Medikamente bestehende Psychosen sogar verschlimmern können.

Cannabis-Verordnung: Gefundene Evidenz reicht nicht aus

Die gefundene Evidenz bezeichnen Degenhardt und Kollegen als „nicht ausreichend”. Sie kommen zu dem Schluss, dass aufgrund nicht vorhandener Evidenz – und wegen der Risiken von Cannabinoiden – „die Verwendung von Cannabinoiden bei psychischen Erkrankungen nicht gerechtfertigt werden kann”.

„Eine gute und wirklich umfangreiche Übersichtsarbeit, wenngleich sie wenig Neues liefert – dass die Datenlage zu Cannabinoiden nicht gut ist, ist ja bekannt”, kommentiert Prof. Dr. Kirsten Müller-Vahl, Oberärztin der Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie der Medizinischen Hochschule Hannover, die Ergebnisse im Gespräch mit Medscape.

Prof. Dr. Kirsten Müller-Vahl

„Dass diese umfangreiche Analyse gemacht wurde, finde ich sehr gut. Ich sehe aber auch die Gefahr, dass die subjektive Perspektive der Autoren – auch in Metaanalysen ist die Wertung der Daten immer subjektiv – übersehen wird. Tatsächlich zeigen die Autoren auf, dass die Datenlage sehr dünn ist. Ich fürchte allerdings, dass das so gelesen und verstanden wird, als ob Cannabinoide nicht wirken”, erklärt Müller-Vahl.

Identische Studien – unterschiedliche Bewertung

Dass auch Metaanalysen nicht so objektiv sind, wie man glaubt, zeigt ein Vergleich der aktuellen Arbeit mit der 2015 im JAMA erschienenen Metaanalyse von Dr. Penny Whiting und Kollegen. Während die Studien zum Tourette-Syndrom bei Degenhardt und Kollegen gepoolt wurden und die Autoren hier keine Aussagen zur Evidenz treffen, wurden dieselben Veröffentlichungen von Whiting und Kollegen anders gewertet: Sie fanden eine Evidenz von niedriger Qualität (low quality evidence), dass Cannabinoide mit einer Verbesserung beim Tourette-Syndrom verbunden waren.

Presseschau: Juristisches Neuland: Patient darf unter Cannabis-Einfluss Auto fahren (Neue Osnabrücker Zeitung)

Wie andere Patienten, die mit Medikamenten behandelt werden, die die psychomotorische Leistungsfähigkeit beeinträchtigen können, dürfen auch Cannabis-Patienten am Straßenverkehr teilnehmen. Dies entschied das Verwaltungsgericht Düsseldorf. Es ist nicht das erste Gericht, das ein solches Urteil gefällt hat.

Juristisches Neuland": Patient darf unter Cannabis-Einfluss Auto fahren

Düsseldorf. Autofahren unter Drogeneinfluss? In Deutschland gibt es dahingehend strikte Regeln und entsprechende Strafen bei Missachtung – am Düsseldorfer Verwaltungsgericht wurde nun ein Urteil gesprochen, das für Diskussionsstoff sorgt.

Ein 35-Jähriger Handwerker, der aus medizinischen Gründen Cannabis verordnet bekommt, darf trotzdem Auto fahren. Das entschied das Düsseldorfer Verwaltungsgericht am Donnerstag. Der Rhein-Kreis-Neuss wurde verpflichtet, ihm einen Führerschein auszustellen.

Ein Gutachter hatte dem Kläger aus Dormagen die volle Fahrtüchtigkeit unter Cannabiseinfluss attestiert - sogar für Lastwagen. Die Entscheidung sei aber kein Freibrief für Cannabispatienten, sich ans Steuer zu setzen, betonte der Richter. Richter Dr. Stuttmann sprach laut Bild-Zeitung von „juristischem Neuland“, da bundesweit zuvor noch kein Gericht in einem „Hauptsacheverfahren“ so entschieden habe.

Individuelle Prüfung bei entsprechenden Fällen

Jeder Fall müsse einzeln geprüft werden. Das Düsseldorfer Verwaltungsgericht habe damit erstmals einen solchen Fall in einem Hauptsacheverfahren entschieden. Bislang habe es nur Eilentscheidungen gegeben. Gegen die Entscheidung kann der Kreis Neuss beim Oberverwaltungsgericht Münster in Berufung gehen (Az.: 6 K 4574/18).

Bekifft am Steuer – Führerschein nicht automatisch weg

Sofern sich Autofahrer nach dem Konsum von Alkohol, Cannabis oder anderen Drogen fahruntauglich ans Steuer setzen, wird der Führerschein normalerweise eingezogen. Laut eines Urteils des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig aus dem Frühjahr 2019 führt eine einmalige Autofahrt unter Cannabiseinfluss allerdings nicht mehr automatisch dazu, dass dies passiert. Stattdessen müssen die Fahrerlaubnisbehörden zunächst eine medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) anordnen Der THC-Grenzwert für Autofahrer liegt bei einem Nanogramm Tetrahydrocannabinol (THC) je Milliliter Blutserum.

Drogen- und Suchtbericht 2019

Der neue Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung befasst sich auch mit dem Thema Cannabis als Medizin und insbesondere dem Gesetz aus 2017.

Drogen- und Suchtbericht 2019

Mit dem am 10. März 2017 in Kraft getretenen Gesetz zur Änderung betäubungsmittelrechtlicher und anderer Vorschriften können Cannabis-arzneimittel (getrocknete Blüten und Extrakte) im Einzelfall als Therapiealternative bei schwerwie-genden Erkrankungen eingesetzt werden. Die beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizin-produkte (BfArM) angesiedelte Cannabisagentur hat im Mai 2019 das Vergabeverfahren für den Anbau und die Lieferung von Medizinalcannabis in Deutschland erfolgreich abgeschlossen. Vergeben wurden 13 Lose mit insgesamt 10.400 kg Cannabis, verteilt auf vier Jahre mit jeweils 2.600 kg. Das BfArM erwartet die erste Ernte für das vierte Quartal 2020. Die Versorgung mit Medizinalcannabisblüten in kontrollierter Qualität erfolgt bis dahin weiterhin durch Importe. Derzeit wird Medizinalcannabis aus den Niederlanden und Kanada importiert.

Eine erste Auswertung der Daten, die Ärztinnen und Ärzte aufgrund des Gesetzes an das BfArM melden müssen, hat gezeigt, dass vor allem Schmerz-patienten im Alter von 50 bis 59 Jahren mit Medi-zinalcannabis behandelt werden. 69 Prozent der Patientinnen und Patienten wurden wegen des Symptoms Schmerzen und elf Prozent wegen einer Spastik behandelt. In acht Prozent der Fälle wurde Medizinalcannabis aufgrund einer Anorexie/ungewollten Gewichtsabnahme verordnet. Bei 22 Prozent der Patientinnen und Patienten bestand eine Tumorerkrankung. In den meisten Fällen wurde das Cannabisarzneimittel Dronabinol (63 Prozent) verordnet. In zwölf Prozent der Fälle erfolgte die Behandlung mit dem Cannabismund-spray Sativex®, in 23 Prozent der Fälle wurde die Behandlung mit Cannabisblüten durchgeführt. Es werden auch die Nebenwirkungen der Behandlung mit Medizinalcannabis erfasst. Als häufigste Neben-wirkungen werden Müdigkeit (15 Prozent), Schwin-del (elf Prozent) und Übelkeit (sieben Prozent) genannt. Zudem kann es auch zu Schläfrigkeit (sieben Prozent), Aufmerksamkeitsstörungen (sechs Prozent) und Gleichgewichtsstörungen (vier Prozent) kommen

(….)

Presseschau: Arzt erklärt: DAS müssen Sie für ein Cannabis-Rezept tun (Bild)

Die Bild-Zeitung befasst sich in einem ausführlichen Artikel und einem filmischen Beitrag mit der medizinischen Verwendung von Cannabis in Deutschland.

DAS müssen Sie für ein Cannabis-Rezept tun

Cannabis war für Manuel Raff (25) als Jugendlicher eine Teufelsdroge: Damals wusste der Morbus-Crohn-Patient noch nicht, dass ausgerechnet Cannabis die einzige Rettung im Kampf gegen seine chronische Krankheit ist.

Seit 2017 ist er einer von vielen Cannabis-Patienten in Deutschland.

In BILD erklärt Dr. Franjo Grotenhermen, Privatarzt und Experte für medizinisches Cannabis, wem die Heilpflanze helfen kann, wie es wirkt und was Sie für ein Cannabis-Rezept tun müssen!....

Cannabis war für Manuel Raff (25) als Jugendlicher eine Teufelsdroge: Damals wusste der Morbus-Crohn-Patient noch nicht, dass ausgerechnet Cannabis die einzige Rettung im Kampf gegen seine chronische Krankheit ist.

Sieben Jahre lang versuchten die Ärzte ihn mit zahlreichen Therapien zu behandeln, doch nichts half. Bis er 2016 Cannabis für sich entdeckte. Seit 2017 ist er Cannabis-Patient – und die Krankenkasse zahlt!

Mit medizinischem Cannabis hat sich Manuel Raff zurück ins Leben gekämpft. Auf seinem Blog „Heal-nature“ und auf seinem Youtube-Kanal berichtet er über seine Krankheit, gibt Betroffenen Tipps und Ratschläge

Cannabis auf Rezept – so geht's
BILD erklärt, wie Sie Cannabis auf Rezept verschrieben bekommen und gegen welche Beschwerden die Heilpflanze wirklich helfen kann.

Sehen Sie außerdem mit BILDplus die große Dokumentation „Cannabis – die berauschende Zukunft der Medizin?“ und erhalten exklusiven Einblick in eine Cannabis-Plantage.

(…)

Einige Pressemeldungen und Informationen der vergangenen Tage

Medizinalcannabis: „Aus einem Millionenmarkt wird ein Milliardenmarkt“ (Wallstreet:online)

Cannabis-Marktforschungsbericht: Marktanalyse zu den künftigen Wachstumsperspektiven und Markttrends von den Wettbewerbern übernommen, Regionen mit Prognose bis 2024 (TheCoinGossip)

Medizinisches Cannabis: Krombacher-Chef investiert (Westfalenpost)

Mann hat trotz Einnahme von medizinischem Cannabis Anspruch auf Führerschein (Welt)

Cannabis: Mit dem THC-Gehalt steigt das Psychoserisiko (Medical Tribune)

Soll gegen Schmerzen helfen Wie das Cannabis-Mittel CBD wirkt (Berliner-Zeitung)

Hilft Cannabis bei Depression, ADHS oder Angst? (Spiegel Online)

„Cannabis ist für mich ein
kleines Wunder“
(Bild)

Welche Cannabis-Produkte legal sind – und welche nicht – Quelle: https://www.svz.de/26240932 ©2019 (Schweriner Volkszeitung)

ACM-Mitteilungen vom 10. Oktober 2019

Liebe Leserin, lieber Leser

in diesem Newsletter weisen wir auf zwei Forschungsvorhaben hin, in der es um die Situation von PatientInnen geht, die Cannabis aus medizinischen Gründen verwenden.

Das Institut für Rechts- und Verkehrsmedizin der Universität Heidelberg sucht Probanden zum Thema Cannabis als Medizin und Fahreignung. Die Teilnehmer erhalten bei einer normalen Fahrleistung eine Bescheinigung, die beispielsweise bei einer Polizeikontrolle hilfreich sein kann. Die ersten Teilnehmer haben die Studie bereits absolviert und die Tests gut bestanden. Wir hatten bereits auf der ACM-Facebook Seite auf die Studie hingewiesen.

Das Zentrum für Interdisziplinäre Suchtforschung am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf möchte einen Fragebogen entwickeln, der die Situation von Patienten erfassen soll, die Cannabis aus medizinischen Gründen benötigen und sich in unterschiedlichen Stationen befinden können. Es können sowohl Patienten teilnehmen, die keinen Arzt finden, solche, die bereits einen Rezept erhalten, und auch solche, die keine Kostenübernahme durch ihre Krankenkasse erhalten.

Viel Spaß beim Lesen!
Franjo Grotenhermen

Das Zentrum für Interdisziplinäre Suchtforschung am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf sucht Teilnehmer für eine Patientenbefragung

Teilnehmende gesucht für eine Erprobung der Patientenfragebögen zum Thema: Medizinisches Cannabis
– Werden Ihnen zur Zeit Cannabis-Arzneimittel ärztlich verschrieben?
– Ist Ihr Antrag auf eine Behandlung mit Cannabis-Arzneimittel abgelehnt worden?
– Sind Sie auf der Suche nach einem Arzt/einer Ärztin, der/die Ihnen Cannabis-Arzneimittel verschreibt?

Wenn Sie eine der Fragen mit ja beantworten können, würden wir uns sehr freuen, wenn Sie uns bei der Vortestung eines Fragebogens unterstützen würden.

Im Rahmen eines Projekts des Drogenreferats der Stadt Frankfurt am Main möchte das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf Patientinnen und Patienten zu diesem Thema befragen.
Das Ziel der Befragung ist, etwas über die Erfahrungen und Probleme mit dem neuen Verschreibungsverfahren herausfinden.

Schreiben Sie uns zwecks Terminvereinbarung (in Hamburg) unter med-can@zis-hamburg.de eine Mail unter oder rufen Sie uns unter der 040 7410 - 54589 an.
Für die Teilnahme an einem Interview erhalten Sie 20 EURo.

Ansprechpartnerin:
Kirsten Lehmann, MA
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Zentrum für Interdisziplinäre Suchtforschung der Universität Hamburg
Martinistraße 52
Gebäude West 37
20246 Hamburg
Telefon: +49 (0)40 7410-54589
Fax: +49 (0)40 7410-55121
k.lehmann@uke.de
www.uke.de
www.zis-hamburg.de

Institut für Rechts- und Verkehrsmedizin Heidelberg sucht Probanden zum Thema Cannabis als Medizin und Führerschein

Am Institut für Rechts- und Verkehrsmedizin des Universitätsklinikums Heidelberg wird eine Studie durchgeführt zum Thema:

„Untersuchung des Fahrverhaltens unter dem Einfluss von medizinisch verordnetem Cannabis“
Ziel der Studie ist es, das Fahrverhalten von Cannabispatienten im Rahmen einer standardisierten Fahrverhaltensbeobachtung im realen Straßenverkehr zu untersuchen. Dabei soll zum einen geprüft werden, ob sich deren Fahrverhalten vom Fahrverhalten von alters-vergleichbarer Personen ohne Cannabis unterscheidet. Zum anderen soll untersucht werden, ob diese Patienten die Leistungskriterien zur Frage der Fahreignung erfüllen.

Die Studienteilnehmer erhalten eine Aufwandsentschädigung von 40 €. Bei Interesse haben die Teilnehmer zudem die Möglichkeit, Rückmeldung darüber zu erhalten, ob sie die Leistungskriterien für die Fahreignung erfüllen.

Ein Teilnehmer berichtete im Verteiler des SCM (Selbsthilfenetzwerk Cannabis Medizin) der ACM:

„(…) Um 10 Uhr wurde ich aufgeklärt, dass alles anonymisiert ist, und dann folgte eine Befragung zu meiner medizinischen Verordnung und Diagnosen. Dann eine klassische Fahrschulfahrt mit Fahrlehrer und Dr. Strohbeck-Kühner im Fahrzeug für ca. 1 Stunde. Danach Pupillenreaktionstest, Kreiseltest und Blutabnahme. Nach ca. 2 Stunden am Ende wurde mir mitgeteilt dass ich keine Fahrauffälligkeiten gezeigt habe und angehängtes Schreiben ausgestellt.“:

Herr XY „hat als Proband der Studie „Untersuchung des Fahrverhaltens unter dem Einfluss von medizinisch verordnetem Cannabis“ des Instituts für Rechts- und Verkehrsmedizin des Universitätsklinikums Heidelberg teilgenommen. Im Rahmen dieser Studie hat er an einer standardisierten Fahrverhaltensbeobachtung über eine Zeitdauer von sah 1 Stunde teilgenommen und im Rahmen dieser Fahrverhaltensbeobachtung ergaben sich keine nennenswerten Auffälligkeiten.“

Kontaktdaten:
Falls Sie Interesse haben, an der Studie teilzunehmen oder weitere Informationen zu erhalten, können Sie sich hier melden:
Dr. Peter Strohbeck-Kühner
Institut für Rechts- und Verkehrsmedizin
Universitätsklinikum Heidelberg
Voßstr. 2, Geb. 4420
69115 Heidelberg
Tel.: 062215689-54 oder 062215689-51
Oder am besten per mail: peter.strohbeck@med.uni-heidelberg.de

Mehr Informationen auch über die ACM: info@cannabis-med.org

Presseschau: Deutsche bei medizinischem Cannabis aufgeschlossen (Statista)

Nach einer Analyse wird die medizinische Verwendung von Cannabis in Deutschland Allgemeingut akzeptiert. Auf der Seite von Stastita findet sich eine Grafik, die dies auch bildlich gut abbildet.

Deutsche bei medizinischem Cannabis aufgeschlossen

Seit März 2017 ist Cannabis in Deutschland legal sofern es aus staatlich kontrolliertem Anbau beziehungsweise Importen stammt. In Deutschland ist ärztlich verschriebenes medizinisches Cannabis weitgehend akzeptiert, wie eine Umfrage des Statista Global Consumer Survey zeigt. Demnach würde sich jeder zweite Befragte damit behandeln lassen. Ähnlich viele halten es für eine gute Alternative zu traditionellen medizinischen Produkten. Immerhin 29 Prozent sagen sogar, dass Cannabis für jeden legal sein sollte. Im vergangenen Jahr sind allein bei TK, AOK und Barmer mehr als 18.000 Anträge auf Kostenerstattung von Cannabis als Medizin eingegangen. Aber längst nicht jeder Antrag wird bewillig. Schuld daran ist, dass zu wenig medizinisches Cannabis verfügbar ist. Laut einem Bericht auf tagesschau.de beziehen in diesem Jahr schätzungsweise etwa 15.000 Patienten cannabinoide Wirkstoffe.

Einige Pressemeldungen und Informationen der vergangenen Tage

Juristische Fallstricke (Pharmazeutische Zeitung)

Liberalisierung von Cannabis in der Medizin (European News Agency)

Fünf SPD-Duos sehen Cannabis unverkrampft (N-TV)

Lörracher Suchttherapeut: "Die Entkriminalisierung von Cannabis wäre ein Anfang" (Badische Zeitung)

Cannabis verfärbt die Stimmbänder (Medical Tribune)

Demecan: Kapital für Cannabis-Anbau in Deutschland (Wirtschaftswoche)

ACM-Mitteilungen vom 22. September 2019

Liebe Leserin, lieber Leser,

nachdem die bisherige Drogenbeauftragte der Bundesregierung Marlene Mortler (CSU) in das EURopäische Parlament gewählt wurde, hat die Bundesregierung in der vergangenen Woche eine neue Drogenbeauftragte benannt: Daniela Ludwig (CSU) aus Rosenheim.

Der Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums weist in einem auf YouTube veröffentlichten Video auf eine etwas unglückliche Weise darauf hin, dass Frau Ludwig bisher keine Erfahrung in diesem Bereich habe, dies habe aber auch bereits für frühere Drogenbeauftragte gegolten. Das hat zu einiger Häme in den sozialen Medien geführt. Allerdings zeigte sie sich in einem Interview am 18. September 2019 im Bayerischen Rundfunk offen für einen Dialog mit allen Beteiligten. Der Beitrag ist bis zum 25. September 2019 online. Es ist zu begrüßen, dass sie nicht mit fertigen Botschaften und Positionen auftritt, sondern sich erst einmal unvoreingenommen in die Thematik einarbeiten möchte. Der ACM-Vorstand wird dieses Angebot zum Dialog aufgreifen und den Kontakt zu ihr suchen.

Mit Beginn des Verkaufes von Medizinalcannabis in den Apotheken verdient nun auch der Staat die ersten Millionen an Steuergeldern.

In der Schweiz gibt es einen Ruf nach Einrichtung eines Lehrstuhls für medizinische Cannabisforschung. Die Stadt Frankfurt fördert eine Studie der Universität zur Frage der Selbstmedikation mit Cannabis. Die Organisatoren laden alle Patienten herzlich zur Teilnahme ein.

Viel Spaß beim Lesen!

Franjo Grotenhermen

Online-Befragung zur Selbstmedikation mit Cannabis

Das Zentrum für Drogenforschung des Instituts für Sozialpädagogik und Erwachsenenbildung der Universität Frankfurt führt eine Umfrage zu Selbstmedikation mit Cannabis durch. Das Projekt wird von der Stadt Frankfurt gefördert, sodass auch der Schwerpunkt in Frankfurt liegt. Die Umfrage steht jedoch allen Patienten offen, die sich selbst mit Cannabis behandeln.

In der Einladung heißt es:

"In dieser Befragung geht es um Selbstmedikation mit Cannabis, welche Beschwerden damit behandelt werden und wie das verwendete Cannabis bezogen wird. Außerdem sind Fragen enthalten, die Ihre Meinung zur Verschreibung von Cannabis-Arzneimitteln betreffen.

Die Teilnahme an der Umfrage ist freiwillig und komplett anonym, es werden keine persönlichen Daten gespeichert.

Je nachdem, welche Antworten Sie geben, werden sie eventuell auf die Möglichkeit zur Teilnahme an einer vertiefenden Face-to-Face-Befragung hingewiesen.

Die Erhebung wird von der Stadt Frankfurt am Main gefördert, daher liegt der Schwerpunkt des Interesses bei den Konsumentinnen und Konsumenten in Frankfurt a. M., die Teilnahme steht jedoch allen offen, die Erfahrung mit Cannabis-Selbstmedikation haben.

Das Ziel der Erhebung ist, die Verschreibungspraxis von Cannabis als Medizin zu verbessern, die behandelnden Ärztinnen und Ärzte für die Belange der Konsumentinnen und Konsumenten bzw. Patientinnen und Patienten zu sensibilisieren und damit den legalen Zugang zu Cannabis als Medizin zu erleichtern.“

Presseschau: Medizinisches Cannabis bringt dem Staat Millionen (Fuldainfo)

Der Staat hat im Jahr 2018 13,3 Millionen € ein Umsatzsteuer durch den Verkauf von medizinischem Cannabis eingenommen. Tendenz steigend.

Medizinisches Cannabis bringt dem Staat Millionen

Der Staat hat 2018 durch medizinisches Cannabis laut einer Hochrechnung des Apotheker-Spitzenverbandes fast 13,3 Millionen EURo Umsatzsteuer eingenommen. “Der Bedarf an medizinischem Cannabis steigt und steigt. Das freut den Fiskus natürlich, weil die Staatskasse klingelt”, sagte der FDP-Bundestagsabgeordnete Markus Herbrand dem “Spiegel”. Insgesamt wurden in Deutschland im vorigen Jahr 83 Millionen EURo brutto damit umgesetzt. Herbrand hatte die Berechnungen der Apotheker-Spitzenvereinigung angestoßen, nachdem das Finanzministerium ihm keine genauen Zahlen nennen konnte. In Deutschland darf medizinisches Cannabis seit März 2017 auf Rezept verordnet werden. Derzeit wird es unter anderem aus Großbritannien, Kanada und den Niederlanden importiert. Ende 2020 soll laut Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte erstmals in Deutschland geerntet werden. Im laufenden Jahr könnten die Einnahmen durch Cannabis noch höher liegen als 2018: Bis Ende Juni sind den Verbandsberechnungen zufolge bereits Cannabis-Medikamente für rund 52 Millionen EURo importiert worden.

Presseschau: Grosser Rat fordert Lehrstuhl für medizinische Cannabisforschung (Bluewin, Schweiz)

Es hapert bisher mit der Ausbildung von Medizinstudenten, wenn es um das Endocannabinoidsystem und die medizinische Verwendung von Cannabis geht. Der Schweiz gibt es nun einen ersten Vorstoß, dies zu ändern.

Grosser Rat fordert Lehrstuhl für medizinische Cannabisforschung

Die Berner Regierung soll sich bei der Universität Bern für einen Lehrstuhl für medizinische Cannabisforschung einsetzen. Dies hat das Kantonsparlament per Motion beschlossen.

Der Grosse Rat überwies am Mittwoch diskussionslos einen überparteilichen Vorstoss mit der Forderung nach Schaffung einer Professur im Bereich der medizinischen Cannabisforschung.

Die Cannabispflanze habe bis in die 1950-er Jahre in der Medizin einen hohen Stellenwert gehabt, schreiben die Motionäre von EDU, SP, SVP, BDP und Grünen. Wegen der berauschenden Wirkung des Tetrahydrocanabinols, kurz THC, sei der Hanf aber in Verruf geraten.

Heute kreise praktisch jede Diskussion im Zusammenhang mit Cannabis um die Legalität von THC. Dabei gehe vergessen, dass THC nur eines von über hundert Cannabinoiden sei.

Die Regierung zeigte sich in ihrer schriftlichen Antwort dem Anliegen gegenüber offen, verwies jedoch auf die Zuständigkeit der Universität zur Schaffung von Professuren. Die Regierung könne die Universität höchstes bitten, den Vorschlag zu prüfen.

Klar machte die Regierung in ihrer schriftlichen Antwort auch, dass die Staatsbeiträge an die Universität nicht erhöht werden können. Die Universität müsste also den Ausbau im Forschungsgebiet Cannabis durch eine Umverteilung der Mittel vollziehen.

Einige Pressemeldungen und Informationen der vergangenen Tage

Ist medizinisches Cannabis auf dem Vormarsch? Was Ärzte und Apotheker dazu sagen(Südkurier)

Regierungsrat ist für die Legalisierung von Medizin-Hanf (Südostschweiz)

Cannabis-Tropfen als Ansatz bei Augenschmerz (Ärztezeitung)

Cannabis als Medizin? Parteien fordern sichere Versorgung in Dortmund (RUHR24)

ACM-Mitteilungen vom 08. September 2019

Liebe Leserin, lieber Leser,

die vom Bundestag am 6. Juni 2019 beschlossenen Änderungen des Cannabis als Medizin-Gesetzes sind nun in Kraft getreten. Sie wurden am 9. August im Bundesgesetzblatt im Rahmen des GSAV (Gesetz zu mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung veröffentlicht. Die Ärztezeitungberichtete am 15. August.

Auf Seite 1211 heißt es im Bundesgesetzblatt zur Änderung des § 31 Abs. 6 SGB V, die die Kostenübernahme bei Medikamenten auf Cannabisbasis reguliert, kurz formuliert:

„Absatz 6 wird wie folgt geändert:

aa) In Satz 3 werden nach der Angabe "§ 37b" die Wörter "oder im unmittelbaren Anschluss an eine Behandlung mit einer Leistung nach Satz 1 im Rahmen eines stationären Krankenhausaufenthalts" eingefügt.

bb) Nach Satz 3 wird der folgende Satz eingefügt:
„Leistungen, die auf der Grundlage einer Verordnung einer Vertragsärztin oder eines Vertragsarztes zu erbringen sind, bei denen allein die Dosierung eines Arzneimittels nach Satz 1 angepasst wird oder die einen Wechsel zu anderen getrockneten Blüten oder zu anderen Extrakten in standardisierter Qualität anordnen, bedürfen keiner erneuten Genehmigung nach Satz 2."

Dies bedeutet, dass nach einem stationären Krankenhausaufenthalt die Krankenkassen innerhalb von 3 Tagen über einen Kostenübernahmeantrag eines niedergelassenen Ärzte entscheiden müssen. Zudem muss kein neuer Antrag gestellt werden,
– wenn die Dosierung eines Arzneimittels angepasst werden muss,
– wenn zwischen verschiedenen Blütensorten gewechselt werden soll, oder
– wenn zwischen verschiedenen Extrakten gewechselt werden soll.

Ein neuer Antrag an die Krankenkasse ist jedoch weiterhin notwendig, wenn zwischen Extrakten und Medizinalcannabisblüten gewechselt werden soll.

Am 21. August 2019 teilte die Bundesopiumstelle mit, dass der Behörde urlaubsbedingt ein Fehler bei der Beantwortung der Frage unterlaufen ist, was zu tun ist, wenn während der Begleiterhebung ein Arztwechsel stattfindet. Die korrigierte Antwort findet sich hier in den ursprünglichen ACM-Mitteilungen vom 10. August 2019.

Auch Wikipedia enthält nun eine Liste der in Deutschland erhältlichen Cannabissorten.

Viel Spaß beim Lesen!
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Franjo-Grotenhermen

Unterstützung der ACM durch Firmen

Es gibt einige Firmen, die die ACM als Sponsor unterstützen. Das kann eine direkte finanzielle Unterstützung sein oder auch die Verwendung unseres Cannabisausweises. Zudem wollen wir eine Liste erstellen, bei denen ACM-Mitglieder Rabatte auf ihre Produkte erhalten. Dazu gehören beispielsweise Storz & Bickel für Vaporizatoren sowie das Unternehmen Hanf-Zeit für CBD-Produkte. Wenn Sie ebenfalls ACM-Mitgliedern Rabatte auf Ihre Produkte geben möchten, so melden Sie sich bitte bei der ACM unter info@cannabis-med.org. Wir erstellen demnächst eine ausführliche Liste dieser Firmen auf unserer Webseite (www.arbeitsgemeinschaft-cannabis-medizin.de), die wir kontinuierlich verbessern.

Gesundheitsdezernat Frankfurt und Universitätsklinik Hamburg suchen Patienten aus dem Raum Frankfurt für ein Projekt

Im Rahmen eines Projekts des Gesundheitsdezernats der Stadt Frankfurt am Main möchte das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf Patientinnen und Patienten zu diesem Thema befragen.
Das Ziel der Befragung ist, etwas über die Erfahrungen und Probleme mit dem neuen Verschreibungsverfahren herausfinden.

- Werden Ihnen zur Zeit Cannabis-Arzneimittel ärztlich verschrieben?
- Ist Ihr Antrag auf eine Behandlung mit Cannabis-Arzneimittel abgelehnt worden?
- Sind Sie auf der Suche nach einem Arzt/einer Ärztin, der/die Ihnen Cannabis-Arzneimittel verschreibt?

Wenn Sie eine der Fragen mit ja beantworten können, würden wir uns über eine Teilnahme an der Befragung freuen. Bitte kontaktieren Sie uns per Mail:
med-can@zis-hamburg.de oder rufen Sie uns an unter 040 7410 - 54573.
Für die Teilnahme an einem Interview erhalten Sie eine Aufwandsentschädigung von 20 EURo.
Wenn Sie Personen kennen, die bereits Cannabisarzneimittel bekommen oder sich momentan darum bemühen, freuen wir uns, wenn Sie diese auf die Studie und die Befragung aufmerksam machen würden. Wir danken Ihnen!

Einige Pressemeldungen und Informationen der vergangenen Tage

Cannabis sativa: Nutzung und rechtlicher Status (Deutsche Apotheker Zeitung)

Medizin statt Party-Kiffen (Aichacher Zeitung)

Cannabis für den Weltmarkt (Süddeutsche Zeitung)

Cannabis in Japan: ein Überblick über den Umgang mit der Droge (Sumikai)

Warum Cannabis in der Medizin so wichtig ist (Reutlinger General-Anzeiger)

ACM-Mitteilungen vom 10. August 2019

Liebe Leserin, lieber Leser,

das Landessozialgericht Hamburg hat am 2.4.2019 die Einschätzung der behandelnden Ärzte gegenüber den Gutachtern der Krankenkasse gestärkt, wenn es um eine Kostenerstattung für Medikamente auf Cannabisbasis geht. Es ging dabei um einen MS-Kranken, der von Cannabisblüten profitierte, jedoch nicht von dem Cannabisextrakt Sativex. Der Gutachter der Krankenkasse hielt es für unwahrscheinlich, dass Cannabisblüten wirksam sein könnten, wenn Sativex nicht wirke. Die behandelnden Ärzte hatten jedoch einen anderen Eindruck. Das Landessozialgericht gab dem Patienten recht und die Krankenkasse muss die Behandlung im Rahmen einer einstweilige Verfügung bezahlen.

Am 7. August 2019 gab es in den Tagesthemen einen Beitrag um Thema Cannabis als Medizin, in dem auch 3 Ärzte (Dr. Peter Hess, Dr. Oliver Emrich und ich) zu Wort kamen. Dr. Emrich behauptete in seinem Beitrag, dass eine Ausstellung von Privatrezepten nicht zulässig sei, wenn die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für eine Therapie ablehnen. Er verwies in diesem Zusammenhang auf § 13 Betäubungsmittelgesetz, der besagt, dass die Rezeptierung von Betäubungsmitteln durch Ärzte begründet sein müsse. Der Einsatz ist nicht begründet, wenn der beabsichtigte Zweck auf andere Weise erreicht werden kann.

Wir hatten uns in den ACM-Mitteilungen bereits ausführlich mit dieser Thematik befasst („Wann dürfen Ärzte Cannabis-Medikamente verschreiben?“) und dazu Oberstaatsanwalt Jörn Patzak, Kommentator des Betäubungsmittelgesetzes befragt. Dieser sieht die Rechtslage anders.

Selbstverständlich dürfen Ärzte Cannabis-Medikamente auf Privatrezepten auch an Kassenpatienten verschreiben, wenn ihr Einsatz begründet ist. Der MDK der Krankenkassen ist schließlich nicht die maßgebliche Stelle, die über eine zulässige Verschreibung nach dem Betäubungmittelgesetz entscheidet, sondern nur über die Kostenübernahme. Häufig werden Kostenübernahmen abgelehnt, weil nicht ausreichende Studien bei einer konkreten Indikation vorliegen, oder Krankenkassen betrachten eine Erkrankung nicht als schwerwiegend. Wenn ihr Einsatz in solchen Fällen begründet ist, können Cannabismedikamente verschrieben werden.

Es ist bedauerlich, wenn sich Ärzte mit begrenztem juristischen Sachverstand öffentlich zu juristischen Themen äußern, die von erfahrenen Juristen anders beurteilt werden. Sie fügen damit ihren Kolleginnen und Kollegen unverantwortlich einen Schaden zu, da diese dadurch verunsichert werden könnten, wenn sie nicht anderweitig korrekt informiert wurden.

Viel Spaß beim Lesen!
Franjo Grotenhermen

Verstärkung im ACM-Büro gesucht

Die ACM wächst. Daher suchen wir für unser ACM-Büro eine Bürokraft zur Verstärkung des Teams vor Ort in Steinheim. Die anfallenden Arbeiten umfassen eine Vielzahl von Bürotätigkeiten, inklusive Mitgliederbetreuung, Betreuung von Sponsoren und Beratung.

Wir wünschen uns: Erfahrung in Bürotätigkeiten, gute Deutschkenntnisse in Wort und Schrift, freundliches Auftreten, Nichtraucher.

Wir bieten: ein Bruttomonatsgehalt von 2500 EUR und je nach Qualifikation darüber, ein angenehmes Arbeitsumfeld, eine erfüllende, interessante und abwechslungsreiche Tätigkeit sowie eine
Unterstützung bei der Wohnungssuche. Eine Tätigkeit mit reduzierter Stundenzahl ist möglich.

Bitte schicken Sie eine aussagekräftige Bewerbung an info@cannabis-med.org

Ich freue mich auf Ihre Bewerbung!
Franjo Grotenhermen

Wer ist für die Teilnahme an der Begleiterhebung zuständig, wenn Patienten den Arzt wechseln?

In der Mailingliste der ACM für Ärzte tauchte die Frage auf, wer im Rahmen der Begleiterhebung die entsprechenden Fragen beantworten muss, wenn ein Patient den Arzt wechselt.

Dazu teilte die Bundesopiumstelle auf Anfrage am 6. August 2019 mit:

„Vertragsärztinnen und Vertragsärzte, die nach § 31 Sozialgesetzbuch Fünftes Buch Cannabisarzneimittel zulasten der Gesetzlichen Krankenversicherung verschreiben, müssen nach einem Jahr der Therapie oder wenn die Therapie abgebrochen wird und dies vor Ablauf eines Jahres geschieht, Daten zur Begleiterhebung dem BfArM übermitteln. Die Therapie gilt ebenfalls als abgebrochen, wenn die Therapie nicht in Ihrer Praxis weitergeführt wird.

Der neu verschreibende Arzt muss erneut die Therapie melden. Weiterführende Informationen zu der Begleiterhebung finden Sie auf der Homepage des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte www.bfarm.de unter Bundesopiumstelle -> Cannabis als Medizin -> Begleiterhebung.“

Das Landessozialgericht Hamburg stärkt die Einschätzung der behandelnden Ärzte gegenüber Gutachtern der Krankenkassen

Das Landessozialgericht Hamburg hat am 2.4.2019 in einem Urteil (L 1 KR 16/19 B ER ) die Rechte von Ärzten gegenüber den Krankenversicherungen gestärkt. Das Gericht hat darauf hingewiesen, dass nach dem Gesetz die Krankenkassen einen Antrag auf eine Kostenübernahme nur in Ausnahmefällen ablehnen dürfen und damit den gleichlautenden Beschluss des Sozialgerichts Hamburg vom 20. Dezember 2018 bestätigt. Das Landessozialgericht unterstreicht mit seinem Urteil die Therapiehoheit des behandelnden Arztes gegen die Auffassung der Gutachter des MDK. Die zuständige Krankenkasse muss die Kosten für die Behandlung des Patienten mit Cannabisblüten im Rahmen einer einstweiligen Anordnung übernehmen.

Das Gericht ist nicht der Auffassung des Gutachters der Krankenkasse gefolgt, nach der es unwahrscheinlich sei, dass Cannabisblüten bei dem Patienten wirksam sein können, wenn der Cannabisextrakt Sativex® nicht wirksam ist.

Die Richter schreiben dazu in der Begründung des Urteils, dass diese Argumentation „auf einem fehlerhaften Verständnis“ des Gesetzes beruhen dürfte. Der Patient, der an Multiple Sklerose leidet, habe die gesetzlichen Voraussetzungen „auch zur Überzeugung des Senats insoweit hinreichend glaubhaft gemacht worden, als eine Folgenabwägung zu seinen Gunsten ausfällt“. Und weiter: „Maßgebend hierfür sind zunächst die bereits vom Sozialgericht aufgeführten medizinischen Ausführungen der behandelnden (Vertrags-) Ärzte des Antragstellers, insbesondere derjenigen von Frau Dr. K. vom 8. Februar, 8. Juni und 28. September 2018.“

Zur Wertigkeit der Stellungnahmen der behandelnden Ärzte gegenüber dem von der Krankenkasse beauftragten Gutachter schreibt das Gericht. Soweit die Krankenkasse „in ihrem Beschwerdeschriftsatz 28. Januar 2019 auf ein Gutachten von Prof. Dr. T., Direktor der neurologischen Universitätsklinik B. in B1, Bezug nimmt und darauf hinweist, dass dieser einen positiven Effekt von Medizinal-Cannabisblüten auf die schmerzhafte Spastik bei fehlendem Ansprechen auf Sativex als unwahrscheinlich erachte, überzeugt dies nicht.“

Begründung des Urteils

In der Begründung schreiben die Richter des Landessozialgerichts: „Die mit der Beschwerde von der Antragsgegnerin [die Krankenkasse] geltend gemachten Argumente gegen den zugrundeliegenden Beschluss des Sozialgerichts überzeugen nicht. Das Sozialgericht hat dem Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung - soweit es zugesprochen hat - sowohl im Ergebnis als auch in der Begründung zutreffend entsprochen. (…)

a) Die Antragsgegnerin [die Krankenkasse] gründet ihre Beschwerde unter Bezugnahme auf ihren Widerspruchsbescheid, ihre Argumente vor dem Sozialgericht und die Ausführungen des MDK [Medizinischer Dienst der Krankenkassen] im Wesentlichen darauf, dass es für den Antragsteller mit dem Medikament Sativex eine vertragliche Alternative zu den vom Antragsteller präferierten Cannabisblüten gäbe und er bis zum Abschluss des Hauptsacheverfahrens auch hierauf verwiesen werden könne.

Diese Argumentation dürfte auf einem fehlerhaften Verständnis der zugrundeliegenden Norm des § 31 Abs. 6 Fünftes Buch Sozialgesetzbuch – SGB V – beruhen. Nach dieser Bestimmung haben Versicherte mit einer schwerwiegenden Erkrankung Anspruch auf Versorgung mit Cannabis in Form von getrockneten Blüten oder Extrakten in standardisierter Qualität und auf Versorgung mit Arzneimitteln mit den Wirkstoffen Dronabinol oder Nabilon, wenn 1. eine allgemein anerkannte, dem medizinischen Standard entsprechende Leistung a) nicht zur Verfügung steht oder b) im Einzelfall nach der begründeten Einschätzung der behandelnden Vertragsärztin oder des behandelnden Vertragsarztes unter Abwägung der zu erwartenden Nebenwirkungen und unter Berücksichtigung des Krankheitszustandes der oder des Versicherten nicht zur Anwendung kommen kann, 2. eine nicht ganz entfernt liegende Aussicht auf eine spürbare positive Einwirkung auf den Krankheitsverlauf oder auf schwerwiegende Symptome besteht. Die Leistung bedarf bei der ersten Verordnung für eine Versicherte oder einen Versicherten der nur in begründeten Ausnahmefällen abzulehnenden Genehmigung der Krankenkasse, die vor Beginn der Leistung zu erteilen ist.

Die vorgenannten gesetzlichen Voraussetzungen des § 31 Abs. 6 SGB V sind von dem Antragsteller auch zur Überzeugung des Senats insoweit hinreichend glaubhaft gemacht worden, als eine Folgenabwägung zu seinen Gunsten ausfällt. Vom Sozialgericht wurde insoweit zunächst zutreffend festgestellt, dass der Antragsteller bereits seit Jahren an einer schwerwiegenden Erkrankung in Form der Multiplen Sklerose leidet. Bei der Definition der schwerwiegenden Erkrankung schließt sich der Senat dem LSG Nordrhein-Westfalen an, (...) Es müsse sich daher um eine Erkrankung handeln, die sich durch ihre Schwere oder Seltenheit vom Durchschnitt der Erkrankungen abhebt und die Lebensqualität auf Dauer nachhaltig beeinträchtigt (…).

Der Antragsgegnerin ist zuzugeben, dass Sativex ein in diesem Kontext probates verschreibungsfähiges Medikament ist, um die in Verbindung mit Multipler Sklerose stehenden Symptome der Muskelsteife (Spastik) zu lindern. Insoweit dürfte Sativex auch unter die Regelung von § 31 Abs. 6 S. 1 Nr. 1 SGB V fallen, als es ein allgemein anerkanntes, dem medizinischen Standard entsprechendes Medizinprodukt für diese Fälle darstellt (…).

Nicht folgen kann der Senat der Antragsgegnerin jedoch in ihrer Einschätzung, dass ein Fertigarzneimittel der Verordnung von Cannabis in alternativen Darreichungsformen vorzugehen hat. Denn § 31 Abs. 6 S. 1 Nr. 1 SGB V stellt den Anspruch auf Versorgung mit Cannabis unter zwei alternative Voraussetzungen. Gemäß lit. a) von S. 1 besteht der Anspruch, wenn eine allgemein anerkannte dem medizinischen Standard entsprechende Leistung fehlt "oder" diese nach lit. b) im Einzelfall nach der begründeten Einschätzung der behandelnden Vertragsärztin unter Abwägung der zu erwartenden Nebenwirkungen und unter Berücksichtigung des Krankheitszustandes des Versicherten nicht zur Anwendung kommen kann. Vorliegend teilt der Senat die Auffassung des Sozialgerichts, wonach es sich hier um einen Fall von lit. b) handeln dürfte und auch die in S.1 Nr. 2 der Norm postulierte weitere Voraussetzung einer nicht ganz entfernt liegenden Aussicht auf eine spürbare positive Einwirkung auf den Krankheitsverlauf oder auf schwerwiegende Symptome besteht.

Maßgebend hierfür sind zunächst die bereits vom Sozialgericht aufgeführten medizinischen Ausführungen der behandelnden (Vertrags-) Ärzte des Antragstellers, insbesondere derjenigen von Frau Dr. K. vom 8. Februar, 8. Juni und 28. September 2018, letztere auf Anforderung des Sozialgerichts. Dass es hierauf, anders als bei anderen leistungsbegründenden Normen des SGB V, bei denen die Einschätzung des Vertragsarztes nicht tatbestandsmäßig benannt ist, in besonderer Weise ankommt, wird schon aus der Formulierung der Vorschrift deutlich. Insoweit ist zu berücksichtigen, dass die Einführung von § 31 Abs. 6 SGB V auch den Zweck gehabt hat, die Therapiehoheit der behandelnden Ärzte zu stärken. Mit der Einfügung des lit. b) im Gesetzgebungsverfahren sollte nämlich ausdrücklich klargestellt werden, dass auch dann vom Fehlen der Behandlungsalternativen auszugehen ist, wenn im konkreten Fall zwar abstrakt noch andere, dem medizinischen Standard entsprechende Leistungen in Erwägung gezogen werden können, der behandelnde Vertragsarzt im konkreten Fall aber zu der begründeten Einschätzung kommt, dass diese anderen Maßnahmen unter Abwägung der zu erwartenden Nebenwirkungen und unter Berücksichtigung des Krankheitszustandes des Versicherten nicht zur Anwendung kommen können (BT-Drs 18/10902 S. 19). Erforderlich ist insoweit eine Beurteilung des behandelnden Arztes unter Auseinandersetzung mit den individuellen Verhältnissen des Versicherten unter Abwägung der bisherigen Therapieversuche, konkret zu erwartender Nebenwirkungen der Standardtherapie und Nebenwirkungen der Cannabinoidtherapie. Soweit die Antragsgegnerin in ihrem Beschwerdeschriftsatz 28. Januar 2019 auf ein Gutachten von Prof. Dr. T., Direktor der neurologischen Universitätsklinik B. in B1, Bezug nimmt und darauf hinweist, dass dieser einen positiven Effekt von Medizinal-Cannabisblüten auf die schmerzhafte Spastik bei fehlendem Ansprechen auf Sativex als unwahrscheinlich erachte, überzeugt dies nicht. Eine medizinische Würdigung der Begründung für die streitbefangene Verordnung durch die Antragsgegnerin kommt nicht in Betracht. (…)“

Der Ausschuss für Gesundheit formuliert (BT-Drucks. 18/10902 S. 20): "Die Versorgung von Versicherten mit schwerwiegenden Erkrankungen soll durch den Anspruch auf Versorgung mit Cannabis nach Satz 1 verbessert werden. Die Genehmigungsanträge bei der Erstverordnung der Leistung sind daher nur in begründeten Ausnahmefällen von der Krankenkasse abzulehnen. Damit wird auch der Bedeutung der Therapiehoheit des Vertragsarztes oder der Vertragsärztin Rechnung getragen.“

Presseschau: „Patienten Wegschicken ist ein No-Go“ (apotheke adhoc)

Ein Beitrag in Apotheke adhoc befasst sich ausführlich als was sie klappt es zu viele für das sie nicht 3 Seiten oder als Anteilseigner mit dem Umgang von Apothekern mit Patienten, die Cannabis aus medizinischen Gründen verwenden.

„Patienten Wegschicken ist ein No-Go“

Berlin - Die Beratung zu medizinischem Cannabis gehört in die Apotheke, davon geht Michael Becker aus. Der Inhaber der Lender-Apotheke in Sasbach versorgt selbst Cannabis-Patienten und kennt die Sorgen der Kollegen. Dass manche Apotheken mitunter Kunden wegschickten, sei ein No-Go, kritisiert er. Aus seiner Sicht liegt der „Cannabis Frust“ einiger Kollegen an fehlenden Information, der Retaxgefahr, der teuren Analytik sowie diskutierenden Patienten.

Seit März 2017 übernehmen die Kassen die Kosten für die Therapie mit Cannabis. Immer mehr Ärzte verschreiben Blüten und Extrakte etwa bei Patienten mit Spastiken bei Multipler Sklerose, Angst- und Schlafstörungen oder chronischen Schmerzen. „Da Cannabis eigentlich nie die First-Line-Therapie darstellt, kommt der Wunsch nach dieser nicht selten vom Patienten selbst“, sagt Becker.

Die Betroffenen seien in der Regel sehr gut informiert. Das könne zu Verunsicherung und Frust im Handverkauf führen. „Cannabis-Patienten bevormunden in wenigen Fällen sogar manchmal die Therapeuten“, so Becker. Ein Klassiker sei die Unterstellung, Apotheker würden sich aufgrund fehlender persönlicher Erfahrung nicht auskennen. „Das ist natürlich schlicht an den Haaren herbeigezogen.“

Bei Cannabis handele es sich in diesen Fällen um Medizin, dadurch gehöre die Information darüber und die Beratung der Kunden in die Apotheke. „Als Arzneimittelfachmann kann man mit dem erworbenen Fachwissen überzeugend beraten und mit ein wenig rhetorischen Feingefühl auch schwierige Kunden für sich gewinnen.“

Becker wünscht sich mehr Schulungen für Apotheken. Wer sich weiterbilden will, erhalte aktuelle Informationen zum Thema zwar auf Schmerzkongressen und bei Fortbildungsveranstaltungen der Kammern und Verbände. „In Anbetracht der Brisanz und Aktualität dieses Themas sollte allerdings hinterfragt werden, ob eine Steigerung der Frequenz solcher Veranstaltungen nicht ratsam wäre“, sagt er.

Insbesondere vor dem Hintergrund der Vermeidung von Retaxationen, sollte die Information ausgeweitet werden. „Welche Sonder-PZN ist wann zu verwenden? Was ist hinsichtlich Taxation und Bedruckung zu beachten? Ermöglicht das Gesetz dem Arzt die Verordnung schon, wenn 'eine nicht ganz entfernt liegende Aussicht auf eine spürbare positive Einwirkung auf den Krankheitsverlauf oder auf schwerwiegende Symptome besteht'“, seien wichtige, verbindlich zu klärende Fragen. „Man fragt sich doch, warum den Apothekern hier wieder durch formelle Fallen, Stöcke zwischen die Beine geworfen werden.“

In der Apothekerschaft gibt es laut Becker mehrere Lager: „Cannabis spaltet nach wie vor die Apotheker.“ Einige wenige hätten sich richtiggehend professionalisiert. Bei einem nicht unbedeutenden Teil herrsche dagegen große Unsicherheit. „Einzelne versuchen sogar einen Bogen um das Thema zu machen, verweisen hierbei lieber an den gut informierten Kollegen im Nachbarort“, sagt er. Das sei normalerweise ein absolutes No-Go.

Die Gründe hierfür seien zahlreich, aber nicht immer verständlich, sagt er. „Es beginnt mit dem Kampf um Beschaffung der Blüten, die nach wie vor immer wieder defekt sind.“ Die mangelhafte Lieferfähigkeit sollte jedoch keinen Hinderungsgrund darstellen, denn Defekte fänden sich leider im kompletten Arzneimittelsortiment. „Die teilweise sehr mühsame Beschaffung von Arzneimitteln, somit auch von Importen gehört doch mittlerweile zum Tagesgeschäft jeder Apotheke.“

Für besonders viel Unmut bei den Apothekern sorge die aufwendige und teure Analytik bei den Extrakten und Harzen. „Für die geforderte Dünnschichtchromatographie sollte man schon eine Stunde Zeit einplanen, die Referenzsubstanzen sind teuer und müssen bei -20 °C gelagert werden, damit die Stabilität gewährleistet bleibt.“ Wenn der gewünschte Erfolg ausbleibe, werde der Therapieversuch nicht selten zum Zuschussgeschäft für die Apotheke.

Doch auch wenn die Therapie „wenig komfortabel und ungenau“ erscheine, sollten sich ihr Apotheker widmen. Denn die Pharmakologie sei höchst interessant und liefere für die Zukunft viele therapeutische Ansatzpunkte. „Seit Inkrafttreten des Cannabis-Gesetzes erleben wir einen nahezu exponentiellen Anstieg klinischer Studien.“ Auch wenn deren Qualität im Einzelnen geprüft werden müsse, sei dies prinzipiell eine erfreuliche Entwicklung, die Entscheidungs- und Handlungshilfen liefern könne.

Die Studien sollen laut Becker die Vielfalt im Cannabisblütenmarkt betrachten. „Der Nutzen der verwirrenden Vielzahl an Varietäten und deren medizinischen Vorteile wird von vielen Apothekern schon länger hinterfragt.“ Auch bei schwacher Datenlage dürfe man nicht vergessen, dass die Aufgabe des Apothekers ist, Menschen zu helfen. „Stellt die Cannabistherapie auch oftmals keine Lösung für die Masse dar, kann diese doch im Einzelfall durchaus berechtigt und erfolgreich sein.“

Einige Pressemeldungen und Informationen der vergangenen Tage

Auswirkungen der Cannabislegalisierung (Die Tageszeitung)

Forscher bestätigen: Cannabis ist ein viel effektiveres Schmerzmittel als Aspirin (inFranken.de)

Massives Untergewicht: Kasse muss für Dronabinol zahlen (Deutsche Apotheker Zeitung)

Drogen bringen Vredener ins Gefängnis – weil er sich immer noch kein Rezept besorgt hat(Münsterland Zeitung)

Rendite mit Rauschgift (Welt)

 

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